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Veröffentlicht am 30.11.2021

Ein Schneedrama der tödlichen Art

Das Chalet
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Erin und Danny, die Gastgeber im Chalet, warten auf ihre illustren Gäste. Neun Personen sind gemeldet, die Firmengründer eines IT-Unternehmens und ihre Mitarbeiter wollen einige Tage hier oben in diesem ...

Erin und Danny, die Gastgeber im Chalet, warten auf ihre illustren Gäste. Neun Personen sind gemeldet, die Firmengründer eines IT-Unternehmens und ihre Mitarbeiter wollen einige Tage hier oben in diesem luxuriösen Chalet verbringen. Arbeiten und Skifahren, sich verwöhnen lassen inmitten der herrlichen Landschaft, das ist ihr Plan. Gleich mal ist die Verwirrung groß, es ist eine Person mehr zugegen, sie haben Liz vergessen! Natürlich wird dieses Problem gelöst, der Spaß kann beginnen.

Anfangs zieht sich alles in die Länge. Jeder wird charakterisiert, zunächst auf die hippe, junge Art. Genau so wie Snoop, das stylische Start-up sich darstellt. Ich beschließe, dieses Vorgeplänkel zugunsten der Story, die sich dann langsam entwickelt, zu ignorieren. Wenn man erst mal ein Gespür für sie alle entwickelt hat, sie einigermaßen einschätzen kann, nimmt diese Geschichte Fahrt auf.

Aus der Sicht von Erin und Liz erfährt der Leser so einiges. Zwei Normalos inmitten der verwöhnten Meute, so hat es den Anschein. Sie sind alle abgehoben, wähnen sich in anderen Sphären. Geben sich arrogant, sind snobistisch, anmaßend und blasiert, sind die Überflieger schlechthin. Doch so nach und nach wird so manches Geheimnis gelüftet, eine unheilvolle Atmosphäre macht sich breit, nachdem eine Lawine sie alle von der Außenwelt abgeschnitten hat. Es werden die Dämonen sichtbar, erst wird eine Person vermisst, dann gibt es Tote.

"Das Chalet" beginnt zäh, steigert sich aber dann gewaltig. Ist man erst angekommen, kann man sich dem nicht mehr entziehen. Ruth Ware greift sich ihre Leser regelrecht, man entkommt ihr nicht. Nur schade um den so langatmigen Anfang. Einige Passagen waren dann doch schnell durchschaubar, anderes dagegen so gar nicht greifbar. Ein Thriller inmitten eines Schneedramas, der spannend und mysteriös daherkommt. Keinem ist zu trauen, jeder wird kritisch beäugt, das Misstrauen ist mit Händen greifbar.

Fesselnd und furchteinflößend bis zum Schluss, genial inszeniert. Hat man sich erst eingelesen, die Akteure kennengelernt, gibt es kein Halten mehr. „Das Chalet“ will gelesen werden. Unbedingt.

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Veröffentlicht am 30.11.2021

Poetisch und doch sperrig

Greta und Jannis
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Die Winter und die Sommer nach der Apfelernte, auch Frühling und Herbst danach oder vor acht Jahren – davon schreibt Sarah Kuratle, von „Greta und Jannis“ und von den anderen. Ins allerletzte Dorf zieht ...

Die Winter und die Sommer nach der Apfelernte, auch Frühling und Herbst danach oder vor acht Jahren – davon schreibt Sarah Kuratle, von „Greta und Jannis“ und von den anderen. Ins allerletzte Dorf zieht Greta, nachdem ein lange gehütetes Familiengeheimnis sie daran hindert, mit Jannis zusammenzusein.

Der rote Hartriegel, die Früchte davon, passen in ihr Leben, zu dem abgelegenen Hof, der den vielen Kindern und auch Greta Heimat geworden ist. Zweige dieses widerstandsfähigen Strauches schmückt das zarte Cover.

Man muss in der richtigen Stimmung sein für das Buch. Ein sehr poetischer Schreibstil, manchmal sehr holprig, geradezu sperrig und zäh, uneinnehmbar. Wie wenn man vor verschlossenen Türen steht, einen unüberwindbaren Fels, ja einen Berg erklimmen muss.

Ich habe angefangen und dann dachte ich nein, das geht nicht, es weggelegt und wieder zur Hand genommen. Sehr viel drüber nachgedacht, den Klappentext gelesen und dem Ganzen nochmal eine Chance gegeben. Sich einlesen und sich einlassen auf diese ganz eigene Art sollte man und erst dann kann man, konnte ich das Buch genießen. Ich brauchte dafür Mußestunden, musste mich wegbeamen und in die Welt von Greta und Jannis eintauchen, zu ihnen hinübergehen.

Man mag das Buch oder man mag es nicht, es gibt nichts dazwischen. Es sind schon sperrige Sätze, die einen nachdenken lassen, die einen fordern. Die Charaktere leben in ihrer eigenen Welt, so richtig konnte ich zu ihnen nicht vordringen, ich war eher Beobachter denn mittendrin.

