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Veröffentlicht am 09.01.2023

Der Leuchtturm

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Die Autorin Natasha Pulley hat mit „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ihren nächsten Fantasy- Roman auf den Buchmarkt gebracht. Dieses ist bisher ein eigenständiges Buch und die Story an sich ist ...

Die Autorin Natasha Pulley hat mit „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ ihren nächsten Fantasy- Roman auf den Buchmarkt gebracht. Dieses ist bisher ein eigenständiges Buch und die Story an sich ist abgeschlossen, sodass mit einer Fortsetzung nicht zu rechnen ist.

Klappentext:
1898 erwacht Joe Tournier ohne jegliche Erinnerungen am Bahnhof Gare du Roi in Londres. Die Welt steht Kopf: England ist französisch, und Joe wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nur wenig später, als er wieder in Freiheit ist, trifft eine rätselhafte Postkarte bei ihm ein, die 90 Jahre zu ihm unterwegs war. Auf der Postkarte ist ein Leuchtturm auf einer Insel in den Äußeren Hebriden mit dem Namen Eilean Mor abgebildet, auf der Rückseite steht ein kurzer Text: »Liebster Joe, komm nach Hause, wenn du dich erinnerst. M.« Was hat es mit dem Leuchtturm auf sich und wie kann ein Mann mittleren Alters aus einer 90jährigen Vergangenheit heraus vermisst werden? Und wer ist M.? Joe macht sich schließlich auf die nicht ungefährliche Reise nach Schottland, um den Leuchtturm zu suchen und findet stattdessen einen Weg in die Vergangenheit. Unversehens gerät er in die Turbulenzen der großen Schlachten zwischen England und Frankreich, die lange vor seiner Geburt entschieden wurden. Schnell wird klar, dass jeder Schritt in die Vergangenheit auch seine Zukunft beeinflusst.

Aus der Feder von Pulley hatte ich bereits ihren vorherigen Fantasyroman „Der Uhrmacher in der Filigree Street“ gelesen. Dieser konnte mich auf eine ganz bestimmte Weise überzeugen, da dies doch eher ein außergewöhnlicher Roman war. Daher war ich sehr auf ein weiteres Werk von dieser Autorin gespannt. Als ich dann den Klappentext zu „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ gelesen habe, konnte ich es kaum erwarten. Ich war sehr auf den Inhalt und das Buch an sich gespannt, doch leider konnten meine Erwartungen nicht vollständig erfüllt werden.
Der Schreibstil von Pulley ist packend und authentisch. Sie schafft es, dass man manchmal den Wind um die Nase spürt – eine dichte Atmosphäre wird erschaffen, sodass man stellenweise das Gefühl hat, dass man als Leser mitten im Geschehen steckt. In unterschiedlichen Zeitsträngen wird die Handlung erzählt und wie der Titel es schon erahnen lässt, sind Zeitreisen ein relevantes Thema. Diese Zeitstränge hängen zusammen und stückchenweise erkennt man die Verknüpfungen. Dabei gibt es die ein oder andere blutige Szene und auch manche klingen nach. Ein paar historische Gegebenheiten und Details werden in die Handlung eingebunden, auch ein paar Gedanken über die Auswirkungen von Zeitreisen, diese bieten interessante Ansätze – diese machen die Story authentischer, aber manchmal wirkten sie auf mich sperrig und erzwungen. Leider wird meiner Meinung nach nicht konsequent die Spannung aufrechterhalten. Ich empfand es stellenweise etwas zäh und langatmig, manche Szenen hätte man meiner Meinung nach kürzen können, sodass stellenweise Längen entstehen. Nicht immer konnte mich dieses Buch packen und seitenweise musste ich mich ein wenig durch dieses Fantasywerk durchkämpfen.
Dafür empfand ich die Grundidee als gelungen, auch hatte die Autorin einige interessante Ansätze. In der Umsetzung fand ich auch ein paar überzeugende Szenen, welche mich stellenweise wirklich überzeugen konnten. Aber diese waren meiner Meinung nach leider eher rar gesät. Man hätte viel aus der Idee machen können, doch die Geschichte hat sich anders entwickelt als ich gedacht habe und diese Entwicklung konnte mich leider nicht wirklich packen. Was es mir auch schwer gemacht hat, zu diesem Buch eine Beziehung aufzubauen, war der fehlende Zugang zu den Charakteren und zu den Protagonisten. Die Protagonisten wirkten in sich stimmig und authentisch, auch hatten sie ihre ganz persönlichen Ecken und Kanten, hatten ihr eigenes Paket zu tragen – dennoch konnte ich zu ihnen keine Verbindung aufbauen. Sie sind mir einfach nicht ans Herz gewachsen und ich konnte nicht mit ihnen mitfiebern. Ich habe ihre Story gelesen, aber diese hat mich einfach nicht berührt. Stellenweise war es mir sogar egal, ob ihnen etwas passiert und ob sie am Ende das große Geheimnis lüften können.
Dafür hat mich das Ende positiv überrascht. Am Ende wurden noch mal ein paar Themen angesprochen, welche noch recht rätselhaft waren. Ein paar Fragen wurden geklärt und für mich waren am Ende keine mehr offen. Pulley schafft es, den Bogen gekonnt zu spannend, sodass das Buch am Ende rund erscheint. Vieles ergibt abschließend Sinn und auch wenn mir manche Details am Ende nicht ganz zugesagt haben, konnte mich das Ende dennoch überzeugen.

