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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2025

Dieses Buch ist der Wahnsinn!!

Das achte Leben (Für Brilka)
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In „Das achte Leben“ erzählt Nino Haratischwili auf knapp 1300 Seiten eine Familiensaga, die das gesamte 20. Jahrhundert umfasst, und von Tbilissi über Moskau, Wien und London bis Berlin führt. Die Geschichte ...

In „Das achte Leben“ erzählt Nino Haratischwili auf knapp 1300 Seiten eine Familiensaga, die das gesamte 20. Jahrhundert umfasst, und von Tbilissi über Moskau, Wien und London bis Berlin führt. Die Geschichte der georgischen Familie Jaschi ist eng verknüpft mit den historischen Ereignissen in Georgien und Russland und reicht von der zaristischen Epoche bis ins Nachwende-Berlin.
Niza erzählt ihrer zwölfjährigen Nicht Brilka, die zur Generation der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Geborenen gehört und Orientierung in ihrem Leben sucht, die Geschichte der Familie. Sie – und damit auch der Leser - erfährt von den oft tragischen Schicksalen der einzelnen Familienmitglieder: von den Schwestern Stasia und Christine, von Stasias Kindern Kitty und Kostja, von Kostjas Tochter Elene, und von Elenes Töchtern Daria und Niza.

„Das achte Leben“ ist nicht nur ein Familienroman, es ist gleichzeitig auch ein historischer Roman, der viele Informationen über die politische Situation des 20. Jahrhunderts in Georgien und Russland bzw. in der Sowjetunion liefert, eine Geschichte aus Unterdrückung, Hass, Gewalt und Sprachlosigkeit. Parallelen zum heutigen Russland (und auch anderen autoritären Regimes) lassen sich leicht erkennen.

Sehr beeindruckt hat mich die wortgewaltige Sprache mit der Haratischwilli, die in Georgien geboren und aufgewachsen ist, die Geschichte erzählt. Ihr Schreibstil ist so lebendig, fesselnd und berührend, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Ich habe das Buch geradezu verschlungen, keine Seite war zu viel!
Allerbeste Unterhaltung auf höchstem Niveau, dieses Buch wird mir lange in Erinnerung bleiben und es wird sicher nicht das letzte Buch von Haratischwilli bleiben, das ich lesen werde. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Pure Langeweile

Die Pfeiler des Glaubens
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Schauplatz von Ildefonso Falcones „Die Pfeiler des Glaubens“ ist das Andalusien des 16. Jahrhunderts. Es ist die dunkle Zeit des Konfliktes zwischen Islam und Christentum und umfasst die Zeit vom Aufstand ...

Schauplatz von Ildefonso Falcones „Die Pfeiler des Glaubens“ ist das Andalusien des 16. Jahrhunderts. Es ist die dunkle Zeit des Konfliktes zwischen Islam und Christentum und umfasst die Zeit vom Aufstand der spanischen Mauren in 1568 bis zur ihrer endgültigen Vertreibung aus Spanien. In dieser Zeit lebt der junge Maure Hernando Ruiz, dessen Geburt die Folge einer Vergewaltigung seiner muslimischen Mutter durch einen katholischen Priester ist. Sein Stiefvater, ein muslimischer Maultiertreiber, sieht in ihm nur den verhassten Christenbastard. Hernando wird von allen maurischen Bewohnern des Dorfes der „Nazarener“ genannt, da er in christlicher Religion unterrichtet wird. Doch in seinem Innersten ist und bleibt er Moslem, wird auch im Koran unterrichtet und kann Arabisch schreiben.
Auf über 900 Seiten wird nun die Geschichte von Hernando erzählt, der sein Leben dem Kampf um das Überleben seines Volkes und seiner Kultur sowie der Aussöhnung der beiden Religionen widmet.
Falcones „Kathedrale des Meeres“ habe ich mit Begeisterung gelesen, das Buch hat mich bis zur letzten Zeile gefesselt. Bei „Die Pfeiler des Glaubens“ war leider das Gegenteil der Fall, ich war mehrmals versucht, es einfach abzubrechen.
Das Buch ist nach dem typischen Schema eines historischen Romans gestrickt: Kämpfe, Intrigen, Vertreibungen, gleich mehrere Liebesgeschichten. Der Erzählstil ist allerdings recht schlicht, die Figuren bleiben blass und die Überfrachtung der Geschichte mit Details erzeugt keinerlei Spannung, sondern Langeweile pur.
Der Funke ist bei mir nicht übergesprungen, das Buch hatte echte Längen und es mangelte an Tiefe. Eigentlich schade, denn das Thema – Konflikte zwischen Christentum und Islam – ist nach wie vor aktuell und auch historisch wurde sehr sorgfältig recherchiert.
Mein Bedarf ist nach dieser Lektüre erstmal für lange Zeit gedeckt, so schnell kommt mir kein historischer Roman mehr auf den Lesestapel!

