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Veröffentlicht am 31.01.2021

Das Leben in all seinen Facetten

Die Mitternachtsbibliothek
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Mit riesigen Erwartungen habe ich den neuen Roman von Matt Haig zur Hand genommen, denn bisher haben mir alle Bücher, die ich von ihm gelesen habe ausgesprochen gut gefallen.

Matt Haig schreibt sehr eingängig ...

Mit riesigen Erwartungen habe ich den neuen Roman von Matt Haig zur Hand genommen, denn bisher haben mir alle Bücher, die ich von ihm gelesen habe ausgesprochen gut gefallen.

Matt Haig schreibt sehr eingängig und fantasievoll, immer auch mit einer Prise britischem Humor und schafft es seinen Figuren soviel Gefühl einzuhauchen, dass man die Empfindungen seiner Protagonisten als Leser absolut nachfühlen kann. So ging es mir auch mit "Die Mitternachtsbibliothek". Hier geht es um Nora Seed, Mitte 30, die genug vom Leben hat. Sie glaubt in ihrem Leben alles verpfuscht zu haben, was nur möglich war, und ist fest davon überzeugt, dass sie besser sterben sollte. Es würde sie sowieso keiner vermissen. Diese depressiven Passagen sind so eindringlich geschrieben, dass sie mich ebenfalls runtergezogen haben. Man merkt, dass der Autor seine eigenen Erfahrungen mit Depressionen in diesen Roman mit einfließen lässt.

Als Nora ihrem Wunsch zu sterben schließlich nachgibt, landet sie in einer Zwischenwelt, die sich als Bibliothek darstellt, in der ihre frühere Schulbibliothekarin Mrs Elm das Regiment führt. Sie fordert Nora auf genau darüber nachzudenken, welche Entscheidungen sie in ihrem Leben bereut. Hätte sie in ihrem Leben anders entschieden, hätte sich ihr Leben zweifellos anders entwickelt. In der Mitternachtsbibliothek eröffnet sich für Nora die Chance alternative Leben auszuprobieren, um das Leben zu finden, dass sie wirklich führen möchte. Die Buchidee fand ich toll, und ich kann mir vorstellen wieviel Spaß Matt Haig beim Schreiben der folgenden Kapitel gehabt hat, denn hier konnte er sich in seiner Kreativität voll austoben, was wiederum den Leser erfreut. Trotzdem hat er es hier auch ein bisschen übertrieben. Es gab tatsächlich ein Kapitel, dass ich nur noch überflogen habe. Der Fortgang des Roman's, der optimistische Ausblick auf das Leben und die gelungene Auflösung der Geschichte haben mich aber wieder versöhnt, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle. Mir jedenfalls gefallen besonders auch die Ausflüge in die Philosophie in diesem Buch, die auch zum Reflektieren des eigenen Lebens einladen.

Vielleicht wird das Buch ja demnächst verfilmt, was ich mir auf jeden Fall auch gut vorstellen könnte.

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Veröffentlicht am 24.01.2021

Spannender 1. Teil der Westpreußen-Saga

Die Frauen von Gut Falkensee
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Inspiriert durch Erzählungen ihrer Großmütter und ihrer Großtante hat Luisa von Kamecke ihre Westpreußen Saga entworfen, wobei auch ihre Mutter mit ihren Erinnerungen immer wieder Ideen beigesteuert hat. ...

Inspiriert durch Erzählungen ihrer Großmütter und ihrer Großtante hat Luisa von Kamecke ihre Westpreußen Saga entworfen, wobei auch ihre Mutter mit ihren Erinnerungen immer wieder Ideen beigesteuert hat. Beginnend im Jahre 1904 erstreckt sich der Roman über 5 Jahre, in denen wir als Leser in das bewegte Leben der Familie von Bargelow auf Gut Falkensee eintauchen dürfen.

