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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2026

Gefühlvoll!

Where We Belong
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Der Roman Where We Belong – Bis wir uns fanden erzählt die bewegende Geschichte von Zofia, die als Kind mit ihren Eltern von Polen nach Berlin zieht und dort mit Ausgrenzung, Rassismus und dem ...

Der Roman Where We Belong – Bis wir uns fanden erzählt die bewegende Geschichte von Zofia, die als Kind mit ihren Eltern von Polen nach Berlin zieht und dort mit Ausgrenzung, Rassismus und dem Gefühl kämpft, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Obwohl sie die Sprache bereits gelernt hat, fällt es ihr schwer, Anschluss zu finden. In der Schule wird sie oft auf ihre Herkunft reduziert und fühlt sich unsicher und allein. Gleichzeitig übernimmt sie früh Verantwortung für ihre Familie, da sie als Vermittlerin zwischen ihren Eltern und der deutschen Gesellschaft fungiert.
Die Handlung entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: Zofias Schulzeit und ihre Gegenwart als Studentin, in der sie sich mittlerweile „Nessy“ nennt, um Abstand zu ihrer schmerzhaften Vergangenheit zu gewinnen. Als sie Jahre später auf Nils trifft – ihre erste große Liebe, die sie damals tief verletzt hat – werden alte Wunden wieder aufgerissen. Nach und nach wird durch Rückblenden deutlich, welche Ereignisse zu ihrem inneren Bruch geführt haben und wie sehr diese ihr heutiges Leben prägen.
Besonders überzeugend ist die emotionale Tiefe des Romans. Themen wie Migration, Identität, Zugehörigkeit, Rassismus sowie Schuld und Vergebung werden sensibel und authentisch behandelt. Die Autorin schreibt aus einer glaubwürdigen Perspektive, die deutlich macht, wie prägend solche Erfahrungen – insbesondere in jungen Jahren – sein können. Vor allem Zofia/Nessy ist eine vielschichtige Protagonistin, deren Gedanken und Gefühle nachvollziehbar und berührend dargestellt sind. Auch die Liebesgeschichte zwischen ihr und Nils ist gefühlvoll erzählt und wirkt trotz der Dramatik realistisch.
Der Schreibstil ist insgesamt flüssig, leicht verständlich und sehr emotional, sodass man schnell in die Geschichte eintauchen kann. Die wechselnden Perspektiven und häufigen Rückblenden geben zwar einen tiefen Einblick in die Figuren und ihre Entwicklung, bremsen jedoch stellenweise den Lesefluss – besonders zu Beginn wirkt die Handlung dadurch etwas zäh. Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte jedoch deutlich an Spannung und Intensität. Kritisch anzumerken ist, dass manche Konflikte und Figuren teilweise etwas zu klar in „gut“ und „böse“ eingeordnet werden und dadurch an Komplexität verlieren. Auch das Ende erscheint im Vergleich zur ausführlichen Entwicklung etwas knapp.
Das Buchcover ist ansprechend gestaltet und spiegelt die zentrale Liebesgeschichte wider: Zwei Figuren in inniger Nähe, die sofort die emotionale Verbindung zwischen Zofia und Nils erkennen lassen.
Insgesamt ist der Roman eine einfühlsame, bewegende und nachdenklich stimmende Geschichte über das Fremdsein, das Erwachsenwerden und die Suche nach der eigenen Identität. Trotz kleiner Schwächen in Struktur und Figurenzeichnung bleibt das Buch lange im Gedächtnis und eignet sich besonders für Leser*innen, die emotionale Geschichten mit gesellschaftlicher Relevanz schätzen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Was wäre wenn....

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Ich habe You and Me – Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd und Emlyn Rees_ als eine richtig schöne Mischung aus leichter Unterhaltung und nachdenklicher Liebesgeschichte erlebt. Besonders gefallen ...

Ich habe You and Me – Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd und Emlyn Rees_ als eine richtig schöne Mischung aus leichter Unterhaltung und nachdenklicher Liebesgeschichte erlebt. Besonders gefallen hat mir, wie authentisch Adam und Jules dargestellt sind – ihre Zweifel, ihr Alltagstrott und diese typischen „Was wäre wenn?“-Gedanken fühlten sich sehr echt an. Durch die Zeitreise-Idee mit den Mixtapes blieb ich ständig neugierig, wie sich ihre Entscheidungen auswirken, und gleichzeitig hat mich die Geschichte immer wieder daran erinnert, wie schnell man im echten Leben übersieht, was man eigentlich schon hat.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig, sodass ich schnell in einen Leseflow kam. Auch die nostalgische Musikstimmung fand ich toll, weil sie viele Emotionen transportiert. Kleine Abzüge gibt es für mich nur, weil manche Zeitsprünge etwas verwirrend waren und ich mir an einigen Stellen noch mehr emotionale Tiefe gewünscht hätte. Trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten und zugleich berührt. Für mich ist es eine warmherzige, kluge Geschichte über Liebe, Zeit und zweite Chancen, die noch eine Weile nachklingt.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Gruselig

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Nach dem mitreißenden Auftakt Flammenrad war die Vorfreude auf den zweiten Band der „Gänsehaut in Hovenäset“-Reihe groß – und Sternengrab enttäuscht nicht. Kristina Ohlsson erzählt erneut eine ...

