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Veröffentlicht am 07.07.2023

Alternative Wahrheiten

Melody
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Tom Elder ist mit seinen fast 31 Jahren im Besitz von nicht nur einem, sondern sogar zwei Master Abschlüssen in Jura. Sein Vater hatte großzügig das Studium finanziert, so dass er sich nie so recht veranlasst ...

Tom Elder ist mit seinen fast 31 Jahren im Besitz von nicht nur einem, sondern sogar zwei Master Abschlüssen in Jura. Sein Vater hatte großzügig das Studium finanziert, so dass er sich nie so recht veranlasst sah ins Berufsleben zu starten. Wäre sein wohlhabender Vater nicht ums Leben gekommen, hätte sich sicher noch ein weiterer Ergänzungsstudiengang für ihn gefunden. Jetzt befindet er sich plötzlich in der Situation arbeitslos zu sein und muß sich wohl oder übel darum kümmern, sein erstes eigenes Geld zu verdienen.

Er bewirbt sich auf eine altmodische Anzeige in einer Tageszeitung, in der ein vertrauenswürdiger ,gebildeter Mann mit juristischen Kenntnissen zur Nachlassordnung gesucht wird.

Tatsächlich bekommt er die gut bezahlte Stelle mit Kost und Logis und darf fortan die Gästewohnung in der Villa des Herrn Dr. Peter Stotz bewohnen. Dieser ist nicht irgendwer, sondern eine hochangesehene Persönlichkeit, einst erfolgreicher Geschäftsmann, ehemaliger Nationalrat und Milizoffizier mit Geld, Einfluss und Macht.

Tom erfährt, dass der alte Herr nicht mehr lange leben wird und sich wünscht, dass sein Nachlass so geordnet werden soll, dass das Bild , dass sich die Öffentlichkeit von ihm gemacht hat über seinen Tod hinaus bewahrt wird.

Nach mehreren intensiven Gesprächen mit Dr. Stotz erfährt Tom, dass das zentrale Thema im Leben seines Arbeitgebers seine verlorene Liebe Melody ist. Bilder von der marokkanischen Schönheit hängen überall im Haus, und Tom‘s Chef hat offensichtlich nie aufgehört nach seiner Geliebten zu suchen, nachdem sie von einem Tag auf den anderen verschwunden ist.



Über Dr.Stotz Tod hinaus bleiben bei Tom viele Fragen ungeklärt und bei gemeinsamen Nachforschungen mit Laura, der Nichte seines Arbeitgebers treten neue „Wahrheiten“ ans Licht und die Geschichte nimmt eine ganz neue unerwartete Wendung.





Fiktion oder Wahrheit, darum geht es in diesem Roman.

„Nicht die ganz Wahrheit sagen, ist nicht gelogen“.



„Will man sich das Leben nach dem einrichten, was man glaubt, oder will man das, was man glaubt, nach dem einrichten , wie man lebt?“.



Der Roman wird sehr, sehr (schweizerisch) gemächlich erzählt, enthält aber auch viele tolle Sätze, die einen innehalten lassen. Spannung gibt es so gut wie keine und der überraschende Plot Twist findet sich erst im letzten Drittel des Buches. Trotzdem wurde es mir nicht langweilig und ich konnte mich wunderbar in die Atmosphäre dieses High Society Lebens fallen lassen.

Das köstliche Essen, dass die Haushälterin Mariella zubereitet, wird ausführlich und appetitanregend beschrieben. Kellner Roberto kredenzt zu jedem Gang das passende Getränk und auch Bruno zählt nach eigenen Angaben zu einem Vertrauten des Dr. Stotz, da dieser immer gerne mit einem Schriftsteller befreundet sein wollte.



Mir hat mein 1. Suter gut gefallen, kein Highlight aber intelligent und unterhaltsam. Ich werde sicher gerne wieder zu seinen Büchern greifen.

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Veröffentlicht am 05.07.2023

Aufwühlende Fluchtgeschichten, die niemanden unberührt lassen

Vor uns das Meer
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3 Jahrzehnte, 3 Fluchtgeschichten von jugendlichen Protagonisten, die mit ihren Eltern aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen mussten und zu Flüchtlingen wurden, darum geht es in diesem bewegenden ...

3 Jahrzehnte, 3 Fluchtgeschichten von jugendlichen Protagonisten, die mit ihren Eltern aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen mussten und zu Flüchtlingen wurden, darum geht es in diesem bewegenden Roman des amerikanischen Autors Alan Gratz.

Die Geschichten werden in kurzen Kapiteln parallel erzählt.



1939: Josef besteigt mit seiner Familie ein Schiff, dass sie mit vielen anderen Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Kuba bringen soll. Der Vater ist psychisch labil, was kein Wunder ist, musste er im Konzentrationslager doch schon erleben, wozu die Deutschen fähig sind. Für die Flüchtlinge beginnt eine Irrfahrt, die fast wieder dort endet, wo sie begann.



