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Veröffentlicht am 30.04.2026

Spannend

The Final Wife
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„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl ...

„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl Rettung als auch die Polizei sind alsbald da, für Luke jedoch kommt jede Hilfe zu spät. Als Detective Rebecca Dance und Derek Matthews, ihr unmittelbar Vorgesetzter, in der Villa eintreffen, finden sie eine aufgelöste Ehefrau, die sich selbst beschuldigt, ihren Ehemann erstochen zu haben. Was aber Rebecca seltsam vorkommt, so einige Indizien sprechen gegen sie als Täterin. Und doch bleibt sie dabei, sie wird in U-Haft genommen.

Eine Geschichte über die Umstände eines Todes, über Verrat und befremdlichen Spielchen, die Menschen miteinander und gegeneinander treiben, breitet sich vor mir aus. Da ist Anna, die zweite Ehefrau des Opfers. Ich erfahre von ihrem Kennenlernen, weiß um Rose, Lukes erster Frau und um noch so einige, die hier kräftig mitmischen. Jenny Blackhurst nimmt ihre Leser mit in die Welt der Reichen und Schönen, sie lässt dabei in tiefe Abgründe blicken. Es ist ein gar raffiniert inszeniertes Drama, das immer mehr Raum einnimmt.

Detective Rebecca Dance ist von Anfang an nicht von Annas Schuld überzeugt, ihre Vorgehensweise und Annas Bericht um das Geschehene wird wechselseitig erzählt, zwischendurch kommen auch andere zu Wort wie etwa Rose, um nur eine weitere Stimme zu nennen.

Wie von der Autorin nicht anders erwartet, bin ich sofort dabei, ich fiebere der Aufklärung entgegen, kann mir aber nicht erklären, wie es denn wirklich zu der Tat hat kommen können. Die Frage, ob Anna denn wirklich die Mörderin ihres Ehemannes ist, ist allgegenwärtig. Denn genau dies wird von Rebecca angezweifelt. Geht es um Liebe? Oder eher um Betrug und Rache? Ein Szenario, meisterlich inszeniert, das nicht zu durchschauen ist. Was mir allerdings nicht gefallen hat, war die Auflösung des Ganzen. Dieser Schluss passt nicht recht zu diesem perfiden Spiel – er war mir zu konstruiert. Davon abgesehen war THE FINAL WIFE beste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

La Portalettere

Die Briefträgerin
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Anna und Carlo lernen sich im Norden Italiens kennen und lieben, sie gründen eine Familie und bald darauf vermacht Carlos Onkel Luigi ihnen alles. Land, Häuser und ein hübsches Sümmchen. Darum gehen sie ...

Anna und Carlo lernen sich im Norden Italiens kennen und lieben, sie gründen eine Familie und bald darauf vermacht Carlos Onkel Luigi ihnen alles. Land, Häuser und ein hübsches Sümmchen. Darum gehen sie weg aus Ligurien, aus Annas Heimat, um in Lizzanello, das in der süditalienischen Region Apulien liegt, neu anzufangen. Carlo ist hocherfreut, endlich wieder in seiner alten Heimat zu sein, auch heißt sein Bruder Antonio ihn und seine Anna herzlich willkommen. Für die Bewohner des Dorfes jedoch ist Anna die Fremde.

Francesca Giannone erzählt vom Leben ihrer Urgroßmutter Anna Allavena, deren Leben sie in Briefen, Fotos und Dokumenten nachspürt, die sie eher zufällig im Haus ihrer Eltern in einer Schublade entdeckt hat. Von Anna, einer Frau, die sich von der männerdominierten Gesellschaft nicht von ihren Zielen hat abbringen lassen.

