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Veröffentlicht am 31.10.2024

Gefühlswellen

Wohnverwandtschaften
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Constanze ist Zahnärztin, im mittleren Alter und trennt sich von ihrem Lebensgefährten. Übergangsweise zieht sie in die WG von Jörg, Murat und Anke, alle ebenfalls keine Studenten mehr, im Gegenteil. Jörg ...

Constanze ist Zahnärztin, im mittleren Alter und trennt sich von ihrem Lebensgefährten. Übergangsweise zieht sie in die WG von Jörg, Murat und Anke, alle ebenfalls keine Studenten mehr, im Gegenteil. Jörg ist Witwer, hat einen erwachsenen Sohn und wird immer vergesslicher. Murat liebt das Leben und das Lachen, was den anderen oft sehr gut tut, sie manchmal aber auch nervt. Anke ist Schauspielerin, seit Jahren ohne Engagement, und ein bisschen eifersüchtig, dass eine weitere Frau einzieht. Schnell merkt Constanze, dass ihr diese WG gut tut, mit all den unterschiedlichen Menschen, die so viel mehr, als eine Wohngemeinschaft sind. Sie sind Familie. Und so halten sie zusammen, so lange es geht.

Diese Geschichte ist so wunderbar, so einzigartig, so witzig und so traurig, so schön und so schrecklich, so liebevoll und so hart. Alles auf einmal, alles zusammen. Sie geht unter die Haut und an die Nieren, sie macht traurig, doch sie tröstet auch. Man kann so viel über den Umgang mit Demenz mitnehmen, aber auch, dass es kein Zeichen von Schwäche oder Versagen ist, wenn man Hilfe annimmt. Eine weitere Botschaft ist, dass man seine Träume verwirklichen soll und nicht auf die lange Bank schieben. Auch erzählt diese Geschichte von Liebe. Der Liebe zum Partner, der Liebe zu Freunden, der Liebe zum Leben. Sie erzählt vom Loslassen und dennoch nicht verlieren, auch wenn der Verlust dazugehört.

Isabel Bogdan hat vier wunderbare Figuren erschaffen, die man so gern im eigenen Leben hätte. Sie lässt sie alle ihre Gedanken offenlegen, in denen man sich selbst so leicht finden kann. Die Unterschiede schrumpfen also zusammen und die Gemeinsamkeiten werden deutlich. So individuell wir alle sind, haben wir doch alle einen gemeinsamen Nenner. Auch Jörgs Sohn Sebastian hat, fast schon in Abwesenheit, einen großen Part. Man kann so gut verstehen, dass er die Tatsachen nicht annehmen mag, dass er Jörg in seiner WG gut aufgehoben sieht und sein eigenes Leben mit seinem Sohn weit weg weiterleben mag, als sei nichts geschehen. Und so ist es im Grunde auch. Die Autorin schildert so sanft, aber klar, wie das Leben einfach weitergeht, obwohl es, wie die Zeit, einfach stehenbleiben müsste, damit man das aktuelle Drama erst mal begreifen und verarbeiten kann.

Jörgs Verhalten ist sehr authentisch dargestellt. Das Abstreiten, die Ausreden, die Erklärungen, sie sind so schonungslos, aber nicht übertrieben geschildert. Die Reaktionen der Mitbewohner darauf gleichen meinen eigenen. Und zumindest mir hat es geholfen, meine eigenen Gefühle, die ich während des Fortschreitens des Verfalls meines Vaters, der zwar die Symptome und leider auch Diagnose Alzheimer-Demenz hatte, aber einen Gehirntumor hatte, empfand, als normal anzunehmen und mir keine Schuld mehr zu geben.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Story entdeckt habe. Auch wenn sie mich traurig gemacht hat, hat sie mir auch Hoffnung und Freude gegeben. Das Sprecher-Ensemble hätte nicht besser ausgewählt werden können. Alle haben hör- und spürbar ebenfalls ganz viel Gefühl investiert. Ich bin begeistert und gebe sehr gerne die vollen fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Gefällt mir umwerfend gut!

