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Veröffentlicht am 23.05.2019

Mojo für Katze und Mensch

Der Katzenflüsterer
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Das Buch ist interessant gestaltet – man wird an ein Schulbuch mit Lehrstoff erinnert. Ganz abwegig ist das ja auch nicht, denn hier gibt es viel über Katzen zu lernen. Selbst alte Hasen finden hier noch ...

Das Buch ist interessant gestaltet – man wird an ein Schulbuch mit Lehrstoff erinnert. Ganz abwegig ist das ja auch nicht, denn hier gibt es viel über Katzen zu lernen. Selbst alte Hasen finden hier noch neue Erkenntnisse! Wer nicht total in seiner Erziehung gefangen ist, traut sich hier auch, wichtige Stellen zu markieren, im Buch zu arbeiten, Notizen einzutragen. So findet man viel schneller wieder die entsprechenden Kapitel und Tipps.

Sehr schön ist, dass es immer wieder kleine Zeichnungen, Grafiken, Bilder und Fotos gibt. Das lockert das Buch noch mehr auf und hilft, das Gelesene optisch noch zu speichern. Obwohl die einzelnen Abschnitte knackig kurz sind, sind sie informativ. Oder vielleicht auch genau deshalb? Hier wird man nicht mit pseudo-wissenschaftlichen Ergüssen gelangweilt, sondern jung und flott informiert.

Die Liebe des Autors zu Katzen ist in jedem Satz spürbar, ohne dass er kitschig oder albern werden würde. Sein Wissen ist enorm. Und wie außergewöhnlich Jackson Galaxy ist, erkennt man schon daran, dass er sein Buch nicht mit der Danksagung beendet, sondern beginnt!

Sein Wissen über diese wunderbaren Tiere vermag er dem Leser sehr gut zu vermitteln. Dabei lässt er auch deutlich erkennen, dass eine Katze kein Spielzeug oder untergeordnetes Wesen, sondern ein Partner im Leben ist. Gleichberechtigung ist Katzen wichtig, könnte man sagen.

Die vielen Informationen von der Urkatze bis zu unserem Stubentiger ergeben ein Gesamtbild, das Mensch und Tier dabei hilft, lange und glücklich miteinander zu leben. Dabei nutzt Galaxy eine Sprache, die fesselt, kein bisschen langweilt, Spaß macht und so umso besser hängenbleibt. Für jedes Problem weiß er eine Lösung – und man sehe und staune, er deckt auch da Verbesserungsmöglichkeiten auf, wo man dachte, alles sei prima! Man lernt eben immer dazu!

Mich hat das Buch rundum begeistert. Modern und jung geschrieben, bietet es mehr als die üblichen Fachbücher für Katzen. Neben Haltung und Pflege liegt der Schwerpunkt auf der Psychologie der Katzen. Selbst in meiner riesigen Katzen-Bücher-Sammlung sticht es deutlich hervor. Von mir bekommt „Der Katzenflüsterer“ die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 22.05.2019

Nicht nur für Wassermänner und Nixen!

Der Swimmingpool in der Fotografie
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Zwar schwimme ich nicht besonders gut, aber sehr gerne. Ich halte mich im Element Wasser einfach gerne auf, bewege mich gerne darin. Und das lieber in einem Schwimmbad, als in Baggersee. Ans Meer komme ...

Zwar schwimme ich nicht besonders gut, aber sehr gerne. Ich halte mich im Element Wasser einfach gerne auf, bewege mich gerne darin. Und das lieber in einem Schwimmbad, als in Baggersee. Ans Meer komme ich zu selten! Da liegt es nahe, dass man bei einem Bildband über Schwimmbäder neugierig wird und darin versinkt.

Nein, Schwimmbad ist nicht gleich Schwimmbad und dabei spreche ich gar nicht von den privaten Pools. Es ist faszinierend, wie wichtig und beliebt Pools schon seit jeher sind und waren. Schade finde ich, dass nicht mehr Pools aus der Antike abgelichtet wurden. Da es sogar ein wunderschöner Lost Place mit Schwimmbad ins Buch fand, hätten auch Ruinen von Badeanstalten, Schwimmbecken, Badebecken oder ähnlichem schön ins Buch gepasst.

Aber auch so sind unzählige interessante Fotos ins Buch gekommen. Mal liegt der Fokus auf dem Pool selbst, mal auf den Leuten, mal auf der Bekleidung, mal auf der Bewegung – es ist herrlich, wie vielseitig das Thema angegangen worden ist.

Die Zusammenstellung der Bilder ist sehr gelungen. Hier hat man eine kleine Zeitreise geschaffen, die zeigt, wie viele Unterschiede, aber auch Parallelen es von „damals“ zu „heute“ gibt. Auch die gute alte Bademütze ist herrlich ins Bild gesetzt worden und besonders witzig finde ich, dass Johnny Weissmüller als einziger Schuhe und Socken trägt …!

