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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2025

Toller Dorfroman

Hier draußen
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„Hier draußen“ ist ein warmherziger , gut erzählter Dorfroman, der das Leben auf dem Land im fiktiven, norddeutschen Fehrdorf für mein Empfinden sehr authentisch darstellt.

Als Einstieg in die Geschichte ...

„Hier draußen“ ist ein warmherziger , gut erzählter Dorfroman, der das Leben auf dem Land im fiktiven, norddeutschen Fehrdorf für mein Empfinden sehr authentisch darstellt.

Als Einstieg in die Geschichte erzählt die Autorin von einem Wildunfall. Ingo, Zugezogener und Pendler fährt auf dem Weg nach Hause ausgerechnet eine weiße Hirschkuh an. Der Jäger, Uwe, der herbeigerufen wird, will das Tier auf keinen Fall alleine erschießen. Aberglaube hin oder her, das bringt Unglück heißt es im Dorf, und der Schütze hätte nur noch ein Jahr zu leben. Also drücken sie gemeinsam ab, was nicht ohne Folgen bleibt.

Nach und nach lernt man viele der Dorfbewohner kennen. Die einen mag man mehr, die anderen weniger. Lara und Ingo hatten sich ein Idyll vorgestellt, als sie mit ihren Kindern aus Hamburg hier herzogen, aber der Alltag ist dann doch nicht so einfach. Der Wildunfall verändert Ingo und das Ehepaar entfremdet sich immer mehr. Auch andere Dorfbewohner bekommen in dem Roman eine Stimme z. B. Tove, die an ihrer unglücklichen Ehe festhält, weil man nicht geht als Landfrau oder Jutta und Armin, die aus der ursprünglichen Wohngemeinschaft übrig geblieben sind, zusammenwohnen, aber nicht zusammen sind . Es sind kleine Geschichten über eine vielfältige Dorfgemeinschaft, die wenn es dicke kommt zusammenhält.

Ich mochte den ruhigen, humorvollen Erzählton der Autorin sehr und habe das Hörbuch, wunderbar gelesen von Julia Nachtmann, sehr genossen.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Ein sehr intensives Buch

Ungehorsam
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Rebecca und ihr Mann erleben einen Albtraum. Seit Tagen ist ihre Tochter Lara verschwunden. Die Polizei beschwichtigt zunächst. Die meisten Jugendlichen tauchen schon wieder auf.

Doch dann fällt Rebecca ...


Rebecca und ihr Mann erleben einen Albtraum. Seit Tagen ist ihre Tochter Lara verschwunden. Die Polizei beschwichtigt zunächst. Die meisten Jugendlichen tauchen schon wieder auf.

Doch dann fällt Rebecca auf, dass ein Rucksack und ein Schlafsack verschwunden sind, die Tochter abgehauen ist und alles gut geplant worden ist von der Teenagerin. Es beginnt die Suche einer verzweifelten Mutter nach ihrem Kind. Erste Spuren führen Rebecca zu einer Gruppe von Klimaaktivisten.

Auch Lara war sehr besorgt um ihre Zukunft und den Zustand unseres Planeten. Zuletzt gab es oft Streit zu Hause, weil der Schule immer weniger Stellenwert eingeräumt wurde.

Rebecca‘s Ängste konnte ich gut nachvollziehen, besonders als sie bemerkt, dass die Klimaaktivisten bereit sind für ihre Ziele Grenzen zu überschreiten.

Wie würde man selbst wohl reagieren, wenn die 15 jährige Tochter die Schule schmeißt, abhaut und sich einer Umweltorganisation anschließt, Gewaltaktionen nicht ausgeschlossen? Nicola Karlsson schreibt packend und emotional, so dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte.

Das Buch ist sehr aktuell und lädt zum Nachdenken und zum Diskutieren ein.

Mir hat es gut gefallen. Deshalb empfehle ich den Roman auch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Das Leben reflektieren

Das glückliche Leben
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Zum Inhalt

Der melancholische Éric, der mit seinem Leben gerade nicht sehr zufrieden ist, wird von einer ehemaligen Klassenkameradin, Amélie angeschrieben. Sie arbeitet für die Regierung und bietet Éric ...

Zum Inhalt

Der melancholische Éric, der mit seinem Leben gerade nicht sehr zufrieden ist, wird von einer ehemaligen Klassenkameradin, Amélie angeschrieben. Sie arbeitet für die Regierung und bietet Éric kurzerhand einen Job mit Reisetätigkeit an. Éric nimmt diese neue Herausforderung (trotz Flugphobie) zwar an, steigt dann aber mitten auf einer Geschäftsreise nach Seoul zum Ärgernis für Amélie ohne Erklärung wieder aus. Ein Schlüsselerlebnis in Korea, bei dem es um eine Scheinbeerdigung ging, durch die man neuen Lebensmut erlangen sollte, hatte ihn diesen radikalen Schritt gehen lassen. Er setzt fortan ganz neue Prioritäten in seinem Leben und kommt dem Wunsch glücklich zu sein ein Stück näher.