Im Juni 1934 kommen Anna und Carlo mit ihrem kleinen Roberto in Lizzanello an und wie es so ist im Leben, wird Anna kritisch beäugt. Nicht nur von denen aus dem Dorf, auch Agata, ihre Schwägerin, tritt ihr gegenüber ziemlich reserviert auf. Was Anna nicht davon abhält, ihre eigenen Ideen durchzusetzen. Daheim war sie Lehrerin, hier ist eine Stelle als Briefträger vakant, also bewirbt sie sich. Signora Portalettere ist zunächst zu Fuß, später dann mit dem Fahrrad unterwegs.

Neben der Familie sind es doch so einige Personen, die gut eingeführt werden, sodass der Überblick nicht verloren geht, auch schwingt der beginnende Faschismus mit hinein, Annas Leben mit ihrer Familie und jenes im Dorf jedoch stehen im Vordergrund. Sie ist ihrer Zeit weit voraus, sie ist eine selbstbestimmte Frau, die sich auch für andere einsetzt, die der Engstirnigkeit der Dorfbewohner, die im Gestern verharren, die ihre Vorurteile pflegen, unerschrocken entgegentritt. Da ist etwa Giovanna, die als die Verrückte gilt, dabei hatte sie nie eine Chance, Schreiben und Lesen zu lernen. Annas Idee von einem Frauenhaus stößt im Dorf auf Unverständnis, eine lebenslange Lüge droht, viel Leid nach sich zu ziehen – das Buch ist so viel mehr als „nur“ die Geschichte um Signora Portalettere.

Es ist ein Zeugnis jener Zeit, ein Blick auf die Gesellschaft, auf die Dorfgemeinschaft und auf die Liebe - auch sie zieht sich durchs Buch, nicht nur jene zwischen Anna und Carlo. Vom Sommer 1934 bis in dem August des Jahres 1961 hat dieser Roman eine schier unendliche Fülle an Leben parat, das mit leisem Ton, aber dennoch übervoll von einer unerschrockenen Frau erzählt, die stets für andere da ist, sich vor sie stellt und nicht müde wird, für deren Belange zu kämpfen. Ja, Anna hat die Hosen an, auch im wörtlichen Sinne, was damals ziemlich skandalös war. Das Buch, die Geschichte um DIE BRIEFTRÄGERIN, hat mich tief bewegt. Ich habe das Buch genossen, es entwickelt seinen ganz besonderen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein Thriller der Extraklasse

Das Gesetz der Elite
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Das Ermittlerduo Colomba Caselli und Dante Torre habe ich bis vor kurzem nicht gekannt. Nun aber, da ich DAS GESETZ DER ELITE innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, bin ich ob der Andersartigkeit ...

Das Ermittlerduo Colomba Caselli und Dante Torre habe ich bis vor kurzem nicht gekannt. Nun aber, da ich DAS GESETZ DER ELITE innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, bin ich ob der Andersartigkeit dieser Charaktere von ihnen und ihrem Schöpfer, dem italienischen Krimiautor Sandrone Dazieri, sehr angetan. Dieses Buch ist der Auftakt einer neuen Reihe, untertitelt mit „Ihr Reichtum ist ihr Untergang“.

Das dem Geschehen vorangestellte Personenverzeichnis stellt mir die Charaktere in Kurzform vor, allen voran sind es die beiden Hauptfiguren Colomba Caselli, die ehemalige Vizepolizeidirektorin, und der als Amateurkriminalist beschriebene Dante Torre, denen ich durch diesen absolut spannenden Thriller folge.

Der erste von drei Teilen dieses Buches führt mich in die Jungla Urbana, in ein Hochhaus, in dem Diskretion, Exklusivität und absoluter Schutz der Bewohner gewährleistet ist. Der Ex-Fußballstar Jesús Martínez besitzt einen dieser Wohnkomplexe, ausgestattet mit einer Kryosauna, die Martínez zum Verhängnis wird. Er wird in seiner Kältekammer tot aufgefunden und da ein technischer Defekt unwahrscheinlich ist, wird Colomba in ihrer Funktion als Privatdetektivin beauftragt, die Umstände um seinen Tod zu ergründen. Dante stets an ihrer Seite. Es bleibt nicht bei diesem einen mysteriösen Todesfall, bald sind weitere zu beklagen, alle gehören sie zu dem Superreichen.

