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Veröffentlicht am 10.01.2022

Niemand ist perfekt

Thirteen
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Bobby Solomon, der junge, attraktive und allseits vergötterte Hollywood-Schauspieler wird beschuldigt, seine Frau und deren angeblichen Liebhaber grausam ermordet zu haben. Eine renommierte New Yorker ...

Bobby Solomon, der junge, attraktive und allseits vergötterte Hollywood-Schauspieler wird beschuldigt, seine Frau und deren angeblichen Liebhaber grausam ermordet zu haben. Eine renommierte New Yorker Anwaltskanzlei will seine Unschuld beweisen, was jedoch aussichtslos scheint. Alle Indizien sprechen für ihn als Täter. Der Strafverteidiger Eddie Flynn wird hinzugezogen, er ist erfolgreich, hat seine seit Jahrzehnten erprobten, ganz eigenen Methoden.

Der spektakuläre Mordprozess hält den Fokus auf die Jury, zunächst auf den langwierigen Prozess des Auswählens der zwölf Geschworenen. Die Leser wissen, dass der wahre Killer hier sitzt und bald ist klar, wie er sich diesen Platz eiskalt gesichert hat. Es wird sichtbar, welch perfides Spiel er spielt, welch abartiges Wesen hier heimtückisch am Werke ist.

Es ist schon der vierte Band um Eddie Flynn, den geläuterten Trickbetrüger. So eine Hintergrundstory hat was, auch um sein Privatleben steht es nicht zum Besten, sein Beruf lässt einen geruhsamen Lebenswandel nicht zu. Ich habe Eddie erst jetzt getroffen und sehe ihn schon als alten Bekannten. Mir gefällt, wenn man auch später in eine Reihe einsteigt und doch das Gefühl hat, nichts von Belang versäumt zu haben.

So manches Klischee wird hier bedient. Es handelt von all den korrupten Cops oder dem eitlen Staatsanwalt, so manch halsstarrigem Zeugen bis hin zu dem abartigen, so andersartigen bösen Buben. Eddie hatte im Gegensatz zu vielen anderen von Anfang an meine uneingeschränkte Sympathie, genauso Bobby. An seine Unschuld mochte ich glauben, habe mitgezittert und mich unsäglich aufgeregt über fiese Verhörmethoden.

Ein Gerichtsthriller, der einen in Atem hält. Schon der Einstieg verspricht nervenaufreibende Lesestunden, ich war bald drin und nichts konnte mich davon abhalten, das Buch zur Seite zu legen. Dann jedoch zog sich die Story, das Tempo war raus, es gab Todesfälle, die wenig Beachtung fanden. Auch wenn nicht alles realistisch sein muss, so wäre ein klitzeklein wenig Polizeiarbeit hier von Vorteil gewesen. Das ist Jammern auf hohem Niveau, der rasante Thriller zog bis zum Ende hin wieder an.

Das Cover versetzt einen direkt in den Gerichtssaal. Der rote Stuhl – für den Angeklagten? Dahinter alles düster, schwarz-grau. „TH1Rt3EN“ – schon der Schriftzug setzt Emotionen frei. Super gemacht.

Steve Cavanagh lässt seine Leser an Mordphantasien teilhaben, gewährt tiefe Einblicke in die menschlichen Abgründe. Spannend und aufregend, direkt am Abgrund und unfassbar böse zuweilen. Ein lesenswerter Thriller mit kleinen Abstrichen.

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Veröffentlicht am 10.01.2022

Ein versöhnlicher Blick nach vorn

Von Grenzen und Stegen
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Ja, unser Land ist gespalten. Und ja, Stege können helfen, Gräben zu überwinden. Steffen Hahn berichtet von der Teilung Deutschlands, hat seinen ersten Abschnitt mit „Herkunft“ übertitelt. Im Osten sind ...

