Platzhalter für Profilbild

Mianna

Lesejury Profi
offline

Mianna ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Mianna über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2021

Kompliziert geschrieben

Der Kolibri
0

Dr. Marco Carrera ist Augenarzt in Rom. Dass ihn seine Frau Marina verlassen will, schwanger von einem anderen, erfährt er von unerwarteter Seite. Doch das ist nicht der erste Tiefpunkt seines Lebens.

Warum ...

Dr. Marco Carrera ist Augenarzt in Rom. Dass ihn seine Frau Marina verlassen will, schwanger von einem anderen, erfährt er von unerwarteter Seite. Doch das ist nicht der erste Tiefpunkt seines Lebens.

Warum das Buch "Der Kolibri" heißt, erklärt sich im Laufe der Geschichte. Ein sehr schönes Sinnbild! Es gibt viele Situationen, die durch dieses Sinnbild einen guten Rahmen bekommen und greifbar werden. Dies ist umso wichtiger, da die Erzählung sehr wechsel- und bruchstückenhaft ist.
Die Geschichte baut sich in vielen parallel verlaufenden Erzählsträngen auf, springt in die Vergangenheit und wieder zurück. Dann verlaufen die vielen Erzählstränge nicht einmal linear. Es geht zwar immer um Marco, aber es ist schwer die unterschiedlichen Perspektiven auf ihn mit seiner Person zu vereinbaren. Das wird mit der Zeit leichter, weil zwischen den Bruchstücken Bezüge sichtbar werden. Vieles bleibt im Unklaren und distanziert. Teilweise wirkt die Erzählung wie eine Story auf einer Theaterbühne, erzählt aus dem Hintergrund. In wenigen Situationen kam wirklich Stimmung auf, die mich berühren konnte. Die ewiglangen Schachtelsätze haben auch nicht gerade zum Lesefluss beigetragen, geschweige denn Emotionen transportiert. Vielleicht ist dies gut, da die Geschichte ein einziges Drama ist. Alles ist irgendwie kompliziert und anstrengend, das Lesen mühsam. Beinah hätte ich das Buch vorzeitig weggelegt. Die ungewöhnlichen Situationen, denen sich Marco stellen muss haben mich wohl davon abgehalten. Immer auf der Spur des Unglücks. Auch die Charaktere haben so ihren Reiz, haben was Schillerndes.

Lesen oder nicht? Schwer zu sagen. Komplizierte Erzählung über das Drama eines Lebens.

Veröffentlicht am 25.08.2021

Literarischer Schatz

Junge mit schwarzem Hahn
0

Martin ist der Junge mit den guten Augen, der Unverdorbene unter den Verdammten. In einer schauerlichen Welt voller Elend und Dummheit ist er derjenige, der voller Klugheit in die tiefsten Abgründe blickt ...

Martin ist der Junge mit den guten Augen, der Unverdorbene unter den Verdammten. In einer schauerlichen Welt voller Elend und Dummheit ist er derjenige, der voller Klugheit in die tiefsten Abgründe blickt und Retter für noch Schwächere ist.

Die Geschichte ist äußerst dramatisch und bedrucken. Dies liegt nicht nur an den mittelalterlichen Verhältnissen. Ich kann mir die dreckstarrenden Kinder, die bösartige Fürstin, verzweifelte Gaukler und darbende herumziehende Maler, den ganzen Tod und die Verdammnis gut vorstellen. Da tun sich Abgründe auf, denen Martin als einziger Lichtblick entgegentritt und zwar mit einem schwarzen Hahn. Die Erzählung ist nichts für schwache Nerven, ist hart und zeitweise unerträglich. Doch es ist genau richtig so! Das macht es zu einem schauerlichen Märchen, einer Sage mit großer Kraft, einer Fabel mit gelungenem Erzählbogen. Vorallem die starken Sinnbilder tragen die Geschichte. Die Erzählung ist reinste Satire. Das humorige sorgt für Auflockerung, auch wenn alles ungeschönt auf den Tisch kommt. Da ist die ganze Verdorbenheit der Menschheit, der die Würde des Einzelnen entgegen gestellt wird. Die Erzählung birgt viele Erkenntnisse, ist voller kluger und unfassbar treffender Gedanken. Auch sprachlich ist die Erzählung authentisch, sodass die Welt um Martin nur noch fassbarer wird.

Ich bin beeindruckt und mitgenommen von diesem wertvollen Stück Literatur. Respekt für dieses Erstlingswerk!

Eindeutige Leseempfehlung für diesen wahren literarischen Schatz!

Veröffentlicht am 25.08.2021

Irritierend

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
0

Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische ...

Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische Lehren. Ein bedeutender Teil des Buches umfasst den Weg aus dem Klosterleben und die Konfrontation mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Das Buch liest sich zum größten Teil sehr zügig, ist an den richtigen Stellen spannend und trägt gleichzeitig nicht auf. Es gewährt realistische und verständliche Einsichten in die buddhistische Tradition, ist dabei aber unaufdringlich. Spannend und besonders lehrreich sind die Beschreibungen seiner Selbstzweifel und Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens als Mönch. Da ist zum Beispiel seine Sehnsucht nach einer Partnerin. Die Kapitel sind recht kurzweilig, enthalten teils praktische Übungen und Lehren anderer Mönche.
In der Erzählung gibt es jedoch einen Bruch. Das Leben nach dem Mönchsdasein. Es geht vermehrt um seine Gegenwart, den Umgang mit seiner tödlichen Erkrankung. Dieser Teil wirkt auf mich stellenweise langatmig und etwas abgehoben. Es geht weniger um die buddhistischen Anteile, als um seine Auffassung vom Leben. Irritierend finde ich vorallem den Hinweis, fast schon ein Bekenntnis seinerseits, zur Autorenschaft am Ende. Ich kann wenig damit anfangen, dass diese tiefen Einsichten, die er gewonnen hat, ausschließlich von seinen Mitautoren beschrieben wurden. Das Buch suggeriert den größten Teil über etwas anderes. Das ist besonders enttäuschend vor dem Hintergrund der moralischen Inhalte.

Am Ende bin ich irritiert über den Ich-Erzähler, der keiner ist. Der spannende erste Teil über das Leben als Mönch wird davon überschattet.

Veröffentlicht am 16.08.2021

Melodramatisch

Dein Herz in tausend Worten.
0

Millie hat soziale Ängste und hält sich deswegen immer im Hintergrund. Von der Liebe träumt und liest sie nur. Als Assistentin in einem Verlag hat sie auch genügend Lesestoff. Eine besonders dramatische ...

Millie hat soziale Ängste und hält sich deswegen immer im Hintergrund. Von der Liebe träumt und liest sie nur. Als Assistentin in einem Verlag hat sie auch genügend Lesestoff. Eine besonders dramatische Liebesgeschichte von einem geheimnisvollen Autor haben es ihr besonders angetan. Mit großen Folgen.

Es ist die übliche Geschichte um eine einsame Frau, deren Potenzial nicht entdeckt wurde. Sehr vorhersehbar. Millie ist unbedarft, schüchtern und steht sich selber im Weg. Diese Charaktereigenschaften sind auf Dauer anstrengend. Ihr Bruder und andere Charaktere sorgen dagegen für eine gewisse Auflockerung. Alle sind sie jedoch zu sympathisch und wollen füreinander ständig nur das Beste. Das ist auch anstrengend. Die heile Welt ist zu heile, am Ende sowieso und die Schwierigkeiten der Einzelnen wirken aufgebläht. Wie das Beides zusammen geht, ist schwer zu begreifen.

Die Entwicklungen sind anfänglich noch realistisch. Schnell habe ich Zugang zu Millies Welt bekommen. Das liegt sicherlich auch an den liebevollen Beschreibungen der Charaktere. Es fällt auf wie simpel und dennoch atmosphärisch die Umgebung beschrieben wird. Mal ist es eine besondere Haar- oder Augenfarbe, dann wieder die Beschreibung der Umrisse eines Gebäudes. Die Erzählung wird zunehmend kitschig und melodramatisch. Da beginnen plötzlich unerwartete Freundschaften, die vorher nie denkbar waren, es bilden sich gemeinsame Ziele, die übertrieben verfolgt werden. Und die ganze Zeit ist klar, worauf die Geschichte hinaus läuft. Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam und vielleicht wegen diesen vielen Makeln so kurzweilig.

Fazit: Melodramatische und berechenbare Geschichte mit einigen Makeln, die trotzdem unterhaltsam ist.

Veröffentlicht am 16.08.2021

Seelenwärmer

The Comfort Book – Gedanken, die mir Hoffnung machen
0

Matt Haig hat in diesem Buch viele Ideen, Gedanken, Anleitungen zusammen gestellt, die durch schwere Zeiten helfen sollen, die Seele wärmen, insbesondere bei Depressionen.
Eigene Ideen und Zitate anderer ...

Matt Haig hat in diesem Buch viele Ideen, Gedanken, Anleitungen zusammen gestellt, die durch schwere Zeiten helfen sollen, die Seele wärmen, insbesondere bei Depressionen.
Eigene Ideen und Zitate anderer Menschen finden sich hier. Es eignet sich zum Durcharbeiten über längere Zeit, ist wie ein Notfallköfferchen und Selbsthilfebuch.
Es eignet sich für Menschen mit Depressionen und Suizidgedanken, ebenso für gesunde Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Mal sind es Gedanken, die nur ein paar Zeilen lang sind, mal kleinere Geschichten oder philosophische Ausführungen. Immer sind diese leicht zu überblicken, es braucht nur kurze Momente der Konzentration.
Dabei gibt der Autor einen guten Einblick in das Thema Depression und Suizidalität. Durch seine eigenen Erfahrungen sind seine Schilderungen authentisch. Vieles ist berührend und anregend, macht nachdenklich und gibt Hoffnung. Ganz so wie es der Titel verspricht.

Tolles Selbsthilfebuch. Authentisch, anregend und berührend.