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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2019

Überdreht und anstrengend

Ein wirklich erstaunliches Ding
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April May wird in kurzer Zeit berühmt. Als YouTuberin berichtet sie als Erste über die "Carl's", riesige Statuen, die weltweit an verschiedenen Orten erschienen sind. Es sind viele Geheimnisse zu lösen ...

April May wird in kurzer Zeit berühmt. Als YouTuberin berichtet sie als Erste über die "Carl's", riesige Statuen, die weltweit an verschiedenen Orten erschienen sind. Es sind viele Geheimnisse zu lösen und bald geht es auch um die Sicherheit der Nation. Ihr Leben entwickelt sich zu einem Kampf um Aufmerksamkeit.

Der Autor Hank Green hat selbst Erfahrungen als Youtube-Star. Womöglich wirkt April Mays Erleben deswegen so glaubwürdig. April's Leben und ihre Beziehungen verändern sich stark, fokussieren sich auf dieses eine Thema. Alles dreht sich nur noch um die Carl's. Sie bekommt positive und negative Aufmerksamkeit, wird gehasst. Sie verdient eine Unmenge Geld dabei, verliert den Bezug zu sich selbst und ihrem Selbstwert. Sie erlebt ihren Wert nur noch über die Anerkennung ihrer Auftritte in der Öffentlichkeit.

Der Autor beschäftigt sich in seinem Buch intensiv mit den Dynamiken in den globalisierten Social Media. Ein umfassendes und aktuelles Thema. Er schafft es verschiedene Dynamiken auf vielen Ebenen darzustellen und gibt einen guten Überblick über diese umfangreiche Thematik. Und dann kommen weitere umfassende Themen hinzu. Zu viel für ein Buch.

Die Geschichte hat eine große Sog-Wirkung und ein hohes Tempo. Es fällt schwer, dem zunehmend absurden Geschehen zu folgen. Die bereits umfassende und schwerwiegende Geschichte wird mehr zu einem Science Fiktion-Thriller. Der Roman wirkt dadurch schnell überladen. Nach der Hälfte habe ich aufgegeben, alles Weitere mitzuverfolgen.

Das Buch ist sprachlich besonders, da es zwischen verschiedenen settings wechselt. April May berichtet Tagebuch-artig, in humorvoller und kluger Weise von ihren Erlebnissen. Das macht sie nachbar und sympathisch. Dialoge, Mails, Posts in Foren werden ansprechend hervorgehoben. Der Text liest sich spannend und abwechslungsreich.

Ein sehr origineller, nachdenklich machender und vollkommen überdrehter Roman. Inhaltlich zu überladen.

Veröffentlicht am 07.03.2019

Mit großer Wucht

Die Liebe im Ernstfall
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Daniela Krien beschreibt in ihren Kurzgeschichten fünf Frauen, die an der Liebe verzweifeln. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde können verschiedener nicht sein. Sie gleichen sich in ihrem unbändigen ...

Daniela Krien beschreibt in ihren Kurzgeschichten fünf Frauen, die an der Liebe verzweifeln. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde können verschiedener nicht sein. Sie gleichen sich in ihrem unbändigen Sehnen nach einer erfüllenden Liebe, die ihnen Perspektiven gibt und ihre Freiheiten lässt.

Zu Beginn zieht die Geschichte um Paula die Lesenden in ihren Bann. Ebenso anrührend geht es in den anderen Abschnitten weiter. Die Frauen scheinen ungefähr gleich alt zu sein, haben ähnliche Themen (Ehe, Kinder, Beruf). Das schafft eine gute Basis, von der es dann in die unterschiedlichen Richtungen weiter geht.

In den einzelnen Abschnitten wird klar, in welcher Verbindung die Frauen zueinander stehen. So wirken die Geschichten als eine Einheit, die Dynamiken werden noch intensiver und deutlicher. Das Kennenlernen der unterschiedlichen Perspektiven ist sehr interessant und vermittelt zwischen den verschiedenen Frauen. So wird es möglich Verständnis für die unterschiedlichen Lebensformen zu entwickeln, mitzuleiden und die Dinge aus anderen Perspektiven zu betrachten. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Alles hat seine Berechtigung und jede der Frauen findet eigene Wege um dem eigenen Glück näher zu kommen.

Zugleich geht es auch um das, was die Frauen aus ihrer Kindheit, aus ihren Elternhäusern mitbringen, um gesellschaftliche Zusammenhänge. Die Kurzgeschichten und die Gesamtaussagen werden hierdurch noch umfassender und vielschichtiger.

