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Veröffentlicht am 26.03.2021

Alte Freunde

Ein Wochenende
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Vier Australierinnen sind seit Jahrzehnten miteinander befreundet, und inzwischen sind sie alle in ihren 70ern als eine von ihnen stirbt. Sylvie war ein bisschen die Ausgleichende zwischen den doch sehr ...

Vier Australierinnen sind seit Jahrzehnten miteinander befreundet, und inzwischen sind sie alle in ihren 70ern als eine von ihnen stirbt. Sylvie war ein bisschen die Ausgleichende zwischen den doch sehr unterschiedlichen Charakteren. Sie hatte sich gewünscht, dass sich die Frauen in ihrem Ferienhaus an der Küste treffen sollten, um sich aus ihren Sachen vielleicht noch etwas herauszusuchen, bevor es von Sylvie's Tochter verkauft werden würde. Jude, Adele und Wendy sollen auch gründlich auszumisten. Die an ein Kammerspiel erinnernde Erzählung spielt an Weihnachten und ist in Australien ein sehr heiße Zeit. Ich habe es eigentlich von Sylvie's Tochter ein bisschen als Zumutung empfunden, 3 alte Damen an Weihnachten das Haus entrümpeln zu lassen.

Schon die Anreise gestaltet sich schwierig. Die penible Jude ist als erstes da, während Wendy die mit ihrem alterschwachen Hund anreist noch eine Autopanne hat und Adele sich erwartungsgemäß mit dem Zug als letzte einfindet. Die Charaktere werden von Charlotte Wood sehr ausführlich beschrieben, indem sie ständig die Perspektive wechselt und damit immer wieder von der Eigenbetrachtung wechselt auf die Sicht der Freundinnen untereinander. So entsteht eine sehr komplexe Charakterstudie, durchaus mit Humor erzählt, die wirklich gnadenlos ins Eingemachte geht. Konflikte brechen auf ,aber genauso ist immer wieder Verständnis füreinander da. Die Frauen sind schließlich seit 40 Jahren miteinander befreundet. Da liebt man sich und kann vieles auch verzeihen. Die Sprache und Erzählweise der Autorin mochte ich sehr. Das Thema Alter und Freundschaft spielt in ihrem Roman eine zentrale Rolle. Gegen Ende häufen sich allerdings die Katastrophen, und auch wenn die letzten Seiten wieder versöhnlicher stimmen, hat das Ende für mich nicht so richtig gepasst.

Das schmale Buch mit gerade einmal 288 Seiten ist schnell gelesen, erzählt sehr einfühlsam und voller Tiefe von einem Lebensabschnitt, von dem man sonst eher weniger liest ud hat mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 21.03.2021

Leg Dich nicht mit der Russenmafia an

VANITAS - Grau wie Asche
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Carolin Bauer's ganzes Denken ist bestimmt von einem Gedanken: Überleben! In der Vergangenheit hat sie sich als Grafikerin mit Dokumentenfälschung etwas dazu verdient und ist so in die Fänge der Runssenmafia ...

Carolin Bauer's ganzes Denken ist bestimmt von einem Gedanken: Überleben! In der Vergangenheit hat sie sich als Grafikerin mit Dokumentenfälschung etwas dazu verdient und ist so in die Fänge der Runssenmafia geraten. Da kommt man normalerweise nicht lebend wieder heraus, besonders dann nicht, wenn man sich entschließt mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Das ist unverzeihlich.

Nach einer vorgetäuschten Beerdigung und ihrer Flucht von Deutschland nach Österreich, führt Carolin ein Außenseiterleben mit einem Job in einem Blumenladen am Wiener Zentralfriedhof. Als es auf dem Friedhof einige Fälle von Grabschändung gibt, gerät Caro in das Visier der Wiener Polizei und hat natürlich Panik, dass ihre Deckung auffliegt, da nur ihr deutscher Kontaktpolizist ihre Vergangenheit kennt, und der ist plötzlich dauerhaft im "Krankenstand". Ist die Russenmafia ihr erneut auf der Spur? Caro muss davon ausgehen und trifft Maßnahmen um sich zu schützen.