Nach dem mitreißenden Auftakt Flammenrad war die Vorfreude auf den zweiten Band der „Gänsehaut in Hovenäset“-Reihe groß – und Sternengrab enttäuscht nicht. Kristina Ohlsson erzählt erneut eine geheimnisvolle und atmosphärisch dichte Geschichte, die vor allem junge Leserinnen und Leser ab etwa 11 Jahren fesselt, aber auch ältere Gruselfans anspricht.
Im Mittelpunkt steht Alva, die noch immer unter dem rätselhaften Tod ihres Vaters leidet und auf eigene Faust nach Antworten sucht. Ihre Ermittlungen führen sie in Hovenäset auf die Spur einer mysteriösen schwarzen Katze, eines stillen Mädchens und weiterer unheimlicher Vorkommnisse. Ohlsson versteht es, Spannung und Grusel stimmungsvoll aufzubauen, sodass sich beim Lesen ein subtiler, aber durchgehend spürbarer Nervenkitzel einstellt. Gleichzeitig ist die Geschichte emotional berührend, da Alvas Trauer und ihr Umgang mit Verlust eine zentrale Rolle spielen.
Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich, die Kapitel kurz und angenehm zu lesen. Das macht das Buch besonders zugänglich für junge Leserinnen und Leser, die sowohl rätseln als auch mitfiebern möchten. Obwohl sich die Handlung zu Beginn etwas langsamer entwickelt und die Protagonistin oft überlegt und nachdenkt, bevor sie aktiv wird, steigert sich die Spannung im Verlauf der Geschichte deutlich und erreicht gegen Ende ein packendes, düsteres Niveau.
Besonders gelungen ist, dass Ohlsson die Figuren liebevoll und glaubwürdig zeichnet. Alva wirkt authentisch in ihren Gefühlen, und auch die wiederkehrenden Freunde aus dem ersten Band ergänzen die Handlung auf natürliche Weise. Die Mischung aus Grusel, Geheimnis und kindgerechtem Thriller schafft eine Atmosphäre, die neugierig macht und gleichzeitig nicht überfordert.
Das Cover greift die geheimnisvolle Stimmung der Geschichte auf und ist ein echter Hingucker, der neugierig auf das Buch macht. Für alle, die den ersten Band mochten, bietet Sternengrab ein weiteres spannendes Abenteuer in Hovenäset, das geschickt Grusel, Rätsel und emotionale Tiefe verbindet. Für Kinder und Jugendliche, die gerne rätseln, sich gruseln und in mysteriöse Geschichten eintauchen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung – und für erwachsene Leser*innen, die Jugendthriller schätzen, ein kurzweiliger Genuss.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Spannend!

Die Jagd nach den magischen Münzen
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Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton hat mich schon beim ersten Anblick begeistert. Das Cover mit Prägedruck, der fantastische Farbschnitt und die liebevolle Gestaltung wirken ...

Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton hat mich schon beim ersten Anblick begeistert. Das Cover mit Prägedruck, der fantastische Farbschnitt und die liebevolle Gestaltung wirken hochwertig und edel. Die dargestellten Personen und die Londonkulisse fangen die Stimmung der Geschichte perfekt ein und machen sofort neugierig auf den Inhalt. Bereits die Haptik des Buches vermittelt, dass hier eine besondere Geschichte wartet.
Die Handlung führt ins London des Jahres 1918, eine Zeit, die von Armut, Entbehrung und dem allgegenwärtigen Schatten des Krieges geprägt ist. Im Mittelpunkt steht die zwölfjährige Bo, die mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Harry in ärmlichen Verhältnissen lebt. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, sucht sie als sogenanntes Flussmädchen im Schlamm der Themse nach verwertbaren Gegenständen. Als sie dort eine ungewöhnliche, glänzende Münze findet, spürt sie sofort, dass dieser Fund mehr bedeutet als bloßen materiellen Wert. Bo hört den Fluss zu ihr sprechen und ahnt, dass die Münze Teil eines größeren Geheimnisses ist.
Gemeinsam mit Billy, einem Jungen vom gegenüberliegenden Ufer der Themse, macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Als die beiden von der Existenz einer zweiten Münze erfahren, beginnt ein gefährliches Abenteuer voller Rätsel, alter Geheimnisse und Hindernisse. Dabei werden sie nicht nur von äußeren Bedrohungen aufgehalten, sondern müssen sich auch ihren eigenen Ängsten, Verlusten und der harten Realität ihrer Zeit stellen. Der Gegenspieler Muncaster ist klar als Antagonist erkennbar, bleibt dabei aber glaubwürdig und nicht überzeichnet.
Besonders berührend ist, wie sensibel die Geschichte mit Themen wie Krieg, Trauer, Tod und Verlust umgeht, ohne junge Leserinnen und Leser zu überfordern. Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Vertrauen stehen im Mittelpunkt und werden ruhig, aber eindringlich erzählt. Bo und Billy funktionieren hervorragend als Team, ihre Freundschaft wirkt ehrlich, gewachsen und tief verbunden. Die zentrale Botschaft zieht sich leise, aber kraftvoll durch die gesamte Geschichte: Was man im Herzen trägt, kann man nicht verlieren.
Der Schreibstil von Jessie Burton ist ruhig, bildhaft und sehr professionell. Szenen und Figuren sind so beschrieben, dass man sich mühelos in das historische London hineinversetzen kann. Die kurzen Kapitel sorgen für ein angenehmes Lesetempo und tragen flüssig durch die Handlung, ohne Hektik zu erzeugen. Die Magie ist dabei stets präsent, aber nie aufdringlich, sie fügt sich natürlich in die Geschichte ein und verleiht ihr eine zeitlose Atmosphäre.
Insgesamt ist Die Jagd nach den magischen Münzen eine magische, warmherzige und atmosphärische Erzählung, die an einen anderen Ort und in eine andere Zeit entführt. Sie verbindet Abenteuer mit emotionaler Tiefe und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Eine klare Empfehlung für Vorablesen und für alle Leserinnen und Leser ab etwa zehn bis zwölf Jahren, die sich auf ein besonderes Abenteuer mit Herz, Magie und Bedeutung einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Tolles Debüt!

Niemands Töchter
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Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch ein leises, zugleich eindringliches Debüt vor, das sich mit familiären Verstrickungen, weiblichen Lebensentwürfen und den Spuren beschäftigt, die Herkunft und Verlust ...

Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch ein leises, zugleich eindringliches Debüt vor, das sich mit familiären Verstrickungen, weiblichen Lebensentwürfen und den Spuren beschäftigt, die Herkunft und Verlust in einem Menschen hinterlassen.
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von vier Frauen, deren Leben auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. In den 1980er-Jahren wächst Alma in der Eifel auf – als Kind in einer Familie, in der vieles unausgesprochen bleibt. Früh spürt sie, dass sie nicht wirklich dazugehört, doch über ihre Herkunft wird geschwiegen. Jahrzehnte später lebt Isabell in Berlin. Der frühe Tod ihrer Mutter hat eine Leerstelle hinterlassen, die ihr Denken, Fühlen und auch ihr eigenes Familienleben prägt. Als sich die Wege von Alma und Isabell kreuzen, beginnt sich eine Vergangenheit zu öffnen, die lange verborgen war.
Judith Hoersch wählt eine fragmentarische Erzählweise mit häufigen Perspektiv- und Zeitwechseln. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit und kann zu Beginn orientierungslos wirken, doch sie ist zugleich Teil der erzählerischen Idee: Die Geschichte erschließt sich nicht linear, sondern tastend – ähnlich wie die Figuren selbst ihre Biografien zusammensetzen müssen. Nach und nach fügen sich Erinnerungen, Andeutungen und einzelne Szenen zu einem Gesamtbild.
Im Mittelpunkt stehen weniger äußere Handlungen als innere Prozesse. Der Roman kreist um Mutterschaft, Verlust, Schuld, Zugehörigkeit und die Weitergabe von Verletzungen über Generationen hinweg. Dabei bleibt vieles unausgesprochen oder nur angedeutet. Gerade das Ungesagte verleiht dem Text seine besondere Kraft. Hoersch urteilt nicht über ihre Figuren, sondern beobachtet sie mit großer Genauigkeit und Empathie.
Der Stil ist klar, ruhig und zurückhaltend. Ohne Pathos entsteht eine dichte, teils melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt. Die Frauenfiguren gewinnen mit fortschreitender Lektüre an Tiefe und Kontur, ihre inneren Konflikte werden zunehmend nachvollziehbar.
Niemands Töchter ist kein Roman für das beiläufige Lesen. Er verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe familiäre Zusammenhänge einzulassen. Wer sich darauf einlässt, findet jedoch eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wie sehr unser Leben von frühen Erfahrungen geprägt wird – und wie schwierig, aber auch möglich es ist, sich davon zu lösen.
Ein anspruchsvolles, nachdenklich stimmendes Debüt, das lange im Gedächtnis bleibt.

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