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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2026

Perfektion mit Rissen

Yesteryear
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Mit Yesteryear gelingt ein gesellschaftskritischer Roman, der durch seine aktuelle und spannende Thematik sofort fesselt. Besonders beeindruckend ist die Art, wie das Buch die Tradwife-Bewegung analysiert, ...

Mit Yesteryear gelingt ein gesellschaftskritischer Roman, der durch seine aktuelle und spannende Thematik sofort fesselt. Besonders beeindruckend ist die Art, wie das Buch die Tradwife-Bewegung analysiert, kritisch hinterfragt und verdeutlicht, wie trügerisch die perfekte Online-Welt sein kann. Nicht alles ist so, wie es durch die Social-Media-Brille erscheint – genau das macht die Geschichte so erschreckend aktuell.

Die Protagonistin Nathalie verkörpert das propagierte traditionelle Rollenbild zunächst nahezu perfekt. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto stärker bröckelt die Fassade. Nathalie entwickelt sich enorm: von einer zunächst sympathisch wirkenden Frau hin zu einem extrem verzerrten Selbstbild und beinahe paranoidem Verfolgungswahn. Gerade diese psychologische Tiefe macht sie als Figur unglaublich faszinierend, auch wenn manche Charakterzüge und Szenen stellenweise etwas überzogen wirken. Besonders ihre widersprüchliche Haltung gegenüber ihrem Mann sowie ihre mangelnde Erziehungskompetenz sorgen immer wieder für Irritation.

Sehr gelungen fand ich außerdem die verschiedenen Zeitstränge zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Vor allem der Handlungsstrang der Pionierzeit ließ mich anfangs ratlos zurück, entwickelte aber gerade dadurch einen enormen Sog. Die zahlreichen Plot Twists und Zeitsprünge machen das Buch außergewöhnlich spannend. Hinzu kommt der bildhafte Schreibstil, der die düstere Atmosphäre und die Abgeschiedenheit perfekt transportiert.

Insgesamt ist Yesteryear ein intensives, nachhallendes Werk, das zum Nachdenken anregt – insbesondere für Leserinnen und Leser, die sich kritisch mit traditionellen Rollenbildern auseinandersetzen möchten. Gleichzeitig eignet sich das Buch hervorragend für Lesekreise, da es viel Diskussionspotenzial bietet.

Trotz kleiner Schwächen und teilweise überzogener Szenen vergebe ich starke 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Einfühlsamer Begleiter für den ersten Schultag

Sammy Schlappohr (Band 1) – Vier Pfoten für den Schulstart
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Ein ganz besonderer Tag im Leben eines Kindes ist der erste Schultag, der in dieser Geschichte aus der Perspektive des einfühlsamen Schulhundes Sammy erzählt wird. Mit seiner feinen Wahrnehmung erkennt ...



Ein ganz besonderer Tag im Leben eines Kindes ist der erste Schultag, der in dieser Geschichte aus der Perspektive des einfühlsamen Schulhundes Sammy erzählt wird. Mit seiner feinen Wahrnehmung erkennt er sofort, welche Kinder in der neuen Klasse noch unsicher oder ängstlich sind. Durch liebevolles Anstupsen und Ankuscheln spendet er Trost und schenkt Mut.
Der feinfühlige Schreibstil transportiert die unterschiedlichen Emotionen wie Neugier, Aufregung und Angst sehr authentisch und kindgerecht. Gerade für Vorschulkinder bietet die Geschichte einen sanften Einstieg in das Thema Schule und nimmt mögliche Sorgen ernst, ohne dabei belehrend zu wirken.
Besonders gelungen ist die Darstellung der unterschiedlichen Kinder. Sie denken und fühlen verschieden, was auf schöne Weise zeigt, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Der warmherzige Ton schafft ein angenehmes Leseerlebnis und eröffnet viel Raum für Gespräche über den Schulstart. Für meine Tochter (7) war es ein besonderes Leseerlebnis. Sie ist der Geschichte aufmerksam und gerne gefolgt und hat viel aus ihren eigenen Schulstart-Erfahrungen erzählt und Vergleiche angestellt. Auch die Illustrationen sind stimmig und greifen die Inhalte der Geschichte gelungen auf.
Insgesamt eine einfühlsame und ermutigende Geschichte für alle Vorschulkinder. 5/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Zwischen losen Fäden und neuer Hoffnung

Heimkehr nach Morioka
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Eine feinfühlige Geschichte, erzählt aus der Perspektive von Mio und ihrem Vater Hiroshi, während der liebevolle, manchmal kauzige Großvater im Hintergrund die Fäden zieht und als zentrale Figur stets ...

