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Veröffentlicht am 03.09.2023

Zucker vs. Saccharin

Die Zuckerbaronin
1

Der Zucker der armen Leute war Saccharin - dieser künstliche Süßstoff wurde eher durch Zufall entdeckt, wie ich jetzt weiß. Die mächtige Zuckerindustrie sah ihr Monopol in Gefahr und erreichte, dass der ...

Der Zucker der armen Leute war Saccharin - dieser künstliche Süßstoff wurde eher durch Zufall entdeckt, wie ich jetzt weiß. Die mächtige Zuckerindustrie sah ihr Monopol in Gefahr und erreichte, dass der wesentlich billigere Ersatzstoff von oberster Stelle 1902 verboten wurde. Nun galt es, Saccharin von der Schweiz ins Land zu schmuggeln, denn die Schweiz war auch hier neutral und die Schmugglern erfinderisch, was den Transport anging.

Korbinian Schinders Fuhrunternehmen geht mehr schlecht als recht, also steigt er mit seiner Familie ins Schmugglergeschäft ein und ist bald der ungekrönte Schmugglerkönig vom Bayerischen Wald. Seine drei Töchter unterstützen ihn seit jeher, jede auf ihre Weise. Martha ist die ungestüme, sehr eigenwillige älteste Tochter, die mit ihrem Vater meist auf Schmuggeltour geht. Gwendolyn bleibt lieber daheim, sie übernimmt die Buchführung und die jüngste, Helene, passt auf die Hühner auf, zum Mitfahren ist sie noch zu klein.

Auf der anderen Seite sind der reiche Zuckerbaron Wallendorf und sein Sohn Alexander, der Martha beim Tanzen kennenlernt und bald bahnt sich zwischen den beiden eine stürmische Liebschaft an. Er darf nicht wissen, dass sie die Tochter des Schmugglerkönigs ist und lange bleibt dies auch ihr Geheimnis. Doch irgendwann kommt ihre wahre Identität ans Licht.

Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert, der erste führt zurück ins Jahr 1908 und erzählt Marthas Geschichte. Dann, dreißig Jahre zuvor, vom Juni 1878 bis August 1898 geht es vom Bayerischen Wald nach Baltimore. Hier lesen wir von der Entdeckung des Saccharin durch den deutschen Chemiker Constantin Fahlberg, der zu dieser Zeit als Gastwissenschaftler in den USA arbeitet. Hierzulande treffen wir auf den jungen Leopold Wallendorf, der seine Idee einer Zuckerfabrik in die Tat umsetzt. Er und Korbinian Schinder kennen sich, auch wenn sie eher in Feindschaft miteinander verbunden sind. Beide verfolgen ihre Ziele, verwirklichen ihre Träume, jeder auf seine Weise. Ein weiterer Abschnitt ist mit „Wachstum und Hoffnung“ überschrieben, ihre Kinder sind mittlerweile im heiratsfähigen Alter.

Der Auftakt der Drei-Schwestern-Saga hat es mir angetan, schon nach den ersten Seiten fasziniert mich „Marthas Geheimnis“. Viele Szenen beruhen auf wahren Begebenheiten, wie das Autoren-Duo im Nachwort verrät. Die einfallsreichen Schmuggler mit ihren Tricks sind mir sehr ans Herz gewachsen, auch wenn sie illegal unterwegs waren. Durch das europaweite Verbot – die Schweiz ausgenommen – kam es zu einem für die Schmuggler lukrativen Schleichhandel, die Zuckerbarone wollten dies logischerweise nicht hinnehmen. Auf unterhaltsame Weise habe ich viel darüber erfahren, alle Charaktere waren lebendig und glaubhaft dargestellt, die Beschreibung der Landschaft im Bayerischen Wald und im Donautal um Deggendorf bildgewaltig, der Einblick in die Familien mit all den einhergehenden Konflikten gut nachvollziehbar.

