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Veröffentlicht am 13.12.2023

...und sie tanzen

Die Ballkönigin - Walzernächte in Wien
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„Walzernächte in Wien“ verspricht Mara Andeck mir mit ihrer „Ballkönigin“. Ich hatte zwar keine durchtanzten Nächte, durchlesene jedoch schon, denn ich war total fixiert auf Cleas Geschichte.

Die junge ...

„Walzernächte in Wien“ verspricht Mara Andeck mir mit ihrer „Ballkönigin“. Ich hatte zwar keine durchtanzten Nächte, durchlesene jedoch schon, denn ich war total fixiert auf Cleas Geschichte.

Die junge Komtess Clea de Conteville hatte schon immer ihren eigenen Kopf, sie ist im Gegensatz zu ihrer Zwillingsschwester Sophie eine kleine Rebellin. Ihre Maman hat genug zu tun, ihre Töchter gut zu verheiraten, denn das ist es, was eine junge Frau anstreben sollte. Es gilt, sich einen Epouseur zu angeln. Einen Erstgeborenen. Dieser erbt Besitz, Geld und Titel und ermöglicht seiner Angetrauten ein in monetärer Hinsicht angenehmes Leben, Zuneigung und Liebe werden sich schon noch einstellen. Dabei gilt es, gewisse Regeln einzuhalten. Jedoch denkt Clea nicht im Traum daran, den für sie einengenden Hafen der Ehe anzusteuern - bis zu dem Zeitpunkt, als sie unwissentlich mit Nikolaj, dem begehrtesten Junggesellen überhaupt, tanzt. Maman ist entzückt. Die Ballsaison fängt gerade erst an und es bleibt nicht aus, dass sie öfter aufeinandertreffen.

Ich schlage das Buch auf und begegne gleich mal den Figuren der Handlung. Die Familien de Conterville und von Glinsky werden neben der Wiener Gesellschaft vorgestellt, ich bin in Wien im Winter 1877/78 gut angekommen und schwebe bald zu den Walzerklängen.

Die gesellschaftlichen Zwänge dieser Zeit sind deutlich spürbar, vor allem die Frauen werden in ein enges Korsett gesteckt. Es gilt, sich einen standesgemäßen Ehemann zu angeln, Gefühle sind eher Nebensache. Clea jedoch will selbständig sein, ihr Vorbild ist die unkonventionelle Fürstin Pauline von Metternich. Diese ist zwar verheiratet, führt ihr Haus aber so, wie sie es will.

Rund um den ersten Wiener Opernball rankt sich eine zauberhafte Liebesgeschichte um Clea und Nikolaj. Die beiden fühlen sich zwar zueinander hingezogen, jedoch scheint ihre Liebe dank etlicher Missverständnisse gar nicht erst aufzublühen. Viel Unausgesprochenes schwebt über allem und natürlich gibt es viele neidische Blicke und so manches Gerücht um den gut aussehenden Fürsten Nikolaj Glinsky. Doch mit viel Raffinesse werden im Hintergrund die Fäden gezogen, es tauchen mysteriöse Briefe auf, ein amüsanter Reigen voller Irrungen und Wirrungen spannt sich um die beiden jungen Leute.

Mara Andeck ist ein erfrischend-lebendiges Zeit- und Sittengemälde mit historischen und fiktiven Personen gelungen. Die authentischen Charaktere sind in ihren Eigenheiten bestens gezeichnet, es waren vergnügliche und sehr unterhaltsame Lesestunden.

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Veröffentlicht am 12.12.2023

Interessantes Zeitzeugnis

Die Unbestechliche
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Basierend auf den journalistischen Erinnerungen von Maria von Welser führt uns Waltraud Horbas zurück in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. „Die Unbestechliche“ ist in drei Teile gegliedert, jedem ...

Basierend auf den journalistischen Erinnerungen von Maria von Welser führt uns Waltraud Horbas zurück in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. „Die Unbestechliche“ ist in drei Teile gegliedert, jedem Teil sind die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in Kurzfassung vorangestellt. Viel ist passiert in diesen Jahren, von den Studentenunruhen, der Ölkrise und auch dem Terror, der den Olympischen Spielen in München ihre Leichtigkeit nahm, wird berichtet, um nur einiges herauszupicken. Diese bewegten Jahre bilden den Hintergrund der Geschichte um eine junge, zielstrebige Frau, deren Gespür für Menschen eine wichtige Grundlage ist, um journalistisch erfolgreich zu sein.

Meine anfänglichen Befürchtungen, dass es sich hier um eine trockene, nüchterne Aneinanderreihung der damaligen Ereignisse handelt, erwiesen sich als unbegründet.