In den 2.Teil von Vanitas bin ich mühelos reingekommen, obwohl die Lektüre von Teil 1 schon eine Weile zurückliegt. Das was im Einführungsband nur angedeutet wurde, Caro's Verbindung zur Russenmafia, wird bei der Fortsetzung sehr detailreich ausgeführt und man versteht Caro's ständige Angst vor der Entdeckung. Der Thriller hat mich von Beginn an gefesselt. Mir lag das Buch als Hörbuch vor und die Sprecherin Luise Helm hat einen sehr guten Job gemacht. Vielleicht ist es etwas unglaubwürdig, dass Caro die Friedhofsschändungen in ihrer Situation an der Polizei vorbei alleine aufklärt, aber sie will ja erreichen, dass sie allgemeine Aufmerksamkeit, auch die der Presse natürlich, sich wieder anderen Themen zuwendet.

Mich hat das Hörbuch jedenfalls großartig unterhalten ,und ich freue mich auf Band 3 der Reihe.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Etwas überladen

Zugvögel
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Die Vorstellung, dass mit dem Fortschreiten des Kllimawandels unsere Erde still wird, weil es keine Vögel mehr gibt und auch die meisten anderen Tiere ausgestorben sind oder zumindest kurz davor stehen ...

Die Vorstellung, dass mit dem Fortschreiten des Kllimawandels unsere Erde still wird, weil es keine Vögel mehr gibt und auch die meisten anderen Tiere ausgestorben sind oder zumindest kurz davor stehen für immer von unserem Planeten zu verschwinden, ist einfach furchtbar.

In ihrem Debütroman "Zugvögel" entwirft die australische Autorin mit irischen Wurzeln, Charlotte McConaghy, genau dieses leider gar nicht so undenkbare dystopische Szenario.

In dieser Zeit, nicht fern der unseren lebt Franny Lynch. Sie fühlt sich von jeher mit der Natur, dem Meer und besonders den Vögeln verbunden, die sie erforscht hat ohne je studiert zu haben. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, dem vermutlich letzten Vogelflug der Küstenseeschwalben auf ihrem weiten Weg von der Arktis in die Antarktis zu folgen. Nachdem sie die Vögel mit Peilsendern ausgestattet hat, gelingt es ihr eine Passage auf einem der selten gewordenen Fischerboote zu bekommen, indem sie den Kapitän überzeugt, dass ihre Mission auch den Fischern dienlich ist. Das Meer ist zwar quasi leergefischt, was Fischer und Umweltschützer immer wieder aneinandergeraten lässt, aber den Vögeln auf ihrerr Route zu folgen, heißt auch ihre Nahrungsquelle, die Fische zu finden.

Es beginnt eine abenteuerliche Reise, wobei es der Autorin eindrucksvoll gelingt die Schönheit der Natur zu beschreiben und gleichzeitig immer wieder auf ihre Zerstörung durch den Menschen hinzuweisen.

"Gerade jetzt sterben wieder Tausende von Spezies, ohne dass ihnen jemand Beachtung schenkt. Wir rotten sie aus. Lebewesen, die gelernt haben, alles und jedes zu überleben, alles nur nicht uns."

Mit der Protagonistin und den Nebenfiguren hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Franny trägt eine komplizierte Familiengeschichte und jede Menge psychologischer Probleme mit sich herum. Sie ist nicht gerade eine Sympathieträgerin, genauso wenig wie die Mitglieder der grummeligen Schiffscrew mit dem eigenbrötlerischen Kapitän Ennis Malone, der mich ein bisschen an Kapitän Ahab in Moby Dick erinnerte. Franny und Ennis ist ihr unbändiger Freiheitsdrang gemein. Beide sind sie Getriebene,die ihre Leidenschaft und Liebe zur Natur verbindet und die im normalen Leben kaum zurechtkommen.

Charlotte McConaghy arbeitet immer wieder mit Zeitsprüngen, und zu den Hintergründen von Franny's Geschichte werden nur kleinste Andeutungen eingestreut, was natürlich einen Sog erzeugt, immer weiter lesen zu wollen, um diese rätselhafte Frau am Ende endlich zu verstehen.