1990: Während der Wirtschaftskrise beschließen Isabel und ihre Familie, gemeinsam mit einer Nachbarsfamilie Kuba mit einem Boot in Richtung den USA zu verlassen. Lebensmittelknappheit und Perspektivlosigkeit, sowie der Wunsch nach Freiheit veranlassen die Gruppe zu diesem drastischen und gefährlichen Schritt. Gemeinsam beginnt eine Reise ins Ungewisse, in der sie ihr Leben riskieren und große Opfer bringen müssen.



2015: Mahmoud und seine Familie entfliehen dem syrischen Bürgerkrieg auf der berüchtigten Balkanroute. Auch ihre Fluchtgeschichte aus Aleppo ist erschütternd und immer wieder lebensgefährlich.



Gemeinsam sind den 3 Geschichten die jugendlichen Protagonisten. Sie sind jeweils 11- 12 Jahre alt und müssen ganz schnell Verantwortung übernehmen und erwachsen werden, denn ihre Eltern sind plötzlich nicht mehr in der Lage zu handeln.

„ Vor uns das Meer“ ist ein Jugendbuch mit dem sich die jugendlichen Leser durch die Hauptfiguren im gleichen Alter sehr gut identifizieren können, mutige, junge Leute die Zivilcourage zeigen und ein Vorbild für andere sind. Das Buch orientiert sich an der Wirklichkeit erschüttert und berührt. Man sollte kein Happy End erwarten, denn das gibt es im wahren Leben auch nicht. Es ist ein sehr wichtiges Buch, was sich gut auch für den Schulunterricht eignet. Allerdings braucht es sensible Lehrer*innen, besonders in multikulturellen Klassen, weil es teilweise wirklich harter Tobak ist und Traumata wieder aufbrechen könnten.

Sehr empfehlen kann ich das hervorragend eingesprochene Hörbuch.

2021 wurde das Buch übrigens sehr verdient für den Jugendliteraturpreis nominiert.

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Veröffentlicht am 03.07.2023

Faszination Afrika

Ein kleines Stück von Afrika - Aufbruch
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Im Jahre 1910 bietet sich der jungen Ivory Parkland Rowe, die einmalige Chance ihren Vater auf eine Jagdsafari nach Kenia zu begleiten. Als passionierter Jäger brennt Ivory‘s Vater, wie viele betuchte ...

Im Jahre 1910 bietet sich der jungen Ivory Parkland Rowe, die einmalige Chance ihren Vater auf eine Jagdsafari nach Kenia zu begleiten. Als passionierter Jäger brennt Ivory‘s Vater, wie viele betuchte Engländer seiner Zeit darauf exotische Tiere vor die Flinte zu bekommen und die Trophäen stolz in seinem Zuhause in England zur Schau zu stellen. Seine Tochter teilt seine Jagdleidenschaft zwar nicht, sie lehnt das sinnlose Töten entschieden ab, kann dem Abenteuer nach Afrika zu reisen aber dennoch nicht widerstehen.


Afrika verzaubert die junge Frau mit seiner Tier- und Pflanzenwelt sofort, so dass sie sich auch ein Leben fern der Heimat gut vorstellen kann. Ausgerechnet an Adrian Edgecumbe, dem Großwildjäger, der die Safaris begleitet verliert sie ihr Herz und heiratet ihn sogar in der Hoffnung , dass er dem Jagen für sie den Rücken kehren wird, was er, man ahnt es schon, natürlich nicht tun wird.


Christina Rey hat in ihrem Debüt eine breit angelegte Familiensaga geschrieben, die zunächst einmal durch sein einzigartiges Setting punktet. Der Schreibstil ist flüssig und sehr unterhaltsam. Es gibt ein paar Längen und die Geschichte ist teilweise vorhersehbar. Trotzdem habe ich mich gerne in das Afrika des frühen 20.Jahrhunderts mitnehmen lassen.


Rey‘s Charaktere wirken authentisch. Die Geschichte wurde gut recherchiert. Der wahnwitzige Aufwand der für eine illustre Upperclass Jagdgesellschaft auf die Beine gestellt wurde, ist historisch belegt und einfach nur unfassbar dekadent. Neben der Großwildjagd werden auch die Kolonialisierung, Missionierung und der Rassismus kritisch thematisiert.


Traurig stimmt einen das abschätzige Verhalten, dass ein Großteil der Weißen gegenüber der einheimischen Bevölkerung an den Tag legte. Beispiel: Da man sich als weißer Herrenmensch die Namen der Schwarzen sowieso nicht merken konnte, rief man die Bediensten kurzerhand mit „Boy“. Auch eine selbstbewusste und aufgeschlossene Frau wie Ivy, musste mit Ressentiments rechnen, wenn sie sich gegen diesen offenen Rassismus stellte und z.B durchsetzte, dass man das Personal bitte höflich mit seinem Namen anzusprechen habe.


Interessant war es für mich auch einiges über die Sitten und Gebräuche der unterschiedlichen Stämme zu erfahren, auch über Missverständnisse aufgrund der kulturellen Unterschiede.


