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Veröffentlicht am 26.09.2017

Ein zauberhaftes Buch!

Ein Brief an meine Katze
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Aus der Idee zu „A letter to my dog“, die ein voller Erfolg wurde, entstand die Idee zu „A letter to my cat“. Der Plassen-Verlag hat die deutsche Ausgabe „Ein Brief an meine Katze“ veröffentlicht und damit ...

Aus der Idee zu „A letter to my dog“, die ein voller Erfolg wurde, entstand die Idee zu „A letter to my cat“. Der Plassen-Verlag hat die deutsche Ausgabe „Ein Brief an meine Katze“ veröffentlicht und damit ein wunderbares Buch geschaffen. Es ist eine Mischung aus handlichem Bildband und kurzen Texten. Das Besondere daran ist, dass Personen, die mehr oder weniger (in den USA) bekannt sind, ihrer Katze einige Zeilen geschrieben haben. Die Briefe sprudeln nur so über vor einzigartigen Eigenschaften – einfach herrlich und bezaubernd! Ja, so sind sie, unsere geliebten Pelzgesichtchen! Jede ist einzigartig, jede hat einen ganz eigenen Charakterzug, eine außergewöhnliche Eigenschaft, über jede lässt sich eine ganz besondere Geschichte erzählen! Erstaunlich, wie viel Spaß es macht, diese Brieflein zu lesen!

Die Fotos wurden von einer ganzen Reihe Fotografen gemacht, die sichtlich viel Geduld und Katzenliebe mitgebracht haben, denn sie sind einfach zauberhaft. Man sieht den Tieren darauf an, dass sie keinen Stress hatten und sie sich super wohl fühlen. Das Buch ist absolut hochwertig gemacht. Alle Seiten sind in Bildbandqualität, auch die Textseiten. So weiß man schon beim ersten Blick und ersten Griff, dass man ein edles, hochwertiges Buch in Händen hält, das man auch prima jedem Katzenfreund schenken kann (und sollte!).

Wer hätte gedacht, dass die Briefe so unterhaltsam und kurzweilig sind? Wer Katzen liebt, muss dieses Buch unbedingt lesen, denn es spiegelt wider, was Katzenfreunde fühlen, denken und bereit zu tun sind.

Ich habe genau wegen solcher Bücher und meiner Liebe zu Katzen damit angefangen, Katzenbücher zu sammeln. Inzwischen besitze ich weit mehr als 1.800 Bücher, die sich quer durch alle Genre mit Katzen beschäftigen. Von Romanen über Krimis bis zu Gedichtbänden und Bildbänden. „Ein Brief an meine Katze“ ist ohne Zweifel eins der schönsten Bücher in dieser Sammlung. Von mir: fünf Sterne!

Veröffentlicht am 24.09.2017

Liebe, Freundschaft und Loyalität zwischen Mensch und Tier, zwischen Orient und Okzident

Pawlowa
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Mr B rettet eine kleine Eselin vor einem schrecklichen Arbeitsleben. Dazu muss er mit ihr aber von Pakistan nach England kommen. Doch wie macht man das? Einfach ins Flugzeug geht nicht, die Story spielt ...

Mr B rettet eine kleine Eselin vor einem schrecklichen Arbeitsleben. Dazu muss er mit ihr aber von Pakistan nach England kommen. Doch wie macht man das? Einfach ins Flugzeug geht nicht, die Story spielt in einer Zeit vor den Billigflügen, vor der Hilfe vom Tierschutz und vor der Zeit des Handys Mitte des letzten Jahrhunderts. So sieht er sich gezwungen, auf eine lange Wanderschaft zu gehen. Glücklicherweise begegnen Mr B und Pawlowa, wie er die dünnbeinige Eselin nach der zarten Tänzerin Anna Pawlowa nennt, viele hauptsächlich sehr nette Menschen, die von den beiden verzaubert werden und ihnen gern helfen. So hinterlassen die beiden auf ihrem Weg viele Spuren in vielen Herzen.

Brian Sewell hat ist mit „Pawlowa“ ein wunderbares, zärtliches, liebevolles Buch mit sehr viel britischem Humor gelungen. Es ist an vielen Stellen zauberhaft skurril. Gerade deshalb schleicht es sich direkt ins Herz. Der Leser erfährt ganz nebenbei interessante kleine Informationen über die Gebiete, durch die die beiden Gefährten reisen, über Menschen und Tiere und über Freundschaft und Loyalität. Wunderbar auch die kleinen Zeichnungen, die sich durchs ganze Buch ziehen.

