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Veröffentlicht am 29.03.2025

Conny ist der Abspann vom Film und Rosa sitzt noch da!

Nowhere Heart Land
5

Als ich das Buch gelesen habe, war ich wieder Anfang 20, hatte furchtbaren Liebeskummer und lief mit meinen abgewetzten Chucks durch Berlin.

So oder so ähnlich fühlte ich mich bei dem Buch „Nowhere Heart ...

Als ich das Buch gelesen habe, war ich wieder Anfang 20, hatte furchtbaren Liebeskummer und lief mit meinen abgewetzten Chucks durch Berlin.

So oder so ähnlich fühlte ich mich bei dem Buch „Nowhere Heart Land“, bei dem sich alles um die Protagonistin Rosa dreht, die ins ländliche Deutschland zurückkehrt, um das Haus ihrer dementen Oma zu verkaufen.
Eigentlich lebt sie im rasanten London, versucht dort das bisher Erlebte hinter sich zu lassen und sich einer erfolgreichen Zukunft zu nähern.
Als sie jedoch ihrem Arbeitskollegen die Nase bricht, ändert sich der Plan und Rosa wird zurück in die Vergangenheit katapultiert.

Es war ein wilder Ritt, das muss ich zugeben. Die Geschichte erfordert Energie. Es gibt unendlich viele Zeitsprünge, Gedankenabbrüche und Sätze, die sich im Sande verlaufen.
Die Grundstimmung ist dabei düster, hoffnungslos und das Leben von Rosa scheint ihr selbst zu entgleiten.
Seit dem Tod ihrer Mutter, die nur „Conny“ genannt wird, verharrt Rosa an einer Stelle. Anstatt nach vorne zu schauen und die Erlebnisse professionell aufzuarbeiten, schwelgt sie in Erinnerungen der vergangenen Jahre.
Oft erfahren wir hier von ihrer Zeit im Internat, welche der Protagonistin, ihren Freundinnen, aber auch Conny viel abverlangt hat. Das Leben zwischen Nonnen, Regeln und Verboten ist im Teenageralter alles andere als attraktiv. Vor allem Conny hat hier in ihrer Jugend viel rebelliert und hatte große Schwierigkeiten mit der Schwangerschaft und Geburt von Rosa.
Und gerade das ist es, was im Buch (und in Rosas Kopf) viele Fragen aufwirft.

Rosa's Erinnerungen sind vage, verschwommen, meist kann sie ihnen selbst nicht trauen. So passiert es, dass sie ihrer besten Freundin einen so gravierenden Vorwurf macht, dass diese ihr die Freundschaft kündigt.
Dieser Umstand gepaart mit dem Tod von Conny lässt Rosa nicht los. Sie setzt alles daran, Informationen zu bekommen, um ihren eigenen Gedanken wieder Glauben schenken zu können und den Kontakt zu Leni herzustellen.
Mithilfe von Begegnungen in Form von Lehrern, alten Bekannten und schlussendlich auch ihrer Freundin Leni, können wir immerhin erahnen, was sich am Nützenberg abgespielt haben könnte. Eine Garantie erhalten wir nicht.

Rosa ist ein schwieriger Charakter. Dennoch konnte sie mich fesseln. Ich habe ihr jede Verzweiflung, jeden Kummer, jeden Schmerz geglaubt. Diese innere Zerrissenheit wurde perfekt auf den Schreibstil adaptiert. Daher war ich großer Fan dieser aufkommenden Poesie und diesen häufigen Sprüngen zwischen den Wörtern und Gedanken.
Ja, es war oft eintönig, gar langweilig, doch was soll auch groß passieren, wenn man dem Vergangenen nachhängt?
Das hat dieses Buch ausgemacht, es passte perfekt. Dass wir nach und nach mit Rosa gemeinsam erfahren, was sie zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist: Einsam, verloren und in einer Zeitschleife gefangen. Immer in Verbindung mit einer bitteren Melancholie.

Ich mochte die wenigen Dialoge sehr. Davon hätte es gerne mehr geben können. Ich habe regelrecht darauf hingefiebert, dass Rosa und Leni miteinander sprechen. Aber auch Herr Pfeiffer, Herr Vogt, das Gespräch mit dem Pfleger über die Demenz der Oma - das waren meine persönlichen Schlüsselmomente, die der Geschichte gut getan und sie vorangetrieben haben.

Hier und da gibt es meiner Meinung nach Verbesserungsansätze. Damit meine ich ganz besonders den Schlusspart. Ich finde es gelungen, dass auch hier noch Fragen offen bleiben (denn das ist der Sinn der Geschichte), doch hätte ich mir noch einen kleinen Zeitsprung in die Zukunft gewünscht.

Alles in allem bin ich sehr glücklich, dieses Buch gelesen haben zu dürfen. Meinen Geschmack hat es absolut getroffen. Ab der zweiten Hälfte konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 11.01.2025

Um dem Cover gerecht zu werden, fehlte das letzte Fünkchen Magie

A Dark and Drowning Tide
0

Es waren bereits die ersten 70 Seiten der Leseprobe, die mich in das Land voller Märchen, fantastischen Wesen und in die andauernde düstere Atmosphäre entführt haben.
In dem Buch "A dark and drowning ...

Es waren bereits die ersten 70 Seiten der Leseprobe, die mich in das Land voller Märchen, fantastischen Wesen und in die andauernde düstere Atmosphäre entführt haben.
In dem Buch "A dark and drowning tide" von Allison Saft begleiten wir Lorelei Kaskel und Sylvia von Wolff, zwei akademische Rivalinnen, die die Professorin Ziegler auf der Suche nach dem Ursprung der Magie unterstützen.
Die Expeditionsgruppe, bestehend aus Charakteren mit den verschiedensten politischen Ansichten, macht sich also gemeinsam auf.
Doch schon bald soll der Mord an Ziegler diese Reise ordentlich ins Stocken bringen.

