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Veröffentlicht am 20.07.2024

Flucht in den Schlaf

Anna O.
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Anna Ogilvy liegt seit der Nacht, in der man sie neben zwei Leichen fand, im Tiefschlaf. Ist sie die Mörderin, spielt sie ihre Krankheit nur oder steckt viel mehr hinter all dem? Ist jemand, der schlafwandelnd ...

Anna Ogilvy liegt seit der Nacht, in der man sie neben zwei Leichen fand, im Tiefschlaf. Ist sie die Mörderin, spielt sie ihre Krankheit nur oder steckt viel mehr hinter all dem? Ist jemand, der schlafwandelnd Verbrechen begeht, schuldfähig? Der Psychologe Dr. Benedict Prince ist Experte für Verbrechen, die im Schlaf begangen wurden. Er soll Anna O. wecken. Doch viele Augen sind auf ihn gerichtet und die Zeit wird knapp. Ben ahnt nicht, in welcher Gefahr er sich befindet.

Inwieweit Matthew Blake den Namen und Titel bewusst gewählt hat, weiß ich nicht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim als Patientin Anna O. von Josef Breuer und Sigmund Freud geführt. Sie war keine Schlafwandlerin, auch keine Mörderin und lag auch nicht im unerklärlichen Tiefschlaf, sondern litt unter der damals besonders bei Frauen gern diagnostizierten Hysterie. Mir scheint, ganz zufällig ist die Namenswahl dennoch nicht.

Gleich zu Anfang erfährt man von Bens Privatleben, seiner gescheiterten Ehe und seiner Tochter. Auch das Umfeld von Anna O. wird beschrieben, wie sie war, was sie machte und wie sie aufwuchs. Die Theorie über Schuld und Unschuld von Schlafwandlern, die Verbrechen begehen, ist schon interessant. Und die Vorstellung, dass jemand jahrelang im Tiefschlaf ist, gleich Dornröschen, ist für sich genommen schon erschreckend genug. Dem Koma gleich, dennoch anders, ein Dahindämmern und keiner weiß, wann dies endet, das ist für mich eine grausame Vorstellung. Dornröschen schläft, aber wieso und wie und wann kommt der Prinz, der sie wachküssen kann?

Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, sodass man von Anfang an das Gefühl hat, besser informiert zu sein und den Überblick zu haben. Doch Blake hat ein paar erstaunliche Twists eingebaut, die ich nicht habe kommen sehen. Trotzdem hat mich der Thriller insgesamt nicht ganz überzeugen können. Vielleicht war die Auflösung doch ein wenig zu drüber, zu theatralisch und realitätsfern. Trotz gut gemachter kurzer Kapitel und unterschiedlicher Perspektiven sind ein paar Längen vorgekommen, die im krassen Gegensatz zu den sich überschlagenden Ereignissen gegen Ende stehen. Das war auf gewisse Weise verwirrend und nicht mein Geschmack. Erschwerend kommt hinzu, dass mich keine einzige Figur soweit erreichen konnte, dass ich Sympathie für sie empfand. Mir waren irgendwie alle egal. Im Nachhinein gesehen gab es jede Menge Hinweise und Wortspiele, die auf das Ende hindeuten. Möglicherweise ist die Story aber auch einfach etwas überfrachtet mit gleichzeitiger unnötiger Aufblähung unwichtiger Szenen.

Die Sprecher für das Hörbuch sind sehr klug ausgewählt worden. Sie haben sehr viel dazu beigetragen, dass ich durchhalten konnte. In vielen Teilen war die Story wirklich fesselnd, in anderen aber dann zu abgedreht und konstruiert, sodass ich insgesamt nicht über drei Sterne komme. Gute Idee, aber nur semi-gut ausgearbeitet.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

So viel mehr als nur TK-Snacks!

Lieblingsrezepte aus deinem Airfryer
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Zunächst muss man sich mal vom Begriff der Heißluftfritteuse trennen. Diese Geräte haben mit Fritteusen wenig bis gar nichts zu tun. Es sind kleine Heißluftöfen und als solche machen sie einen großartigen ...

