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Veröffentlicht am 04.01.2019

Bang. Bang. Kein Meisterwerk, aber echt gut zu lesen.

Parceval - Seine Jagd beginnt
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Ralf Parceval hat fünfzehn Menschen getötet und sitzt deshalb hinter Gittern. Seine Mission hat er dennoch nicht erfüllt, deshalb fühlt er sich als Versager. Denn Parceval war einer der besten Bundespolizisten ...

Ralf Parceval hat fünfzehn Menschen getötet und sitzt deshalb hinter Gittern. Seine Mission hat er dennoch nicht erfüllt, deshalb fühlt er sich als Versager. Denn Parceval war einer der besten Bundespolizisten und seine Schwester und seine Nichte wurden verschleppt. Als ein ehemaliger Kollege ihn für die Lösung eines Falles für kurze Zeit aus dem Gefängnis holt, wittert er seine Chance – und nutzt sie …

Dieser Thriller macht echt Spaß. Er liest sich flüssig und ist immer interessant, spannend und sogar mit einer guten Portion schwarzem Humor gespickt. Mir persönlich sind manche Details zu stark beschrieben, doch für andere wird genau das passen.

Die Idee des Plots ist gelungen. Ein bisschen Francis Ackerman, ein bisschen Jack Bauer, ein Alleinkämpfer und ganz viel sympathischer Antiheld. Eine Mischung, die sich schön vom Einheitsbrei abhebt, obwohl sie im Grunde genau aus diesem besteht. So eine gewisse Vorstellung, wer sich hinter dem Pseudonym Chris Landow verbirgt, habe ich da schon. Auf alle Fälle hatte ich eine tolle Lesezeit und finde den Reihenauftakt sehr gelungen. Allerdings denke ich, wenn Parceval über mehrere Bände auf der Suche nach Birgit und Miray die Menschenhändler jagt, nutzt sich das vermutlich arg schnell ab. Bleibt also zu hoffen, dass Chris Landow noch das eine oder andere As aus dem Ärmel zaubert.

Dass der „Held“ eigentlich verachtet werden muss, man ihn aber doch richtig mag, hat mich zum ersten Mal bei Allen Smith und „Der Spezialist“ umgehauen. Statt eines sexbesessenen, alkohol- und drogenabhängigen Ermittlers eben mal ein Mörder, der „aufräumt“. Finde ich erfrischend, finde ich lesenswert, finde ich gar nicht so aus der Welt. Besonders gut dabei finde ich auch, dass – zumindest in diesem ersten Band – keine Liebesverwicklungen eingebaut wurden. Einfach ein purer Thriller – so soll das sein!

Die Sprache wurde recht gut und authentisch gewählt, ohne zu sehr ins Extreme zu gehen. Die Szenen, die eindeutig „drüber“ sind, empfand ich als bewusst so geschrieben – eben mit einem Schmunzeln, einem Augenzwinkern. Sie passen einfach gut in die Handlung und machen beim Lesen Spaß. So ist es auch mit den Sprüchen und dem schwarzen Humor. Alles wohl dosiert, an der richtigen Stelle und damit genau nach meinem Geschmack.

Durch die Rückblenden, die einen angenehm kleinen Teil der Story einnehmen, wird der Leser ins Bild gesetzt. So erklären sich die Zusammenhänge nach und nach und ein klares Bild entsteht. Der Aufbau ist meiner Meinung nach absolut gelungen.

Insgesamt überraschend gut und mir vier Sterne wert!

Veröffentlicht am 02.01.2019

Kultur tanken statt am Ballermann abstürzen

Lonely Planet Culture Trails
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Im Buch findet man 52 Wochenendtripps zu kultigen Orten in 32 Ländern, wobei man das eine oder andere Wochenende auf bis zu vier, fünf Tagen ausdehnen sollte. Und der eine oder andere wird sich auch noch ...