Es waren interessante Lesestunden, ich habe so einiges über die Welt des Süßstoffes und die Verbreitung dessen erfahren. Die Geschichte um die „Zuckerbaronin“ geht weiter, ich werde natürlich dabei sein.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Lesenswerter Abschluss der Pilger-Trilogie

Die Liebe des Pilgers
1

Der finale dritte Teil der Pilger-Trilogie ist ausgelesen und nun heißt es Abschied nehmen. Gleich zu Anfang finde ich einen Stadtplan der Koblenzer Innenstadt von 1379 und dahinter das gut gegliederte ...

Der finale dritte Teil der Pilger-Trilogie ist ausgelesen und nun heißt es Abschied nehmen. Gleich zu Anfang finde ich einen Stadtplan der Koblenzer Innenstadt von 1379 und dahinter das gut gegliederte Personenverzeichnis. Dieses ist gerade bei historischen Romanen mit umfangreichen Personen und verzweigten Familienstrukturen hilfreich. Bald musste ich nicht mehr vorblättern, die Vorgängerbände waren mir schnell wieder im Gedächtnis. Für Neueinsteiger ist dieser Einstieg ins Buch perfekt, man findet sich gut zurecht und im Fortgang der Geschichte wird Wissenswertes gut ins Geschehen eingebunden.

Der Handel mit edelsten Pelzen und kostbarem Geschmeide lässt sich gut an, Palmiro ist ein angesehener Geschäftsmann. Auch wenn es ihm schwer fällt, so lässt er seinen Herzensmenschen Benedikt gehen, dieser will in seine alte Heimat. Und hier erwartet ihn eine Nachricht aus der Vergangenheit, die sein ganzes Leben mit weitreichenden Folgen auf den Kopf stellt.

Auch für Erasmus von London läuft es anders als gedacht. Der ehemalige Inquisitor fällt in Ungnade und wird in sein Heimatkloster zurückgeschickt, zwei Aufpasser begleiten ihn. Nichtsdestotrotz ist Erasmus noch immer darauf erpicht, Palmiro der Ketzerei zu überführen.

„Intrigen, Machtkämpfe und große Gefühle.“ Um nichts anderes geht es, jedoch ist dies mehr als genug. Die Handlungsstränge um die weit verzweigten Familiengeflechte entwickelt die Autorin weiter, es werden Intrigen gesponnen, Machtkämpfe ausgefochten, die großen Gefühle lassen gefühlt lange auf sich warten. Auch wenn Oswald seine Vorrechte als Erstgeborener an seinen Bruder Conlin abgetreten hat, so ist er doch so unberechenbar und zornig wie eh und je. Wohin das wohl führen mag? Zweisamkeiten (nicht nur) zwischen Mann und Frau werden offen oder im Verborgenen gelebt. Das sehr informative Nachwort befasst sich mit dem Umgang der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft in jener Zeit und nicht nur hier merkt man die hervorragende Recherchearbeit. Ein verborgenes Muttermal gibt Anlass für Raserei, eine verloren geglaubte Tochter wird gefunden. Es passiert viel, die Charaktere werden facettenreich und gut nachvollziehbar dargeboten. Ich war stets mittendrin, habe mich allen mehr oder weniger verbunden gefühlt. Petra Schier trifft den richtigen Ton, sie bietet Einblick in eine längst vergangene Zeit und führt ihre komplexe Trilogie zu einem gut nachvollziehbaren Ende.

Schön, dass ich dabei sein durfte aber schade, dass es nun vorüber ist. Die Pilger-Trilogie ist auserzählt und doch hoffe ich, dass ich den einen oder anderen Charakter in ihren nachfolgenden Büchern wiederfinden werde.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Freundschaft und Verrat

Die Freiheit so nah
1

„Die Freiheit so nah“ und doch ist sie so weit entfernt. Acht Freunde sind sie, seit Kindertagen unzertrennlich und nach wie vor eine eingeschworene Gemeinschaft - für jeden einzelnen würden sie ihre Hand ...