Der längste Schlaf
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Mara Lux ist vor vielen Jahren nach London gezogen. Sie ist eine renommierte Forscherin, Fachgebiet Insomnia. Und doch kämpft ausgerechnet sie mit der schlimmsten Schlaflosigkeit. Die Angst vor ihren Träumen, ...

Mara Lux ist vor vielen Jahren nach London gezogen. Sie ist eine renommierte Forscherin, Fachgebiet Insomnia. Und doch kämpft ausgerechnet sie mit der schlimmsten Schlaflosigkeit. Die Angst vor ihren Träumen, die erschreckender Weise sehr oft in die Wirklichkeit zu schwappen scheinen. Ihre Aufenthalte in Deutschland begrenzen sich auf wenige Male im Jahr und dann auf die Besuche bei ihrer Freundin und Pflegeschwester Dixie. Als sie Post von einem Frankfurter Notar bekommt, könnte ihr Erstaunen nicht größer sein, denn er schreibt ihr, dass sie ein Herrenhaus in Deutschland geerbt hat. Sie kann es nicht glauben, da sie weder Familie noch Freunde hat. Aus Neugier fährt sie nach Limmerfeldt und stellt erstaunt fest, dass sie diesen Ort aus ihren Träumen kennt. Doch was sie im Laufe der nächsten Tage erlebt, übersteigt all ihre Erwartungen.

Der Schreibstil ist flüssig und die Geschehnisse sind stimmig in sich, auch wenn einige Vorkommnisse nicht rational erklärbar sind. Die Figuren mag ich sehr. Jede einzelne ist individuell gezeichnet und hat ihre Eigenarten, Stärken und Schwächen, Fehler und Besonderheiten. Die Nebenfiguren werden nicht mit so vielen Details ausgeschmückt, wie die Hauptfiguren. Das stellt klar heraus, wer wichtig ist und wer eher eine Statistenrolle hat. So muss man sich als Leser auch nicht zu viele Namen und Personen merken. Die Einschübe in einer anderen Schriftart geben anfangs Rätsel auf, doch irgendwann versteht man ihren Sinn und Zweck. Hier entsteht eine subtile Spannung, die gefangen nimmt. Aber wer auf einen Thriller hofft, der sollte sich das gleich mal abschminken. Nicht ohne Grund ist das Buch im Genre Roman angesiedelt, nicht im Thriller-Bereich.

Ein wenig Info zu Schlaf und Träumen ist in die Story mit eingewebt. Das ist stimmig und sinnvoll. Auch fand ich es recht interessant. Die Gefühle von Mara sind deutlich durch zu wenig Schlaf und dem, was sie in ihrem Leben schon durchgemacht hat, etwas durcheinander. Das hat die Autorin sehr schön dargestellt. Auch die Unsicherheit dieser Figur, was real und was Folge des Schlafmangels ist, kommt gut rüber.

Man muss sich schon auf ein wenig Mystik und Paranormales einlassen können, um dieses Buch so richtig genießen zu können. Mich hat es sehr begeistert und tatsächlich an den Stil von Stephen King erinnert. Hier wie dort finde ich das Ende nicht perfekt, den Weg dahin aber extrem gelungen. Mit diesem kleinen Abstrich kann ich bei King super leben, ohne Sterne abzuziehen, also ist es sicher kein Wunder, dass auch Melanie Raabes neuestes Werk von mir die vollen fünf Sterne bekommt.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Nordengland-Wanderung mit Nebeneffekt

Zwei in einem Leben
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Die selbständige Lektorin Marnie, Ende Dreißig, ist seit längerem Single und eigentlich damit zufrieden. Sie hat sich ein wenig eingeigelt in ihrer Londoner Wohnung. Der Erdkundelehrer Michael, Anfang ...