Begeistert hat mich die poetische Sprache und die Beschreibungen der Natur, der interessante und fazinierende Plot. Für meinen Geschmack wollte die Autorin aber einfach zu viele Themen in ihrem Roman unterbringen, so dass ich ihn auch als überladen empfunden habe. Für mich war "Zugvögel" aber auf jeden Fall ein beeindruckender literarischer Debütroman mit kleinen Einschränkungen, den ich gerne gelesen haben und deshalb auch gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Kryptische Schnitzeljagd

Montecrypto
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Als der Start-Up Unternehmer Greg Hollister bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, wird Ed Dante, seines Zeichens Privatdetektiv und Ex- Banker von der Halbschwester des Toten beauftragt nach dessen ...

Als der Start-Up Unternehmer Greg Hollister bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, wird Ed Dante, seines Zeichens Privatdetektiv und Ex- Banker von der Halbschwester des Toten beauftragt nach dessen verschwundenem Privatvermögen zu suchen. Da Hollister Kryptopionier war, sich also Zeit seines Lebens mit der Entwicklung von Kryptowährungen beschäftigt hat, ist es naheliegend, dass auch sein Vermögen ein digitaler Schatz ist, den er gut versteckt hat. Mehrere über das Internet verbreitete Videobotschaften von Hollister an seine Kryptogemeinde führen dazu, dass nicht nur Ed nach dem digitalen Vermächtnis sucht, sondern auch eine Massensuche unter seinen Anhängern ausgelöst wird. Gleichzeitig kommt Ed einem Finanzskandal auf die Spur, der die internationale Finanzwirtschaft in die Knie zwingen könnte.

Bei Tom Hillenbrand's "Montecrypto" handelt es sich um einen Finanzthriller, der sich mit dem Thema Kryptowährungen beschäftigt, von denen ich zugegebenermaßen kaum Ahnung habe. Dass der Bitcoin an den Finanzmärkten immer weiter steigt, habe ich schon mitbekommen, aber ansonsten bin ich wie ich gelernt habe genau wie Ed Dante ein "Nocoiner", und er ist immerhin ein Exbanker. Vielleicht stellt der Autor dem britischstämmigen Privatdetektiv deshalb eine Programiererin und Bloggerin (Mercy Mondego) bei den Ermittlungen zur Seite. So werden für den Laien gut verständlich Wissenslücken rund um die Kryptowelt geschlossen. Man wird bei der Lektüre also nicht dümmer. Trotzdem ist das Kryptokauderwelsch zuweilen recht anstrengend und man muss sich als Leser konzentrieren um alles mitzubekommen.

Den Charakteren fehlt es leider an Tiefe. Ich habe sie oft als etwas " fleischlos" empfunden. Über Ed Dante erfährt man, dass er als Exbanker nach einem Finanzskandal, an dem er maßgeblich beteiligt war nach Amerika ausgewandert ist, um dort als Privatermittler in Finanzfragen zu arbeiten. Zumindest zu Beginn kommt er etwas sexistisch rüber, liebt Punkmusik und hat definitiv ein Alkoholproblem. An irgendeiner Stelle bezeichnet er sich selbst als Luxusalkoholiker, weil es fast immer ein ausgefallener Cocktail sein muss, den er sich einverleibt. Mercy Mondego ist studierte Informatikerin, Journalistin und Bloggerin, hat sich mit Kryptospekulationen ein kleines Häuschen kaufen können und interessiert sich weniger für den Schatz als vielmehr für die Story dahinter. Viel mehr erfährt der Leser zu ihrer Person nicht. Tom Hillenbrand legt in seinem Thriller eindeutig mehr den Fokus auf die Handlung als auf die Charaktere.

Den Schreibstil würde ich als schnodderig, lässig aber auch humorvoll beschreiben. In der Mitte des Buches gibt es bei dem eher spannungsarmen Thriller einige Längen. Erst zum Ende hin geht es mit dem Showdown rasant zur Sache. Hier fühlt man sich fast wie in einen James Bond Film versetzt.