Die 21jährige Alice schnuppert als Volontärin bei einem Lokalblatt Zeitungsluft. Als Mutter einer kleinen Tochter ist es für sie nicht einfach, Beruf, der ihr bald Berufung ist, und Kind unter einen Hut zu bringen. Ein Ehemann ist schon vorhanden, der aber treibt sich als Fotograf lieber in der großen weiten Welt herum. Noch in den 70ern beherrschen die Männer die Arbeitswelt, einer Frau wird nicht allzu viel zugetraut. Aber Alice ist zielstrebig, ihr Weg ist mitunter sehr steinig und doch lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie entlockt ihren Gesprächspartnern Interessantes, nachdem sie sich die nichtssagenden Plattitüden geduldig angehört hat, um danach zum Wesentlichen zu kommen. Wenn etwa die Ehefrau eines aufstrebenden Politikers zunächst ihre einstudierten Floskeln wiedergibt und im Laufe des von Alice geschickt gelenkten Interviews meint „…eine Unsichtbare. So nenne ich diese Frauen, die langsam von ihrer Ehe absorbiert werden, bis sie mit den Schatten verschmelzen…“ so ist das eine Aussage, die betroffen macht und nur allzu treffend das damalige Frauenbild einfängt.

„Die Unbestechliche“ ist ein spannender Einblick in die journalistische Arbeit aus der Sicht einer jungen Frau, die in der Männerwelt bestehen will und sich durch nichts und niemanden unterkriegen lässt. Und dabei ihr Leben mit Kind meistert. Maria von Welser hatte ich beim Lesen schon vor Augen, sie ist seit „Mona Lisa“ der Inbegriff einer informierten, kritisch hinterfragenden, selbstbewussten und selbständigen Frau. In Zusammenarbeit mit Waltraud Horbas ist ihr ein lesenswertes Buch gelungen, das man nicht so schnell vergisst.

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Veröffentlicht am 11.12.2023

Gut konstruierte Story

Kaltblütige Lügen
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Den Start in die neue San-Diego-Reihe von Karen Rose wollte ich nicht verpassen, also habe ich mir das ungekürzte Hörbuch mit der wunderbaren Sprecherin Charlotte Puder gegönnt. Und nun bin ich ob dieser ...

Den Start in die neue San-Diego-Reihe von Karen Rose wollte ich nicht verpassen, also habe ich mir das ungekürzte Hörbuch mit der wunderbaren Sprecherin Charlotte Puder gegönnt. Und nun bin ich ob dieser „Kaltblütigen Lügen“ wiederum aufs Neue von der Autorin angetan.

Kit McKittrick war Waise, mit ihrer Pflegefamilie hat sie es gut getroffen. Als ein 15jähriges Mädchen aus dieser Familie ermordet wurde, hat Kit sich geschworen, nicht eher zu ruhen, bis ihr Mörder gefunden wird. Sie wird Polizistin und ist gut in dem, was sie tut. Als sie einem Hinweis nachgeht, der auf eine vergrabene Leiche im Longview-Park hindeutet, sieht sie einen Zusammenhang zu dem lange zurückliegenden, ungeklärten Todesfall. Beunruhigend sind auch Gespräche zwischen dem Psychologen Sam Reeves und seinem Klienten Colton Driscoll, der als zwanghafter Lügner gilt.

Es ist ein vielschichtiger Nervenkitzel der Extraklasse, dem ich gebannt lausche. Wie sich herausstellt, haben Kit und ihre Kollegen vom San Diego Police Department es mit einem Serientäter zu tun, denn so einige Details und Gegenstände, die immer wieder auftauchen, passen perfekt in dieses Täterprofil. Etliche Personen geraten ins Visier der Ermittler und doch ist es nicht einfach, einen der Tat verdächtigen dingfest zu machen. Wie sich herausstellt, hatte und hat es dieser Unbekannte auf junge, zierliche Frauen abgesehen. Er wähnt sich sicher, denn seine Tarnung ist zu gut, um aufzufliegen.

Karen Rose versteht es, die Spannung hoch zu halten. Und nicht nur das, die gut konstruierte Story wird zunehmend komplexer. Dabei geht aber der Überblick nie verloren, sie verknüpft die Geschehnisse geschickt miteinander und bringt sie zu einem gut durchdachten Ende. Und dieses Ende, die Auflösung der Morde hätte ich nie und nimmer erwartet.

„Kaltblütige Lügen“ hat mich aufs Beste unterhalten. Das Lob gebührt der Autorin, die wiederum gezeigt hat, dass sie ihr Metier beherrscht. Aber nicht nur sie, auch Charlotte Puder, die Hörbuchsprecherin, gibt diesem Thriller eine besondere Note. Die hier agierenden Personen waren charakterlich gut zu unterscheiden, das Hören über 16 Stunden und 5 Minuten war ein erlesener Leckerbissen.