Dass den beiden nicht wirklich Schlimmes begegnet, nachdem sie sich gefunden und gemeinsam auf den Weg gemacht haben, ist fast schon märchenhaft, dennoch passt es wunderbar. Immerhin hat Mr B seinen großen, weißen Regenschirm dabei, der beide perfekt schützt. Er ist ein Symbol für das ganze Buch, für die ganze Aussage des Buches.

In meiner Kindheit gab es in meiner Heimatstadt ein Kaufmanns-Ehepaar, das ebenfalls einen kleinen Esel hatte. Da dieser wie Pawlowa auch gerne und bereitwillig Auto gefahren ist, zog mich „Pawlowa“ fast schon magisch an. Eselchen sind ganz besondere Tiere und „Pawlowa“ ist ein ganz besonderes Buch. In mein Herz haben sich Mr B und Pawlowa jedenfalls geschlichen. Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 23.09.2017

Deine Familie hat Dir verziehen

Ohne ein Wort
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Cynthia Bigge ist 14 und ein rebellischer Teenager, als nach einem nächtlichen Streit mit ihrem Vater am nächsten Morgen ihre Eltern und ihr Bruder spurlos und ohne eine Nachricht verschwunden sind. Zunächst ...

Cynthia Bigge ist 14 und ein rebellischer Teenager, als nach einem nächtlichen Streit mit ihrem Vater am nächsten Morgen ihre Eltern und ihr Bruder spurlos und ohne eine Nachricht verschwunden sind. Zunächst glaubt sie, das sei eine Art Strafe für ihr „Ich wollte, Ihr wärt tot!“, doch schnell stellt sich heraus, dass dem nicht so ist. Ihre Familie bliebt spurlos verschwunden. Cynthia wächst fortan bei ihrer einzigen Verwandten, ihrer Tante Tess, auf. 25 Jahre später rollt ein TV-Sender die Ereignisse noch mal auf und löst damit eine Kette von Geschehnissen aus, die Cynthia, ihren Mann Terry Archer und Tochter Grace aus ihrem beschaulichen Leben abrupt herausreißen. Was geschah wirklich in jener Nacht?

Linwood Barclay hatte ich mit „Nachts kommt der Tod“ für mich entdeckt. Seine Werke haben genau das gewisse Etwas, das ich liebe, das mich fesselt und das immer wieder Überraschungen bringt. Auch bei „Ohne ein Wort“ schafft er es wieder, mich sehr lange von einer falschen Schlussfolgerung in die andere stolpern zu lassen. Er legt so viele Spuren, dass man sich leicht verläuft, doch am Ende passt alles ganz logisch ineinander und zusammen. Die Wendungen sind atemberaubend, das Gesamtbild haut den Leser dann doch um. Als mir endlich dämmerte, wohin das Ganze führt, war ich nahezu unfähig, eine Pause einzulegen.

„Ohne ein Wort“ startet mit einem Prolog, der die Ereignisse in jener Nacht schildert, als Cynthias Familie verschwunden ist. Terry erzählt danach in der Ich-Form, wie er Cyn kennengelernt hat und schlägt einen Bogen in die Gegenwart, in der alles ins Rollen kommt. Zwischendurch gibt es kurze Kapitel, die mich zunächst ein wenig verwirrten, in denen der Leser den Dialog zweier Personen „belauscht“, die anfangs gar nichts mit der Story zu tun zu haben scheinen. Doch nach und nach wartete ich geradezu auf diese Kapitel. Cynthia ist anzumerken, dass sie das Trauma von damals noch längst nicht überwunden hat. Deshalb sind sie und Terry auch in therapeutischer Behandlung, zumal Cynthia es schwerfällt, die 8jährige Tochter nicht rund um die Uhr zu überwachen. Tochter und Vater versuchen, Cyn ein paar der Ängste zu nehmen, doch diverse Ereignisse boykottieren diese Versuche immer wieder. Kaum ist ein Problem gelöst, taucht das nächste auf und als Leser kann man das (Hör-)Buch kaum zur Seite legen.