Insgesamt konnte mich die Autorin Natasha Pulley mit ihrem Fantasybuch „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ leider nicht komplett überzeugen. Es gab ein paar interessante Ansätze und auch die Grundidee weiß zu überzeugen, dennoch empfand ich die Umsetzung als mangelhaft, sodass mich das Buch nicht wirklich packen konnte. Daher kann ich leider nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 08.01.2023

Die Bücher und der Junge

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Auf das neue Buch von dem Bestseller- Autor Kai Meyer habe ich mich schon seit der Ankündigung gefreut. Schon seit meiner frühen Jugendzeit lese ich seine Werke und bisher konnte mich der Autor auf verschiedene ...

Auf das neue Buch von dem Bestseller- Autor Kai Meyer habe ich mich schon seit der Ankündigung gefreut. Schon seit meiner frühen Jugendzeit lese ich seine Werke und bisher konnte mich der Autor auf verschiedene Weise überzeugen. Auch thematisch fand ich „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ ansprechend. Dieser historische Roman ist ein abgeschlossenes Buch und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos. Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen und reist auf der Suche nach seltenen Ausgaben durch ganz Europa. Er liebt seine Arbeit und die Bücher – von Menschen hält er sich meist eher fern. Doch als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern.

Schon der Klappentext zu dem neuen historischen Roman aus der Feder von Kai Meyer konnte mich in seinen Bann ziehen. Zu der Stadt Leipzig habe ich seit meinem damaligen dortigen Studium ein besonderes Verhältnis und daher war ich sehr gespannt auf den Inhalt. Auch konnten mich die bisherigen Werke von Meyer immer begeistern. Daher war meine Messlatte an dieses Buch ziemlich hoch und dennoch wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht.
Der Erzählstil von Kai Meyer ist, wie ich es aus seinen bisherigen Büchern schon gewohnt war, sehr angenehm. Der Autor hat einen fesselnden Schreibstil und so schafft er es, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Dabei schafft er eine dichte und packende Atmosphäre, welche mit so viel Liebe und Leben gefüllt werden, dass man als Leser das Gefühl hat, in die damalige Zeit hineingezogen zu werden. Meyer katapultiert einen in die damalige Zeit und man hat das Gefühl, dass man mitten im Geschehen ist und zusammen mit den Charakteren diese Abenteuer erlebt. Dabei spickt der Autor die Story mit vielen Details, und so habe ich noch einiges über die damalige Zeit und das Leben in dieser erfahren. Gekonnt schafft es Meyer, ein packendes Zusammenspiel zwischen Fakten und Fiktion zu erschaffen. Die fiktionale Geschichte verbindet sich wie ein gut geschmiertes Zahnrad mit dem historischen Hintergrund. Dabei können einige Aspekte überzeugen. Oftmals habe ich mich gefragt, was hiervon real war und welche Szenen den Gedankengängen des Autors entsponnen sind. Mir persönlich haben hier ein paar Erklärungen gefehlt. Ein Nachwort mit ein paar Ausführungen hätte mir persönlich gefallen, sodass man besser zwischen Fakten und Fiktion unterscheiden könnte.
Das Buch wird in mehreren Zeiten erzählt. Dabei spielt einer im Jahre 1943, dann einer im Jahre 1933 und ein weiterer im Jahre 1971. Dabei sind die wesentlichen Charaktere unterschiedlich und auch die Handlung weißt nur wenige Gemeinsamkeiten auf. Ein wesentlicher Zusammenhang und somit der rote Faden in „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ sind – was könnte es auch anders sein – die Liebe zu den Büchern. Langsam lernt man die Charaktere besser kennen und erfährt mehr über ihr Leben und was diese bewegt. Im Zeitstrang von 1933 spielt der Buchbinder Jakob eine wesentliche Rolle. Man merkt dieser Zeit