„Die Freiheit so nah“ und doch ist sie so weit entfernt. Acht Freunde sind sie, seit Kindertagen unzertrennlich und nach wie vor eine eingeschworene Gemeinschaft - für jeden einzelnen würden sie ihre Hand ins Feuer legen. Während ihrer Jugendzeit hin zum Erwachsensein begleite ich sie ein Stück ihres Weges, es sind die 80er Jahre. Sie sind ganz normale Jugendliche mit ihren Träumen und ihren Sehnsüchten, jedoch ist ihre Heimat auf der falschen Seite der Grenze, sie sind in der Enge des DDR-Systems gefangen.

Kay ist einer davon, es ist seine Geschichte. Er erinnert sich und lässt uns auch einen Blick in sein Fotoalbum werfen, das Cover zeigt ein Bild aus jenen Tagen und auf den Klappeninnenseiten sind noch mehr von der Rostocker Clique zu finden. Sie hatten nicht viel, aber ein paar Tage am Warnemünder Strand konnten sie sich doch leisten. Im Zelt oder in der Hängematte waren sie glücklich, sie kannten ja nichts anderes. Die indische Reisegruppe nannten sie sich, sie waren übermütig, Alkohol auch für sie erschwinglich und wie alle jungen Leute mochten sie Musik. Rockige, westliche, verbotene Musik. Es waren einfache Dinge, die ihnen nicht erlaubt waren. Kay träumte davon, als Seemann um die Welt zu schippern und beinahe wäre sein Traum auch Wirklichkeit geworden. So einige Fahrten hat er schon machen dürfen, aber plötzlich hieß es: Abmustern. Warum? Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Auch andere in der Clique hatten mit Repressalien von Staats wegen zu kämpfen, einige von ihnen wurden gar weggesperrt. Seit jeher schwärmten sie von der unendlichen Freiheit - tun und lassen können, wonach ihnen der Sinn stand. Schon allein solche Gespräche waren gefährlich, Spione gab es in diesem Unrechtssystem zuhauf. Aber wer hat ein Interesse an ein paar jungen Kerlen? Bald kam der Verdacht auf, dass nur ein Insider all diese eigentlich harmlosen Infos haben konnte. War es gar einer von ihnen?

Lange habe ich kein so intensiv empfundenes Buch mehr gelesen. Der Roman nach einer wahren Geschichte ist mir sehr nahe gegangen. Als Kind des Westens wusste ich zwar von den üblen Machenschaften des Staatsapparats, der seine Bürger drillt, sie zu Spitzeln macht. Sie hatten linienkonform zu sein, mussten liefern. Einmal drin im System, gab es kein Zurück mehr. Nicht nur einmal fragte ich mich, wie weit man sinken muss, um seine Freunde, seine Familie, seine nächste Umgebung zu verraten. Ich werd das wohl nie verstehen können.

A. A. Kästner war direkt an der Quelle, ihr Ehemann, auf dessen Leben dieser Roman basiert, war einer von ihnen. Sie hat seine wahre Geschichte in einer gut lesbaren Form kurzweilig und spannend wiedergegeben. Von der ersten Seite an war ich dabei, sie hat mich regelrecht ans Buch gefesselt. Und ich hab das gerne zugelassen. Zwischendurch nimmt sie mich immer mal wieder mit nach Rostock-Parkentin ins Jahr 2016. Dort trifft sich der Rest der indischen Reisegruppe, um einen von ihnen zu betrauern. Bis zuletzt rätsle ich, wer dies sein könnte. Auch weiß ich erst am Ende um den Verräter. Diese Person hat sich gut getarnt, auch ich konnte ihn die ganze Geschichte über nicht zuordnen.

„Die Freiheit so nah“ ist ein Buch, das viele Emotionen frei setzt. Ein Buch, das ich unbedingt weiterempfehle, es zu lesen lohnt sich.

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Veröffentlicht am 30.08.2023

Spannend, dramatisch, lesenswert

Der Lehrmeister: Thriller
2

„Der Lehrmeister“ ist der achte Fall für Laura Kern und ihren Partner Max Hartung. Schon der Prolog hat es in sich und lässt mein Kopfkino anspringen.

