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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2018

Kleines Büchlein, großer Genuss!

Das große kleine Buch: Strudel und Striezel
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Niemand bekommt Strudel und Striezel so lecker hin, wie die Österreicher! Was liegt also näher, als sich deren Rezepte dazu ganz genau anzusehen und von ihnen zu lernen? Ganz ohne „Foodstyle“ kommt dieses ...

Niemand bekommt Strudel und Striezel so lecker hin, wie die Österreicher! Was liegt also näher, als sich deren Rezepte dazu ganz genau anzusehen und von ihnen zu lernen? Ganz ohne „Foodstyle“ kommt dieses kleine Büchlein aus. Die Backwaren sind nicht „wie gemalt“, sondern einfach wunderbar gelungene Backwerke, frisch aus dem Ofen.

Viele interessante Informationen stehen den eigentlichen Rezepten voran. Allein diese schon sind ein Teil des Gelingens der Backwaren – wer die Geschichte der Hefe versteht, versteht auch den Hefeteig. Strudelteig will ähnlich verstanden sein. Viel Arbeit, aber das Ergebnis ist das wert! Ein hauchdünner Strudelteig, selbst gemacht: so fein! Auch für das Flechten des Hefeteiges findet sich eine bebilderte, verständliche Anleitung.

Insgesamt bekommt man hier 18 Rezepte zu den unterschiedlichsten Strudeln und Striezeln – von deftig bis süß ist alles vertreten. Ob ich einen Blunzenstrudel möchte, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber der klassische Apfelstrudel war so schnell aufgegessen, wie der geflochtene Striezel. Echt österreichischer Geschmack kam auf den Teller!

Der Aufbau der Rezepte ist schön übersichtlich. Die Zutaten sind nach Teig und Füllung getrennt aufgelistet. Die Zubereitung wird so einfach, wie möglich, erklärt. Dazu gibt es dann ein Foto vom fertigen Gebäck. Die Strudel sind alle nach dem Grundrezept hergestellt und werden unterschiedlich gefüllt.

Ich bin begeistert – das gibt dann ganz klar auch die vollen fünf Sterne für das riesige kleine Buch von Elisabeth Ruckser!

Veröffentlicht am 18.03.2018

Filme mal anders gesehen

Film ab!
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Reiseführer müssen nicht langweilig sein. Das beweist lonely plantet seit vielen Jahren. „Film ab!“ entführt an zahlreiche Schauplätze von Filmen von „Der Marsianer“ über James Bond bis zu „Panzerkreuzer ...

Reiseführer müssen nicht langweilig sein. Das beweist lonely plantet seit vielen Jahren. „Film ab!“ entführt an zahlreiche Schauplätze von Filmen von „Der Marsianer“ über James Bond bis zu „Panzerkreuzer Potemkin“. Man sieht die Orte plötzlich mit anderen Augen und sieht man die Filme, kommt man nicht umhin, sich besonders zu freuen, wenn genau diese Orte auftauchen. Als Fan von Hitchcock habe ich mich ganz besonders über das Schulgebäude von Bodega Bay gefreut, Harry Potter Fans werden sich über das Glenfinnan-Viadukt so freuen, wie King Fans über die Lake-Britton-Brücke. Zu allen Orten werden die Koordinaten geliefert, ein kleines Welt-Piktogramm zeigt die Lage an und zudem erzählt Laurence Phelan jeweils ein wenig über den Film und den Ort.

Ob einfach nur als Film-Ort-Buch oder als Inspiration, diese Orte (nach und nach) zu bereisen und so quasi da zu stehen, wo einst die Film-Crew gearbeitet hat – das Buch macht Spaß. Die Mischung aus Bildband und Reiseführer ist sehr gelungen. Für Reiselustige, Filmfreaks, als Mitbringsel oder für einen selbst – man nimmt „Film ab!“ einfach immer wieder gerne zur Hand. Mir ist das Buch die vollen fünf Sterne wert!

Veröffentlicht am 17.03.2018

Der kleine Bruder vom Pubertier

Nicks Sammelsurium
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Jan Weiler liest hier seine Texte rund um seinen Sohn Nick. Dieser ist neun Jahre jung und der kleine Bruder vom Pubertier. Dass auch dieses Alter gewisse Anforderungen an Eltern stellt und jeden Tag zu ...

Jan Weiler liest hier seine Texte rund um seinen Sohn Nick. Dieser ist neun Jahre jung und der kleine Bruder vom Pubertier. Dass auch dieses Alter gewisse Anforderungen an Eltern stellt und jeden Tag zu neuen Herausforderungen führt, wird hier wunderbar humorvoll gezeigt.