den Umschwung an, es gibt unterschwellige Spannungen, welche sich immer mehr zuspitzen. Hier ist der Kern der Zeit gut getroffen und mir hat dieser Erzählstrang sehr zugesagt. In diesem hat man einiges über das historische Geschehen und auch die Stadt Leipzig erfahren. Der Strang aus dem Jahre 1943 handelt von einem kleinen Jungen, welcher aus einem bombardierten Haus fliehen muss und dabei unerwartet Hilfe bekommt. Die Story aus dem Jahr 1971 handelt von Robert und seiner Bekannten Marie, welche sich durch ihre beruflichen Gemeinsamkeiten immer mal wieder begegnen. Seite für Seite erkennt man das Zusammenspiel zwischen den jeweiligen Zeitsträngen. Dabei kann ich mich gar nicht entscheiden, welcher Strang mich am meisten in seinen Bann ziehen konnte, welcher mich mehr gepackt hat. Und dabei muss ich sagen, dass jeder Strang so seine Reize hat, welche ihn spannend macht. Der Autor schafft es gekonnt, die Spannung von Seite zu Seite zu steigern und durch unterschiedliche Weise bringt er diese zu immer neuen Höhen. Jedoch muss ich sagen, dass ich für den Einstieg etwas gebraucht habe. Ich musste mich erst mal in die Story einfinden und mich orientieren. Schon recht früh kristallisiert sich heraus, wie das Buch ausgehen könnte. Aber der Weg und auch die Einzelheiten dieser Zusammenhänge machen die Reise dahin zu etwas Besonderem, sodass man dennoch das Werk ungern aus der Hand legen möchte. Die sympathischen Charaktere und die spannende Handlung haben es mir dann leichtgemacht, mich in diesem Buch zurecht zu finden. Daher hat es mich immer mehr in seinen Bann gezogen und am Ende habe ich dieses packende Werk zufrieden zugeklappt.

Insgesamt konnte mich Kai Meyer mit seinem historischen Roman „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ wieder in seinen Bann ziehen und zusammen mit den Protagonisten habe ich ein packendes Abenteuer erlebt und bin diversen Geheimnissen auf den Grund gegangen. Daher möchte ich 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung vergeben.

Veröffentlicht am 11.12.2022

Der Traum beginnt

Die Wintergarten-Frauen. Der Traum beginnt
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Aus der Feder von Charlotte Roth habe ich bereits ein paar Bücher gelesen und bisher konnte mich ihr einzigartiger Erzählstil immer überzeugen. Voller Hoffnungen habe ich mich daher in den Trilogieauftakt ...

Aus der Feder von Charlotte Roth habe ich bereits ein paar Bücher gelesen und bisher konnte mich ihr einzigartiger Erzählstil immer überzeugen. Voller Hoffnungen habe ich mich daher in den Trilogieauftakt „Die Wintergarten- Frauen – Der Traum beginnt“ gestürzt, welcher der erste Teil der Wintergarten- Saga ist. Die Bücher spielen in den 1920er Jahren und können ohne Vorwissen aus anderen Büchern von Roth gelesen werden.

Klappentext:
Berlin in den 20er Jahren. Musik, Tanz, Zauberei, Tierdressuren, Akrobatik, Kabarett – Berlins ‚Wintergarten‘ bietet alles, was das Herz begehrt, und so manches, was anderswo undenkbar wäre. Auch die junge Nina von Veltheim ist von Anfang an fasziniert von dem Varieté. Ganz unscheinbar und auf Fotos diejenige, die man gerne mal übersieht – so wirkt sie auf den ersten Blick - aber nur, solange sie stillsteht. Sobald sie in Bewegung gerät, ist sie ein Vulkan, das sagt nicht nur ihr Zwillingsbruder Carlo, und wer sie einmal von ihrer Begeisterung für die Bühne hat sprechen hören, der vergisst sie nie wieder. So ist es denn auch kein Wunder, dass es sie aus der Uckermark ins brodelnde Berlin zieht, wo sie sich ihren Traum vom Theater erfüllen will. Doch anders als viele andere junge Frauen will sie nicht auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten: Sie will ganz nach oben – an die Schalthebel von Theater und Film, an denen Männer sitzen.