TÖTE DIE REICHEN ist der Slogan, der sich hinter den Morden herauskristallisiert und trotzdem sie sich alle mit reichlich Bodyguards umgeben, findet der Rächer ungehindert Zugang zu seinen Opfern. Es sind aggressive Mächte am Werk, die vor nichts zurückschrecken.

Caselli und Torre sind mir – trotzdem ich ihnen zuvor noch nicht begegnet bin – bald vertraut. Sie harmonieren auf ihre ganz eigene, für Außenstehende eher untypisch wirkende Art, sie kennen sich in- und auswendig. So dann und wann fließen Infos über sie beide und explizit über Dantes Leben mit ein, zwar spärlich, aber doch ausreichend, um ihn einordnen zu können. Den Mann aus dem Silo.

Der Thriller ist hart, ja brutal mit immer neuen Wendungen. Sowas wie Bekennerschreiben tauchen auf, von den Superreichen und deren Wunsch nach ewigem Leben ist die Rede, von Schuld, die sie auf sich geladen haben, von Verschwörung und deren Theorien schreibt einer, der sich gegen diese Elite stellt. „Ein Psychopath mit Größenwahn?“

Die Ermittlungen spitzen sich zu, der durchgehend hochspannende Thriller fesselt ungemein. Auch wenn die Welt der Superreichen mir verschlossen bleibt, so war ich doch sehr gerne deren stiller Beobachter, nicht zuletzt wegen der beiden unkonventionell arbeitenden, aber dennoch hochprofessionellen Hauptakteuren Colomba und Dante. DAS GESETZ DER ELITE - ein Thriller der Extraklasse. „Ihr Reichtum ist ihr Untergang“.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein Miteinander voller Wärme und Zusammenhalt

Pina fällt aus
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Für Leo ist es eine Tragödie, als Pina ausfällt, auch wenn er diesen Schicksalsschlag so nicht erfassen kann. Leo ist Autist, er ist zwanzig, er braucht feste Strukturen, braucht die Lavalampe, um morgens ...

Für Leo ist es eine Tragödie, als Pina ausfällt, auch wenn er diesen Schicksalsschlag so nicht erfassen kann. Leo ist Autist, er ist zwanzig, er braucht feste Strukturen, braucht die Lavalampe, um morgens aus dem Bett zu steigen und seine ganz bestimmte Schrittfolge, um über die Treppe herunter zum Bus zu kommen, der ihn in die Behindertenwerkstätte fährt. In der Zeit, in der Leo dort ist, erledigt Pina, seine Mutter, all das, was sie ohne ihn schaffen kann.

Als sie dann eines Tages mitten auf der Straße zusammenbricht, weiß zunächst keiner, wo sie ist. Leo hat sie bei ihrer 86jährigen Nachbarin Inge gelassen, dafür nimmt sie Einkäufe für Inge mit. Eigentlich müsste sie schon wieder zurück sein, aber Pina kommt nicht. Leo ist außer sich, er schlägt um sich, räumt Inges Schränke aus. Die Polizei fühlt sich als nicht zuständig, Inge ist vollkommen überfordert. Und da sind noch Zola, die junge Schulabbrecherin, die mit ihrem Leben nichts anzufangen weiß und Wojtek, der sich hinter seinen Computer vergräbt.

Es sind ganz und gar unterschiedliche Menschen, die nichts miteinander zu tun haben. Und doch kommen sie sich näher, fühlen sich mehr und mehr verantwortlich für Leo, den sie zuvor eher gemieden haben. Sie wissen mittlerweile, dass Pina im Koma liegt und auch, wenn es schwer fällt, sehen sie ein, dass Leo auf ihre Hilfe angewiesen ist.