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Zerbrechliches Glück?

Die Glücklichen
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Isabell und Georg stehen auf der sonnigen Seite Seite des Lebens. Sie haben gut bezahlte Jobs, Isabell ist Cellistin in einem kleinen Orchester, Georg arbeitet als Journalist bei einer großen Tageszeitung. ...

Isabell und Georg stehen auf der sonnigen Seite Seite des Lebens. Sie haben gut bezahlte Jobs, Isabell ist Cellistin in einem kleinen Orchester, Georg arbeitet als Journalist bei einer großen Tageszeitung. Sie wohnen in einer schicken Altbauwohnung in einem hippen Stadtviertel mit vielen Cafés und Bioläden, leisten sich Besuche in ihrem Lieblings-Sushi-Restaurant, schicke Kleidung und teure Urlaube im Ausland. Ihr kleiner Sohn Matti macht das Glück perfekt.
Doch dann schleichen sich Unsicherheiten in ihr Leben ein und alles ändert sich. Isabells Hand zittert bei öffentlichen Auftritten, sie kann nicht mehr Cello spielen und verliert ihr Engagement. Auch Georg verliert seinen Job, er wird entlassen, als seine Zeitung verkauft wird.
Anfänglich sind beide noch recht gelassen, doch bald muss das Paar Verzicht üben, die Angst vor dem
sozialen Abstieg vergiftet ihre Beziehung.
„Die Glücklichen“ ist eine Geschichte mitten aus dem Leben, vielen Menschen geht es wie Isabell und Georg. Arbeitslosigkeit kann sehr schnell in eine soziale Abwärtsspirale führen und Existenzängste auslösen. Natürlich hat so eine Krise auch oft einen negativen Einfluss auf Beziehungen.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Isabell und Georg, der Leser bekommt einen Einblick wie unterschiedlich die beiden mit der Krise umgehen. Ihre jeweiligen Ängste und Sorgen sind sehr gut nachvollziehbar.
Unaufgeregt und authentisch schildert Kristine Bilkau wie Krisen Menschen verändern, die sich eben noch in Sicherheit wähnten. Und wie kommt man aus dieser Krise wieder heraus? Gelingt es Isabell und Georg, ihre Beziehung wieder zu verbessern und trotz Krise wieder Glück zu verspüren?
„Die Glücklichen“ ist Kristine Bilkaus Debütroman, es folgte „Nebenan“ und für ihr jüngstes Buch „Halbinsel“ hat sie den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 erhalten.
Der Roman hat mir ein paar tolle Lesestunden beschert, Gegenwartsliteratur „at its best“, daher klare Leseempfehlung! „Die Glücklichen“ ist der erste Roman von Kristine Bilkau, den ich gelesen habe, aber sicher nicht der letzte!

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Der Verlust einer Schwester

Blue Sisters
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Die "Blue Sisters": das sind die New Yorker Schwestern Avery, Bonnie, Lucky und Nicky. Ein Jahr ist es her, dass Nicky unter tragischen Umständen gestorben ist. Seit Nickys Tod ist im Leben ...