Die Männer sind dagegen eher grob gezeichnet und bekommen eher "gute" oder "schlechte" Rollen. Einerseits bringt dies die Frauen mit ihren Stärken mehr in den Fokus, andererseits werden die Männer dadurch unsympathischer, farbloser. Die Frauen scheinen sich deswegen eher nach anderen Perspektiven umsehen zu müssen, anstelle ihr Glück ausschließlich in einer festen Partnerschaft zu suchen. Aus meiner Sicht stellt die Autorin die Liebe in Partnerschaften infrage. Leid und unerfüllte Sehnsüchte treten in den Vordergrund.

Die Geschichten sind mitreißend, erschütternd und niederschmetternd. Jede für sich regt langfristig zum Nachdenken an. Das Leid der Frauen drängt sich den Lesenden förmlich auf, dies ist nicht immer angenehm. Und doch schafft es Frau Krien am Ende jeder Geschichte einen hoffnungsvollen Ausblick zu geben. Über die Aussage des Buches lässt sich lange nachdenken. Geht es der Autorin darum Frauen zu ermutigen sich treu zu bleiben, immer wieder neue Versuche zu wagen und nicht zu verzweifeln?

Daniela Krien hat neben dem wuchtigen Inhalt einen leicht fließenden Schreibstil. Dieser ermöglicht es, das Buch an wenigen Abenden durchzulesen. Der schlicht - berührende Schreibstil und der tiefgründig - geballte Inhalt ergänzen sich gut.

Eine sehr empfehlenswerte Studie über fünf starke Frauen. Berührend - geballt - drängend.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Berührender Generationenroman ohne jede Spannung

Rückwärtswalzer
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Lorenz, der erfolglose Schauspieler und seine drei eigenwilligen Tanten Mirl, Wetti und Hedi machen mit dem toten Onkel Willi einen Roadtrip von Österreich nach Montenegro. Dort will er bei seiner Familie ...

Lorenz, der erfolglose Schauspieler und seine drei eigenwilligen Tanten Mirl, Wetti und Hedi machen mit dem toten Onkel Willi einen Roadtrip von Österreich nach Montenegro. Dort will er bei seiner Familie begraben werden. Eine wahnwitzige Reise beginnt.

In dem knapp 500 Seiten starken Roman erzählen in zwei Strängen zum einen die Tanten und der Onkel von ihrer Kindheit und zum anderen der Junge von der langen Reise nach Montenegro. In Kapiteln mit thematischen Überschriften geht es abwechselnd um einen von beiden Strängen.

Aufgewachsen nach dem zweiten Weltkrieg auf dem Land in Österreich haben die Älteren schwere Zeiten hinter sich. Der Junge dagegen hatte eine friedliche Kindheit und findet schwer Halt in seinem Leben. Die gemeinsame Reise bringt alle näher zueinander und mehr zu sich selbst. Eine schöne Buchidee und Geschichte.

Die Einblicke in die Erlebnisse und Gefühle der Einzelnen schaffen eine gewisse Nähe und erzeugen Sympathie. Zudem sind die Einblick in das Zeitgeschehen ab 1953 interessant und berührend. Die Geschichte entwickelt sich leise und sachte. Die Kehrseite davon ist, dass ihr jede Spannung fehlt. Die Schilderungen wirken langatmig, zu detailiert und deswegen kommt die Geschichte auch zum Ende hin nicht in Fahrt.

Trotz der vielen Absurditäten, den eigenwilligen Charakteren und den bewegenden Themen, macht das Lesen Mühe. Der Humor kommt nicht rüber, die Erzählung wirkt trocken. Immerhin finden beide Erzählstränge am Ende zusammen - die Geschichte wird rund und löst sich zufriedenstellend auf.

Absurde und schöne Geschichte, trocken und ohne Spannung erzählt.

Veröffentlicht am 04.03.2019

Düster-bedrohliche Saga

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Die alte Welt ist in viele große und kleine Archen zerbrochen, die sich stark voneinander unterscheiden. Auf Anima leben die Animisten, die die Fähigkeit haben sich mit Gegenständen zu verbinden und deren ...

Die alte Welt ist in viele große und kleine Archen zerbrochen, die sich stark voneinander unterscheiden. Auf Anima leben die Animisten, die die Fähigkeit haben sich mit Gegenständen zu verbinden und deren Geschichte zu "lesen". Ophelia ist eine besondere junge Frau, die die Geschichte ihrer Arche in Ehren hält, sich jedoch vor jedem Heiratsangebot mit einem ihrer Cousins drückt. Ausgerechnet sie wird einem Adligen auf dem fernen Pol versprochen, der einer brutalen und intriganten Familie angehört. Für Ophelia beginnt eine unglaubliche sowie erschütternde Reise.