Nein, es sind keine Schenkelklopfer. Auch keine neuen Erkenntnisse. Kein Elternteil wird durch dieses (Hör-)Buch besser mit dem Nachwuchs fertig. Aber allein die Feststellung, dass es anderen Eltern auch so geht, kann schon Medizin sein. Und der eine Papi oder die andere Mami wird hier auch dümmlich grinsend nicken können – jahaaa, das kennt man doch, solche Szenen sind einem nicht fremd!

Dreizehn kleine Episödchen ergeben etwa 54 unterhaltsame Minuten. Gefallen hat es mir schon, aber kurz war es dann doch. Kaum so richtig drin, schon ist es wieder vorbei. Das ist schon schade! Schön ist jedoch, wie Jan Weiler von seinem Sohn immer wieder auch auf sich selbst (und seine eigene Kindheit) zurückkommt. Mal sieht er sich selbst, mal findet er Nick schlicht genial und schämt sich quasi für seine „Schlichtheit“ in diesem Alter – und immer wieder kämpft er darum, ein wirklich guter Papa zu sein.

Das ist ein tolles Hörbuch für Eltern, die eine Aufmunterung brauchen! Nicht besonders anspruchsvoll, dennoch ansprechend und fröhlich stimmend. Ich gebe vier Sterne!

Veröffentlicht am 17.03.2018

Ein Todesurteil

Die Rache der Polly McClusky
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Nate McClusky sitzt für seine Straftaten nicht zu Unrecht im Gefängnis. Doch er führt sich gut und wird vorzeitig entlassen. Das kommt ihm sehr gelegen, denn zufällig erfährt er, dass seine Exfrau und ...

Nate McClusky sitzt für seine Straftaten nicht zu Unrecht im Gefängnis. Doch er führt sich gut und wird vorzeitig entlassen. Das kommt ihm sehr gelegen, denn zufällig erfährt er, dass seine Exfrau und seine Tochter auf der Todes-Liste eines mächtigen Gegners stehen. Ganz klar, dass er alles daran setzen möchte, beide zu retten.

Sascha Rotermund transportiert wunderbar den Unterschied zwischen den extrem harten, trocken erzählten Szenen und Pollys Gefühls- und Gedankenwelt. Auch wenn nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, zieht Jordan Harper den Leser (bzw. Hörer) super tief in die Story hinein, gleich vom ersten Satz an. Das mag ich sehr und das ist nicht immer so (oft muss man sich eine ganze Reihe Seiten in ein Buch hineinlesen, bevor man tatsächlich in der Story ankommt).

Ohne albern oder stumpf zu werden, wird die Zerrissenheit von Polly super gut dargestellt mit so gegensätzlichen Sätzen wie: „Polly fand nicht, dass sie nicht richtig tickte.“ und kurz darauf (nur fünf Sätze später) dann: „Wahrscheinlich tickte sie nicht richtig.“ Auch so wunderbare, gleichermaßen lustige wie traurige Sätze und Satzteile wie: „und plötzlich rülpste ihr der Gedanke vollständig ausgebildet aus dem Gehirn“ gefallen mir wahnsinnig gut. Da ist zudem so viel Liebe, dass es mich ganz schön beutelt, denn zur Story selbst ist Liebe so krass gegensätzlich.

Es berührt mich sehr, wie stark Polly leiden muss, ohne dass ihr jemand hilft. Als Kind eines Verbrechers ist sie doppelt gestraft: die Mitschüler sind gemein zu ihr. Mich macht wütend, dass weder ihre Mutter, noch der Stiefvater (musste das auch noch sein?) und auch nicht die Lehrer etwas tun. Was kann Polly für die Taten ihres Vaters?

Nach der Entführung durch ihren Vater muss Polly schneller erwachsen werden, als es gut sein kann für eine Elfjährige. Die Situation überrollt sie jedoch nicht ganz. Polly wächst über sich selbst hinaus, um nach ihrem großen Kampf Seite an Seite mit ihrem Dad wieder – oder auch zum ersten Mal – ein ganz normales Mädchen werden zu können. Jordan Harper ist es dabei gelungen, die Szenen sehr realistisch, aber nicht übertrieben detailliert und brutal zu schildern. Alles passt stimmig zusammen, die Wendungen sind überraschend, aber nicht unlogisch. Mich erinnert der Stil sehr an Joe R. Lansdale und den lese ich super gerne.

