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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2017

Verkorkste Eltern oder verkorkster Luis?

Wie man seine voll verkorksten Eltern erzieht (Eltern 1)
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Luis ist mit seinen Eltern umgezogen und landet auf einer Schule, die völlig anders ist, als seine alte. Dann verändern sich seine Eltern plötzlich und verlangen von ihm Bestnoten und Sonderaktivitäten. ...

Luis ist mit seinen Eltern umgezogen und landet auf einer Schule, die völlig anders ist, als seine alte. Dann verändern sich seine Eltern plötzlich und verlangen von ihm Bestnoten und Sonderaktivitäten. Luis möchte aber Comedy-Star werden und geht heimlich zum Casting …

So wirklich lustig fand ich das Buch nicht und ich bin auch nicht wirklich davon überzeugt, ob man 10-12 Jährigen sagen soll, wie man seine Eltern blockiert, heimlich zu Castings geht und es als lustig und witzig hinstellt, keinerlei Interesse für die Schule zu haben. Luis ist ein sehr eigensinniger Junge, der mir wenig sympathisch ist und der keinerlei Argumenten zugänglich ist. Auch am Ende des Buches ist nicht wirklich klargestellt, wozu Lernen gut ist und wie man ein gutes Verhältnis zu Lehrern und Eltern bekommen kann. Das gefällt mir ganz und gar nicht.

Es gibt sehr viel lustigere Bücher für diese Zielgruppe, die Verständnis für die Kids aufbringen und diesen helfen, mit ihrem Schulalltag, den Eltern, der einsetzenden Pubertät und allem Chaos klarzukommen – auf positive Weise. Hier ist die Aussage für mich eigentlich nur: es gibt nur zu lasche oder zu strenge Eltern, bei Schulproblemen wechselt man einfach die Schule und als Junge ist man am besten so rotzig wie möglich zu allen Erwachsenen. Keine gute Idee.

Deshalb kann ich dem Buch auch nur drei Sterne geben, mit Tendenz zu zwei …!

Veröffentlicht am 06.03.2017

Große Liebe kennt kein Alter

Und jetzt lass uns tanzen
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Marguerite ist 78 und Witwe. Sie wurde ihr Leben lang fremdbestimmt – erst von ihren Eltern, dann von ihrem Mann, der wenig von wahrer Liebe und gar nichts von Fröhlichkeit und Spaß verstanden hat. Marguerite ...

Marguerite ist 78 und Witwe. Sie wurde ihr Leben lang fremdbestimmt – erst von ihren Eltern, dann von ihrem Mann, der wenig von wahrer Liebe und gar nichts von Fröhlichkeit und Spaß verstanden hat. Marguerite fügte sich still und wacht erst langsam auf, als sie merkt, dass nun ihr Sohn über sie verfügen und bestimmen will. Als sie auf Marcel trifft, beginnt sich in ihr Hoffnung zu regen – Hoffnung darauf, dass es noch nicht zu spät ist, alles nachzuholen. Marcel ist das Gegenteil von Henri, Marguerites verstorbenem Mann. Er hat seine Frau Nora schon als Junge kennengelernt und beide waren glücklich und verliebt, bis Nora überraschend an einem Herzinfarkt verstorben ist. Die Trauer überwältigt Marcel fast, bis er auf einer Kur weit weg von zu Hause Marguerite begegnet, die nur ein paar Straßen weiter von ihm die ganze Zeit gelebt hat. Darf und kann man zweimal lieben?

Dieses Buch ist so erstaunlich leise, geht aber extrem tief unter die Haut und ins Herz. Mich hat Marguerites Schicksal sehr berührt und ich war entsetzt, wie Henri und Frédéric diese zarte, kleine Frau, die so voller Liebe steckt, behandelt haben. Gerade von ihrem Sohn hätte ich mehr erwartet. Dagegen das Leben von Marcel und Nora und ihrer Tochter Manou – das ist es, was man sich selbst und Marguerite von Herzen wünscht. Das Leben ist zu kurz, um auf wahre Liebe zu verzichten und zu lang, um ohne Humor und Fröhlichkeit, ohne Liebe zu sein.