Die selbständige Lektorin Marnie, Ende Dreißig, ist seit längerem Single und eigentlich damit zufrieden. Sie hat sich ein wenig eingeigelt in ihrer Londoner Wohnung. Der Erdkundelehrer Michael, Anfang 40, kämpft mit den Spätfolgen seiner gescheiterten Ehe. Cleo ist stellvertretende Schulleiterin an Michaels Schule und hat einen kleinen Plan. Eine Wanderung von Küste zu Küste in Nordengland mit einer Gruppe netter Menschen, darunter auch sie, ihr Mann und ihr Sohn und eben Marnie und Michael soll die beiden ablenken und vielleicht auch zusammenbringen. Beide stimmen zu. Marnie plant, sich nach wenigen Tagen abzusetzen, Michael geht davon aus, dass er sowieso der einzige ist, der diese Tour wirklich durchzieht. Doch erstaunlicher Weise führen die Anstrengung der Wanderung und das typische englische Wetter neben großer Unlust dazu, dass zwar fast alle anderen schnell aufgeben, Marnie und Michael aber erkennen, dass sie sehr gut miteinander reden können und das Wandern trotz Anstrengung ihnen dabei hilft. Also hängt Marnie Tag für Tag einen Abschnitt an und bleibt – bis zu einem Punkt, an dem Michael es trotz aufkeimender Gefühle richtig verbockt.

Ich bin nicht die typische David Nicholls Leserin, doch hier fand ich die Buchbeschreibung interessant und deshalb habe ich mich auf das Abenteuer eingelassen. Und es hat sich absolut gelohnt! Der Autor schafft es, Marnie und Michael über Dinge reden zu lassen, die man fast alle schon so oder ähnlich selbst erlebt oder mitgemacht hat. Damit spricht er mit diesen zwei Figuren den Leser an, zieht sie auf ganz besondere Weise mit ins Geschehen und drückt den einen oder anderen Knopf, zieht hier einen Hebel und legt da einen Schalter um. Das funktioniert richtig gut, ohne zu nerven oder negativ zu sein. Selbst wer nicht wandert, versteht die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und warum diese Wanderung solch eine Wirkung hat. Die Story hat einen logischen, aber dennoch interessanten Verlauf. Ein klein wenig unzufrieden war ich mit der einen oder anderen Stelle gegen Ende. Hier reagierten beide nicht wirklich so, wie man sie während des Verlaufs der Wanderung einschätzt.

Diese Story behandelt aber auch Themen, die unter die Haut gehen. Empfindliche Gemüter werden hier ganz sicher getriggert, wenn sie einen tiefen unerfüllten Kinderwunsch haben oder in einer missbräuchlichen Beziehung leben oder lebten. Ich denke jedoch, dass hier aber auch ein klein wenig Hilfe, wie man damit umgehen kann oder soll, enthalten sein kann. Doch auch Humor findet sich in guter Portion und das ist sehr gut so. Marnie und Michael sind so unterschiedlich und doch passen sie perfekt zueinander. Ob sie es merken und wie sie damit umgehen, ist die andere Frage.

Die beiden Sprecher haben ein echtes Erlebnis aus der Story gemacht. Für mich kommen so die Gedanken und Gefühle der Figuren noch stärker rüber, als hatte nur eine Person das Buch eingelesen. Ich habe mich nie gelangweilt und die ganzen zehn Stunden Hörbuch rundum genossen. Es bleibt weiter nicht so ganz mein Genre, aber hin und wieder und in dieser Qualität macht das schon Spaß. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Auch nach fast vier Jahrzehnten hochaktuell und super gut!

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch - Das Hörspiel
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Beelzebub Irrwitzer droht die Pfändung, denn er hat sein mit seinem Namensvetter, also dem Teufel, vertraglich vereinbartes Soll an schrecklichen und bösen Taten im laufenden Jahr nicht erfüllt. Grund ...