Im Buch findet man 52 Wochenendtripps zu kultigen Orten in 32 Ländern, wobei man das eine oder andere Wochenende auf bis zu vier, fünf Tagen ausdehnen sollte. Und der eine oder andere wird sich auch noch länger an diesen Orten aufhalten können und wollen. Damit ist es mit einem Augenzwinkern zu verstehen, dass für jede Woche des Jahres eine Tour vorgestellt wird.

Die Rückseite des Buches deutet es mit der stilisierten Farb-Palette und dem Pinsel sehr gut an: Der Inhalt ist bunt und inspirierend! Schon das im Buch Blättern, das Lesen, macht Lust auf die Reisen. Ganz wie es sich für einen Reiseführer gehört, werden die einzelnen „Sehenswürdigkeiten“ gut umrissen und erklärt. Es geht um besondere kulturelle Ereignisse und Erlebnisse, alte und neue Kultur in allen Bereichen: Literatur, Kunst, Architektur, Musik, Theater, Tanz, Festivals, Film, Fernsehen und sogar Comic. Es wird also jeder Bereich abgedeckt, auch wenn die 52 Ziele, die ein ganzes Jahr abdecken, kaum jemand der Reihe nach besuchen können wird. Die Vorstellung aber ist zauberhaft!

Zu jedem vorgestellten Ort gibt es ein Thema, einen roten Faden. Dabei werden mehrere entsprechende, passende Orte (von Gebäuden über Museen bis zu Friedhöfen ist alles vertreten) kurz vorgestellt. Darauf folgen „Wichtige Informationen“: Schlafen, Essen & Trinken, Events. Auf einer groben Weltkugel sieht man, wo sich diese Orte befinden. Zudem bekommt man auf jeder Seite unzählige wunderschöne Fotos zu sehen. Die alleine sind das Buch schon wert! Man möchte einfach mit eigenen Augen sehen, was auf diesen Bildern zu sehen ist.

Die Texte sind unterhaltsam und informativ. Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet und nichts dem Zufall überlassen. So findet sich für jeden Geldbeutel, ob gut gefüllt oder immer ziemlich leer, und für jede Altersgruppe eine Auswahl an Zielen für Kulturliebhaber.

Wunderbar! Einfach gelungen! Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 01.01.2019

Entschleunigt genießen

Sous-vide goes BBQ
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In Zeiten des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln und auch Verpackung mag man auf den ersten Blick skeptisch sein, wenn Fleisch in Folie eingeschweißt werden soll und im Wasser langsam garen, bevor es ...

In Zeiten des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln und auch Verpackung mag man auf den ersten Blick skeptisch sein, wenn Fleisch in Folie eingeschweißt werden soll und im Wasser langsam garen, bevor es veredelt wird. Doch wer jemals ein solches Gericht genießen durfte, versteht es dann schnell. Die Aromastoffe bleiben vollständig erhalten, die Lebensmittel werden nicht „kaputtgekocht“ und der langsame, zeitaufwendige Umgang damit schult das Bewusstsein dafür sehr stark. Zudem sind die Vakuumierfolien und –Beutel mehrfach verwendbar, wenn man sie ausspült.

Die ersten Seiten befassen sich ausgiebig mit der Technik, dem Zubehör, den Fleischarten, Gemüse und Gartabellen. Ab Seite 62 folgen dann die Rezepte, die allesamt wunderbar in Fotos festgehalten wurden. Die Zutatenliste und die Zubereitungsschritte sind übersichtlich aufgeführt und gut verständlich. Für einige ausgefallen Zutaten ist auch immer Platz, doch sind sie alle im gut sortierten Supermarkt erhältlich und für die meisten Hobbyköche auch schon fest im Vorrat integriert.