Ein sehr schöner Bildband, dem gerne noch weitere Bände mit Fotografien von Pools und Schwimmern folgen dürfen. Ich gebe vier Sterne.

Veröffentlicht am 22.05.2019

Aether

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Das „gute Leben“ der Aelander basiert auf der Magie der adeligen Sturmsänger. Doch gleichzeitig auch auf einem fürchterlichen Krieg, aus dem die Soldaten völlig verändert zurückkommen. Es geschehen schreckliche ...

Das „gute Leben“ der Aelander basiert auf der Magie der adeligen Sturmsänger. Doch gleichzeitig auch auf einem fürchterlichen Krieg, aus dem die Soldaten völlig verändert zurückkommen. Es geschehen schreckliche Dinge und keiner weiß, wie sich die Soldaten „infiziert“ haben. Miles Singer ist Arzt und wird mit einem Sterbenden konfrontiert, der vergiftet wurde. Der Amaranthine, der ihr brachte und zwischen der Welt und dem Totenreich wechseln kann, will ihm helfen, den Mörder zu finden und herauszufinden, wohin die Seelen der Gefallenen verschwinden.

Der Anfang der Geschichte hat mich sehr begeistern können. Es gibt eine neue Welt zu entdecken, sehr humorvolle Stellen und auch eine schöne Prise Romantik. Dies ist besonders bedeutungsvoll, weil es keine heterosexuelle Beziehung ist, sondern die Annäherung zweier männlicher Vertreter ihrer jeweiligen „Nationalität“. Dabei bleibt C.L. Polk aber wunderbar leicht und jugendfrei. Der Fokus liegt auf der Anziehung, nicht auf Sexualität. Wunderbar!

Der eigentliche Kriminalfall, der für mich der Hauptgrund war, das Buch lesen zu wollen, gerät leider sehr schnell in den Hintergrund. Die Ereignisse sind nicht immer logisch oder schlüssig, immer mehr erfährt man von dieser anderen Welt, aber immer weniger versteht man – die Fragen werden mehr statt weniger. Die Figuren sind mir zum großen Teil zu stereotyp. Es menschelt nicht so sehr bei den meisten. Nur Miles, Tristan, Robin und ein paar wenige andere sind so aufgebaut, dass ich sie verstehen kann. Die anderen sind einfach zu hart und krass gezeichnet für meinen Geschmack.

Weder Zeit noch Ort sind ganz klar festzulegen. Vieles erinnert an das London der 1920er Jahre, besonders die Kleidung, die Sprache, der trockene Humor, die Gepflogenheiten. Aber der Aether, die Sturmsänger, die Magie, die Amaranthine und vieles andere sind eindeutig eine andere Welt. Beim Lesen hatte ich immer wieder Mühe, mich daran zu erinnern, dass ich eben keinen historischen Roman lese bwz. stolperte ich immer wieder darüber, wenn die Fantasyelemente wieder überwiegten.

Am Ende bin ich ein wenig wütend, weil klar ist, dass nichts klar ist. So viele offene Fragen, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, im zweiten Band beantwortet werden. Die Grundidee fand ich bezaubernd und spannend, doch mittendrin verlor mich die Autorin und die Geschichte dann leider. Hier wurde meiner Meinung nach ein großartiger Ansatz grandios in den Sand gesetzt.

Nicht wichtig, aber ein bemerkenswertes Gatget: Ein Teil der Schrift auf dem Cover leuchtet im Dunkeln. Das sieht hübsch aus – ändert aber natürlich nichts daran, dass mich das Buch auf weiten Strecken enttäuscht hat.

Für die gefühlvolle Romanze und die guten Ansätze gebe ich drei Sterne, da mich das Buch gut zwei Drittel wirklich gut unterhalten hat, im letzten Drittel dann aber sehr stark abgefallen ist und ich es nicht mag, wenn in einem Folgeband die meisten Dinge des ersten Bandes geklärt werden.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Trifft meinen Geschmack so gar nicht

Berlin Stories 5: Michael Schulz. @berlinstagram
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Mich faszinieren ausgefallene Fotos und genau diese hatte ich hier erwartet. Leider sprechen mich im ganzen Buch nur eine handvoll Bilder wirklich an. Der Rest zieht mich sehr runter, spricht von Verfall ...

Mich faszinieren ausgefallene Fotos und genau diese hatte ich hier erwartet. Leider sprechen mich im ganzen Buch nur eine handvoll Bilder wirklich an. Der Rest zieht mich sehr runter, spricht von Verfall und negativen Veränderungen, zeigt Zerstörung und Müll. Klar, auch das ist eine Aussage. Dennoch hatte ich eine andere „Draufsicht“ erwartet. Künstlerischer. Aufrüttelnder. Nicht einfach nur ein Schnappschuss von vielen.