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Veröffentlicht am 28.11.2021

Enttäuschend

Die Schönheit des Himmels
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Ein persönliches Buch – so wird es beworben. Und genau das sollte es bleiben. Persönlich, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Was, so frage ich mich, will die Autorin ihren Lesern sagen?

„Es gibt ...

Ein persönliches Buch – so wird es beworben. Und genau das sollte es bleiben. Persönlich, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Was, so frage ich mich, will die Autorin ihren Lesern sagen?

„Es gibt nichts Schöneres, als sie „meine Mutter“ zu nennen. Niemand außer mir darf das.“ In diesem schmalen Buch erzählt sie nicht die Geschichte ihrer berühmten Mutter, sie dient lediglich als Aufhänger, als Rechtfertigung für ihre Worte, die sie, die Tochter von Romy Schneider, an ihre zweieinhalbjährige Tochter richtet.

Im Radio habe ich eine Buchbesprechung gehört, Sarah Biasini hat ihre „Schönheit des Himmels“ auf allen Kanälen beworben. Dieses Buch muss ich lesen, unbedingt. Und nun - endlich mein! Gespannt schlage ich es auf und lese eine emotionslose Aneinanderreihung aller Ereignisse, die für sie wichtig waren. Die sie mit der Entstehungsgeschichte ihrer Tochter verbindet.

Erinnerungsfetzen, unausgegoren, schnell aufs Papier geworfen. Man muss nicht jeden Gedanken in einem Buch verewigt sehen, um dieses dann schnell auf den Markt zu werfen. Für mich eines der schlechtesten Bücher überhaupt. Ich mag Sarah Biasini, ihre zurückgenommene Art. Aber ihr Buch mag ich nicht, so leid es mir tut.

Das Cover ist wundervoll, hier stimmt einfach alles. Auch der Klappentext lädt ein, ein klein wenig in ihre Seele zu schauen. Nur so viel, wie sie ihren Lesern verraten will, alles andere bleibt diskret im Verborgenen.

„Romy Schneiders Tochter erzählt: poetische und intime Einblicke in ihr Leben abseits der Öffentlichkeit.“ Und genau da sollten diese weder poetischen noch intimen Einblicke bleiben – abseits der Öffentlichkeit.

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Veröffentlicht am 25.11.2021

Kleine und große Geheimnisse - ein spannendes Hörbuch

Rue de Paradis
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In der Rue de Paradis lässt es sich wohnen, es ist ein idyllisches Plätzchen auf der Halbinsel Cap Ferret. Bei einer Sturmflut werden nicht nur Häuser zerstört, auch eine Frau kommt inmitten der Wassermassen ...

In der Rue de Paradis lässt es sich wohnen, es ist ein idyllisches Plätzchen auf der Halbinsel Cap Ferret. Bei einer Sturmflut werden nicht nur Häuser zerstört, auch eine Frau kommt inmitten der Wassermassen um. Es stellt sich heraus, dass die Rue de Paradis nie hätte bebaut werden dürfen. Zu nah am Bassin, lediglich das Haus des Bürgermeisters hoch oben liegt außerhalb der Gefahrenzone. Umgesiedelt müssen sie werden – es regt sich Widerstand. Als es sechs Monate später erneut zu einer noch verheerenderen Flut kommt, wird der Bürgermeister tot aufgefunden. Luc Verlain wird hinzugezogen, ein für ihn denkbar ungünstiger Zeitpunkt, seine Tochter kann jeden Moment zur Welt kommen.

Die Art, wie Alexander Oetker seine Leser an den Fall heranführt, gefällt mir ausgesprochen gut. So hat man die Örtlichkeiten und die Akteure direkt vor Augen, möchte nur zu gerne die Köstlichkeiten der Gegend genießen. Luc ist mir mittlerweile sehr vertraut, ich folge ihm und Anouk, seiner Lebensgefährtin, schon ab Band 1 und werde ihm weiterhin treu bleiben.

Lucs unaufdringliche und immer durchdachte Handlungsweise mag ich sehr gerne. Er kennt diesen Menschenschlag, kann mit ihnen umgehen. Hier findet man keine reißerischen Szenen, aber doch genug Lügen und Geheimnisse, Hinterhältigkeit und Bosheit. Sie geben sich rechtschaffen, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten. Und doch hat jeder hat seine dunklen Seiten, die dank Lucs Spürsinn ans Licht kommen.

Ein spannender fünfter Band um Luc Verlain. Alles beginnt gemächlich, steigert sich, wirft viele Fragen auf und endet ganz unverhofft. Wiederum ein spannender Kriminalfall, der auch gelesen werden kann, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Aber warum sollte man sich um den Lesegenuss bringen? Diesen fünften Fall habe ich mir als Hörerlebnis gegönnt, ich kann es sehr empfehlen.