Beelzebub Irrwitzer droht die Pfändung, denn er hat sein mit seinem Namensvetter, also dem Teufel, vertraglich vereinbartes Soll an schrecklichen und bösen Taten im laufenden Jahr nicht erfüllt. Grund dafür, wie er nicht weiß, ist sein Kater Maurizio. Dieser wurde vom Hohen Rat der Tiere als Agent in die Villa Albtraum eingeschleust. Beelezbubs Tante und Gönnerin, die Geldhexe Tyrannja Vamperl, geht es ganz ähnlich. Auch sie ist im Verzug. Bei ihr wurde der Rabe Jakob eingeschleust. Beide ahnen nichts davon, wissen allerdings, dass der jeweils andere die fehlende Hälfte des Rezepts für den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch hat, mit dessen Hilfe sie noch in letzter Sekunde mit Wünschen, die ins Gegenteil umgekehrt werden, alle Schulden begleichen könnten. So finden sie wohl oder über trotz aller Reibereien zusammen. Doch auch Maurizio und Jakob bleiben nicht untätig.

Diese Geschichte hat auch nach mehreren Jahrzehnten seit Erstveröffentlichung ihren ganz besonderen Zauber und ist kein bisschen verstaubt, sondern brandaktuell. Durch die hervorragende Wahl der Sprecher entstand hier ein zauberhaftes Hörspiel, das Groß und Klein gleichermaßen zu begeistern weiß. Die Sprecher haben Endes Figuren wunderbar lebendig werden lassen und ihre Eigenarten herausgestellt. Das Zusammenspiel ergibt die gewünschten Schmunzelmomente und für die Kids gibt es auch einiges zu gruseln. Die Melodien und Geräusche würzen das Ganze ausgezeichnet. Insgesamt macht es sehr großen Spaß, dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Selbst wenn man sie schon fast auswendig kennt, hat man hier noch große Freude.

Für mich ist dies eine sehr gelungene Neuauflage mit kleinen Anpassungen an die Gegenwart, an der auch Michael Ende seine Freude gehabt hätte. Ganz klare fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Giftmord in Marlow

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Der Bürgermeister von Marlow, Geoffrey Lushington, wurde mitten in der Stadtratssitzung mit Eisenhut vergiftet. Da sich die Damen sowieso nicht bremsen lassen, werden sie von der Polizei diesmal von Anfang ...

Der Bürgermeister von Marlow, Geoffrey Lushington, wurde mitten in der Stadtratssitzung mit Eisenhut vergiftet. Da sich die Damen sowieso nicht bremsen lassen, werden sie von der Polizei diesmal von Anfang an als offizielle Beraterinnen hinzugezogen. Das ist ein kluger Schachzug und stellt Judith, Suzie und Becks natürlich sehr zufrieden. Scheint der Kreis der Verdächtigen auch noch so groß, die Damen finden den Mörder! Oder die Mörderin? Ist Gift nicht das Mittel der Wahl bei Frauen? Der Mordclub wird es herausfinden.

Der Sprachstil ist recht einfach und direkt. Man könnte Thorogood unterstellen, dass er die mehr oder weniger älteren Damen für einfach gestrickt hält, doch dann würde man ihm Unrecht tun. Im Gegensatz zum Sprachstil sind die Damen nämlich durchaus gerissen und trickreich. Jede Menge Situationskomik steckt zudem in diesem Fall. Manchmal nervt es, wenn es zu viele Spuren gibt, die sich als falsch herausstellen. Hier aber ist es auf ganz eigene Weise stimmig und spaßig. Besonders der unbekannte Tippgeber bringt die Damen auf tollkühne Ideen.

Ein besonderer Genuss ist diesmal die Nebenstory mit Becks‘ Problemen mit der Schwiegermutter, die sich bei ihr einquartiert hat. Eigentlich würde sie ja perfekt in die Runde passen mit ihren Intrigen und kleinen oder weniger kleinen Gemeinheiten, die sie für Becks parat hat. Auf diese Ideen muss man erst einmal kommen!

Christine Prayon gefällt mir als Sprecherin außerordentlich gut. Sie gibt jeder der Damen eine eigene Stimme und schafft es, deren Charakter damit ganz klar und rein zu zeichnen. Schon allein das ist ein Grund, die Story zu mögen! Auch dass ich mich immer mal wieder an Agatha Raisin erinnert fühle, schmälert den Genuss nicht. Ich mag diese Cozy Crime Reihe und mit ist dieser Fall vier Sterne wert.

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