Wir lernen die Familie zu einem Zeitpunkt kennen, wo es um das wirtschaftliche Überleben des Familiensitzes geht. Frisches Kapital ist unbedingt von Nöten um einen Ruin noch abzuwenden, und da beide Töchter des Hauses, Charlotte und ihre jüngere Schwester Alice im heiratsfähigen Alter sind, liegt die Lösung der Probleme auf der Hand. Alice hat schon einen Mann gefunden, den sie heiraten möchte, Charlotte, die nach einem Auslandsjahr aus Paris zurückkehrt, erklärt sich zähneknirschend mit einer arrangierten Ehe zur Rettung von Gut Falkensee einverstanden, obwohl sie kurz vor der Hochzeit den Mann kennenlernt, der ihr Herz wirklich höher schlagen lässt, der aber als Ehemann nicht in Frage kommt.

Charlotte ist eine sehr fortschrittliche, selbstständige Person. So hat sie sich bei ihrem Kunststudium in Paris immer wieder in die für sie viel interessanteren Vorlesungen über Agrarwirtschaft geschlichen. Die Konventionen ihrer Zeit legen ihr sprichwörtlich ein Korsett an, in das sie so gar nicht passen will. Ihre Schwester Alice ist das komplette Gegenteil und wünscht sich nichts mehr als einem hochherrschaftlichen Haushalt vorzustehen und das Geld ihres Mannes auszugeben. Und dann gibt es da noch den kleinen Bruder Frederick, der zum Leidwesen der Familie sehr kränklich ist und liebevoll von dem Kindermädchen Hedi umsorgt wird. Ich wurde beim Leser immer wieder an Downton Abbey erinnert. Auch in Luisa von Kamecke's Geschichte verlagert sich der Blickpunkt immer mal wieder in den Dienstbotentrakt und man bekommt als Leser ein gutes Gefühl für die hierarchischen Strukturen der damaligen Gesellschaft. Am Anfang eines jeden Kapitels steht nicht nur ein Datum, sondern auch die Person, aus deren Sicht dieses Kapitel erzählt wird. So gibt die Autorin ihrer Geschichte eine Struktur, an der sich der Leser gut orientieren kann. Ihr eingängiger Sprachstil und die liebevoll gezeichneten Figuren machen diesen historischen Roman zu einer guten, unterhaltsamen Lektüre, in die ich regelrecht versinken konnte. Die Historie selbst, die Polen, ein Volk, denen man ihr Heimatland genommen hat, kommt mir allerdings etwas zu kurz.

Der Roman endet mit einem Cliffhanger, und so darf man gespannt sein wie es im 2. Teil dieser interessanten Familiensaga weitergeht.

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Veröffentlicht am 21.01.2021

Im Hier und Jetzt leben

Das Gewicht von Seifenblasen
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In "Das Gewicht von Seifenblasen" von Jessica Winter geht es um Liza und ihre Familie und eine Liebesgeschichte, die so gar nicht geplant und gewollt ist, da der Fokus ganz eindeutig auf Liza's kranker ...

In "Das Gewicht von Seifenblasen" von Jessica Winter geht es um Liza und ihre Familie und eine Liebesgeschichte, die so gar nicht geplant und gewollt ist, da der Fokus ganz eindeutig auf Liza's kranker Schwester Becca liegt und sie oberste Priorität haben sollte. Becca leidet an der unheilbaren Krankheit Mukovizidose, und so lange wie sie auf eine neue Lunge wartet, hat sich Liza ein eigenes Liebesleben eigentlich verboten. Natürlich kommt es anders, denn der junge Assistenzarzt River, der ausgerechnet in dem Haus wohnt, in das die Schwestern gerade einziehen, scheint genau der Herzensmensch zu sein, den Liza gerade braucht.

Nachdem ich Liza anfänglich bei dem Kennenlernen mit River in der Lobby des Hauses ein bisschen albern fand, auch wenn die Szene durchaus humorvoll geschildert wurde, war ich doch angenehm überrascht, dass die Geschichte sich für mich nicht als seichte Liebesgeschichte entpuppte. Der Leser lernt Liza schnell als warmherzigen, empathischen Menschen kennen, mit einem besonderen Verhältnis zu Becca, der von Geburt an kranken Schwester. Auch die Krankheit und deren Verlauf fand ich ausgesprochen realistisch wiedergegeben. Ich hatte selber eine liebe Freundin, die viel zu früh an dieser Krankheit gestorben ist. Ich fand es beeindruckend wie Liza sich um ihre Schwester gekümmert hat, ohne ihr ständig das Gefühl zu geben, dass sie die Kranke ist. Und Becca war eine Traumpatientin, fast immer positiv trotz ihres Schicksals und darauf bedacht jeden guten Moment im Leben auszukosten. Wenn man von einer Person lernen kann achtsam das Hier und Jetzt zu schätzen, dann von ihr.