Die beiden Protagonistinnen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Sylvia, bekannt für ihre riskanten, unorthodoxen Methoden, ist neugierig, verspielt und jedem Wesen gegenüber sehr positiv gestimmt. Lorelei hingegen, von inneren Zweifeln und ihrer Existenz als Außenseiterin geplagt, verhält sich oft kalt, distanziert und fasst zu kaum jemandem Vertrauen.
Auch die Nebencharaktere folgen ihren eigenen Motivationen und fügen sich geschickt in diese Geschichte ein. Gerade die einhergehenden internen Konflikte treiben das Geschehen voran und werfen immer wieder die Frage auf: Wer ist für den Tod von Ziegler wirklich verantwortlich?

Dieses Miträtseln und Vermutungen aufstellen hat mich auf langen Strecken des Lesens bei Laune gehalten. Fast jedes Kapitel hat einen neuen Ansatz in den Raum geworfen und eine unheimliche Dynamik mit sich gebracht.
Auch die Schauplätze sind für mich einzigartig. Vor allem die Reise auf dem Schiff ist mein persönliches Highlight. Die räumliche Enge und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen sind grandios.

Ebenfalls hervorheben möchte ich die vielen Märchen bzw. Legenden, die Lorelei mit uns teilt. Sie sind so magisch, dass ich fast jede von ihnen markiert habe.
Außerdem bin ich großer Fan des Schreibstils. An einigen Stellen herausfordernd, doch fast durchgehend angenehm und dem Genre entsprechend.

Einzig und allein der romantische Part kommt meiner Meinung nach zu kurz. Hier hätte ich mir noch mehr Spannung gewünscht, um der Romantasy gerecht zu werden.
Und natürlich auch diesem wundervollen Cover, welches unangefochten eines der besten Cover ist, die ich bisher besitze.

Kurz gesagt: Eine Prise mehr Romantik und eine anhaltende Spannung entsprechend der Schiffsszenen und mein Romantasy-Herz wäre vollends aufgegangen.
Trotz allem eine schöne Geschichte, die ich aufgrund ihrer Komplexität nicht missen möchte.

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  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 21.11.2024

Ein Auf und ab der Gefühle - bei Fern und bei mir

Strong Female Character
1

Mithilfe der Lesejury durfte ich das Buch "Strong Female Character" von Fern Brady lesen. In diesem Buch geht es um Fern Brady selbst und um ihr Leben zwischen Sexismus und Autismus. Der Leser begleitet ...

Mithilfe der Lesejury durfte ich das Buch "Strong Female Character" von Fern Brady lesen. In diesem Buch geht es um Fern Brady selbst und um ihr Leben zwischen Sexismus und Autismus. Der Leser begleitet Fern über viele Abschnitte hinweg - als Teenager, als junge Frau, Auszüge des Kindesalters, aber auch Momente ihrer aktuellen Gegenwart. Vorrangig schildert sie ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit, was ihr aufgrund ihres Autismus widerfahren ist und wie Beziehungen zu Menschen, die ihr begegnet sind, sie und ihr Leben nachhaltig geprägt haben.

Als ich die ersten 70 Seiten gelesen habe, war ich hellauf begeistert. Fern ist ein Charakter, der auf eine positive Art anders ist. Sie ist vielschichtig, sie hat Humor, sie kann in ihrer Sprache auf das Wesentliche reduzieren. Ich mag diese Derbheit und ihre Authentizität. Völlig schnörkellos, keine rosarote Brille in Sicht. Doch das Thema ist schwer und bewegt. Ich hatte bisher keine Berührungspunkte mit Autismus und war oft schockiert, wie weit es doch reicht. Die Meltdowns beispielsweise haben mich sehr getroffen. Es ist unvorstellbar, damit umgehen zu müssen und in dieser Situation so hilflos und allein zu sein. Denn das war Fern zu vielen Zeitpunkten ihres Lebens. Ihre Eltern, der Katholischen Kirche zugewandt, hüllten sich lieber in Schweigen und ignorierten überfordernde Ereignisse. Fern musste also früh lernen, alleine zu überleben. Es gab in ihrer Umgebung niemanden, der ihren Autismus auch nur annähernd nachvollziehen konnte. Im Gegenteil, es machte den Menschen sogar Angst. So stark, dass sie sich die meiste Zeit entschied, diesen so gut es ging zurückzuhalten.
Auch heute wird über Autismus nur sehr wenig gesprochen und offen diskutiert. Alleine dafür lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Es vermittelt Wissen und wichtige Erkenntnisse. Doch so sehr ich Fern ins Herz geschlossen habe und sie gerne noch weiter auf ihrer Reise begleitet hätte, so muss ich dennoch sagen, dass die Erlebnisse sie doch sehr geprägt haben und das nicht immer ins Positive. Ihr Blick auf die Menschheit - vor allem auf die Männer - wirkt sehr verallgemeinernd. Dabei hat sie doch gerade mit Conor einen so einfühlsamen, liebenswerten Mann kennen gelernt. Auch ihr Frauenbild wirkt verzehrt, an einigen Stellen fast schon verachtend. Dabei ist es doch gerade das, was sie verhindern möchte, was ihr so zusetzt. Das waren für mich die schwachen Momente dieses Buches.
Alles in allem möchte ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen. Es ist erfrischend, sich auch mit den schwierigen Seiten des Lebens auseinanderzusetzen. In eine Geschichte abzutauchen, die so gar nichts mit der eigenen zutun hat. Nicht jeder hat das Privileg, normal aufzuwachsen.

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