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Veröffentlicht am 09.10.2023

Frau sein in Südkorea heute - Ein Augenöffner- Buch

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Dieses recht schmale Buch liest sich flott und ist in einem sehr sachlichen Ton geschrieben. Es beschreibt anhand eines Beispiels, nämlich dem von Frau Jiyoung, die mit ihrem typischen Allerweltsnamen, ...

Dieses recht schmale Buch liest sich flott und ist in einem sehr sachlichen Ton geschrieben. Es beschreibt anhand eines Beispiels, nämlich dem von Frau Jiyoung, die mit ihrem typischen Allerweltsnamen, stellvertretend für alle Südkoreanerinnen steht, wie es sich als Frau heute in ihrem Land lebt.

Entgegen der rasanten industriellen Entwicklung von Südkorea hinkt das Land gesellschaftlich noch weit hinterher.Südkoreanerinnen lassen früh das Geschlecht ihres Babys bestimmen und entscheiden sich bei einem Mädchen immer noch oft, dieses nicht zu bekommen. Frauen sind in vielerlei Hinsicht benachteiligt, haben mit Sexismus zu kämpfen und haben eigentlich keine Chance ihren Beruf weiter auszuüben, wenn sie Mutter geworden sind.

Dieses Buch führte zu Massenprotesten und es bleibt zu hoffen, dass es dazu beiträgt, dass sich die Situation für die Frauen in Südkorea endlich verbessert.



Den Anfang fand ich etwas verwirrend, denn wir erfahren, dass unsere Protagonistin eine Persönlichkeitsstörung erlitten hat. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr sie selbst. Ein Psychiater rollt in den folgenden Kapiteln ihren Lebensweg von der Geburt 1982 bis in die Heutezeit auf.



Ich fand es interessant zu erfahren, wie schwer es junge Frauen in Südkorea auch heute noch haben, und es verwundert fast, dass sie sich nicht schon viel eher gegen dieses patriarchalische und sexistische System gewehrt haben. Es wäre schön, wenn dieses Buch einen Beitrag zum Umdenken geben könnte und die Frauen eine echte Chance auf Verbesserung ihrer Situation bekämen. Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich die sehr einfache und sachliche Sprache. Ein bisschen mehr sprachliche Finesse hätte mir schon gut gefallen. Andererseits hat die Autorin vielleicht auch bewusst auf komplizierte Sätze verzichtet, um Frauen in allen Bildungsschichten zu erreichen.

Die Missstände, die in dem Buch beschrieben werden, sind für die Leser*innen hierzulande nicht weltbewegend neu. Ungleichbehandlungen von Frauen und Sexismus finden auch bei uns statt, wenn auch nicht in dem Maße. Um die Sprengkraft dieses Buches ganz nachvollziehen zu können, müsste man wahrscheinlich tiefer mit den gesellschaftlichen Strukturen des Landes vertraut sein.


Ich empfehle den Roman gerne weiter. Das Buch war für mich kein Highlight aber durchaus lesenswert und interessant.

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Veröffentlicht am 29.09.2023

Herzzerreißend

Als die Welt uns gehörte
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Die Geschichte beginnt in Wien 1936. Leo feiert den 9.Geburtstag mit seinen besten Freunden Elsa und Max. Leo‘s Vater spendiert sogar eine Riesenradfahrt auf dem Prater. Leo ahnt nicht, dass eine Ungeschicklichkeit ...

Die Geschichte beginnt in Wien 1936. Leo feiert den 9.Geburtstag mit seinen besten Freunden Elsa und Max. Leo‘s Vater spendiert sogar eine Riesenradfahrt auf dem Prater. Leo ahnt nicht, dass eine Ungeschicklichkeit , durch die die Freunde ein nettes englisches Ehepaar kennenlernen ihm einmal das Leben retten wird.

Dieses letzte unbeschwerte Zusammensein wird festgehalten auf einem Erinnerungsfoto die die 3 Freunde in den kommenden grausamen Zeiten an einen Glücksmoment ihrer Kindheit erinnern wird.

Aus den Perspektiven von Elsa, Leo und Max erfahren wir von der Machtergreifung Hitler‘s und den unmittelbaren Folgen für ihre jungen Leben. Für ihre Schulfreundschaft hatte es nie eine Rolle gespielt, dass sowohl Elsa als auch Leo jüdische Kinder waren. Für Max, der sich mit anderen Kindern schwertat, waren die beiden wahre Freunde, die ihn akzeptierten wie er war.

In der neuen Zeit ändert sich alles. Nicht nur werden die Freunde auseinandergerissen. Den Juden werden auch in Wien immer mehr Rechte aberkannt. Max Vater ist ein überzeugter Nazi der 1. Stunde und sein Sohn möchte doch so gern die Anerkennung seines Vaters erlangen.



Die Autorin, die in diesem für den deutschen Jugendbuchpreis nominierten Jugendroman auch die Geschichte ihres Vaters verarbeitet, erzählt sehr berührend nicht nur über die unfassbaren Grausamkeiten, die man nichtarischen Menschen angetan hat, sondern auch wie junge Menschen in die Fänge eines menschenverachtenden Regimes geraten konnten.