Ja, unser Land ist gespalten. Und ja, Stege können helfen, Gräben zu überwinden. Steffen Hahn berichtet von der Teilung Deutschlands, hat seinen ersten Abschnitt mit „Herkunft“ übertitelt. Im Osten sind seine Wurzeln väterlicherseits und hier gewährt er einen Blick in den Alltag seines Vaters, beginnend noch vor dem Mauerbau. Sie hätten alle in den Westen gekonnt. Damals, als noch keiner absehen konnte, dass die Teilung für Jahrzehnte einengende Realität war.

Ich musste mich ein wenig akklimatisieren, um in die deutsch-deutsche Geschichte einzutauchen. Die DDR kenne ich nur vom Hörensagen, aus diversen Medien, aus der Sicht einer Westdeutschen. Der Schreibstil kam mir schon ein wenig nüchtern vor, allzu akkurat zuweilen, aber doch wollte ich nicht aufhören zu lesen. Spannend und sehr aufschlussreich, wie Steffen Hahn das persönliche Schicksal seiner Familie mit dem Geschichtlichen gut lesbar aufbereitet.

Ein kurzweiliges, interessantes und intensives Abtauchen in unsere jüngste Vergangenheit, die der Autor Revue passieren lässt, erzählt vom „Aufbruch“. Von Kohl über 9/11, der Lehman-Pleite bis hin zum Beginn der Flüchtlingswelle und noch so einiges mehr zeichnet er hier ein Bild unserer Gesellschaft, vermengt mit seiner Familiengeschichte, seinem Werdegang. Im Westen hatte er alle Chancen und er nutzte sie, der krasse Gegensatz zur damaligen DDR kommt gut durch.

Das Buch ist ein Blick zurück, eine Versöhnung mit dem Schicksal. „Blick nach vorn“ ist der letzte Abschnitt übertitelt. Es ist eher ein Blick in unsere Gesellschaft, die in großen Teilen sehr offen und tolerant ist. Aber nicht nur, da sind auch die Gewalttätigen, die laute Minderheit. Angestachelt von allzu bekannten Personen und Gruppierungen. Unsere sehr gefestigte Demokratie hält auch diese Verirrungen aus.

Wohin gehen wir? Wie Steffen Hahn so versöhnlich schreibt: „Unsere offene Gesellschaft ist großzügig... gewährt Vertrauensvorschuss...“ Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich keine Stege mehr finden lassen und wenn doch, sind diese sehr brüchig.

„Von Grenzen und Stegen“ zeichnet ein deutliches Bild vom Gestern und vom Heute, den Titel beziehe ich eher auf den Ist-Zustand. Viel habe ich über unsere Nachkriegsgeschichte gelesen, war im Hier und Jetzt immer nahe beim Autor, empfand es ähnlich. Ein Streifzug durch mehr als ein halbes Jahrhundert. Es wird sie immer geben, die sichtbaren und die unsichtbaren Grenzen und doch sollte man die Hoffnung nie aufgeben.

Eine sehr persönliche Sicht auf die deutsch-deutsche Geschichte, eingebettet in den politischen Alltag. Ein Appell, Stege zu finden, Grenzen zu überwinden. Steffen Hahn gibt einen Anstoß, sich damit auseinanderzusetzen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Ein aufschlussreicher Blick in unsere trotz allem offene Gesellschaft.

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Veröffentlicht am 10.01.2022

Das Böse - genial inszeniert

Das Loft
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Marco und Sarahs Märchen beginnt an einem Sommertag vor drei Jahren und endet nun, als eine Polizistin wissen will, wer Henning getötet hat. Sarah und Marco – sie erzählen abwechselnd, jeder hat seine ...

Marco und Sarahs Märchen beginnt an einem Sommertag vor drei Jahren und endet nun, als eine Polizistin wissen will, wer Henning getötet hat. Sarah und Marco – sie erzählen abwechselnd, jeder hat seine eigene Sicht auf das Geschehene, von ihrem Zueinanderfinden, von ihren gemeinsamen Jahren, von ihrer Liebe. Henning, Marcs bester Freund, kommt auch vor. Ja, um sein Verschwinden geht es. Es kommen Dinge ans Licht, die besser im Verborgenen geblieben wären und doch drängen diese an die Oberfläche. Aber hilft dies, die Nebel zu lüften, das Wahre vom Gelogenen fein säuberlich zu trennen, hinter die Kulissen zu schauen? Auch die Sicht der Ermittler, ihre Herangehensweise an den so mysteriösen Fall, zieht sich durch das Buch.