Die Wechsel zwischen sanft und liebevoll zu knallhart und doch voller Liebe sind beeindruckend. Ich habe hier ein Buch entdeckt, das absolut zu meinem Lesegeschmack passt! Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 17.03.2018

Tagebuch eines Luftikus

Gray
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Dr. Augustus Huff, der fast nicht in diese Welt passt, ist Dozent in Cambridge und wird unerwartet und nicht ganz freiwillig zum „temporären Halter“ eines hochintelligenten und gesprächigen Graupapageis. ...

Dr. Augustus Huff, der fast nicht in diese Welt passt, ist Dozent in Cambridge und wird unerwartet und nicht ganz freiwillig zum „temporären Halter“ eines hochintelligenten und gesprächigen Graupapageis. Dessen ursprünglicher Halter war ein etwas unbequemer Student und bekannter Fassadenkletterer aus gutem Hause und ist in den Tod gestürzt. Doch Gray, der Papagei, verhält sich extrem auffällig. Huff bleibt gar nichts anderes übrig, als aus seiner Wohlfühlzone herauszukommen und sich als verdeckten Ermittler zu betätigen. Dabei lernt er außergewöhnliche Menschen kennen – und gerät selbst unter Beschuss …

Bjarne Mädel hat eine sehr spezielle Stimme. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, passt sie ausgezeichnet zu diesem Buch. Er versteht es, genau die richtige Art, die Ereignisse zu erzählen, zu wählen, wie ich das auch beim Lesen im Kopf hatte. Die Figuren der Autorin sind immer ganz besonders. Fast sind die Bücher im Stil von Jugendbüchern geschrieben. Leicht und unbeschwert, aber dennoch mit einer tiefgreifenden Botschaft. Das mag ich sehr und bisher hat mich tatsächlich noch kein Werk von ihr enttäuscht. Das ist selten! Einen Ausrutscher gibt es fast immer, auch bei den hochgelobtesten Autoren. Leonie Swann schafft Sätze, die für sich schon kleine Kunstwerke sind und die man immer wieder lesen/hören möchte. Da ist das gedruckte Buch dann eindeutig im Vorteil, aber gehört ist das echt ein Erlebnis! Ich möchte keinen dieser Sätze zitieren, da ich befürchte, sie würden zu viel verraten, aber ich bin mir sicher, nach wenigen Minuten weiß der Hörer (oder auch Leser), was ich damit meine.

Vergleichen lässt sich „Gray“ nur insofern mit den Schafskrimis, als dass ein Tier mitspielt. Diesmal aber eben als Partner eines Menschen und deshalb kommt dabei natürlich etwas ganz Neues heraus – und das hat sich absolut gelohnt! So viel Wortwitz, der auch noch Sinn macht und um einen Kriminalfall gewickelt ist, ohne dass die Story lächerlich oder albern wirkt, habe ich noch nie erlebt. Swann lässt Huff und Gray eine Menge Spuren verfolgen, die allesamt in sich stimmig sind. Der Showdown dann am Ende ist super spannend, ohne an Humor zu verlieren. Es ist eine wahre Freude, Huff und Gray zu begleiten, mit ihnen zu rätseln, zu fiebern, zu kämpfen, zu lachen und zu weinen! Grays eingestreute „Bemerkungen“ sind so schlicht wie umwerfend und man kann sich kaum bremsen, in Gesprächen die eine oder andere Phrase von Gray selbst anwenden zu wollen – doch ist es ratsam, das bleibenzulassen, wenn man nicht schräg angesehen werden möchte. Ga-ga-Ullala!

Huff ist ein wenig Adrian Monk. Wie dieser hat er einige schräge Macken und unterliegt Zwängen. Doch kann die Autorin dies so wunderbar nebenbei einfließen lassen, dass man als Leser geradezu vorhersagen kann und möchte, was Huff nun als nächstes tun wird – oder ihn darauf hinweisen möchte, wenn er einen der Ticks mal glatt vergisst.

Ich hatte so viel Spaß beim Hören! Auch ohne dramatische durchgehende Spannung fesselt das Hörbuch geradezu. Man möchte einfach wissen, was tatsächlich geschehen ist und wie und ob Huff und Gray das Rätsel lösen. Finden die beiden vielleicht auch noch die Liebe? Wer weiß …!

Leonie Swann kopiert sich erfreulicherweise nie selbst, steigert sich aber kontinuierlich. Da merkt man, dass sie das Schreiben liebt, aber auch ernst nimmt und nichts „herunterschreibt“, sondern sehr sorgfältig arbeitet. Das garantiert Qualität und erfreut den Leser, wie den Hörer. Von mir bekommt „Gray“ die vollen fünf Sterne!