Mehr und mehr wachsen sie zusammen, es ist ein Miteinander, ganz im Gegensatz zu vorher. Sie können sich aufeinander verlassen, jeder übernimmt Verantwortung für Leo, ihre Hausgemeinschaft beginnt ziemlich holprig, sie funktioniert mit der Zeit jedoch immer besser. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihren Leo fördert und ihn bei Bedarf verteidigt.

Es ist ein Buch, das berührt. Auch wenn es im wirklichen Leben nicht immer so solidarisch zugeht, man von vielen keinerlei Hilfe erwarten kann, so ist es doch herzerwärmend, dass es diese Hilfsbereitschaft doch gibt. Eine Geschichte voller Wärme und Zusammenhalt, sehr lesenswert, wundervoll erzählt.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Annie lässt nicht locker

Annie Knows Everything
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„Ich glaube, du bist der nervigste Mensch, den ich je getroffen habe“ sagt er. Um sie dann auf seine ureigene Weise zum Schweigen zu bringen.

Aber da sind wir schon mittendrin, ich beginne mal mit dem ...

„Ich glaube, du bist der nervigste Mensch, den ich je getroffen habe“ sagt er. Um sie dann auf seine ureigene Weise zum Schweigen zu bringen.

Aber da sind wir schon mittendrin, ich beginne mal mit dem Anfang, als Annies Schlüsselkarte nicht mehr funktioniert, sie also nicht mehr ins Büro kommt. Natürlich findet sie Mittel und Wege, zu ihrer Freundin Carrie in die Personalabteilung zu gelangen, um von dieser zu erfahren, dass sie nicht die einzige ist, die ihren Job in diesem New Yorker TechStartUp los ist. Annie ist hartnäckig und so erfährt sie von einer vakanten Stelle im Haus, für die sie allerdings nicht die geringste Qualifikation aufweisen kann. Was Annie jedoch nicht anficht. Sie steuert direkt auf diese Abteilung zu, bequatscht Connor, den hier zuständigen Chef, bis er ihr einen Eignungstest anbietet. Zwar hat sie keine Ahnung von Datenstrategie, was auch ihm nicht verborgen bleibt, und doch ergattert sie den Job. Annie knows everything, ja. Sie weiß alles, weiß alles besser, redet überall mit, sie lässt nicht locker.

Und ja – Annie nervt zuweilen gewaltig. Sie kann aber auch anders, vor allem wenn es um ihren Vorgesetzten geht, mit dem sie sich so manchen Schlagabtausch liefert. Connor ist aber auch ein heißer Typ. Bevor sie aber so richtig loslegt, muss sie noch schnell heimfliegen, in Kanada ist ihre Schwester dabei, ihre Hochzeit vorzubereiten. Wieder mal! Denn schon einmal wollte Shannon ihren Dan ehelichen, er aber hat es gründlich vermasselt. Was liegt für Annie also näher, als ihre Schwester vor diesem Kerl zu warnen. Überhaupt mischt Annie kräftig mit – bei allem und bei jedem. Dabei meint sie es nur gut.

Der Roman versprüht eine lockere, witzig-spritzige Atmosphäre mit einer impulsiven Hauptfigur, sie ist schlagfertig und auch nervig, was man bei ihr aber gut wegstecken kann. Auch deshalb, weil sie es gut meint mit den anderen, wenngleich gut gemeint nicht immer gut gemacht ist und gut ankommt. Sie hat aber dennoch ein Gespür dafür, wenn sie mal wieder zu weit geht. Connor passt perfekt zu ihr, auch wenn sie beide (meist ist es aber Annie) das gelegentlich vergessen.

Annie mochte ich von Anfang an und nachdem ich mich eingelesen habe, konnte ich diese Liebesgeschichte so richtig genießen. Was mich selber gewundert hat, denn eigentlich umgehe ich dieses Genre. Rachel Wood hat mir mit ihrer Annie locker-leichte, kurzweilige, amüsante Lesestunden beschert. Ja, „Annie Knows Everything“ ist ein Roman, den ich gerne gelesen habe.

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