Auch bei Karrieristin Amélie setzt irgendwann ein Umdenken ein, ( wir nehmen zeitlich auch die Pandemiezeit mit ), und ein Wiedersehen mit Éric ist auf einmal nicht mehr undenkbar sondern folgerichtig.



Fazit:

Ich wusste vor dem Lesen nicht, dass es sich bei „Das glückliche Leben“ von David Foenkinos um einen fast schon philosophischen Roman handeln würde.

Mit Lebensratgeberbüchern und esoterischen Texten kann ich in der Regel wenig anfangen. Dieses Buch war dann aber sehr charmant und unterhaltsam geschrieben ohne großen Plot aber mit einigen guten Gedanken und viel Humor. Ich mochte es ganz gern. Es las sich schnell weg, war aber kein Highlight für mich.



3,5 Sterne

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Emotional und aufwühlend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Buch über das unfassbare Leid, dass Heimkindern nach dem 2. Weltkrieg in christlichen Kinderheimen widerfahren ist und wie diese Traumata ihr weiteres Leben prägten.

Als ...

Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Buch über das unfassbare Leid, dass Heimkindern nach dem 2. Weltkrieg in christlichen Kinderheimen widerfahren ist und wie diese Traumata ihr weiteres Leben prägten.

Als geschätzt 3 - Jähriger kommt ein kleiner Junge mit einem unleserlichen Schild um den Hals mit einem Kindertransport aus Danzig im Kinderheim der barmherzigen Schwestern an. Man nennt ihn Hartmut ( Hardy)Wileisky bzw. Nummer 104 und wird ihm schon Zucht und Ordnung beibringen. Es war so furchtbar, was diesen Kindern angetan wurde. Hardy lernt im Heim die Kriegswaise Margret kennen. Das ältere Mädchen nimmt sich Hardy an und versucht ihn zu beschützen. Auch wenn sich die beiden zwischenzeitlich aus den Augen verlieren, finden Margret und Hardy später wieder zueinander und versuchen als Erwachsene mit dem Erlebten fertig zu werden. Susanne Abel beschreibt die seelischen Qualen von Margret und Hardy sehr einfühlsam und nachvollziehbar. Es grenzt schon an ein Wunder, dass die beiden es schaffen eine Familie zu gründen und Eltern, Großeltern und sogar Urgroßeltern zu werden. Urenkelin Emily wohnt dann auch bei ihnen, weil deren Mutter Julia mit der Rolle als alleinerziehende Mutter nicht zurechtkommt. Emily ist ein wirklicher Schatz, ein sehr empathisches junges Mädchen, die nicht einfach hinnehmen will, dass die Vergangenheit immer totgeschwiegen wird. Was sie herausfindet macht sie sprachlos und erklärt so manches schräge Verhalten ihrer Urgroßeltern.

Mich hat die Geschichte sehr berührt und aufgewühlt. Dass geschwiegen wurde über das Erlebte aus Kriegszeiten kenne ich auch aus der eigenen Familie. Und ja, diese Traumata beeinflussen ganz eindeutig auch die nachfolgenden Generationen. Das wird in diesem Roman eindrucksvoll aufgezeigt.

Ich kann das Buch besonders als Hörbuch, gelesen von der wunderbaren Vera Teltz, sehr empfehlen. Die Geschichte wird mich mit Sicherheit noch eine Weile beschäftigen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Ein chaotischer Roadtrip für die Liebe

Koller
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Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Chris und Koller sind wirklich sehr verschieden.Chris ist sehr introvertiert, eher ruhig, Koller, der eigentlich Kolja heißt das Gegenteil. Trotzdem oder gerade ...

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Chris und Koller sind wirklich sehr verschieden.Chris ist sehr introvertiert, eher ruhig, Koller, der eigentlich Kolja heißt das Gegenteil. Trotzdem oder gerade deswegen ist Chris quasi schockverliebt, als die Beiden sich im Park kennenlernen und begibt sich mit dem fast Unbekannten auf einen chaotischen Roadtrip. Von Leipzig sollte es eigentlich spontan an die Ostsee gehen. Doch es gibt ein paar Umwege über Ludwigsburg und das überflutete Aartal nach Hannahhausen. Annika Büsing hat es mir mit ihrem 2. Roman etwas schwer gemacht. Ich musste mich an die vielen kurzen Sätze, die oft rotzige Sprache erst gewöhnen , doch die passt letztendlich wunderbar zu den etwas schrägen Figuren und macht sie authentisch. Im Gegensatz zu Chris, der immer alles plant, ist es für Koller schwierig seinen Platz im Leben zu finden. Das wird ganz wunderbar mit viel Humor, allerdings auch mit viel Drama beschrieben. Mit jeder Seite sind mir die Protagonisten der Geschichte mehr ans Herz gewachsen und ich hoffte, dass es ein Happy End für die Beiden geben würde, was angesichts der Kapitelüberschriften, die in Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte gewählt wurden ( 1-7 Tag) wahrscheinlich war. „ Und siehe es ist alles sehr gut.“

Ich möchte diesen wunderbaren Coming of Age Roman gerne empfehlen. Es war für mich ein mitreißendes, sehr unterhaltsames Leseerlebnis.

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