Für alle Rezepte muss man zunächst viel Zeit einplanen. Dies relativiert sich beim Finish dann wieder und ermöglicht entspanntes BBQ mit Familie und Freunden, bei dem es edle Gerichte statt schnellem „Feuerfleisch“ gibt. BBQ in Reinkultur, mit Beilagen aus der (Freiluft-)Küche. Aufwand, der sich lohnt und aus einem schnöden Grillabend ein Fest für die Sinne macht.

Niemand wird täglich oder auch nur wöchentlich ein Gericht mit dem Sous-Vide-Gerät kochen, aber für die ganz besonderen Highlights ist dies eine wunderbare Methode. Weg von der Eile, alles entschleunigen, auch die Zubereitung der Speisen – so genießt man es noch mehr.

Wir sind schon lange vom Sous-Vide überzeugt und dieses Rezeptbuch, um diese Methode auch beim Grillen anzuwenden, gefällt uns mehr als nur gut. Der Aufwand lohnt sich absolut. Dieses Buch wird bei uns einen Ehrenplatz einnehmen und uns nach und nach zu „Sous-Vide-Experten“ machen. We love it! Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 30.12.2018

Wenn Verurteilte eine Geschichte zu erzählen haben …

Gangsterblues
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Joe Bausch, Gefängnisarzt und bekannt als Schauspieler im „Tatort“, erzählt hier die Geschichten der Gefängnisinsassen, die sie ihm im Laufe seiner Berufstätigkeit erzählten. Die Geschichten könnten unterschiedlicher ...

Joe Bausch, Gefängnisarzt und bekannt als Schauspieler im „Tatort“, erzählt hier die Geschichten der Gefängnisinsassen, die sie ihm im Laufe seiner Berufstätigkeit erzählten. Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch sind sie alle mehr oder weniger gleich – sie erzählen von zerstörten Leben. Dabei geht es nicht allein um die Krankengeschichten der Insassen, sondern viel mehr um das, was sie Bausch erzählen wollten: über ihr Leben, über ihre Straftaten.

Einige der Lebensbeichten haben mich bewegt, berührt, ich konnte sie fast verstehen. Andere dagegen waren einfach nur widerlich und abstoßend. Aber so ist das mit dem Verbrechen nun mal! Schön ist es nie. Joe Bausch wertet dabei nicht, er erzählt einfach nur von Anfang bis Ende. Das lässt dem Leser und dem Hörer die Freiheit, selbst zu entscheiden, was er davon halten soll.

Ganz sicher hat der eine oder andere Gefangene seine Geschichte ein wenig frisiert. Doch Bausch bringt auch Fakten aus seinem Wissen ein, die helfen, den Kern deutlicher herauszufiltern. Doch kalt lässt einem keine der Geschichten. Ob man nun auch Mitleid mit den Tätern hat oder nur mit den Opfern, immer gibt es etwas, das berührt und nachdenklich macht.

Es mag morbide sein, aber ich mag Sendungen wie „Medical Detectives“ sehr gern. Mich fasziniert, wie weit die Möglichkeiten heute sind, Tätern auf die Spur zu kommen. Joe Bausch erzählt im Grunde eine ähnliche Geschichte – immerhin sind die Täter ja hinter Gittern. Wie unschuldig kann ein Verurteilter sein? Gibt es das tatsächlich? Wie „wirksam“ ist eine Inhaftierung? Dient sie nur der Verhinderung neuer Straftaten oder werden Täter geläutert? Oder ist das Gegenteil der Fall und die Täter lernen im Knast noch dazu? All diese Fragen stellen sich immer wieder und werden zum Teil auch beantwortet. Und neue Fragen tauchen auf …!

Mir hat das Hörbuch sehr gefallen, wenn mir auch nicht alle 12 Geschichten gleich stark unter die Haut gingen. So ist eben das Leben! Ich gehe davon aus, dass ein Teil auch Fiktion (ob nun von Bausch oder den Verbrechern) ist, aber das kann ich akzeptieren. Bausch erzählt respektvoll und stellt niemanden bloß. Dafür meinen Respekt. Und fünf Sterne.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Lässt mich nicht mehr los

Ohne Spur
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Audra Kinney floh vor zwei Jahren mit ihren Kindern vor ihrem Mann. Jetzt ist sie wieder auf der Flucht – vor dem Jugendamt, mit dessen Hilfe er ihr die Kinder wegnehmen möchte. Mitten in der Wüste hält ...