Ich kannte schon ein paar Bücher von Charlotte Roth und daher habe ich mich an dieses Buch herangewagt. Obwohl dies eigentlich nicht meine eigentliche Wohlfühlepoche für historische Romane ist, habe ich das Abenteuer gewagt und mich ohne große Erwartungen an dieses Buch herangewagt.
Der Schreibstil von Roth ist etwas außergewöhnlich, daher muss man sich meist erst die ersten Seiten an diesen Stil gewöhnen. Dennoch lässt das Buch sich flüssig und flott lesen. Auch schafft es Roth gekonnt, dass eine wunderbare und dichte Atmosphäre aufgebaut wird, sodass ein gelungenes Setting entsteht. Dabei hat man als Leser das Gefühl, dass man selber mitten in den 1920er Jahren ist. Man hat den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein und aktiv an dieser Handlung teilzunehmen. Leider schafft es die Autorin meiner Meinung nach nicht, die Spannung konsequent hoch zu halten. Es gab ein paar Szenen, welche etwas in die Länge gezogen waren, welche mich persönlich nicht so gut unterhalten konnten wie andere Passagen. Für mich persönlich gab es noch einen weiteren wesentlichen Kritikpunkt. Mir haben ein paar intensivere Darstellungen der Kunstszene gefehlt. Es gab ein paar Andeutungen und auch ein paar Theaterstücke und Lokale, welche namentlich erwähnt wurden. Aber mir haben hier einfach die Details gefehlt. Dabei empfand ich es schade, dass auch die geplante Darstellung für das Varieté nicht wirklich erzählt wird. Es wird immer nur erwähnt, wie spektakulär diese Nummer ist, aber es gibt einfach keine weiteren Ausführungen oder Details. Dabei ist dies der wichtige Angelpunkt der Story und dennoch ist es der Autorin nicht wichtig, dies näher auszuführen. Dafür lässt Roth aktuelles Weltgeschehen in die Handlung einfließen, sodass man für die Zeit ein besseres Gefühl bekommt. Dies hat mir persönlich gut gefallen. Bekommt man doch einen Eindruck, was die damalige Bevölkerung bewegt hat.
Gelungen fand ich ebenfalls die Charakterdarstellung. Im Mittelpunkt steht in diesem Buch Nina von Veltheim. Man lernt sie schon als kleines Mädchen etwas kennen und zusammen mit ihr wird man erwachsener und muss das Leben in der Großstadt meistern. Dabei ist Nina teilweise recht naiv und ein typisches Landei und auf der anderen Seiten ist sie ein starker und willenstarker Charakter. Nina will ihr Ziel ohne fremde Hilfe meistern und auch wenn dieser Weg nicht leicht ist und ihr viele Steine in den Weg gelegt werden, lässt sie den Kopf nicht hängen. Dennoch fand ich sie nicht immer sympathisch, ihre Art war mir persönlich manchmal sehr naiv und etwas zu dickköpfig und nicht weitsichtig. Auch konnte ich manche Entscheidungen von ihr nicht immer nachvollziehbar. An ihrer Seite sind Jenny und Sonia. Auch sie haben ein interessantes Leben und mussten schon einige Hürden meistern. Ich finde es gelungen dargestellt, wie dieses Dreiergespann miteinander agiert und sich gegenseitig unterstützt. Zu gerne würde ich über die beiden mehr erfahren, da ich hier noch viel Potential sehe.
Etwas schade fand ich das Ende vom Reihenauftakt. Dies war mir persönlich zu klischeebelastet. Hier hätte mir ein weniger Zuckerguss gereicht.

Insgesamt konnte mich die Autorin Charlotte Roth mit ihrem Reihenauftakt „Die Wintergarten- Frauen – Der Traum beginnt“ nicht vollkommen überzeugen. Es gab interessante Ansätze und einige gelungene Aspekte und allgemein konnte mich das Buch gut unterhalten. Dennoch habe ich auch ein paar Kritikpunkte, welche das Lesevergnügen etwas gemindert haben. Daher möchte ich 3,5 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 27.11.2022

Der eiserne Herzog

Der eiserne Herzog
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Mit dem historischen Roman „Der eiserne Herzog“ hat der Autor Ulf Schiewe sich erneut in vergangene Zeiten vorgewagt und diesen Lebendigkeit eingehaucht. Dieses Werk spielt im 11. Jahrhundert. Das zentrale ...

