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Veröffentlicht am 15.06.2026

Über das Loslassen und die gar nicht einfache Reise zu sich selbst

Fünf, sechs, sieben, acht
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Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich ...

Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich und über eine längst verloren geglaubte große Liebe und die Gewissheit, dass diese, wäre sie gelebt worden, sehr viel besser gewesen wäre.

Anton ist Stepptänzer, mit seinen sechzig Jahren fühlt er sich noch topfit und doch hat er den Zenit eines Tänzers überschritten. Er wird aussortiert, andere, jüngere sind nun am Zuge. Anstatt seiner wird ab sofort seine Tochter Emma die Choreographie am Theater verantworten. „Als hätte sein Leben einen Sprung bekommen, so fühlte es sich gerade an.“

Der Musik setzt ein, der Tänzer zählt - fünf, sechs, sieben, acht – sein Tanz beginnt. Für Anton ist alles Musik, alles ist im Takt. Nur er ist außer Takt geraten.

Anton ist zutiefst gekränkt, er ist wütend und poltert ganz schön rum, wir folgen ihm und seinen Gedanken. Dass wir alle irgendwann von dieser Lebensbühne abtreten müssen, weiß auch er. Noch aber geht es um die Theaterbühne, von der er unsanft weggedrängt wurde und das ausgerechnet von seiner Tochter. Und da ist Katja, seine Ex, die zwischen den Fronten vermitteln will.

Man sollte sich vorbereiten auf das Danach, um nicht in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Keiner ist unersetzlich und auch bewegt sich alles weiter, alles fließt, nichts bleibt so wie es ist. Arenz stellt seine Hauptfigur als verbitterten Alten dar, der außer sich und seiner für ihn nicht akzeptablen Lage nichts sehen und nichts gelten lassen will. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Er ist trotz allem stolz auf seine Tochter, was er aber sehr gut zu verbergen weiß. Zugute halte ich ihm, dass er von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch seine lange gelebte Einzigartigkeit könnte dazu beitragen, dass er als gefeierter Tänzer und Choreograph total abgehoben ist. „Alles war Musik, alles Takt“ in seinem bisherigen Leben. Außer Takt sucht er nach seiner großen Liebe Jo…

„Eine Schwere, an die er sich schon gewöhnt hat“, hat er wie einen Rucksack zugunsten einer Leichtigkeit liegen lassen auf seiner Reise, die ihn zu sich selbst führt. Untermalt ist dieses kluge Buch ums Loslassen mit wundervollen Klängen wie etwa jene von Paolo Conte. Via con me. Komm mit mir, it´s wonderful...

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Baxter Kincaid in Action

Ritualblut
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Ethan Cross assoziiere ich mit der Welt der Serienkiller. Francis Ackerman jun ist der Inbegriff dieses fiktiven Killers, dem ich Buch für Buch folge…

…und nun ist es auch Baxter Kincaid, der zum nunmehr ...

Ethan Cross assoziiere ich mit der Welt der Serienkiller. Francis Ackerman jun ist der Inbegriff dieses fiktiven Killers, dem ich Buch für Buch folge…

…und nun ist es auch Baxter Kincaid, der zum nunmehr zweiten Mal mit brutalen Morden zu tun hat, mit Foltermethoden, die man sich nicht annähernd vorstellen mag, aber unbedingt davon lesen will, mit einem gefährlichen Kult, dessen Anführer sich für gottähnlich hält, mit einem Mafiaboss und seinen Gefolgsleuten und mit noch so einigen ziemlich finsteren Gestalten.

Jian Wu, der Assistent eines Professors, der mit seinen brisanten Forschungspapieren untergetaucht ist, wird gekidnappt. Um an die heiß begehrten Papiere zu gelangen, wird mit schlimmsten Foltermethoden versucht, ihn zum Sprechen zu bringen. Auch seine Nichte sucht nach dem Professor, sie bitten Baxter, ihr dabei zu helfen. Besagte Unterlagen wecken Begehrlichkeiten, die Jagd danach ist für so manche ein gar tödliches Unterfangen.