Noch während des Joggens erhält Laura einen Anruf ...

„Der Lehrmeister“ ist der achte Fall für Laura Kern und ihren Partner Max Hartung. Schon der Prolog hat es in sich und lässt mein Kopfkino anspringen.

Noch während des Joggens erhält Laura einen Anruf von ihrem Vorgesetzten. Dieser beordert sie in ein abgelegenes Waldstück, auch Max ist schon unterwegs. Es erwartet sie eine tote Frau, an eine Eiche gelehnt, um deren Hals eine Schiefertafel hängt, darauf geschrieben ist ein Goethe-Zitat. Auf der Rückseite dieser Tafel finden sie einen Hinweis, der sie vermuten lässt, dass dies erst der Anfang ist, weitere Leichen werden folgen. Die Jagd nach einem Serienkiller beginnt.

Und - weitere Leichen werden gefunden, sie alle weisen eine Gemeinsamkeit auf und doch tappen Laura und Max lange im Dunkeln. Eine vielversprechende Spur bringt sie nicht weiter, nichts passt so recht zusammen und doch gibt es Hinweise, die in eine Richtung führen. So etliche zwielichtige Gestalten tauchen auf, keinem traue ich über den Weg.

Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, sie gestalten sich äußerst schwierig mit so manch überraschender Wendung, die Charaktere haben Ecken und Kanten, sie sind in ihrer Eigenart, in ihrer Verschrobenheit glaubhaft angelegt. Auch blitzt Privates zwischendurch ein wenig hervor. Nicht zu viel, aber doch genug, die Ermittlungen bilden den Schwerpunkt.

Catherine Shepherd ist eine Meisterin der Täuschung, sie legt (falsche) Fährten aus, führt ihre Leser in Sackgassen. Und doch meint man, den Täter auszumachen, um die Theorie dann doch wieder zu verwerfen.

Wer ist dieser ominöse Lehrmeister und warum inszeniert er seine Mordopfer auf diese Weise, was treibt ihn an?

Als versierter Thriller-Leser meine ich, einen siebten Sinn zu haben, zwischen den Zeilen lesen zu können, auch lässt sich so einiges aus der Vergangenheit, die in kurzen Passagen immer wieder eingeflochten ist, ableiten und doch gelingt es der Autorin immer wieder aufs Neue, mich ratlos zu machen. Ihr fesselnder Schreibstil lässt mich das ganze Buch über nicht los, ich muss es wissen. Wissen, wie es weitergeht, muss jede freie Minute lesen. Bis kurz vor dem schlüssigen Ende sehe ich zwar ansatzweise einen Täter – aber kann der es denn sein?

„Der Lehrmeister“ ist ein spannendes, ein kurzweiliges Lesevergnügen aus der Laura-Kern-Reihe. Mein Tipp – lesen, es lohnt sich.

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Veröffentlicht am 30.08.2023

Das Leben der Abelke Bleken oder wie man als Hexe angeklagt wird

Marschlande
2

Ganze zwei Tage haben sie gebraucht, um den Scheiterhaufen auf den Wiesen zwischen den Elbströmen zu errichten. Von dort, aus einem Dorf in den Marschlanden, kommt die Hexe her, für deren Verbrennung sie ...

Ganze zwei Tage haben sie gebraucht, um den Scheiterhaufen auf den Wiesen zwischen den Elbströmen zu errichten. Von dort, aus einem Dorf in den Marschlanden, kommt die Hexe her, für deren Verbrennung sie die dafür notwendigen acht Klafter Holz aufschichten müssen.

Die Hexe – das ist die allein lebende Abelke Bleken, die vor fast 500 Jahren hier gelebt hat - in Ochsenwerder, das in den Vier- und Marschlanden liegt, einem ländlichen Hamburger Stadtteil. Sie besaß einen großen Hof, den sie als Frau alleine mit ihren Helfern erfolgreich bewirtschaftete. Nicht jeder sah dies gerne, eine Frau brauchte schließlich einen Mann aus ihren Kreisen, die stolze Abelke hatte sich dem jedoch stets verweigert.