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Veröffentlicht am 10.12.2023

Kriminalistischer Lesespaß

Frau Appeldorn und der tote Bademeister
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Frau Appeldorn hat mich mit ihrer unkonventionellen Suche nach dem Mörder des toten Bademeisters auf humorvolle Art gut unterhalten. Mareike, so heißt Frau Appeldorn mit Vornamen, hat gar eine spitzbübische ...

Frau Appeldorn hat mich mit ihrer unkonventionellen Suche nach dem Mörder des toten Bademeisters auf humorvolle Art gut unterhalten. Mareike, so heißt Frau Appeldorn mit Vornamen, hat gar eine spitzbübische Ader, wenngleich sie – einmal Blut geleckt - nicht locker lässt. Hat sie sich erst einmal festgebissen und ist davon überzeugt, dass hier ein Verbrechen vorliegt, lässt sie sich von nichts und niemandem mehr abhalten, ihre Recherchen durchzuziehen. Herrn Büyüktürk, ihr Nachbar, steht ihr unterstützend zur Seite, auch wenn seine Zeit beschränkt arg ist. Als Literaturexperte ist er gerade dabei, für den örtlichen Kulturverein eine Lesung mit einem berühmten Schriftsteller vorzubereiten.

Mareike ist sehr umtriebig, gleich mal war ich von ihrem doch sehr anstrengenden Wesen nicht gerade begeistert. Sie kann ganz schön nerven, aber ihr scharfsinniger Blick entschädigt so manches Mal für ihre vorwitzige Art. Selbst der für die Aufklärung um den Tod des Bademeisters zuständige Kommissar hält sich dezent im Hintergrund. Ich hab mich aber schnell an sie gewöhnt, sie hat mir immer besser gefallen. Sie geht gezielt und scharfsinnig vor, dabei sind so einige Personen ziemlich verdächtig. Bis zuletzt hatte zwar so einige Verdächtige, davon auch einen heißen Favoriten und – es war letztendlich dann doch eine ganz andere Täterperson. Ja, so mag ich es. Nichts war vorhersehbar, das Miträtseln hat Spaß gemacht, der lockere Umgang der Protagonisten untereinander war erfrischend. Der mittlerweile zweite Fall um die umtriebige Frau Appeldorn ist in sich abgeschlossen, man muss ihren (mit Sicherheit genau so zielsicher gelösten) ersten Fall nicht unbedingt kennen.

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Veröffentlicht am 06.12.2023

Auf den Spuren des jüdischen Bakteriologen Daniel Aisbergh

Die Aisbergh-Akte
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„Die Aisbergh Akte“ erzählt von dem Bakteriologen Daniel Aisbergh und seiner Rolle während des Nationalsozialismus. Davon, wie er als Jude in die Gräueltaten der Nazis eingebunden war und auch davon, wie ...

„Die Aisbergh Akte“ erzählt von dem Bakteriologen Daniel Aisbergh und seiner Rolle während des Nationalsozialismus. Davon, wie er als Jude in die Gräueltaten der Nazis eingebunden war und auch davon, wie es seiner Familie und seinen Freunden erging. Alles beginnt während der Goldenen Zwanziger Jahre, in denen es auch durchaus frivol und frei zuging. Das laszive Berlin und die damalige Künstlerszene werden anschaulich dargeboten. Die Familie um Daniel Aisbergh ist fiktiv, der geschichtliche Hintergrund dagegen ist gut recherchiert. Und doch bleibt vieles im Verborgenen, die beiden Autoren haben sich dieser Zeit angenommen. Dieses Historische haben sie mit dem Heute verwoben, haben Daniels Nachkommen auf seine Spuren geschickt, die sie auch in die unterirdischen Lost-Places von Wien und Berlin geführt haben.

Neugierig war ich auf diese fiktive Familiensaga, die sich der NS-Verbrechen annimmt. Es ist ein vielschichtiges Werk geworden, in das ich mich schon erst einlesen musste, das sich aber allemal gelohnt hat. Die wechselnden Zeitebenen haben mich schon gefordert, das Lesen geht nicht so nebenher. Auch wenn ich so einiges von dieser Schreckensherrschaft weiß, die Judenverfolgung, der Rassenhass bis hin zur Vernichtung mir nicht neu ist, so ist es immer wieder erschreckend, von den Einzelschicksalen zu erfahren. Wer sich für diese Zeit interessiert, ist mit der „Aisbergh Akte“ gut bedient.

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