Ich kenne und schätze Ethan Cross mitsamt Ackerman & Family schon lange und mag es sehr, dass er mit Baxter Kincaid eine neue, sehr charismatische Figur erschaffen hat und am Ende des Buches verrät Cross auch, wie denn Baxter zum Leben erweckt wurde. Mit der gerade mal 1,50 m großen Corin hat Baxter sich eine Geschäftspartnerin geholt, die von sich selber sagt, dass sie auf ihn aufpassen muss. Er ist eher ein Privatermittler, der seine Hand über die Abgehängten hält, wogegen Corin mit Härte durchgreift. Sie ist eine Kampfmaschine mit ihrer ganz besonderen Waffe, die ich hier nicht verraten mag. Irgendwie geraten sie immer wieder zwischen die Fronten, haben es mit gefährlichen, mit äußerst skrupellosen Gegnern zu tun.

Schon die ersten Seiten haben mich ins Buch gezogen, es geht gleich mal richtig zur Sache. Wenn es die Situation verlangt, ist auch Baxter knallhart unterwegs, er kann viel einstecken (wie auch Corin), teilt aber um einiges kräftiger aus. Zuweilen garniert mit einem losen Spruch oder einer Prise Charme - auch so lässt sich ein Gegner ausknocken oder zumindest verwirren. Ihre Dialoge haben Biss und Witz, es gibt durchaus amüsante Momente.

Auch dieser zweite Band der Baxter Kincaid-Reihe war im Nu gelesen. Neben den Ermittlungen sind es die Action-Szenen, die viel Raum einnehmen. Neben den beiden Hauptakteuren werden alle Figuren so eingeführt, dass man sie trotz der für uns nicht sehr geläufigen fernöstlichen Namen sofort verinnerlicht. Der Thriller überzeugt mit immer wieder neuen Wendungen, er ist spannend, bestialisch, blutrünstig, er nichts für schwache Nerven. Ein Ethan-Cross eben!

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Eher japanischer Gesellschaftsroman denn Thriller

Tokyo
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Der erstmals 1993 erschienene Thriller „TOKYO: Schwarzer Sommer“ ist Tokuro Nukuis Debüt. Neben den Krimielementen spielen die Gepflogenheiten der japanischen Gesellschaft eine tragende Rolle, auch ist ...

Der erstmals 1993 erschienene Thriller „TOKYO: Schwarzer Sommer“ ist Tokuro Nukuis Debüt. Neben den Krimielementen spielen die Gepflogenheiten der japanischen Gesellschaft eine tragende Rolle, auch ist eine Glaubensgemeinschaft sehr präsent.

Tokyo 1991. In einem Flussbett wird ein Mädchen tot aufgefunden, das noch im Kindergartenalter gewesen sein dürfte. Mehrere kleine Mädchen verschwinden spurlos, eine obskure Religionsgemeinschaft wirft Fragen auf, ein Vater sucht verzweifelt nach seinem Kind. Die beiden Kommissare Saeki und Okamoto ermitteln.

Sowohl der Klappentext als auch die Aufmachung von TOKYO locken ungemein, also mache ich mich kurzentschlossen ans Lesen. Und stelle alsbald ernüchternd fest, dass mich die ausschweifende Erzählweise und das sehr gründlich ausformulierte Miteinander ermüden. Trotzdem bleibe ich im Buch, wenngleich ich – entgegen meiner sonstigen Lesegewohnheiten – des Öfteren pausiere.

Jede Figur wird bis ins kleinste Detail eingeführt und auch danach gefühlt jede Regung, jeder Gedanke wiedergegeben. Sowohl die Kommissare als auch ihre Kollegen und deren Familien mitsamt ihren gerade anstehenden Problemen und ihren Dialogen lasse ich an mir vorbeiziehen. Selbiges geschieht mit den Sekten, deren Anwerbung und deren Mitgliedern. Gut, man erfährt schon so einiges über ihre geschickt aufgebauten Strukturen, ihren Hierarchien und ihren Finanzen. Auch das oben erwähnte japanische Lebensgefühl schimmert durch, was angesichts des Handlungsortes absolut passend ist.