Der Stil dieser wundervollen Geschichte ist schlicht, einfach, gerade und sehr leise. Abwechselnd wird aus Marguerites und Marcels Position aus erzählt. Kurz vor dem Ende wechseln diese Kapitel in eines in der Ich-Form und beide kommen direkt zur Rede. Danach folgen zwei Kapitel, in denen der Erzähler über allem schwebt und keine Position einnimmt. Das kannte ich so noch nicht, aber es hat eine enorme Wirkung.

Karine Lambert verwendet eine einfache, aber dennoch bildhafte Sprache. Ihr unaufgeregter Erzählton macht die Unterschiede der beiden Leben umso deutlicher. Die Geschichte entwickelt eine enorme Tiefe. Ohne viele Worte zieht die Autorin den Leser so tief in die Geschichte, als wäre er selbst daran beteiligt – und das wäre ich auch so gerne gewesen, denn diese beiden alten Leutchen habe ich ganz tief ins Herz geschlossen.

Wer einen Elternteil verloren hat, wird wie ich dieses Buch noch mal mit anderen Augen sehen und sich überlegen, wie er selbst handelt und was für beide – den lebenden und den verstorbenen Elternteil – wichtig war und wichtig ist. „Und jetzt lass uns tanzen“ ist ein kluges, tröstendes und Mut machendes Buch. Von mir bekommt es die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 03.03.2017

Italienische Küche für Anfänger und Könner

Simply Pasta, Pizza & Co.
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Kochbücher sind eine Leidenschaft von mir. Es ist unbeschreiblich, welche Unterschiede es da in der Qualität der Bücher (sowohl von der Verarbeitung, dem Material als auch der Rezepte) gibt. Julian Kutos ...

Kochbücher sind eine Leidenschaft von mir. Es ist unbeschreiblich, welche Unterschiede es da in der Qualität der Bücher (sowohl von der Verarbeitung, dem Material als auch der Rezepte) gibt. Julian Kutos hat mit dem Löwenzahn-Verlag ein tolles Vorzeigeexemplar geschaffen.

Hier finden sich vorab Tipps und Tricks und reichlich Infos rund um das Kochen, die italienische Küche, die Grundausstattung (an Utensilien und Zutaten), Geschmack und Gewürzen, Schnitttechnik und zum Essen passenden Getränken. Danach kommen Grundrezepte, Aperitivo, Pasta und Pizza & Co. Am Ende findet der Leser eine Auflistung der wichtigsten Kochbegriffe inklusive der „Übersetzung“ österreichischer Ausdrücke, Glossar, Bezugsquellen, Menüvorschläge (besonders interessant für Unentschlossene, unterteilt in diverse Kategorien), ein alphabetisches Rezeptregister und weitere Infos zu Julian Kutos.

Die Rezepte selbst sind sehr schön aufgebaut, wenn auch die Schriftgröße etwas klein ausgefallen ist. Die Zutatenlisten stehen links von der Zubereitungsanleitung. Auch Zeitangaben finden sich ganz oben über den Rezepten. Immer wieder finden sich zusätzliche Tipps, die in roter Schrift hervorgehoben sind. Zu jedem Gericht gibt es mindestens ein aussagekräftiges Foto, sehr oft auch Schritt-für-Schritt-Bilder – ich liebe es! Auch Fotos von Julian Kutos gibt es immer wieder mal. Oft können solche Bilder einen Eindruck von Arroganz erzeugen, doch dieser Koch ist super sympathisch und strahlt das auf den Fotos auch aus. Da fühlt man sich doch gleich in guten Händen!

Manche Zutaten sind etwas spezieller, doch im Allgemeinen kommen die Rezepte mit leicht erhältlichen und im normalen, gut sortierten Supermarkt zu findenden Zutaten aus. Allerdings ist Julian Kutos ein Fan des Fleur de Sel, das recht hochpreisig ist und über das sich bekannte Köche und Küchenchefs doch gern mal streiten. Macht aber nichts, alle Gerichte lassen sich auch mit normalem Salz (da hat ja jeder seinen eigenen Favoriten) zubereiten.

Wichtig ist: Die Rezepte sind für 4 Portionen ausgelegt, allerdings muss man dabei beachten, dass dabei bedacht ist, dass die Italiener im Allgemeinen mehrere Gänge zu sich nehmen und deshalb die Portionen etwas kleiner ausfallen. Hier ist es dann ratsam, die Mengen entsprechend anzupassen, wenn man einzelne Gerichte als alleinige Hauptspeise plant. Angaben zu den Kalorien finden sich keine – und das ist, wenn man die Zutaten betrachtet, auch besser so! Hier soll man genießen und nicht rechnen!