Die "Blue Sisters": das sind die New Yorker Schwestern Avery, Bonnie, Lucky und Nicky. Ein Jahr ist es her, dass Nicky unter tragischen Umständen gestorben ist. Seit Nickys Tod ist im Leben der verbliebenen Schwestern nichts mehr wie es vorher war und sie haben nur noch wenig Kontakt zueinander. Avery, die Älteste, die sich immer verantwortlich für ihre jüngeren Schwestern fühlte, lebt als erfolgreiche Anwältin in London und ist mit ihrer ehemaligen Therapeutin verheiratet. Bonnie, eine erfolgreiche Boxerin, hat sich nach einer schweren Niederlage aus dem Boxsport zurückgezogen und verdient ihren Lebensunterhalt als Türsteherin in Los Angeles. Lucky, die jüngste Schwester ist ein Model und jettet um die Welt. Durch ihre Alkohol- und Drogenexzesse hat sie allerdings ihre Karriere ins Aus manövriert.
Da die Mutter der Schwestern plant, die Familienwohnung in New York, die seit Nickys Tod leer steht, zu verkaufen, treffen die Schwestern, die sich seit Nickys Tod kaum mehr gesehen haben, in New York aufeinander. Jede von ihnen hat versucht auf ihre Art und Weise mit dem Verlust von Nicky, der Trauer und dem Schmerz klarzukommen. Sie fühlen sich auch alle drei schuldig, den Tod von Nicky nicht verhindert zu haben.
Coco Mellors hat mit „Blue Sisters“ eine vielschichtige und sehr berührende Geschichte vorgelegt, es gelingt ihr, von Themen wie (Geschwister-) Liebe, Schmerz, Trauer, Schuldgefühle, Suchterkrankung, Verantwortung und Mutterschaft auf eine so fesselnde Art zu erzählen, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen konnte. Sie schreibt so feinfühlig und intensiv, dass man sich als LeserIn den Schwestern ganz nah fühlt und hofft, dass Avery, Bonnie und Lucky ihre zerrütteten Leben in den Griff bekommen und auch wieder zueinander finden.
Tolles Buch, klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen

Die Summe unserer Teile
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„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet ...

„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet während des 2. Weltkrieges von Polen in den Libanon, studiert dort und wird eine der ersten Chemikerinnen des Landes. Ihre Tochter, Daria, verlässt Beirut, um in Deutschland zu studieren und dort als angesehene Ärztin zu leben. Daria hat ihre Mutter immer als kalt, abweisend und distanziert empfunden. Nach Darias Heirat, ihr Mann ist Psychiater, wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter noch distanzierter und bricht nach der Geburt von Darias Tochter Lucy komplett ab. Daria möchte bei der Erziehung von Lucy alles besser machen als ihre eigene Mutter, was allerdings dazu führt, dass Lucy sich von ihrer Mutter derart bevormundet und eingeengt fühlt, dass sie den Kontakt zu Daria abbricht. Sie gibt ihr Informatikstudium in München auf, um es in Berlin fortzusetzen, ohne ihre Eltern zu informieren. Nach drei Jahren völliger Funkstille steht plötzlich ein Klavier in Lucys Berliner Studentenbude, geschickt von ihrer Mutter aus München. Dies ist der Auslöser für Lucys Reise nach Polen, zu den Wurzeln ihrer Familie bzw. ihrer Großmutter, die sie nie kennengelernt hat.
Erzählt wird die Geschichte jeweils aus der Perspektive von Lucy, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Dieser durchaus reizvolle und interessante Perspektivwechsel hat leider nicht dazu geführt, dass sie mich einer der Figuren näher gebracht hätte, ich bin mit keiner der drei Frauen warm geworden. Das Verhalten von Lyudmila und Daria konnte ich noch nachvollziehen, der Beziehungsabbruch von Lucy zu Daria blieb mir völlig unverständlich und absolut überzogen.
Jeder Mensch ist „die Summer seiner“ Teile, geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Und natürlich sind dadurch auch die Beziehungen zu anderen bestimmt, haben Einfluß auf Mutter-Tochter Beziehungen. Sprachlosigkeit bzw. nicht vorhandene Kommunikation endet dann in schwierigen Beziehungen. Wie anders hätte das Verhältnis von Daria zu Lyudmila und auch von Lucy zu Daria sein können, wenn sie Lyudmilas traumatische und prägende Erfahrung gekannt hätten? Ist das die Erkenntnis aus diesem Buch: mangelnde Kommunikation ist das Grundübel? Das ist mir dann doch etwas zu flach und oberflächlich.
Insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen, das Buch ist flüssig lesbar, aber es hat mich nicht gefesselt und wird nicht lange nachhallen.

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