Eine feinfühlige Geschichte, erzählt aus der Perspektive von Mio und ihrem Vater Hiroshi, während der liebevolle, manchmal kauzige Großvater im Hintergrund die Fäden zieht und als zentrale Figur stets präsent ist.
Mio ist erschöpft, geplagt von Angst vor der Schule und Mobbing, sodass sie ihr Zuhause kaum noch verlässt. Stattdessen verliert sie sich in die Betrachtung schöner Dinge. Besonders fasziniert sie die Weberei, aus der der Schal ihrer verstorbenen Großmutter stammt. Als der innere Druck zu groß wird, flieht sie schließlich zu ihrem Großvater nach Morioka, den sie bisher kaum kennt. In der Präfektur Iwate findet sie langsam zur Ruhe und beginnt, ihr inneres Chaos zu ordnen und sich mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen. Dabei lernt sie die traditionelle Handwerkskunst des Wollfärbens und -spinnens kennen. Wie ein beim Spinnen gerissener Faden versucht auch Mio, die losen Enden ihres Lebens wieder zusammenzuführen. Ihr Großvater wird dabei nicht nur zu einer Stütze, sondern zu ihrem wichtigsten Halt.
Mit großem Feingefühl erzählt Heimkehr nach Morioka diese leise, aber eindringliche Geschichte. Der bildhafte Schreibstil lässt die Leser zwischen Tokio und Präfektur Iwate reisen und fordert dazu auf, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Warmherzige Begegnungen und lebensnahe Ratschläge machen den Roman zu etwas Besonderem. Die Bedeutung von Familie zieht sich spürbar durch die gesamte Handlung.
Als Leser erkennt man, dass persönliches Wachstum oft aus schwierigen Situationen entsteht und dass nicht immer der traditionelle Lebensweg der richtige ist. Dieses Buch fühlt sich an wie eine Umarmung. Gleichzeitig bereichert es durch die Einblicke in die traditionelle Handwerkskunst aus Morioka. Man sollte sich bewusst die Ruhe nehmen, die dieser Roman verlangt, und ihn nicht im hektischen Alltag „nebenbei“ lesen.
Ein Roman voller Atmosphäre und emotionaler Tiefe, der eindrucksvoll zeigt, warum genau solche Geschichten so lange nachklingen – für mich ein klares 5-Sterne-Buch.
 

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Feinfühlig, aber nicht durchgehend überzeugend

Unterwasserblau
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Der Roman Unterwasserblau von Petra Hucke erzählt die Geschichte von Jessica, deren scheinbar unbeschwertes Leben plötzlich aus der Bahn gerät. Der frühe Tod ihrer Zwillingsschwester überschattet ihr gesamtes ...

Der Roman Unterwasserblau von Petra Hucke erzählt die Geschichte von Jessica, deren scheinbar unbeschwertes Leben plötzlich aus der Bahn gerät. Der frühe Tod ihrer Zwillingsschwester überschattet ihr gesamtes Dasein und prägt nachhaltig ihre Identität und Wahrnehmung der eigenen Kindheit.
Jessica ist eine introvertierte Protagonistin, die Veränderungen meidet und sich stark auf ihren Partner verlässt. Gleichzeitig befindet sie sich ständig auf der Suche nach sich selbst und nach der verlorenen Schwester. Im Verlauf der Handlung beginnt sie, ihre Vergangenheit neu zu betrachten, während lange verborgene Geheimnisse ans Licht kommen und Veränderungen in ihrem Leben auslösen. Auch die Figuren entwickeln sich spürbar weiter, was den Kern des Romans ausmacht.
Der Schreibstil ist feinfühlig und tiefgründig, überrascht jedoch stellenweise durch eine unerwartete Härte, die irritieren kann. Besonders die distanzierte, fast abgekühlte Beziehung zur Mutter verstärkt die emotionale Spannung. Trotz der psychologischen Tiefe wirkt die Handlung teilweise banal; einige Entwicklungen erscheinen zu einfach gestrickt, während andere wiederum zu abrupt und hart erzählt sind. Zudem fehlt es dem Roman stellenweise an Spannung. 3,5/5 Punkte

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Bewegend, gesellschaftlich relevant und nah an der Realität

Pina fällt aus
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Als Pina plötzlich ausfällt, gerät der Alltag ihres Sohnes Leo aus dem Gleichgewicht. Er ist auf feste Strukturen und einen geregelten Tagesablauf angewiesen – etwas, das bisher nur seine Mutter gewährleisten ...

Als Pina plötzlich ausfällt, gerät der Alltag ihres Sohnes Leo aus dem Gleichgewicht. Er ist auf feste Strukturen und einen geregelten Tagesablauf angewiesen – etwas, das bisher nur seine Mutter gewährleisten konnte. Ohne familiäre Unterstützung stehen nun die Bewohner des Hauses vor der Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen. Was zunächst von Distanz und Unsicherheit geprägt ist, entwickelt sich Schritt für Schritt zu Nähe, Fürsorge und echter Gemeinschaft.
Der Roman lebt von seinen lebendigen Figuren. Besonders Leo berührt: Seine Krankheit wird nicht klar benannt – Autismus wird zwar angedeutet, bleibt aber nebensächlich. Viel entscheidender ist sein einzigartiger Charakter, der durch die einfühlsamen Beschreibungen greifbar wird und einem sofort ans Herz wächst. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr er auf tägliche Hilfe angewiesen ist. Pina hingegen verkörpert die völlige Aufopferung und geht bis an ihre körperlichen Grenzen.
Stark ausgearbeitet ist die Entwicklung der Hausgemeinschaft. Aus Wegsehen wird Hinsehen, aus Gleichgültigkeit entsteht Verantwortung. Dabei verändern sich nicht nur die Beziehungen untereinander, sondern auch die einzelnen Figuren selbst. Zola/Alina beginnt, ihr eigenes Leben zu hinterfragen, während Woijtek als ganz anderer Charakter eine spannende Ergänzung bildet.
Der realitätsnahe und eher nüchterne Schreibstil erleichtert die Vorstellungskraft und unterstreicht die Authentizität der Geschichte. Dennoch hätte an manchen Stellen etwas mehr Wärme und Emotionalität dem Roman gutgetan. Auch wirken einige Nebengeschichten zu lang und nicht immer zielführend für die Hauptgeschichte.
Insgesamt ist „Pina fällt aus“ ein sensibler, tiefgründiger und sehr authentischer Roman. Das wichtige Thema Inklusion sowie die enorme Belastung pflegender Angehöriger werden eindrucksvoll vermittelt – spürbar geprägt von den eigenen Erfahrungen der Autorin. 4/5 Sterne
 

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