Mir gefällt sehr gut, wie Linwood Barclay es immer wieder schafft, auch weniger nette Zeitgenossen zu Figuren zu machen, die man mag, mit denen man sympathisiert und die man gern ein wenig in Schutz nimmt. Terry als Erzähler ist natürlich grandios, denn er ist durch seine Ehe und Liebe zu Frau und Kind ganz besonders involviert. Der Autor lässt neue Figuren nicht zu gehäuft auftreten und überfordert den Leser nie mit Namen und Personen. Die Suche nach neuen Hinweisen, nach Zusammenhängen und der Wahrheit wird durch Ereignisse angefeuert, die unfassbar, aber sehr real vorstellbar sind.

Am Ende erwartet den Leser ein fulminanter Showdown, der noch einmal alles kopfstehen lässt. Doch Barclay entlässt den Leser nicht, wie allgemein üblich, einfach so aus der Story. Er liefert noch ein kleines Auslaufen, damit man zur Ruhe kommt und dennoch hallt die Story noch eine ganze Zeit nach.

Frank Arnold als Sprecher ist die perfekte Wahl. Seine Stimme ist nicht nur äußerst sympathisch, er schafft es auch meisterlich, die humorvollen Passagen (immer wieder stecken kleine Wortwitze u.ä. im Text) so zu transportieren, dass die Spannung nicht verlorengeht. Man könnte es „Galgenhumor“ nennen. Die 675 Minuten sind durchweg interessant und super spannend. Seine Art zu lesen macht aus einem an sich schon großartigen Thriller ein Meisterwerk. Mein Lieblingssprecher liest ein Buch einer meiner Lieblingsautoren – besser geht es kaum! Von mir gibt es die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 20.09.2017

Fünf Tage

Mensch, Rüdiger!
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Rüdiger ist Lehrer, Tom Schriftsteller. Beide sind sie Loser und stecken Oberkante Unterlippe in Depressionen. Beide sind an einem Punkt, an dem sie nur noch einen Ausweg sehen: raus aus dem Leben und ...

Rüdiger ist Lehrer, Tom Schriftsteller. Beide sind sie Loser und stecken Oberkante Unterlippe in Depressionen. Beide sind an einem Punkt, an dem sie nur noch einen Ausweg sehen: raus aus dem Leben und zwar über den Weg des Sprungs von der Brücke. Diese Idee haben sie ironischerweise tatsächlich zum selben Zeitpunkt. So lernen sie sich kennen und beschließen, sie geben dem Leben noch fünf Tage die Chance, ihnen einen Grund zu geben, es nicht verlieren zu wollen.

Ein heikles Thema, wunderbar skurril, aber ebenso liebevoll umgesetzt, das schafft so nur Sven Stricker. Depressionen haben viele Erscheinungsbilder und können mehr oder weniger tief gehen. Tom und Rüdiger sind zwei „kleine“ Beispiele, teils natürlich humorvoll und ein wenig bissig überzeichnet, aber gerade das finde ich so gut. Man erkennt als Leser viele auf den ersten Blick abwegige Situationen wieder, erkennt sich oder Bekannte und kommt so immer wieder ins Grübeln, trotz allem Lachens.

Da ich Sven Stricker schon vor einiger Zeit für mich als besonderen, sehr auf meiner Wellenlänge liegenden Autor entdeckt habe, freute ich mich von der ersten Zeile an auf seinen besonderen Humor. Doch der Einstieg war, das muss ich zugeben, etwas holprig. Vieles war sehr düster und zog runter, doch ist das beim Thema Depression auch kaum verwunderlich. Dennoch möchte ich interessierte Leser darauf hinweisen – und gleich versichern, dass das Buch sehr viel Schwung aufnimmt und dann den Leser kaum noch loslässt. Man sympathisiert mit den Figuren sehr schnell. Alle haben ihre Probleme, alle tragen ihr Päckchen und so ergibt sich nach und nach eine Gemeinschaft, die zunächst nach Zweckverbindung aussieht, aber doch so viel mehr ist.

Einige Szenen sind dermaßen skurril, dass man es kaum fassen kann. Aber irgendwie machen sie – vielleicht auch gerade deshalb – unfassbar viel Sinn. Dazu kommen unzählige kleine Beobachtungen, die man tagtäglich selbst macht, aber ganz selten in Worte fasst. Immer wieder muss man Sven Stricker beipflichten bei seinen wunderbaren Darstellungen des ganz gewöhnlichen Lebens, des Alltags, den jeder so oder ganz ähnlich kennt. Das macht das Buch noch mal so witzig. Zudem steckt das Buch voller herrlicher Zitate, die man sich einfach markieren, aufschreiben und überall aufhängen möchte.