Mit dem historischen Roman „Der eiserne Herzog“ hat der Autor Ulf Schiewe sich erneut in vergangene Zeiten vorgewagt und diesen Lebendigkeit eingehaucht. Dieses Werk spielt im 11. Jahrhundert. Das zentrale Thema ist hier die Schlacht bei Hastings und bisher ist dieses Werk ein Einzelband, welcher ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.

Klappentext:
Nur dank der Hilfe einiger weniger Getreuer konnte Guilhem als Kind die Verfolgung durch seine Widersacher überleben. Doch er hat sich durchgekämpft und als Herzog der Normandie behauptet. Als es ihm gelingt, den letzten Widerstand zu brechen, und sein Werben um die schöne Matilda erfolgreich ist, scheint er am Ziel all seiner Träume zu sein. Erst recht, als sein Onkel, König Eadweard von England, ihn überraschend zum Thronerben erklärt. Englands Krone - wer würde das ablehnen? Matilda aber hat größte Bedenken, denn Guilhem hat einen mächtigen Gegner: Harold Godwinson, dessen Familie ebenfalls Anspruch auf den Thron erhebt...

Bisher habe ich schon einige Bücher aus der Feder von Ulf Schiewe gelesen, welche teilweise auch zu recht unterschiedlichen Zeiten mit ziemlich verschiedenen Themen gestaltet sind. Schiewe schafft es gekonnt, eine authentische Atmosphäre und eine dichte Handlung aufzubauen. Seine historischen Romane konnten mich bisher immer auf eine eigene Art und Weise überzeugen, Daher waren meine Anforderungen an diesen historischen Roman ziemlich hoch. Und dennoch wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht.
„Der eiserne Herzog“ ist mit einem vielseitigen Bonusmaterial ausgestattet, welches bei Bedarf zu Rate gezogen wird. Hilfreich ist zum Beispiel das Personenregister, damit man einen besseren Überblick bewahrt. Auch die historische Karte ist hilfreich und ist für eine bessere Orientierung beigefügt wurden. Das Nachwort möchte ich hier auch noch einmal positiv erwähnen, da der Autor hier noch einmal auf ein paar Fakten eingeht.
Der Schreibstil ist, wie ich bereits aus anderen Büchern aus der Feder von Ulf Schiewe gewohnt bin, sehr bildhaft, lebendig und lässt sich flüssig lesen. Dabei schafft es der Autor, eine dichte und packende Atmosphäre zu erschaffen, sodass der Leser vollkommen in vergangene Zeiten reingezogen wird. Dabei hat man das Gefühl, dass man mitten im Geschehen ist und aktiv an der Handlung teilnimmt. Dies führt dazu, dass es dem Leser schwer fällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen, da es eine regelrechte Sogwirkung ausübt. Ein gutes Wiedererkennungsmerkmal ist auch die umfangreiche Recherche, welche auch dieses Mal auf jeder Seite erkennbar ist. In diesen historischen Roman sind viele umfangreiche Recherchearbeiten hineingeflossen und das merkt man dem Buch auch an. Schiewe hat die Handlung mit liebevollen Details versehen, welche das Werk sehr bereichern. Und dennoch ist es dem Autor gelungen, dass ein gelungener Mix zwischen Fakten und Fiktion entsteht. Er schafft es, die Schlachten vielseitig und detailreich zu erzählen und dennoch bleibt das persönliche Schicksal nicht auf der Strecke.
Auch wird über die gesamte Länge des Buches die Spannung auf vielseitige Weise hoch gehalten. Der Spannungsbogen ist zu keiner Zeit abgebrochen und dies führt dazu, dass der historische Roman zu keiner Zeit langweilig wird. Besonders die Schlacht am Ende wird detailreich erzählt, auch gibt es noch ein paar weitere blutige Szenen, welche stellenweise nicht für zartbesaitete Leser zu empfehlen ist. Aber dennoch sind hier nicht nur die Schlachten im Mittelpunkt, sondern Schiewe legt auch Wert auf die Charakterentwicklung. Im Zentrum steht hier der Protagonist Guilhem. Er ist der Herzog der Normandie und an seiner Seite ist die starke Frau Matilda. Guilhem wird als starker und vielseitiger Charakter dargestellt und ich finde seine Entwicklung und auch seine Darstellung allgemein sehr gelungen. Man lernt ihn mit jeder Seite besser kennen. Er macht einige Entwicklungen durch und muss viele Hürden meistern. Aber auch die Nebencharaktere werden authentisch gezeichnet, sodass sie dem Leser ans Herz wachsen. Teilweise bekommt man auch ein paar Einblicke in die Gedankengänge der Charaktere, sodass man ihre Handlungen besser nachvollziehen kann.
Auch das fulminante Ende ist gelungen und ich persönlich habe sehr mitgefiebert. Mit ein bisschen historischen Vorkenntnissen weiß man, wie die Schlacht bei Hastings enden wird. Dennoch liest man gebannt die Seiten und kann das Buch einfach nicht aus der Hand legen.

