Auf dem Weg zum Erwachsenwerden – intensiv erzählt
AmokalarmH.C. Nachtnebel ist Kobe Bryant-Fan durch und durch. Er hat sogar ein Originaltrikot, getränkt mit Kobes Spielerschweiß, das ihn über so manch Tief hinweghilft. Auch ist H.C. selber ein Basketball-Ass, ...
H.C. Nachtnebel ist Kobe Bryant-Fan durch und durch. Er hat sogar ein Originaltrikot, getränkt mit Kobes Spielerschweiß, das ihn über so manch Tief hinweghilft. Auch ist H.C. selber ein Basketball-Ass, außerdem ist Mathe für ihn easy, ganz anders als seine Bros Mateo und Julian, die auf dem Gebiet nix checken.
So weit, so okay. Bis Keira mitten im Schuljahr in ihre Klasse kommt. Sie hat gleich mal ihren ganz besonderen Auftritt in der 10., als in ihren Augen ein Lehrer einem Mitschüler gegenüber ungerecht handelt. Sie ist überhaupt so anders als die anderen. Und sie sieht H.C., zieht sich wieder zurück, macht ihm Hoffnung. Nun ja, irgendwann schleicht sich zu dem spielerischen Miteinander mehr ein, doch weit gefehlt – es kommt ganz anders, als man denkt.
Die fiktive Story bietet jedoch sehr viel an Realität. Zunächst lese ich einen Jugendroman mit einer Sprache, die ich zwar (ansatzweise?) verstehe aber eben nicht spreche. Digga und aggro und safe und weird und sowas halt. Das geht ne ganze Weile so mit verknallt sein und sowas eben, Basketball geht voll ab, die Jungs machen ihr Ding. So ein Selbstfindungsding, ein Erwachsen-werden-Ding. Alle sind sie happy, als sie einen Lehrer bekommen, der locker drauf ist, der sie versteht.
Und dann kommt es zum Eklat, ab da geht’s rund. Was der Auslöser dafür ist, werde ich jetzt nicht breittreten, der AMOKALARM aber kündigt sich langsam an, die Story wird immer intensiver, jetzt bin ich voll dabei, es kommt so einiges zusammen, bis es richtig knallt.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, zunächst sind die Kapitel mit Vorher, Davor, Raum 24 und Jetzt übertitelt, später dann sind es einzelne Personen, aus deren Sicht der Vorfall geschildert wird, der H.C. komplett aus der Bahn zu werfen droht.
H.C. ist sechzehn, ein ganz normaler Jugendlicher, der dabei ist, seinen Weg zu finden. Uli Black zeigt hier all die Gefühle eines Heranwachsenden auf bis hin zur Orientierungslosigkeit und der Verzweiflung, auch um die Verlogenheit der Menschheit. Und ja, es geht um Missbrauch, um Gewalt und Traumatisierung und dem Umgang damit. Um Halt, um Individualität und Selbstfindung geht es auch.
Ein starker Roman, ein wichtiges Thema, das der Autor hier anspricht. Er beginnt etwas zäh, was mich nicht unbedingt ins Buch gezogen hat, das Dranbleiben aber hat sich dann sehr gelohnt.