Jessica Winter ist ein sehr emotionaler und berührender Liebesroman mit Tiefgang gelungen, der sich spritzig liest und den Leser auch manches Mal schlucken lässt. Dass sich Liza sofort in River verliebt, ist absolut nachvollziehbar, denn er ist ein Traum von einem Mann. Man kann aber auch gut nachvollziehen, dass sie zögert eine Beziehung mit ihm zu beginnen, denn Becca's Krankheitsverlauf entwickelt sich nicht so positiv wie es alle gehofft haben. Die Konflikte mit ihren Eltern hätten in der Geschichte vielleicht noch etwas mehr Raum bekommen können. Auch River's Probleme mit seinem Vater sind mir zu sehr am Rande behandelt worden. Ansonsten bin ich aber wirklich begeistert von dem Buch und habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 16.01.2021

Mutmachend

Der unsichtbare Garten
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Vincent, 35 Jahre jung, erfolgreicher Tennistrainer, in glücklicher Beziehung mit Émelie, ist Protagonist des Roman's "Der unsichtbare Garten", der belgischen Autorin Karine Lambert. Ein Besuch beim Augenspezialisten ...

Vincent, 35 Jahre jung, erfolgreicher Tennistrainer, in glücklicher Beziehung mit Émelie, ist Protagonist des Roman's "Der unsichtbare Garten", der belgischen Autorin Karine Lambert. Ein Besuch beim Augenspezialisten zieht ihm den Boden unter den Füßen weg und beendet sein bisher geführtes Leben schlagartig. Er erhält nämlich die schreckliche Diagnose, dass er an einer seltenen Augenkrankheit leidet, die in wenigen Wochen zur Erblindung führen wird.

Das Buch erzählt jetzt in der Folge, wie Vincent mit diesem Schicksalsschlag umgeht. Auch die Sprache scheint hier für die Autorin ein Stilmittel zu sein. Schnörkellos, in kurzen abgehackten Sätzen spiegelt sie Vincent's Gemütsverfassung. Erst glaubt er an eine falsche Diagnose , ist dann zutiefst verzweifelt und traurig. Im Verlauf des Roman's mit zunehmender Akzeptanz seiner Erkrankung hatte ich als Leserin das Gefühl, dass die Hektik aus der Sprache wieder ein Stück weit verschwindet und die Sätze wieder länger, der Ton wieder ruhiger wird.

Zwischen die Kapitel streut Lambert handschriftliche Notizen, auf denen Vincent zunächst Dinge notiert, die er schnell noch in der Zeit als Sehender erledigen will, wahnwitzige Ideen, wie schnell noch Schlittschuhlaufen zu lernen oder mit dem Vater den Mont Blanc zu besteigen. Dann sind es nach und nach eher seine Gedanken, die ihm im Zusammenhang mit seinem Schicksal durch den Kopf gehen. So wie sein Sehvermögen abnimmt, nimmt die Schriftgröße seiner Notizen zu. Eine schöne Idee von Karine Lambert, wie ich fand.

Vincent zieht sich zurück aufs Land, wo noch das inzwischen etwas heruntergekommene Haus seines verstorbenen Großvaters steht. Schöne Kindheitserinnerungen geben ihm Trost und ganz langsam lernt er sich zurechtzufinden und dem Leben auch wieder schöne Seiten abzugewinnen.

Die Autorin schafft es in diesem Buch, dass man sich gut einfühlen kann in ihren Protagonisten, auch wenn er oft alles andere als sympathisch ist. Wie würde man selber in so einer Lebenssituation reagieren? Einfachste Handhabungen sind plötzlich nicht mehr möglich. Wie kann man sich behelfen, damit ein selbstständiges Leben weiterhin möglich ist? Doch so verzweifelt die Situation auch ist, sie ist zu stemmen. Das zeigt uns Vincent's Geschichte, und das macht Mut.