Insgesamt konnte mich der Autor Ulf Schiewe mit seinem historischen Roman „Der eiserne Herzog“ komplett überzeugen. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere haben mich vollständig in ihren Bann gezogen. Mich persönlich hat dieses Buch total mitgenommen und ich habe wirklich nichts daran auszusetzen. Daher möchte ich 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung vergeben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 06.11.2022

Drachenbanner

Drachenbanner
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Die bekannte Autorin Rebecca Gable hat mit dem historischen Roman „Drachenbanner“ einen neuen Waringham- Roman auf den Buchmarkt gebracht. Dies ist nun schon der siebte Band aus der Reihe. Da aber jeweils ...

Die bekannte Autorin Rebecca Gable hat mit dem historischen Roman „Drachenbanner“ einen neuen Waringham- Roman auf den Buchmarkt gebracht. Dies ist nun schon der siebte Band aus der Reihe. Da aber jeweils andere Generationen im Zentrum der Handlung stehen und die Bücher nicht immer chronologisch erschienen sind, kann man dieses Buch auch ohne Vorkenntnis lesen.

Klappentext:
England 1238: Die junge Adela of Waringham und Bedric, Sohn einer leibeigenen Bauernfamilie, sind zusammen aufgewachsen. Während Adela als Hofdame zur Schwester des Königs geschickt und später mit einem Ritter verheiratet wird, schuftet Bedric auf den Feldern von Waringham - dem Elend der Leibeigenschaft und der Willkür von Adelas Bruder ausgeliefert. Als die Situation unerträglich wird, flieht er, nicht ahnend, dass Adela von ihm schwanger ist. In London begegnet Bedric Simon de Montfort, dem charismatischen Schwager des Königs. Als 1258 Seuchen und Missernten über das Land ziehen, bricht ein Krieg aus, der eine neue Zeit einläutet. Doch Bedric und Adela haben einander nie vergessen ...