Das ungekürzte Audible Hörbuch ist 7 ½ Stunden Hörgenuss vom Feinsten. Dazu trägt natürlich auch Frank Arnold mit seiner ausdrucksstarken, so wandelbaren Stimme bei. Der perfekte Sprecher, dem ich jede Rolle abnehme, er zieht seine Hörer ganz tief in diesen Kriminalfall. Das Kopfkino ist eingeschaltet, die weiße Gischt weit draußen, die enormen Regenmengen, die Sturmflut trifft auf die Westküste und in meine Vorstellung. Ich bin inmitten der Bewohner, kann ihre Verzweiflung direkt spüren. Kurzum - eine perfekte Lesung.

Wie gesagt - sehr gerne empfehle ich Luc Verlains fünften Fall an der „Rue de Paradis“ weiter.

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Veröffentlicht am 24.11.2021

Bella ciao

Die Klänge der Freiheit
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Voller Stolz nimmt Inge die Brosche, die eine fertig ausgebildete Rotkreuz-Schwester auszeichnet, bei ihrer Vereidigung entgegen. Afrika, ihr Wunsch-Einsatzort, rückt näher. Aber an die Ostfront muss ...

Voller Stolz nimmt Inge die Brosche, die eine fertig ausgebildete Rotkreuz-Schwester auszeichnet, bei ihrer Vereidigung entgegen. Afrika, ihr Wunsch-Einsatzort, rückt näher. Aber an die Ostfront muss sie, ihr Vater sieht das kritisch, ihre ganze Rotkreuz-Schwesternschaft gefällt ihm nicht. Zuviel hat er gesehen vom Krieg, hat verbotenerweise Feindessender gehört und weiß um die Aussichtslosigkeit der Deutschen in diesen letzten Kriegsjahren. Jedoch glaubt Inge, blauäugig wie sie ist, nicht ihm, sondern dem Führer und seiner Propaganda. Für die richtige Sache will sie einstehen, den tapferen Soldaten helfen.

Mit der Realität, der Grausamkeit des Krieges, wird sie im Lazarett tagtäglich konfrontiert. Oberstleutnant Heinrich Preuss wird mit einem Streifschuss und einer Fleischwunde eingeliefert und schon bald will er bevorzugt von Inge betreut werden, will sie in seiner Nähe haben. Die Rote Armee ist nahe und Inge kommt seiner Bitte nach, ihn nach Italien zu begleiten. Dort wird er Vorbereitungen für ein Kriegslazarett treffen. Es ist ihre Chance, der Hölle zu entkommen.

Aus der Sicht einer jungen, idealistischen Frau nimmt Tara Haigh ihre Leser mit hinter die Front. Aus ihrer anfänglichen Euphorie, dem unbedingten Willen zu helfen und aus der Überzeugung, der richtigen Sache zu dienen, wird ihr Blick zunehmend kritischer. Sie sieht hinter den Kulissen die menschenverachtende Realität der Einzelnen, kann aber nichts tun als schweigend dem zuzusehen. Ein Stück Zeitgeschichte hat die Autorin zu Papier gebracht, das Lazarett mit all seinen Schrecken verdeutlicht gut die entsetzlichen Qualen der Verwundeten. Triage nannten sie das, was schlicht und ein Ausleseverfahren war. Bei wem ist es noch sinnvoll, die raren Medikamente auszugeben? Wer ist dann wieder voll einsatzfähig, kann dem Regime weiterhin dienen?

Italien zeigt sich zunächst von seiner schönsten Seite, der Spaziergang durch Rom setzt Bilder im Kopf frei, ich bin mit Inge in der Stadt, schwelge in Erinnerungen, auch Neapel mit all seinen nicht nur feinen Gerüchen bleibt im Gedächtnis. Die perfekte Lage des Klosters oben auf dem Berg macht die Abtei Montecassino zu einem strategisch günstigen Ort, die Deutschen nisten sich in der Nähe ein.

Ein Buch über die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges, von der Ostfront nach Italien. Während es in der ersten Hälfte um das harte Leben und Sterben im Lazarett geht, wandelt sich die Geschichte zunehmend in eine Romanze, umrankt vom Widerstand. Wobei mich der Anfang sehr gebannt immer weiterlesen ließ, hatte ich im Bella Italia zunehmend das Gefühl, die Kriegswirren und deren entsetzliche Taten müssen dem Patriotismus und einer Liebe zwischen den Gegnern weichen.

„Bella ciao“ – ein Lied über den Tod und doch waren es für die Partisanen die Klänge der Freiheit. Diese fiktive Geschichte mit dem bekannten historischen Hintergrund war durchaus kurzweilig zu lesen, weniger Amore wäre hier mehr gewesen. Unterhaltsam waren „Die Klänge der Freiheit“ allemal.

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