Die Geschichte ist psychologisch sehr einfühlsam erzählt. Besonders Elsa hat mich schwer beeindruckt, wie sie trotz den furchtbaren Dingen, die ihr tagtäglich widerfahren immer noch versucht etwas Positives für den Tag herauszufiltern.

Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen des Holocausts. Deshalb sind Bücher wie diese, auch wenn sie schwer und beklemmend zu lesen sind so unglaublich wichtig, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.



Dieses Jugendbuch schafft es durch die einfühlsame Erzählweise und die jungen Protagonisten , dass sich gerade junge Leser gut mit den Figuren identifizieren können.

Von mir gibt es 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.09.2023

Enttäuschend

Das Flüstern der Bäume
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Mit großen Erwartungen und voller Vorfreude habe ich diesen Roman begonnen, der so gar nicht halten konnte, was er versprach.

Zunächst habe ich mich wirklich schwer getan in das Buch hineinzufinden. Außerdem ...

Mit großen Erwartungen und voller Vorfreude habe ich diesen Roman begonnen, der so gar nicht halten konnte, was er versprach.

Zunächst habe ich mich wirklich schwer getan in das Buch hineinzufinden. Außerdem gibt es in diesem Mehr - Generationen - Roman wirklich riesige Zeitsprünge. Die Geschichte beginnt in der Zukunft 2038, springt dann in die vorherige Generation 2008, geht weiter zurück ins Jahr 1974 und schließlich 1934 , bevor wir uns von dort aus wieder in die Zukunft vorarbeiten und mit dem Jahr 2038 das Buch beenden. Ich empfand das Buch als sehr anstrengend, definitiv zu langatmig, die Sprache leider oft hölzern, aber das Schlimmste, total unglaubwürdig.

In „Das Flüstern der Bäume“ geht es um verschiedene Generationen einer Familie, die alle eine enge Verbindung zu den Bäumen in ihrem Lebensumfeld hatten. Das Buch beginnt mit der Illustration der Jahresringe eines Baumriesen. Die Idee das Leben von Bäumen, die sich unterirdisch mit ihrem Wurzelsystem verbinden mit Familienverbunden zu vergleichen, fand ich originell und eigentlich ganz spannend.

Zu Beginn des Buches sind Bäume tatsächlich fast ausgestorben. Die wenigen verbliebenen Exemplare gibt es auf einer Insel, auf der Jacinda (Jake) Greenwood als Naturführerin reichen Touristen (Pilger) die Baumriesen in Führungen näherbringt. Über ihre Familie weiß Jake so gut wie nichts. Sollte sie wirklich mit dem Holzmagnaten Greenwood verwandt sein, wie ein Anwalt vermutet oder ist die Namensgleichheit Zufall, wie sie selber es glaubt? Ihr Vater Liam hatte auch mit Holz zu tun. Er war Zimmermann und ist bei einem „Arbeitsunfall“ früh verstorben.

Mit den Sprüngen in die Vergangenheit erfahren wir als Leser eine mehr als hanebüchene Familiengeschichte, bei dem der Autor nichts ausgelassen hat. Da findet ein Vorfahr von Jacinda ein Neugeborenes Baby an einem Ahornbaum hängend, rettet es, wird aber selber gejagt und schmeißt es zwischendurch mal aus dem Zug und ähnliches. Das Baby überlebt. Auch ein paar Tage ohne Nahrung überlebt dieses Wunderbaby ebenfalls problemlos.

Ein Tagebuch, dass bei einem Wirbelsturm zusammen mit einer ganzen Bibliothek durch die Luft geschleudert wird, taucht später wieder auf.

Es gibt viele Beispiele mehr, bei denen sich beim Lesen die Nackenhaare aufstellen.


Die Grundidee fand ich nicht schlecht, leider hat mich die Umsetzung , die Sprache und die sehr unglaubwürdige Geschichte mit vielen Logiklücken sehr enttäuscht.

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Veröffentlicht am 11.09.2023

Reset bitte - wenn man das Leben zurückspulen könnte

Mein schrecklich schönes Leben
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„( Cassandra muß aufhören, so zu tun, als würde sich alles nur um sie drehen.) In meiner Theorie arbeitet mein Hirn wie eine faule IT Abteilung, und jedes Mal, wenn es irgendein Problem gibt, zieht es ...

„( Cassandra muß aufhören, so zu tun, als würde sich alles nur um sie drehen.) In meiner Theorie arbeitet mein Hirn wie eine faule IT Abteilung, und jedes Mal, wenn es irgendein Problem gibt, zieht es erstmal den Hauptstecker.“ S. 23



Die Autorin Holly Smale hat in ihrem neuen Roman eine Protagonistin geschaffen, die mit ihrer Umwelt so gar nicht zurechtkommt und nicht so recht weiß, woran das liegen mag. Sie ist anders als andere und eckt überall an. Ihr Leben fliegt ihr an einem einzigen Mittwoch förmlich um die Ohren, wieder einmal. Cassandra verliert ihren Job, ihr Freund Will trennt sich von ihr und auch die Mitbewohner*innen ihrer WG, in der sie noch gar nicht solange lebt, wollen sie auch gerne schnell wieder loswerden.