Insgesamt fand ich das Thema zwar spannend und der Autor hat hervorragend dazu recherchiert aber so ganz begeistern und mitreißen konnte mich die Geschichte leider nicht.

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Veröffentlicht am 06.03.2021

Lebendige Geschichte

Glückskinder
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"Glückskinder" ist das neueste Werk der promovierten Historikerin Brigitte Riebe, die hier unter ihrem Pseudonym Teresa Simon schreibt. Einfühlsam, spannend und sehr gut recherchiert erzählt die Autorin ...

"Glückskinder" ist das neueste Werk der promovierten Historikerin Brigitte Riebe, die hier unter ihrem Pseudonym Teresa Simon schreibt. Einfühlsam, spannend und sehr gut recherchiert erzählt die Autorin anhand der Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen von den letzten Tagen des Krieges im Großraum München und dem Neubeginn in einer Stadt, die in Schutt und Asche liegt.

"Ich bin Griet Van Mook. Ich.werde.Leben." Das ist das Mantra der 1. Protagonistin, eine junge Holländerin, die im Widerstand gearbeitet hat, aufgeflogen ist und als Zwangsarbeiterin in der Waffenfabrik arbeiten musste, bevor die Amerikaner kamen und sie tatsächlich überlebt hatte. Der Krieg ist vorbei, aber der Hunger bleibt. Teresa Simon lässt in ihrer Erzählung Geschichte lebendig werden. Man sieht den Mangel überall: Kein Essen, keine Wohnungen, keine Arbeit. Die Menschen versetzen Wertvolles, das ihnen geblieben ist für einen Laib Brot.

In einem 2. Erzählstrang lernt der Leser die 2.Protagonistin (Antonia) Toni Brandl kennen, die nach der Ausbombung des eigenen Zuhauses bei ihrer Tante Vev untergekommen ist. Die Postdirektorenwitwe musste ihre geräumige Wohnung plötzlich nicht nur mit Toni und ihrer Mutter Rosa und der kleinen Bibi teilen, sondern beherbergte inzwischen auch ihre 2. Nichte Annemie und deren Sohn Benno. Diese beengten Wohnverhältnisse, die an sich schon Konfliktpotenzial bieten, werden natürlich noch verschärft, als die Amerikaner die Zwangseinquartierung einer weiteren Person in Tante Vev's Wohnung veranlassen.

Teresa Simon's Figurenzeichnung ist authentisch und vielschichtig. Sowohl Griet als auch Toni sind starke, zupackende Persönlichkeiten. Toni und Griet mögen sich bei ihrem Kennenlernen erst überhaupt nicht, können ihre gegenseitigen Vorurteile aber im Laufe der Geschichte überwinden. Auch die Nebenfiguren sind spannend. Da ist z.B diese schillernde Figur Louis Moreau, ein Charmeur durch und durch, der als Schieber sein Geld verdient und es mit der Legalität seiner Geschäfte nicht so genau nimmt. Auch der liebenswerte GI Dan Walker ist mir schnell ans Herz gewachsen, genauso wie Toni's freundlicher und grundehrlicher Bruder Max.
Sie alle sind Glückskinder, denn sie haben die Schrecken des Krieges und der Nazizeit überlebt,

Mir hat der Roman wirklich sehr gefallen. Bei den bildhaften und sehr emotionalen Schilderungen der Autorin musste ich zwar so manches Mal schlucken und bin froh diese schwere Zeit nicht habe erleben zu müssen, aber es gab auch viele schöne Momente in der Geschichte, wo Liebe und Freundschaft den Protagonisten Halt und Zuversicht geben konnten und man sich als Leser mit ihnen gefreut hat. Am Ende gibt es noch eine historische Einordnung des Roman's (Dichtung und Wahrheit) , was mir bei historischen Romanen immer sehr gefällt und als zusätzliches Schmankerl noch einen Auszug aus dem in den Nachkriegstagen verfassten Kochbuch " Gute Kost in magerer Zeit", das auch im Roman erwähnt wird.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung. Wer Spaß hat an historischen Romanen, sollte "Glückskinder" unbedingt lesen.

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