Was mir aber zunehmend fehlt, ist der Fokus auf die Ermittlung, die eher nebenher so mitläuft und dem Buch viel an Spannung nimmt. Die zwei Handlungsstränge – Ermittlung und Sekte – wechseln sich ab, dabei bleibt vieles auf der Stecke, denn die Erzählung verliert sich großteils in Nebensächlichkeiten. Erst dem Ende zu wird es spannend. Urplötzlich tut sich was, wenngleich die Ereignisse sich nicht gerade überschlagen. Und dennoch zeichnet sich eine Figur ab, das Warum tritt hervor, die Akteure werden greifbarer.

TOKYO mag in Japan funktionieren, das kann ich nicht beurteilen. Ich jedoch habe nur bedingt das Gefühl, einen Krimi gelesen zu haben. Eher einen kriminalistisch untermalten japanischen Gesellschaftsroman.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Die Berlin-Blockade

Die geheime Mission
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DIE GEHEIME MISSION ist das erste Buch der Kurierin-Reihe aus der Feder von Titus Müller. Seine Hauptfigur ist die Nela, die Tochter einer Kommunistin, die in der sowjetischen Zone lebt. Sie ist unversöhnlich ...

DIE GEHEIME MISSION ist das erste Buch der Kurierin-Reihe aus der Feder von Titus Müller. Seine Hauptfigur ist die Nela, die Tochter einer Kommunistin, die in der sowjetischen Zone lebt. Sie ist unversöhnlich ihrem geschiedenen Mann gegenüber, dem Vater von Nela. Er lebt im Westen Berlins und arbeitet hier für die CIA. Nachdem Vater und Tochter lange getrennt waren, treffen sie sich dann doch. Und - sie begibt sich auf das gefährliche Terrain einer Kurierin zwischen Ost und West.

Wir sind in der Zeit des Kalten Krieges, inmitten der Berlin-Blockade und der Luftbrücke, welche die Westalliierten als Konsequenz daraus in einem Kraftakt ankurbeln.

Mit der Berlin-Blockade (1948/49) verfolgte die Sowjetunion das Ziel, sich Berlin und nachfolgend ganz Deutschland unterzuordnen. Die drei Westsektoren wurden von den USA, England und Frankreich verwaltet, die vierte Besatzungszone kontrollierten die Sowjets. Nach Stalins Befehl sollten die Westmächte aus Berlin vertrieben werden, dafür stellte die Rote Armee die Belieferung mit lebenswichtigen Gütern ein. Auch war die Währungsreform West ein weiterer Grund, mit absoluter Härte dagegen vorzugehen. Kurzerhand wurden die zugesicherten Versorgungswege gekappt, Berlin sollte ausgehungert und somit zur Aufgabe gezwungen werden.

Im Gegensatz zu den Westberlinern fehlte es denen in der Sowjetzone an nichts, die als glühende Anhänger des SED-Regimes im Kapitalismus nur das Schlechte sehen und dies auch lautstark propagieren. Mit gezielt gestreuten Desinformationen wird dieser bekämpft – der Roman bietet hier tiefe Einblicke. Er vermittelt viel über diese Zeit der Blockade aus verschiedenen Blickwinkeln. CIA und MGB, der Vorgänger des KGB, werden beleuchtet, Überläufer sind einzuschätzen, Spitzeldienste hier wie da sind nicht wegzudenken - die Geheimdienste sind Thema. Daneben lesen wir kleine Anekdoten rund um die Rosinenbomber, müssen um urplötzlich Verschwundene bangen, der Schwarzmarkt ist nicht wegzudenken. Müller hat aber noch sehr viel mehr zu bieten, mehr will ich hier aber gar nicht anführen, selber lesen lohnt sich allemal. Der bestens recherchierte Roman ist ein rundum gelungenes, informatives, spannend erzähltes und zudem unterhaltsames Zeugnis dieser Zeit, die von beiden Seiten berichtet, aus Ost- und aus Westsicht. Ohne zu werten.