Erstaunlich ist, dass Will erst mit ihr Schluss macht, dann aber am nächsten Tag erneut mit ihr ausgehen möchte und anschließend mit den selben Worten die Beziehung wieder beendet.

Das fühlt sich für Cassandra doch sehr nach einer Zeitschleife an und vielleicht auch nach einer Chance ein paar Korrekturen vorzunehmen und ihre Beziehung zu retten.



Eine tolle Buchidee wie ich fand, die der Autorin jede Menge Möglichkeiten gibt die urkomischsten Situationen zu kreieren und das macht sie auch. So spult Cass die Zeit z.B. mal eben bis zum ersten Date zurück, um den Beginn der Beziehung schon mal perfekt zu gestalten.

Doch mal ist sie zu aufgeregt, mal hält sich ihr zukünftiger Freund einfach nicht ans Drehbuch , mal starrt sie ihn 3 Sekunden zu lange an und verschreckt ihn. Auch die erste körperliche Annäherung verträgt einige Resets. Natürlich versucht sie gleichzeitig alle ihre Baustellen zu retten und verstrickt sich irgendwann heillos in den unterschiedlichen Zeitsträngen.

Und dann taucht auch noch ihre kleine Schwester auf, mit der sie jeglichen Kontakt abgebrochen hat….

Das selbstproduzierte Chaos war manchmal etwas wirr aber größtenteils sehr amüsant. Dennoch ist die Geschichte nicht flach und oberflächlich. Es geht um Selbstfindung, Selbstakzeptanz, das Anderssein und auch um Traumabewältigung und Familie. Warum wird Menschen in unserer Gesellschaft, die anders sind als die Norm immer das Schlimmstmögliche unterstellt, statt ihnen einfach zu helfen sich besser zurechtzufinden?



„ (Cassandra mangelt es an Empathie.)“

„( Cassandra macht sich zu viele Gedanken.“)

„(Cassandra kann ganz schön neurotisch und obsessiv sein.“)



Das Buch ist also auch ein Stück Gesellschaftskritik und macht nachdenklich.

Mir hat die Geschichte, die sich ganz anders entwickelt hat, als es der Klappentext vermutet hat wirklich gut gefallen. Der Roman hat mir großen Spaß gemacht und war alles andere als seicht. Ich empfehle ihn deshalb sehr gerne weiter.



4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 08.09.2023

Spannender Reihenauftakt

Die Zahlen der Toten
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Schon lange hatte ich mir die Thrillerreihe rund um Kate Burkholder, Chief of Police im kleinen Städtchen Painter‘s Mill, Ohio vorgenommen.

Ungewöhnlich ist nicht nur, dass hier tatsächlich mal eine Frau ...

Schon lange hatte ich mir die Thrillerreihe rund um Kate Burkholder, Chief of Police im kleinen Städtchen Painter‘s Mill, Ohio vorgenommen.

Ungewöhnlich ist nicht nur, dass hier tatsächlich mal eine Frau eine Führungsposition innehat, Kate ist darüberhinaus in der Glaubensgemeinschaft der Amischen aufgewachsen und hat sich erst als junge Erwachsene gegen einen weiteren Lebensweg in der Gemeinschaft und für eine Laufbahn bei der Polizei entschieden. Dieser Umstand ist sicher auch auf ein traumatisches Ereignis als Jugendliche zurückzuführen , dass sie jetzt ihren Job kosten könnte.

Denn vor 16 Jahren gab es eine Mordserie an jungen Frauen in der Gegend und jetzt wird wieder eine grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Es scheint fast so, als ob der Mörder von damals zurückgekehrt ist, dabei war sich Kate sicher, dass „der Schlächter“ tot sein muss. Amische klären ihre Angelegenheiten nämlich gerne selber.



Kate ist hin- und hergerissen. Eigentlich will sie den Fall schnell und effizient aufklären, andererseits scheut sie sich weitere Behörden einzuschalten, die ihr den Fall vielleicht wegnehmen würden. Als eine weitere Frauenleiche auftaucht passiert genau das, was sie befürchtet hat. Sie wird kaltgestellt.



Kate war mir sehr sympathisch, eine kluge empathische Frau, die in ihrem kleinen Revier von allen geschätzt wird. Auch die Nebencharaktere werden gut in die Geschichte eingeführt. Man erfährt im 1.Teil natürlich auch viel über Kate‘s Hintergrund und über das Leben der Amischen, was ich sehr interessant fand.

Die Morde waren nichts für schwache Nerven. Hier hätte es für mich nicht so viele grausige Details gebraucht. Es war unterhaltsam und spannend und lief am Ende auf einen Showdown hinaus, bei dem man unbedingt am Ball bleiben wollte.



Ich habe es auf jeden Fall nicht bereut mit dieser Reihe begonnen zu haben und freue mich auf viele Fortsetzungen. Das Hörbuch wurde hervorragend vertont von Tanja Geke.

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