Dem 2 Band , der gerade erschienen ist, sehe ich mit Spannung entgegen. Teil 1 mit dem Untertitel „ Aufbruch“, hat mir schöne Lesestunden beschert und hat natürlich auch erfreuliche Erinnerungen an Tania Blixen‘s „Jenseits von Afrika“ bei mir geweckt.

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Veröffentlicht am 25.06.2023

Konserviert für die Ewigkeit

Der Bojenmann
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Der Bojenmann“ ist der 1. Teil einer Regionalkrimireihe aus der Feder der beiden Autoren Kester Schlenz und Jan Jepsen, der in Hamburg spielt.



Kommissar Thies Knudsen und seine Kollegin Dörte Eichhorn ...

Der Bojenmann“ ist der 1. Teil einer Regionalkrimireihe aus der Feder der beiden Autoren Kester Schlenz und Jan Jepsen, der in Hamburg spielt.



Kommissar Thies Knudsen und seine Kollegin Dörte Eichhorn bekommen es mit einer besonders skurrilen Tötungsart zu tun. Ein Massenmörder präpariert seine Opfer im Stil der bekannten „Körperwelten“ und stellt die Plastinate der Leichen öffentlich aus.



Der Kommissar, der mit dem pensionierten Lotsen Oke Andersen eine intensive Männerfreundschaft pflegt, tappt im Dunkeln. Nicht zum ersten Mal hilft ihm der Scharfsinn seines Freundes in dem Fall voran zu kommen.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat sind Lokalkolorit und Humor des Krimis. Man erfährt viele interessante Fakten über Hamburg, die nicht in jedem Reiseführer stehen und schmunzelt über so manche Lebensweisheit des Seebären Oke. Auch die Arbeitsbedingungen der heutigen Seeleute werden kritisch hinterfragt, ist deren Ausbeutung doch offensichtlich eine moderne Form der Sklaverei zugunsten unserer Konsumgesellschaft, was man hier bei uns natürlich gerne verdrängt.

Ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht, vielleicht auch den ein oder anderen unerwarteten Plot Twist. Zum Ende erhöht sich das Tempo auf jeden Fall nochmal und lässt einen als Leser*in mitfiebern.



Leider endet das Buch mit einem Cliffhanger. Möchte man die Auflösung des Falles erfahren, muß man auf den 2.Teil warten.

Warum?

Das macht mich ein klein wenig ärgerlich und führt bei mir zu Punktabzug. Hoffe doch sehr, dass das kein neuer Trend wird bei Krimis und Thrillern, um Teil 2 auch sicher verkaufen zu können.



Bis auf das Ende hat mir der Reginalkrimi mit viel Hamburgflair gut gefallen.

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Veröffentlicht am 23.06.2023

Ungewöhnliche Thematik

Die Spur der Aale
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Staatsanwältin Greta Vogelsang ist die sympathische Protagonistin in der neuen Regionalkrimireihe des Autors Florian Wacker, die in Frankfurt spielt. In ihrem ersten Fall , mit dem sie es in ihrem Dezernat ...

Staatsanwältin Greta Vogelsang ist die sympathische Protagonistin in der neuen Regionalkrimireihe des Autors Florian Wacker, die in Frankfurt spielt. In ihrem ersten Fall , mit dem sie es in ihrem Dezernat für Umweltverbrechen und Artenschutzdelikte zu tun bekommt, geht es um wertvolle Glasaale. Offensichtlich war ein Kollege vom Zoll einem international operierenden Schmugglernetzwerk auf der Spur. Jetzt wird er tot aus dem Main geborgen, und Vogelsang, die seine Recherche zunächst nicht besonders ernst genommen hat, beginnt mit schlechtem Gewissen selbst zu ermitteln.

Weitestgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit scheint das Schmuggeln von Glasaalen sehr lukrativ für die Akteure zu sein und man erfährt als Leser einige interessante Details.

Die Schauplätze wechseln zwischen Frankfurt, Hong Kong und Frankreich und der Leser hat immer einen kleinen Wissensvorsprung, was die Handlung allerdings auch durchschaubarer macht und zu Lasten der Spannung geht.

Während die Staatsanwältin durch das Miterzählen ihres Privatlebens recht komplex wirkt, empfand ich insbesondere die Nebencharaktere als recht oberflächlich gezeichnet. Von Vogelsang erfährt man z.B ihre schwierige Karriereleiter als Arbeiterkind oder auch die Sorgen um ihre zunehmend dement werdende Mutter. Das macht sie nahbar und sympathisch.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, gut lesbar, aber auch nichts besonderes. Leider war die Geschichte überhaupt nicht spannend. Außerdem wird ein Trauma von Vogelsang angeteasert aber es wird nicht weiter darauf eingegangen, und auch auf den nächsten Fall gibt es schon vorsichtige Hinweise am Ende des Buches. So etwas mag ich gar nicht.


Für mich hatte dieser Regionalkrimi noch deutlich Luft nach oben, und ich tendiere dazu die Reihe eher nicht weiterzulesen.

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