Der Auftaktband der Kurierin-Dilogie hält sich an die historischen Fakten und endet damit, dass man die Hintergründe um die Berlin-Blockade nochmal zusammengefasst nachlesen kann mitsamt Kurzinfo über die Gründung der NATO. Eine rundum gelungene Geschichte, der hoffentlich bald der zweite Band folgen wird.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Intelligent inszenierter Thriller um KI

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
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Florian Schwiecker trifft mit seiner neuen KI-Thriller-Serie CODE NULL den Nerv der Zeit. Künstliche Intelligenz - Segen und Fluch zugleich. Sie ist längst in unserem Leben angekommen.

An einem Sonntag ...

Florian Schwiecker trifft mit seiner neuen KI-Thriller-Serie CODE NULL den Nerv der Zeit. Künstliche Intelligenz - Segen und Fluch zugleich. Sie ist längst in unserem Leben angekommen.

An einem Sonntag im April fallen in Berlin für wenige Sekunden die Navis aus. Schon ärgerlich, aber schnell wieder vergessen. Ganz anders sieht es bei Dr. Alina Breitenbach, der Präsidentin der Europäischen Kommission, aus, die eine Erpressermail erhält: „Dieses Mal waren es zehn Sekunden…“ Es wird eine horrende Summe verlangt, zahlbar binnen 48 Stunden in Bitcoin. Andernfalls werden die Folgen für Berlin und für ganz Europa verheerend sein.

„Timeout“, wie sich die Erpresser nennen, kontrolliert Galileo, das europäische Satellitensystem und trifft somit die EU an ihrer empfindlichsten Stelle. Nicht nur Navigationssysteme und Smartphones sind betroffen, die ganze Infrastruktur hängt an diesem präzise arbeitenden System. Breitenbach wendet sich an die für Galileo zuständigen Mitarbeiter, die unter Hochdruck Timeout zu enttarnen versuchen. Die Uhr tickt unaufhaltsam.

Derweilen bekommt Charly, eine junge Hackerin, dieses Dilemma mit. Sie bietet der zuständigen Spezialeinheit CSA5 ihre Dienste an, was diese nach einer gründlichen Sicherheitsüberprüfung und unter strengsten Auflagen genehmigen. Vor Jahren hat Charly KIM entwickelt, eine künstliche Intelligenz, die sie nun gegen Timeout einsetzt und denen damit ziemlich nahe kommt. Aber kommt sie ihnen nahe genug?

Florian Schwiecker kenne und schätze ich aus seinen Justizkrimis und was liegt da näher, in seine neueste Reihe um Charlie & KIM hineinzulesen. Ich hab tatsächlich damit angefangen und ja – auch „dieses Spiel kennt keine Regeln“ und kein Zeitlimit, denn erst weit nach Mitternacht, nachdem der letzte Satz (mit Cliffhanger) gelesen war, konnte ich das Buch weglegen. Schwiecker, der ehemalige Strafverteidiger, ist im Management eines führenden globalen Unternehmens im Bereich Künstliche Intelligenz tätig. Als Insider weiß er genau, wovon er schreibt. Gut, bei den Fachbegriffen aus der IT-Welt musste ich passen, was aber meinen Lesefluss nicht beeinträchtigt hat.

Mit Charly hat Schwiecker eine junge, sehr kluge, brillant agierende IT-Spezialistin ins Leben gerufen, die mit ihrem hochentwickelten KI-Modell KIM interagiert. Sie ist loyal, sie ist schlau, sie gibt niemals auf. Sie kann sich auf eine Handvoll Leute verlassen, aber auch sie und ihr Umfeld haben Gegenspieler, die sich geschickt tarnen. Und auch alle anderen, hier agierenden Charaktere, sind gut gezeichnet. Es ist ein regelrechtes Katz- und Mausspiel, dem sie ausgesetzt sind und nicht nur das, es ist durchgehend spannend und es wird hochgefährlich.

Ganze Stadtteile bleiben tagelang im Dunkeln, unsere Infrastruktur ist sehr angreifbar, wir lesen und hören immer wieder davon. CODE NULL zeigt ein Szenario auf, das uns alle schwer treffen würde. Ein intelligent inszenierter Thriller um KI, der mich begeistert hat, der mich nachdenklich zurücklässt. Dessen nächsten Band ich unbedingt lesen muss.

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