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Veröffentlicht am 21.11.2024

Ein Auf und ab der Gefühle - bei Fern und bei mir

Strong Female Character
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Mithilfe der Lesejury durfte ich das Buch "Strong Female Character" von Fern Brady lesen. In diesem Buch geht es um Fern Brady selbst und um ihr Leben zwischen Sexismus und Autismus. Der Leser begleitet ...

Mithilfe der Lesejury durfte ich das Buch "Strong Female Character" von Fern Brady lesen. In diesem Buch geht es um Fern Brady selbst und um ihr Leben zwischen Sexismus und Autismus. Der Leser begleitet Fern über viele Abschnitte hinweg - als Teenager, als junge Frau, Auszüge des Kindesalters, aber auch Momente ihrer aktuellen Gegenwart. Vorrangig schildert sie ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit, was ihr aufgrund ihres Autismus widerfahren ist und wie Beziehungen zu Menschen, die ihr begegnet sind, sie und ihr Leben nachhaltig geprägt haben.

Als ich die ersten 70 Seiten gelesen habe, war ich hellauf begeistert. Fern ist ein Charakter, der auf eine positive Art anders ist. Sie ist vielschichtig, sie hat Humor, sie kann in ihrer Sprache auf das Wesentliche reduzieren. Ich mag diese Derbheit und ihre Authentizität. Völlig schnörkellos, keine rosarote Brille in Sicht. Doch das Thema ist schwer und bewegt. Ich hatte bisher keine Berührungspunkte mit Autismus und war oft schockiert, wie weit es doch reicht. Die Meltdowns beispielsweise haben mich sehr getroffen. Es ist unvorstellbar, damit umgehen zu müssen und in dieser Situation so hilflos und allein zu sein. Denn das war Fern zu vielen Zeitpunkten ihres Lebens. Ihre Eltern, der Katholischen Kirche zugewandt, hüllten sich lieber in Schweigen und ignorierten überfordernde Ereignisse. Fern musste also früh lernen, alleine zu überleben. Es gab in ihrer Umgebung niemanden, der ihren Autismus auch nur annähernd nachvollziehen konnte. Im Gegenteil, es machte den Menschen sogar Angst. So stark, dass sie sich die meiste Zeit entschied, diesen so gut es ging zurückzuhalten.
Auch heute wird über Autismus nur sehr wenig gesprochen und offen diskutiert. Alleine dafür lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Es vermittelt Wissen und wichtige Erkenntnisse. Doch so sehr ich Fern ins Herz geschlossen habe und sie gerne noch weiter auf ihrer Reise begleitet hätte, so muss ich dennoch sagen, dass die Erlebnisse sie doch sehr geprägt haben und das nicht immer ins Positive. Ihr Blick auf die Menschheit - vor allem auf die Männer - wirkt sehr verallgemeinernd. Dabei hat sie doch gerade mit Conor einen so einfühlsamen, liebenswerten Mann kennen gelernt. Auch ihr Frauenbild wirkt verzehrt, an einigen Stellen fast schon verachtend. Dabei ist es doch gerade das, was sie verhindern möchte, was ihr so zusetzt. Das waren für mich die schwachen Momente dieses Buches.
Alles in allem möchte ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen. Es ist erfrischend, sich auch mit den schwierigen Seiten des Lebens auseinanderzusetzen. In eine Geschichte abzutauchen, die so gar nichts mit der eigenen zutun hat. Nicht jeder hat das Privileg, normal aufzuwachsen.

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