„Sie dürfen nicht abschweifen, sollten nicht mit den Gedanken woanders ein…“ Nein, abschweifen geht hier gar nicht. Kaum habe ich ein paar Seiten gelesen, hat mich der Autor schon eingefangen. Diese ganz eigene Art, den Lesern die Geschichte der drei Freunde näherzubringen und doch ganz viele Zweifel zu streuen, fesselt ungemein.

Ich meine, die ganze Geschichte zu kennen, weiß, wie es wirklich war. Aber nein, noch ist nicht alles gesagt. Jeder Abschnitt, jede Aussage lässt mich wieder zweifeln, ich hege für die einen Sympathie, verurteile Andere. Immer wieder kommen mir die Anfangsworte des Autors in den Sinn „… habe ich gerade gesagt, Sie hätten eine Chance? Vergessen Sie´s…“

Das Cover kommt ziemlich düster und daher, man spürt direkt, dass hinter der Tür so einiges los ist. Das dominierende Rot vor dem schwarz-grauen Hintergrund lässt blutige Szenarien ahnen. Wie es denn wirklich aussieht hinter der Stahltür, bleibt im Verborgenen. Ein kraftvolles Titelbild, ein starker Auftritt.

„Das Loft“ ist trotz oder gerade wegen seiner Unaufgeregtheit durchgehend spannend. Je mehr ich erfahre, desto mehr hinterfrage ich weil – es kommt doch wieder anders. Dieser raffiniert inszenierte Thriller ist bis zum überraschenden Schluss nicht zu durchschauen. Böse, hässlich, genial inszeniert. Ein absolutes Muss für jeden Thriller-Fan.

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Veröffentlicht am 04.01.2022

So geht Erfolg

Schwarzes Herz
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Eine sehr persönliche Geschichte, die Lebensgeschichte der Jasmin Kuhnke. Die schwarze Ich-Erzählerin hat es mit gewalttätigen Männern zu tun. Zunächst ihr Stiefvater, später dann der gewalttätige Vater ...

Eine sehr persönliche Geschichte, die Lebensgeschichte der Jasmin Kuhnke. Die schwarze Ich-Erzählerin hat es mit gewalttätigen Männern zu tun. Zunächst ihr Stiefvater, später dann der gewalttätige Vater ihrer Kinder. Fast könnte man meinen, sie sucht sich die falschen Bezugspersonen aus, aber nicht nur diejenigen, die ihr am nächsten stehen, lassen sie spüren, dass sie anders ist. Schon das Baby wird abgelehnt, das Kind sowieso.

Rassismus ist auch in unserer aufgeklärten Welt alltäglich, da können die Gutmenschen mit ihren Neuinterpretationen von alten Märchen ganz bestimmt nichts dran ändern. Denn sowas hilft einem People of Color nichts. Der Stil der Autorin ist sehr einnehmend, sie versteht es, ihre Geschichte so zu erzählen, dass man ihr gerne zuhört. Aber auch hier gilt: Sex sells. Und nicht nur das, auch skandalträchtige Verhaltensweisen tragen dazu bei, auf ein Buch aufmerksam zu werden. Die Erzählung beginnt mit einer toxischen Beziehung, wie sie überall vorkommt, in einer vulgären Sprache.

Sie erzählt von ihr als Kind, dann wieder ist sie im Erwachsenenleben angekommen, irgendwie ohne Punkt und Komma. Unterhaltsam, das ja. Aber doch in einer sehr einseitigen Sichtweise. Ich mag grundsätzlich keine Ausgrenzungen, egal wen es betrifft. Auch sie grenzt aus, urteilt und verurteilt. Was ihr gutes Recht ist und doch würde ich mir auch von ihr mehr Distanz wünschen. Nicht nur andersfarbige Menschen erleiden so ein Schicksal, hier würde ich nicht von rassistischem Fehlverhalten sprechen, es waren eher durch und durch vergiftete Verbindungen, die sie hatte, die sie einging.

