Gefühlvoll!
Where We BelongDer Roman Where We Belong – Bis wir uns fanden erzählt die bewegende Geschichte von Zofia, die als Kind mit ihren Eltern von Polen nach Berlin zieht und dort mit Ausgrenzung, Rassismus und dem ...
Der Roman Where We Belong – Bis wir uns fanden erzählt die bewegende Geschichte von Zofia, die als Kind mit ihren Eltern von Polen nach Berlin zieht und dort mit Ausgrenzung, Rassismus und dem Gefühl kämpft, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Obwohl sie die Sprache bereits gelernt hat, fällt es ihr schwer, Anschluss zu finden. In der Schule wird sie oft auf ihre Herkunft reduziert und fühlt sich unsicher und allein. Gleichzeitig übernimmt sie früh Verantwortung für ihre Familie, da sie als Vermittlerin zwischen ihren Eltern und der deutschen Gesellschaft fungiert.
Die Handlung entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: Zofias Schulzeit und ihre Gegenwart als Studentin, in der sie sich mittlerweile „Nessy“ nennt, um Abstand zu ihrer schmerzhaften Vergangenheit zu gewinnen. Als sie Jahre später auf Nils trifft – ihre erste große Liebe, die sie damals tief verletzt hat – werden alte Wunden wieder aufgerissen. Nach und nach wird durch Rückblenden deutlich, welche Ereignisse zu ihrem inneren Bruch geführt haben und wie sehr diese ihr heutiges Leben prägen.
Besonders überzeugend ist die emotionale Tiefe des Romans. Themen wie Migration, Identität, Zugehörigkeit, Rassismus sowie Schuld und Vergebung werden sensibel und authentisch behandelt. Die Autorin schreibt aus einer glaubwürdigen Perspektive, die deutlich macht, wie prägend solche Erfahrungen – insbesondere in jungen Jahren – sein können. Vor allem Zofia/Nessy ist eine vielschichtige Protagonistin, deren Gedanken und Gefühle nachvollziehbar und berührend dargestellt sind. Auch die Liebesgeschichte zwischen ihr und Nils ist gefühlvoll erzählt und wirkt trotz der Dramatik realistisch.
Der Schreibstil ist insgesamt flüssig, leicht verständlich und sehr emotional, sodass man schnell in die Geschichte eintauchen kann. Die wechselnden Perspektiven und häufigen Rückblenden geben zwar einen tiefen Einblick in die Figuren und ihre Entwicklung, bremsen jedoch stellenweise den Lesefluss – besonders zu Beginn wirkt die Handlung dadurch etwas zäh. Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte jedoch deutlich an Spannung und Intensität. Kritisch anzumerken ist, dass manche Konflikte und Figuren teilweise etwas zu klar in „gut“ und „böse“ eingeordnet werden und dadurch an Komplexität verlieren. Auch das Ende erscheint im Vergleich zur ausführlichen Entwicklung etwas knapp.
Das Buchcover ist ansprechend gestaltet und spiegelt die zentrale Liebesgeschichte wider: Zwei Figuren in inniger Nähe, die sofort die emotionale Verbindung zwischen Zofia und Nils erkennen lassen.
Insgesamt ist der Roman eine einfühlsame, bewegende und nachdenklich stimmende Geschichte über das Fremdsein, das Erwachsenwerden und die Suche nach der eigenen Identität. Trotz kleiner Schwächen in Struktur und Figurenzeichnung bleibt das Buch lange im Gedächtnis und eignet sich besonders für Leser*innen, die emotionale Geschichten mit gesellschaftlicher Relevanz schätzen.