Mir hat das Buch gut gefallen, Für ein absolutes Highlight hat mir aber gefehlt, dass ich zu Vincent gefühlsmäßig keine richtige Verbindung aufbauen konnte, was dann wohl auch an dem Schreibstil gelegen hat.

Das Cover sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, denn das fand ich klasse. Ich wüsste auch nicht was besser passen könnte : Ein milchig-weißer durchscheinender Schutzumschlag, durch den blass Pflanzenteile schimmern. Nimmt man den Umschlag dann ab, sieht man Blätter und Blumen in kräftigen leuchtenden Farben.

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Veröffentlicht am 14.01.2021

Gelungene Fortsetzung - Großartiges Setting

INSEL
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Bewertet mit 3.5 Sternen

Sieht die isländische Kommissarin Hulda Hermannsdottir in Band 1 ihrer Rente entgegen, so ist sie in diesem 2. Teil der Triologie gut 15 Jahre jünger, denn das Besondere an dieser ...

Bewertet mit 3.5 Sternen

Sieht die isländische Kommissarin Hulda Hermannsdottir in Band 1 ihrer Rente entgegen, so ist sie in diesem 2. Teil der Triologie gut 15 Jahre jünger, denn das Besondere an dieser Krimiserie ist, ( für mich sind die Bücher entgegen dem Aufdruck auf dem Cover keine Thriller) dass sie rückwärts erzählt wird.

Hulda hat schon viele Schicksalsschläge erleiden müssen und fühlt sich inzwischen ganz alleine auf der Welt. Mann und Kind sind verstorben und auch ihre Mutter kann sie nur noch auf dem Friedhof besuchen. Das nagt an ihr, und so hofft sie auch nach dem Tod der Mutter noch ihren Vater zu finden, den sie nie kennenlernen durfte, da er als US Soldat nur kurze Zeit auf Island stationiert war und sich seine Spuren dann verloren haben. Beruflich verbeißt sich Hulda gerne in ihre Fälle und lässt nicht locker, wo andere Kollegen einen Fall schon zu den Akten gelegt hätten. Das bringt ihr nicht unbedingt Sympathien ein. Überhaupt fühlt sie sich in der Männerdomäne Polizeirevier oft übergangen.Karrierechancen hat sie eigentlich keine, da die männlichen Kollegen immer vorgezogen werden.

Mordfälle sind auf Island eher selten, und so erwartet Hulda auch eher einen Unglücksfall, als man in ihrem Revier um Verstärkung bittet, weil auf der abgelegenen Vulkaninsel Ellidaey eine junge Frau zu Tode gekommen ist. Hulda kümmert sich selbst um den Fall und entdeckt nicht nur Ungereintheiten, sondern auch Zusammenhänge zu einem 10 Jahe zurückliegenden Mordfall und der Frage, ob damals der richtige Täter gefasst wurde.

Ragnar Jónasson erzählt ruhig und unaufgeregt. Immer wieder fließen Landschaftsbeschreibungen mit ein. Das Setting, die nur 0,5 Quadratkilometer kleine und unbewohnte Insel Ellidaey ist großartig. Ein einziges weißes Jagdthaus steht dort mitten in fantastischer Natur, die Kulisse für 4 junge Leute, die sich dort nach Jahren treffen, weil sie zu Schulzeiten mal befreundet waren. Ich musste mir von der Insel erst einmal Fotos anschauen.
Neben Hulda's Perspektive gibt der Autor auch den jungen Leuten eine Stimme, was die Geschichte abwechslungsreich macht.

Jónasson gelingt es die Spannung am Ende zu verdichten und den Leser mit der Auflösung des Falles noch zu überraschen. Für mich war das Buch wieder ein Lesegenuss, auch wenn ich es etwas schwächer fand als den 1. Band. Ich freue mich auf jeden Fall auf das Wiedersehen mit Hulda im 3. Teil "Nebel" , der schon bereit liegt.

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