Audra Kinney floh vor zwei Jahren mit ihren Kindern vor ihrem Mann. Jetzt ist sie wieder auf der Flucht – vor dem Jugendamt, mit dessen Hilfe er ihr die Kinder wegnehmen möchte. Mitten in der Wüste hält sie ein Polizist an. Bei der Durchsuchung ihres Wagens findet er Drogen. Sie wird verhaftet und von ihren Kindern getrennt. Als sie im Gefängnis nach ihren Kindern fragt, bekommt sie zur Antwort: „Welche Kinder?“. Audras Alptraum beginnt …

Ich mag es nicht, wenn ein Buch so viele Vorschusslorbeeren bekommt, von Autoren oder der Presse. Zu oft war ich danach mehr als enttäuscht. Deshalb bin ich da immer sehr vorsichtig. Und diesmal, ja diesmal stimmt tatsächlich jedes Wort, mit dem „Ohne Spur“ gelobt wird!

Beck schafft es, mich immer wieder wütend und fassungslos zu machen ob des Machtmissbrauchs diverser Charaktere aus seinem Buch. Da das nicht reine Fantasie ist, sondern – wenn auch nicht weit verbreitet – durchaus möglich ist, geht das tief unter die Haut. Die Kapitel sind relativ kurz und dennoch reißen sie immer wieder den Boden unter den Füßen des Lesers weg, sodass man das Buch kaum aus den Händen legen kann. Gerade deshalb aber musste ich immer mal wieder eine Pause einlegen, um zu verarbeiten, was ich da las. Das kann Audra, die Protagonistin, natürlich nicht und der Gedanke, in ihren Schuhen zu stehen, ist fast schon zu viel.

Einige Stellen sind mir zu brutal und zu deutlich geschildert. Für einen Thriller nicht unüblich, ja, dennoch hätte mir eine Andeutung genügt und mich ebenfalls tief bewegt. Trotz dieser Szenen wird Beck aber nie billig oder primitiv. Er schildert eine extreme Geschichte, die so tatsächlich möglich ist, ohne allzu tief suchen zu müssen. Korruption, Machtmissbrauch, Missbrauch, Geldgier, Perversionen, Menschenhandel, Ungerechtigkeit – all das und noch viel mehr finden hier zusammen in einer Story, die den Leser aufrüttelt und tief hineinzieht. Die Perspektivwechsel sind gelungen, Rückblenden nur wenige vorhanden und dann auch nur solche, die wichtig für das Geschehen sind.

Das Thema birgt viel Spannung, so ist es kein Wunder, dass das Buch an keiner Stelle langweilig wird. Dass die Spannung aber stetig steigt, es immer wieder neue Wendungen gibt, der Showdown noch dem Ganzen die Krone aufsetzt, das ist genial gelöst. Auch das Ende ist rund und in sich stimmig. Hier wurde absolut sauber gearbeitet und gekonnt und ohne bösen, unsinnigen Cliffhanger ein packender Thriller der Extraklasse geschaffen. Mich hat das Verhalten so einiger Figuren unheimlich wütend gemacht – gerade, weil ich weiß, dass es solche Menschen tatsächlich gibt.

Haylen Beck ist das Pseudonym des nordirischen Autors Stuart Neville. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und stand auf Bestsellerlisten. Dennoch hatte ich noch kein Buch von ihm gelesen. „Ohne Spur“ hat mich zutiefst beeindruckt und wird noch länger nachhallen. Eines meiner Highlights 2018, wenn nicht sogar die Nummer eins. Von mir: fünf Sterne!