Über das Loslassen und die gar nicht einfache Reise zu sich selbst
Fünf, sechs, sieben, achtEwald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich ...
Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich und über eine längst verloren geglaubte große Liebe und die Gewissheit, dass diese, wäre sie gelebt worden, sehr viel besser gewesen wäre.
Anton ist Stepptänzer, mit seinen sechzig Jahren fühlt er sich noch topfit und doch hat er den Zenit eines Tänzers überschritten. Er wird aussortiert, andere, jüngere sind nun am Zuge. Anstatt seiner wird ab sofort seine Tochter Emma die Choreographie am Theater verantworten. „Als hätte sein Leben einen Sprung bekommen, so fühlte es sich gerade an.“
Der Musik setzt ein, der Tänzer zählt - fünf, sechs, sieben, acht – sein Tanz beginnt. Für Anton ist alles Musik, alles ist im Takt. Nur er ist außer Takt geraten.
Anton ist zutiefst gekränkt, er ist wütend und poltert ganz schön rum, wir folgen ihm und seinen Gedanken. Dass wir alle irgendwann von dieser Lebensbühne abtreten müssen, weiß auch er. Noch aber geht es um die Theaterbühne, von der er unsanft weggedrängt wurde und das ausgerechnet von seiner Tochter. Und da ist Katja, seine Ex, die zwischen den Fronten vermitteln will.
Man sollte sich vorbereiten auf das Danach, um nicht in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Keiner ist unersetzlich und auch bewegt sich alles weiter, alles fließt, nichts bleibt so wie es ist. Arenz stellt seine Hauptfigur als verbitterten Alten dar, der außer sich und seiner für ihn nicht akzeptablen Lage nichts sehen und nichts gelten lassen will. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Er ist trotz allem stolz auf seine Tochter, was er aber sehr gut zu verbergen weiß. Zugute halte ich ihm, dass er von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch seine lange gelebte Einzigartigkeit könnte dazu beitragen, dass er als gefeierter Tänzer und Choreograph total abgehoben ist. „Alles war Musik, alles Takt“ in seinem bisherigen Leben. Außer Takt sucht er nach seiner großen Liebe Jo…
„Eine Schwere, an die er sich schon gewöhnt hat“, hat er wie einen Rucksack zugunsten einer Leichtigkeit liegen lassen auf seiner Reise, die ihn zu sich selbst führt. Untermalt ist dieses kluge Buch ums Loslassen mit wundervollen Klängen wie etwa jene von Paolo Conte. Via con me. Komm mit mir, it´s wonderful...