„Schwarzes Herz“ zeichnet ein einseitiges Bild einer Gesellschaft, die ausgrenzt. Menschen mit dunkler Hautfarbe in einer Opferrolle darstellt, die es so bestimmt auch gibt, aber das hat nichts mit der Tönung der Haut zu tun. Die Autorin ist eine starke Persönlichkeit, weiß mit den Medien umzugehen und hier holt sie aus, klagt an. Auch ich bin neugierig geworden. Zum einen ein Thema, das mich interessiert, das polarisiert. Zum anderen war ihr Verhalten auf der Buchmesse ein Erfolgsgarant. Nein, dieses Buch hat meine Erwartungen nicht erfüllt.

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Veröffentlicht am 31.12.2021

Spannend, dramatisch – ein Hörgenuss

Im Auge des Zebras
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Sieben Jugendliche wurden entführt, alle zur selben Zeit von derselben Person. Wie ist das möglich? Sie sind spurlos verschwunden und zwei Tage später werden ihre Eltern getötet. Olivia Holzmann, Kommissarin ...

Sieben Jugendliche wurden entführt, alle zur selben Zeit von derselben Person. Wie ist das möglich? Sie sind spurlos verschwunden und zwei Tage später werden ihre Eltern getötet. Olivia Holzmann, Kommissarin beim LKA Berlin, ermittelt, im Hintergrund ihr Ex-Kollege und Mentor Severin Boesherz. Auch auf die Erfahrung der pensionierten Kommissarin Esther Wady will Olivia nicht verzichten, die Zeit spielt gegen sie.

Es geht gleich mal sehr beängstigend los. Olivia braucht das Wissen des gewissenlosen Verbrechers Fjodor Sokolov, der sie auf bestialische Weise testen will. Ohne mit der Wimper zu zucken erfüllt sie seine Bedingungen. Schon hier braucht es gute Nerven, die Anspannung hält an. Ist Olivia die eiskalte Lady? Hat sie einen Plan? Mit ihrem Gegenüber ist nicht zu spaßen. Nicht genug damit, spielt ein lange vergangener Fall hier mit hinein. Wie geht das zusammen?

Eine ganz eigene Atmosphäre hat Uve Teschner als Sprecher des Hörbuchs geschaffen. Seine sonore Stimme passt er den jeweiligen Szenen gut an, ich sah mich mit Olivia auf dem Schiff, wurde hinein gesaugt in die abstruse Story. Teschner lässt jedem Einzelnen seine Eigenart, bringt seine Stimme zum Schwingen. „Save your kisses for me“ – Brotherhood of Man swingt im Hintergrund mit.

Längst Vergangenes wechselt sich ab mit der Suche nach den Verschwundenen. Die Charaktere sind eher unnahbar und doch entwickelt man sehr viel Empathie für sie, beobachtet mit gewissem Abstand, fiebert mit. Olivia und ihr Ex-Kollege haben viele Ecken und Kanten. Und Boesherz weiß ob seiner zur Schau getragenen Kaltschnäuzigkeit ganz genau, was er warum tut.

Es ist meine erste Begegnung mit Vincent Kliesch. Vielleicht auch deshalb, weil ich seinen Kollegen, mit dem er immer mal wieder zusammenarbeitet, nicht besonders schätze. Kliesch jedoch, seine Art zu schreiben, mag ich. Das Cover und der zunächst rätselhafte Titel sind besonders, heben sich in ihrer Andersartigkeit von gängigen Thriller-Präsentationen ab.

Das ungekürzte Hörbuch vom Argon Verlag AVE GmbH Berlin und Uve Teschner haben mich gut unterhalten, es ist ein spannender Auftakt um die Ermittler Boesherz und Holzmann. Eine sehr lohnende Lektüre für alle Thriller-Fans, unblutig und doch so lebendig, voller Aufregung und Nervenanspannung. Und – auch dank des hervorragenden Sprechers bewerte ich das Hörbuch mit 5 Sternen.

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