Voller Vorfreude war ich, als ich gelesen habe, dass ein neuer Waringham- Teil erscheinen soll. Bisher haben mir die historischen Romane aus der Feder von Rebecca Gable immer auf ihre eigene Weise begeistern und das Abtauchen nach Waringham hat immer etwas von Nach-Hause-Kommen. Auch hat sich Rebecca Gable im Bereich der historischen Romane bereits einen Namen gemacht. Und daher habe ich mit großen Erwartungen an dieses Buch herangewagt und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Schreibstil von Gable ist, wie ich es bereits aus ihren anderen Büchern gewohnt bin, sehr angenehm und lässt sich flüssig lesen. Der Stil ist sehr bildhaft und dicht, gekonnt schafft es die Autorin, dass ein Bild vor dem geistigen Auge entsteht und man quasi in eine längst vergangene Zeit katapultiert wird. Dabei hat man als Leser das Gefühl, dass man mitten im Geschehen ist und lernt die Charaktere dabei immer besser kennen. Gekonnt wird eine dichte Atmosphäre geschaffen, sodass man sich alles sehr gut vorstellen kann und sich dabei vollkommen in diesem historischen Roman fallen lassen kann. Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits sind die häufigen Zufälle, welche die Handlung stellenweise bestimmen. Manchmal ist hier plötzlich der richtige Charakter zur richtigen Zeit am richtigen Ort, obwohl dies vorher nicht ersichtlich war. Dies häuft sich teilweise, sodass es manchmal etwas unrealistisch erschienen ist. Dieses Mal entführt ins Gable ins 13. Jahrhundert. Der Roman spielt nach dem Vorgänger „Teufelskrone“, sodass man nochmal ein Wiedersehen mit ein paar Charakteren aus diesem Buch erleben darf, was mich persönlich sehr gefreut hat. Auch im „Drachenbanner“ werden gekonnt historische Gegebenheiten oder auch Anekdoten aus der damaligen Zeit in die Handlung mit eingebaut. Einige historische Personen sind Teil der Handlung und werden vielseitig dargestellt, sodass man manche noch mal anderes wahrnimmt oder einfach mehr über diese historischen Persönlichkeiten erfährt. Man merkt auf jeder Seite des Buches die umfangreiche und tiefgründige Recherchearbeit der Autorin, welche im Vorfeld von ihr geleistet wurde. Die englische Geschichte aus dem 13. Jahrhundert wird in diesem historischen Roman lebendig erzählt und ganz nebenbei lernt man noch einiges über die damaligen Gegebenheiten und bekommt einen Vielseitigen Einblick über das Leben zu dieser Zeit. In diesem Buch werden auch oftmals die Gedanken und Probleme des einfachen Volkes beleuchtet, was diese belasten und auch beschäftigen. Allgemein werden einige interessante Aspekte in die Handlung mit eingebunden, sodass man dabei zum Beispiel einiges über die Leibeigenschaft erfährt.
Positiv möchte ich auch die Charakterdarstellung erwähnen. Gable schafft es, packende Charaktere zu zeichnen und hierbei wissen nicht nur die Protagonisten zu überzeugen. Auch der ein oder andere Nebencharakter konnte mich in seinen Bann ziehen. Gefallen hat mir auch, dass diese nicht nur Schwarz oder Weiß gezeichnet werden, sondern oftmals in den unterschiedlichsten Grautönen schimmern. Auch die Antagonisten haben ihre liebenswerten Seiten und sind nicht nur Böse. Daher überrascht es auch nicht, dass die fiktiven Protagonisten Bedric Archer und Adela of Waringham ebenfalls ihre Schattenseiten haben. Auch sie haben schlechte Charakterzüge oder haben nicht immer gütig gehandelt und sich etwas zu Schulden kommen lassen. Diese Vielseitigkeit hat mir gefallen, haben sie die Charaktere dadurch lebendig wirken lassen. Außerdem hat es dazu geführt, dass man mit ihnen mitgefiebert hat und es gab die ein oder andere Stelle, da hat man um ihr Wohl gebangt. Sie sind mir ans Herz gewachsen und ich habe es genossen, an ihrer Seite die Handlung zu erleben. Aber auch die historischen Charaktere sind Gable gelungen. Besonders Simon de Montfort wird hier ausführlich beleuchtet. Dennoch hätte ich mir mehr historische Gegebenheiten gewünscht. Besonders am Anfang hat mir dies ein bisschen gefehlt, steht die fiktive Handlung sehr im Vordergrund. Henry III spielt in diesem Buch ebenfalls eine wichtige Rolle – hier hätte ich mir einfach mehr Szenen mit ihm gewünscht. Dennoch ist es Gable gelungen, Fakten und Fiktion gut miteinander zu verweben. Hier möchte ich nochmal jedem Leser das Nachwort nahelegen. In diesem geht die Autorin nochmal auf ein paar Gegebenheiten ein, unter anderem auch Aspekte, welche sie auslassen musste oder nicht näher beleuchten konnte.
Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits sind die letzten Seiten von „Drachenbanner“. Mir persönlich war das Ende ein bisschen zu offen. Einige noch offene Punkte wurden nicht weiter geklärt und damit der Fantasie des Lesers überlassen. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Klarheit gewünscht.

Alles in allem konnte mich die Autorin Rebecca Gable aufs Neue mit ihrem historischen Roman „Drachenbanner“ wieder von ihrem Erzähltalent überzeugen. Ihr ist es geschickt gelungen, mich in eine längst vergangene Zeit zu entführen und mich dabei an die Seiten ihres Werkes zu fesseln. Ich habe mit den vielseitigen Charakteren mitgelitten und dabei einiges über die Geschichte von England im 13. Jahrhundert gelernt. Dieser historische Roman hat erneut bewiesen, dass die Autorin eine Meisterin ihres Faches ist. Und somit bleibt mir nichts Anderes übrig, als gebannt auf das nächste Werk aus ihrer Feder zu warten. Für „Drachenbanner“ möchte ich wohlverdiente 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für Liebhaber von historischen Romanen vergeben.

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