Farben und Formen können so viel aussagen – ich finde das hier nur auf wenigen Fotos. Blickwinkel, die aus dem grauen Alltag einen besonderen Moment aufsteigen lassen, fehlen mir leider völlig. Das eine oder andere Bild ist ein „guck mal!“, wie ich mir das ganze Buch gewünscht hätte. Diese Ausnahme-Bilder sind grandios, der Rest könnte von schlicht jedem, der durch Berlin bummelt, gemacht worden sein.

Natürlich kann auch genau das die Aussage sein. Doch enttäuscht es mich eben so, wie es ist. Und dabei kann ich mich so schön in Bildern verlieren, wenn sie meinen Nerv treffen. So, wie das Bild mit dem Fernsehturm oder das Bild mit den Kränen. Viele dieser Fotos sind für mich „verfrühte Lost Places“.

Schade! Ich hatte mir so viel von diesem Buch versprochen. Leider nur zwei Sterne von mir.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Atemberaubend!

Liebes Kind
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Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch ...

Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch der Weg zurück in die Normalität ist mit mehr Problemen gepflastert, als ein Mensch ertragen kann …

Hannah ist ein wenig überheblich. Einerseits passt das zu Kindern, andererseits ist es gerade bei ihr zunächst nicht nachvollziehbar. Es ist auch schwer, auseinanderzuhalten, was wahr ist und was eine Art Wahn, denn lügen darf man nicht, das weiß Hannah. Doch mit der Zeit macht dies alles einen Sinn. Von ihr und ihrer Mama wird nach und nach erzählt, was geschehen ist. Beide Stränge sind herzergreifend und atemberaubend. Kaum hat man sich an eine Begebenheit halbwegs gewöhnt, kommt halbwegs mit der Situation klar, kommt eine Wendung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Man kommt nicht umhin, die eine oder andere Vermutung zu haben, die sich nahezu aufdrängt und erst recht fassungslos macht. Fast wünscht man, man würde sich irren. Die kleinen Ungereimtheiten, die man sorglos unkommentiert lässt, werden immer mehr zu wichtigen Hinweisen.

Nur Matthias, Lenas Vater, ist extrem unsympathisch. Seine cholerischen Reaktionen richten sich meiner Meinung nach gegen die falschen Personen. Da fällt es schwer, Mitgefühl für ihn zu haben. Er bzw. seine Sicht und Erzählung bilden den dritten Erzählstrang. So bildet sich nach und nach aus den vielen Puzzleteilen ein überwältigendes Gesamtbild. Jonathan, der Bruder von Hannah, taucht immer nur am Rande auf. Selbst für Matthias, der Hannah abgöttisch liebt, ist er nur eine Randfigur. Die Emotionen, Gedanken und Handlungen von Karin, Lenas Mutter, kann ich am besten verstehen und nachvollziehen.

Insgesamt gibt das alles ein perfektes Ganzes. Die Idee, die Umsetzung, der Stil (fast schon drei Stile – nicht nur die Stränge unterscheiden sich, eigentlich auch jeweils tatsächlich der ganze Stil), die Wendungen – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und ineinander verwoben, wie feinste Seide.

Das Leben der beiden Kinder ist geprägt von der lebenslangen Gefangenschaft. Sie haben also weit weniger Probleme damit, wie die Mutter. Das Ganze erinnert an die Fälle, die in der Presse zu finden waren und sicher stammt daraus auch die Inspiration. Die Verarbeitung des Themas von einer völlig unerwarteten Seite gefällt mir besser, als ich erwartet hatte. Und die Wendungen sind erschreckend, kaum bis gar nicht vorhersehbar und gehen tief, tief, tief unter die Haut.

Ich gebe zu, dass mir um die Autorin zu viel Wind gemacht worden war und ich genau deshalb bisher noch kein Buch von ihr gelesen hatte. „Liebes Kind“ hat mich aber so schnell so tief so restlos in seinen Bann gezogen, dass ich mich für mein Vorurteil herzlich entschuldige und Romy Hausmann gerne bestätige, dass ihr ein extrem guter Thriller gelungen ist. Respekt! Die Spannung ist fast durchgehend auf höchstem Anschlag. Zum Verschnaufen kommt man so gut wie nie.

Die drei Sprecher Heikko Deutschmann, Leonie Landa und Ulrike C. Tscharre machen einen großartigen Job. Die Idee, dieses Buch nicht von einer einzigen Person einlesen zu lassen, war super. Dadurch wird der Zuhörer viel leichter und schneller ganz tief in die Geschichte gezogen. Jeder Erzählstrang eine eigene Stimme – mir kommt das sehr entgegen.

Dass ich diesem Buch fünf Sterne gebe, wird an diesem Punkt keine Überraschung mehr sein.