Bei der schlimmen Allerheiligenflut dann war auch ihr Grund und Boden betroffen, der Deich hat entlang ihres Grundstückes nicht gehalten. Bei einem Deichbruch hatten die jeweiligen Anrainer diesen wieder herzustellen, das damalige Deichrecht verpflichtete sie dazu. Ohne Hilfe konnte Abelke dies unmöglich schaffen und auch, wenn es üblich war, dass die Betroffenen zusätzliche Helfer bekamen, so ließen sie Abelke alleine. So kam es, dass sie des Hofes verwiesen wurde, da sie ihrer Pflicht nicht nachkam. Aus der Hufnerin wurde eine Tagelöhnerin.

„Zwei Frauen, die Jahrhunderte trennen - der Wunsch nach Selbstbestimmung, der sie verbindet.“ So lese ich es im Vorfeld. Oberflächlich betrachtet mag das stimmen, nach der Lektüre sehe ich eine starke Abelke Bleken, der ihre zupackende, selbstbestimmte Art zum Verhängnis wurde. Dieser Blick zurück in eine Zeit voller Aberglauben hat mich tief berührt. Sie war eine rechtschaffende Frau, die sich nicht von einem Ehemann hat unterjochen lassen, die auch ohne Mann ihren Hof erfolgreich bewirtschaftet hat. Und genau das zog Neider an, sie wurde denunziert, für Unglücke verantwortlich gemacht, sie wurde als Hexe verleumdet, ihr Schicksal war besiegelt. Von ihr hätte ich gerne noch sehr viel mehr gelesen, dieser historische Teil ist sehr gut gelungen…

…der zweite Erzählstrang eher nicht. Britta Stoever hat sehr wohl auch den Wunsch nach Selbstbestimmung, jedoch ist dieser eher egoistischer Natur. Sie ist eine Zugezogene. Mit Mann und Kindern bewohnt sie nun ein Haus, so richtig angekommen ist sie jedoch noch nicht. Sie macht sich auf, ihr neues Umfeld zu sondieren und stößt dabei auf ein Straßenschild, dem Abelke-Bleken-Ring. Sie forscht nach, liest über die Marschbauern und trifft auf eine Nachbarin, die vieles aus Abelkes Zeit zusammengetragen hat. Ihr Archiv der unerhörten Frauen, die aus der Norm fielen, die aufständisch waren und Wichtiges geleistet haben klingt interessant, Britta will mehr wissen. Auch trifft sie vor einer Kate auf einen Mann, der ihr von der Allerheiligenflut im Jahre 1570 erzählt.

Brittas Nachforschungen schlagen den Bogen zu Abelke. Zwischendurch erlebe ich eine immer unzufriedener werdende Britta, die urplötzlich mit allem hadert, die ohne zu überlegen sich in ein neues, unabhängiges Leben stürzt. Nicht selbstbestimmt, eher egozentrisch, sehr eigennützig und die dann die anderen für ihre monetäre Misere verantwortlich macht. Nein, so agiert keine, die souverän erscheinen will, sie ist eher anmaßend und arrogant. Kurz: Die Figur Britta ist aufs Schlechteste überzeichnet. Schade eigentlich, der Ansatz wäre schon okay gewesen. Die Hamburgerin, die sich in ihre noch neue Heimat einleben will. Wären die privaten, aufgebauschten, selbstgemachten „Probleme“ nicht gewesen oder zumindest nebensächlich geblieben, hätte ich drüber hinweggesehen.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Der starke Teil um Abelke verdient höchstes Lob, er hat mich tief in die Geschichte eintauchen lassen. Auch habe ich viel Interessantes von den Marschlanden und deren Eindeichung gelesen. Brittas Part jedoch war in weiten Teilen so gar nicht meins, hier wäre weniger sehr viel mehr gewesen. Dass ich „Marschlande“ dennoch mit 4 Sternen bewerte, hat ausschließlich mit Abelkes Geschichte, die für sich alleine betrachtet die höchste Punktezahl verdient, zu tun.

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