Das Lesebändchen wird viele erfreuen – mich ebenfalls. Dennoch markiere ich meine Lieblingsrezepte immer auch mit Pagemarkern, um sie schnell wieder zu finden. Das zuletzt zubereitete Gericht bekommt die zusätzliche Markierung mit dem Lesebändchen.

Die Bandbreite der Rezepte ist gut gewählt. Es findet sich für alle etwas – auch Vegetarier und Veganer kommen zum Zuge. Auch wenn man nicht alle Rezepte mag, liefert der Autor hier sehr viele gute Tipps und Tricks und hilft bei der Planung eines „italienischen Abends“ oder einfach für ein wenig Abwechslung auf dem Tisch. Alles, was ich ausprobiert habe, hat geklappt und geschmeckt. Besonders glücklich bin ich über den Pizzateig, der wunderbar geschmeidig ist und – vor allem im Backofen mit Pizzabackstein gebacken – so manche Pizzeria blass aussehen lässt. „Simply“ ist hier Programm: alles ist einfach und komplikationslos machbar.

Ich bin begeistert und gebe diesem Kochbuch einen Ehrenplatz in meiner Sammlung – und natürlich auch die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 03.03.2017

Vera und die Männer

Anfang 40 - Ende offen
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Vera freut sich darauf, an ihrem 46. Geburtstag (also gar nicht so Anfang 40) endlich geschieden zu werden. Sven, ihr Noch-Mann, hat sie mit einer Jüngeren betrogen und will mit dieser Frau neu anfangen. ...

Vera freut sich darauf, an ihrem 46. Geburtstag (also gar nicht so Anfang 40) endlich geschieden zu werden. Sven, ihr Noch-Mann, hat sie mit einer Jüngeren betrogen und will mit dieser Frau neu anfangen. Greta, ihre Tochter, macht gerade Abi und wird flügge. Also der ideale Zeitpunkt, komplett neu anzufangen, zumal ihre Agentur gerade richtig gut läuft und da ein schnuckeliger Typ ist, auf den Vera steht und der sie ordentlich anbaggert. Aber dann läuft es komplett anders – angefangen damit, dass Sven gar nicht erst zum Scheidungstermin kommt und auch eindeutig nicht vorhat, sich scheiden zu lassen …

Vera durchlebt eine ordentliche Midlife-Crisis, mit all den typischen Effekten: Hitzewallungen, Schlafstörungen, hektische Aktivitäten, Stimmungsschwankungen, Überdrehtheit und jeder Menge irrer Ideen. Das wäre noch okay, da Greta ihren eigenen Weg zu gehen weiß und Sven nichts mehr zu melden hat, aber Vera zieht immer wieder ihre Freundinnen und Pavel, den schwulen Wirt von „Müllers Büro“ in ihr Chaos mit hinein. Eine Katastrophe jagt die nächste und beim Lesen wird man ganz atemlos, weil Vera einem keine Sekunde zum Ausschnaufen gibt.

Dennoch mag ich Vera. Sie nervt, sie stresst – aber sie ist okay. Ihre Freundinnen mag ich aber ganz besonders, auch Greta. Ein Mädchen, wie man es sich zur Tochter wünschen würde (auch wenn sie dann im Laufe des Buches sozusagen einen Vera-Fehler macht). Pavel ist mein persönliches Äquivalent zu einem Café-Besitzer früherer Zeiten und so mag ich ihn ganz besonders gern. Und Paul, tja, der ist im Grunde mein Mann! Nur dass ich nicht ganz so anstrengend wie Vera bin.

Es gibt zwischen Vera und mir eine Parallele, die mir bei der Lektüre des Buches besonders Spaß gemacht hat: Paul ist 14 Jahre jünger als Vera. Ja, das verwirrt Frau und das muss sie erst einmal einsortieren und verarbeiten, das ist völlig normal. Dass Vera sich immer wieder im Kreis dreht, nervt gewaltig, ist aber verständlich, wie ich meine.

Leider ist das Buch am Anfang extrem witzig und wird dann etwas ruhiger in dieser Hinsicht, aber amüsant ist es durchweg. Sogar Sven, der in Sachen Nerven Vera in nichts nachsteht, hat seine guten und witzigen Seiten.