Ophelia ist eine spannende und starke Hauptfigur. Sie ist tolpatschig, kleidet sich wie eine alte Jungfer und macht den Eindruck eines einfachen Gemüts. Doch egal was Andere denken, Ophelia ist sehr klug, hat eine genaue Beobachtungsgabe und eine unfassbare Stärke und Selbstherrschung. Das macht sie zu einer starken Identifikationsfigur für junge Leserinnen, die sich gegen Widerstände in ihrem Leben behaupten müssen. Es ist bemerkenswert, dass sogar die brutalen und unsymphatischen Figuren (der Verlobte Thorn, seine Tante Berenilde, u.a.) den Lesenden ans Herz wachsen. Im Laufe der über 500 Seiten schafft es die Autorin vielfältige und undurchschaubare Charaktere zu erschaffen, die sowohl Stärken als auch Schwächen zeigen.

In ihrem ersten von vier Bänden der Spiegelreisenden-Saga hat Christelle Dabos eine unglaublich, magische und brutale Welt erschaffen. Liebevoll ausgestaltet zeigen sich die beiden Archen unerklärlich, eindrücklich und spektakulär. Dabei unterscheidet sich die Arche Anima stark vom Pol. Vor allem ist es die düstere fast kriegerische Stimmung, die auf dem Pol herrscht. Diese Stimmung wird es wohl sein, die junge Leserinnen abschrecken und auch Erwachsenen auf Dauer zu sehr auf den Magen schlagen könnte. Es ist schwer, das ganze Leid zu ertragen, dass Ophelia und auch den anderen unsymphatischen Charakteren widerfährt. Jeder ist ein potentieller Feind, es kommt zu brutalen Übergriffen und grausamen Intrigen.

Anfänglich braucht es Geduld, um in die Geschichte rein zu kommen. Die ersten 200 Seiten ziehen sich und nicht jedes Dateil erscheint interessant. Die Geschichte entwickelt danach eine starke Sogwirkung und lässt die Zeit beim Lesen der über 500 Seiten nur so verfliegen.

Frau Dabos beschäftigt sich in ihrem Drama mit gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Dynamiken. Diese werden übertrieben und stark zugespitzt von ihr widergegeben. Der Vergleich mit den Harry Potter Bänden scheint nicht ganz fern. Immerhin gibt es einige Parallelen und die Welt der Archen steht Harrys Welten in nichts nach. Jedoch ist die Hauptfigur in diesem Fall eine junge Frau und schon dieser erste Band dermaßen brutal und hoffnungslos.

Es ist schwierig eine passende Zielgruppe für diese Sage zu bestimmen. Für viele junge Frauen mag die Geschichte und die Ausgestaltung zu brutal und feindlich sein, jedoch ist Ophelia eine starke Identitfikationsfigur und die Welt der Archen wahrlich spannend und einmalig. Für Lesende mit starken Nerven mag dies der gelungene Auftakt zu einer unglaublich schillernden Saga sein.

Ein spektakulärer und ebenso dramatischer Auftakt zur Spiegelreisenden-Saga mit einer starken weiblichen Hauptfigur.

Veröffentlicht am 26.02.2019

Sehr empfehlenswert

Die zehn Lieben des Nishino
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Yukihiko Nishino liebt in seinem Leben die unterschiedlichsten Frauen. Sind die Frauen erst in seinem Bann merken sie doch bald, dass er sich nicht ganz auf sie einlassen kann.

Das Buch macht schon mit ...

Yukihiko Nishino liebt in seinem Leben die unterschiedlichsten Frauen. Sind die Frauen erst in seinem Bann merken sie doch bald, dass er sich nicht ganz auf sie einlassen kann.

Das Buch macht schon mit seinem schlichten und gleichzeitig fremdländisch farbenfrohen Cover aufmerksam. Inhaltlich ist es anders als erwartet - eher nüchtern, ohne große Dramen oder Verklärungen. Und das ist auch das Angenehme an der Erzählung, weil sie dadurch tiefgründiger wird.

In zehn Geschichten bekommen die Lesenden Einblick in die Gefühls- und Erlebniswelt der Frauen, die sich in Yukihiko verlieben. Die Geschichten sind aus der Sicht der jeweiligen Frau beschrieben und alle irgendwie faszinierend. Das liegt sicherlich an den spannenden Porträts der Frauen.

Die Erzählungen lassen sich zügig lesen, geben Einblick in die japanische Kultur und sind voller kluger Gedanken über die Liebe. Die Autorin hat eine unaufdringliche Art zu Erzählen und Situationen dabei von allen Seiten zu beleuchten.

Trotzdem die Frauen Nishino förmlich erliegen, wirken sie doch stark und interessant. Die Frauen und Nishino kommen gleichermaßen zur Geltung. Nishino hat was Geheimnisvolles und lässt sich nicht greifen. Ist er einfach ein perfekter Liebhaber, der die Wünsche der Frauen errät oder ist er schwach, unfähig sich zu binden und zu lieben? In jedem Fall gibt er eine schillernde Persönlichkeit ab.

Ein kluges Buch über Liebe in den unterschiedlichsten Formen. Ein besonders gutes Buch.