Mein Lieblingszitat:
Menschsein ist eine einzige Verknüpfung von Zufällen und Entscheidungen, die man nicht selber trifft.

Die Kernaussage des Buches ist wahr und wichtig – und leider in unserer Gesellschaft ein wenig in Vergessenheit geraten. Freundschaften wollen gelebt werden, gepflegt und genährt. Miteinander, nicht nebeneinander her und schon gar nicht gegeneinander!

Stil, Sprachwitz und Einfühlungsvermögen von Sven Stricker lassen dieses Buch ein wahres Kleinod werden. Die Story klingt eine ganze Zeit nach und hat das Zeug, die Gesellschaft ein wenig aufzurütteln und über das Krankheitsbild Depression nachzudenken.

Ich hatte eine tolle Lesezeit mit dem Buch und warte schon jetzt auf das nächste Werk dieses Autors! Ganz klar: fünf Sterne!

Veröffentlicht am 18.09.2017

Verstörend und düster

... und morgen werde ich dich vermissen
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Thorkild Aske hat nach seinem Unfall mit Todesfolge und der damit verbundenen Haftstrafe psychische Probleme. Seinen Job bei der norwegischen Polizei ist er auch los. Sein Psychiater rät ihm, für ein befreundetes ...

Thorkild Aske hat nach seinem Unfall mit Todesfolge und der damit verbundenen Haftstrafe psychische Probleme. Seinen Job bei der norwegischen Polizei ist er auch los. Sein Psychiater rät ihm, für ein befreundetes Ehepaar dessen Sohn Rasmus zu suchen und so als Privatermittler tätig zu sein, denn Arbeit lenkt ab. Thorkild ist lustlos, antriebslos. Entsprechend gestaltet sich sein Engagement. Doch als er tatsächlich eine Leiche findet, wird sein Interesse geweckt – denn statt Rasmus findet er eine verstümmelte Frauenleiche …

Nordische Krimis und Thriller erfordern immer ein großes Durchhaltevermögen beim Leser oder Hörer. So ist es auch hier. Viel Neues bietet Heine Bakkeid nicht: ein verkorkster Ermittler mit massig eigenen Problemen wurstelt sich durchs Leben und löst mehr oder weniger erfolgreich einen Fall. Potenzial ist vorhanden, doch leider war mir nicht eine Figur des Buches wirklich sympathisch. Alle bleiben blass und konturlos, sodass man keine Nähe oder irgendeine Beziehung zu ihnen aufbauen möchte. Das ist sehr schade. Die Wendungen und Verwicklungen sind nämlich sehr interessant gestaltet. Doch ist die Lektüre sogar als Hörbuch etwas anstrengend. Man muss sich das Buch tatsächlich erarbeiten. Das ist an sich nicht schlimm, doch hatte ich mir einen spannenden Fall mit etwas mehr Schwung gewünscht, der mich regelrecht in seinen Bann zieht.

Da zu erwarten ist, dass es weitere Fälle für Thorkild geben wird, vermute ich einfach mal, dass eine enorme Steigerung folgen wird. In der Figur steckt jedenfalls eine Menge Potenzial. So ein klein wenig erinnert Aske an Sebastian Bergmann, dessen Fälle ich sehr gerne höre und die ebenfalls recht schwierig und düster sind, aber dennoch mitreißen. Bakkeid verstrickt sich und den Leser/Hörer hin und wieder in Details, die so ablenken, dass ich teils Passagen mehrfach gehört habe, um den Anschluss zu finden und Zusammenhänge zu erfassen.

Der fulminante Showdown entschädigt und macht tatsächlich Lust auf weitere Fälle, zumal man mehr über Aske, seine Vergangenheit, den Unfall und die Zeit im Gefängnis erfahren möchte. Frank Stieren hat seinen Job super gut gemacht. Seine Stimme ist sehr angenehm und er versteht es, Askes depressive Stimmung sehr authentisch zu transportieren.

Insgesamt gibt es von mir noch vier Sterne für den ersten Krimi des Jugendbuchautoren Heine Bakkeid.