Insgesamt liest sich das Buch flott weg. Die Charaktere gefallen mir sehr, denn sie sind alle einzigartig und mit wenigen Strichen gut gezeichnet. An vielen Stellen kann ich Veras Launen tatsächlich nachvollziehen (auch wenn sie nerven) und deshalb denke ich, dass dieses Buch allen Mittvierzigern Mut macht, sich so jung zu fühlen, wie sie sind und nicht in eine Art Schockstarre zu verfallen. Zu schnulzig ist der Roman auch nicht und deshalb kann ich gerne vier Sterne geben.

Veröffentlicht am 25.02.2017

Wer ist Eric?

Schroders Schweigen
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Eric darf seine Tochter nur selten sehen und so gut wie nie alleine. So kommt es, dass ein Ausflug von Eric und Meadow ungeplant zu einer Entführung wird. Die Reise der beiden ist für Vater und Tochter ...

Eric darf seine Tochter nur selten sehen und so gut wie nie alleine. So kommt es, dass ein Ausflug von Eric und Meadow ungeplant zu einer Entführung wird. Die Reise der beiden ist für Vater und Tochter die schönste Zeit ihres Lebens, doch dann hat Meadow einen Asthmaanfall, aber keinen Inhalator mehr …

Die Geschichte erzählt Eric Kennedy – es ist eine Art Brief und Erklärung an das Gericht und seine Exfrau. Amity Gaige hat es geschafft, dass die absurdesten Aktionen einen Sinn bekommen und Fehlentscheidungen die volle Einverständnis des Zuhörers bekommen, obwohl man weiß, dass man Eric nicht unterstützen sollte. Dennoch ist in Erics Leben so viel schief gelaufen, dass er die Hilfe seiner Exfrau dringend benötigt hätte, ihr Verständnis und die Erlaubnis, die über alles geliebte Tochter viel öfter sehen zu dürfen. Die Entwicklung verschuldet somit auch Meadows Mutter zu weiten Teilen.

In allem, was Eric macht, steckt sehr viel Liebe. Auch wenn er selbst weiß, dass er falsch handelt und in seiner Kindheit und Jugend der Ausgangspunkt seiner jetzigen Situation liegt, versucht er verzweifelt, dem Gericht und seiner Frau – und somit dann auch seiner Tochter, wenn sie erwachsen ist – zu erklären, wieso er so und nicht anders handeln musste und konnte. Sein Anwalt hofft, dass er so die Strafe mildern kann. Eric Kennedy schreibt (spricht) und erklärt, warum Erik Schroder als Kind mit seinem Vater aus der DDR in die USA geflohen ist, seinen Nachnamen geändert hat, um es leichter zu haben, sich deshalb auch eine neue Identität erfunden hat und so lange geschwiegen hat.

Das Buch besticht durch eine Spannung, die ganz ohne Blut und Kriminalität (wenn man von dem ausufernden Ausflug mal absieht) auskommt. Zumindest in Bezug auf Kapitalverbrechen. Man kann kaum aufhören, will mehr und mehr erfahren und staunt, wie schnell man ans Ende kommt. Und dann … möchte man Eric und Meadow zurück, möchte weiter mit den beiden durch Amerika reisen und endlos Ferien machen. Ich jedenfalls kann mich sehr gut in Eric versetzen und ihn verstehen.

Es ist schade, dass dieses (Hör-)Buch in Deutschland so wenig beachtet wird, keine Werbetrommel gerührt wird und man als Leser/Hörer es zufällig entdecken muss. Trennungen – egal ob nun durch Mauern oder Scheidungen – haben immer Folgen. Und die sollte man niemals vergessen.

Hans-Werner Meyer hat dieses wunderbare Buch einfach perfekt eingelesen. Er hat niemals Frauenstimmen übertrieben dargestellt und auch Meadows Sätzen nicht zu viel Kindlichkeit gegeben, sondern einfach erzählt, was in seinen Augen zu all dem geführt hat. Dabei hat er sehr viel Wärme in der Stimme und lässt dem Zuhörer keinen Zweifel, wie sehr der Vater die Tochter liebt, wie sehr er sie glücklich wissen möchte. Perfekter hätte man den Sprecher gar nicht wählen können.

Für mich ein wunderbares Buch, das tief unter die Haut geht und sehr lange nachhallt. Gerne gebe ich die vollen fünf Sterne.