Zunächst muss man sich mal vom Begriff der Heißluftfritteuse trennen. Diese Geräte haben mit Fritteusen wenig bis gar nichts zu tun. Es sind kleine Heißluftöfen und als solche machen sie einen großartigen Job. Mit diesem Begriff fällt es sicher einigen leichter, die Vielfältigkeit der Gerichte, die man darin machen kann, zu erkennen. Ich nutze meinen kleinen Küchenhelfer super gern und auch tatsächlich nicht nur ein, zwei Mal im Jahr. Daher freue ich mich immer über neue Ideen und Rezepte, auch wenn ich selbst es liebe, einfach mal auszuprobieren, was noch so alles geht.

Die meisten Rezepte sind in der klassischen Form, also Zutatenliste und Arbeitsschritte. Bei einigen Varianten wird davon abgewichen und man findet die Zutaten im Text, wo sie fett hervorgehoben sind. Etwas ungewöhnlich, aber auch nicht ganz so schlecht. Rein vegetarische Rezepte finden sich neben Rezepten mit Fleisch. Vegane Rezepte sind nicht enthalten. Die Angaben zu Nährwerten pro Portion und Zeitangaben sind vorhanden. Exotische Zutaten werden nicht benötigt, aber das eine oder andere Zubehörteil, das nicht bei jedem Airfryer automatisch mit dabei ist.

Die Rezepte sind oft recht einfach, aber lecker und vor allem abwechslungsreich. Manche sind etwas aufwendiger, doch lohnt sich das allemal. Bei einigen Rezepten stört mich jedoch, dass zusätzlich noch Topf, Herd oder Pfanne benötigt werden. Eigentlich hatte ich erwartet, einfach nur mit einem einzigen Küchengerät, nämlich dem Airfryer, auszukommen.

Die Kapitel sind farblich erkennbar, und zwar Bits & Bites; Eat more Veggies; Fisch & Fleisch; Voll süß. Schon hier erkennt man, dass mit Spaß und Freude gekocht wird und für jeden etwas dabei sein sollte. Mich sprechen sehr viele der Rezepte an, einige erstaunen mich und insgesamt habe ich sehr viele neue Anregungen und fest übernommene Rezepte für mich gefunden. Gerne gebe ich daher vier Sterne!

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Das irische Mädchen und der amerikanische Ex-Cop

Feuerjagd
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Der Sommer in Ardnakelty in Irland ist unerträglich heiß. Die Farmer fürchten um ihre Ernten und die Nerven liegen blank. Trey ist 15 und nicht sehr begeistert, dass ihr Vater nach vier Jahren wieder ...

Der Sommer in Ardnakelty in Irland ist unerträglich heiß. Die Farmer fürchten um ihre Ernten und die Nerven liegen blank. Trey ist 15 und nicht sehr begeistert, dass ihr Vater nach vier Jahren wieder aufgetaucht ist. Sie hat sich mit dem Expolizisten Cal angefreundet und von ihm viel über das Schreinern gelernt. Der Fremde, den ihr Vater mitgebracht hat, bringt das Dorf in Aufruhr, ebenso seine Idee, mit ihm an das große Geld zu kommen. Trey spürt, dass Gefahr droht, und nutzt ihr Wissen auf ihre Weise.

Obwohl es nicht die Südstaaten sind, erinnert mich dieser Thriller an die Bücher von Joe R. Lansdale. Die Figuren sind ebenso lebendig und in unaussprechlichen Situationen, kämpfen sich gegen alle Widrigkeiten durchs Leben und sind dabei nicht zimperlich. French trägt keine Samthandschuhe, hat es aber auch nicht nötig, jede brutale Szene bis ins Detail zu beschreiben. Das Ungesagte ist bei ihr dennoch klar und deutlich vernehmbar. Wie Lansdale legt auch sie den Finger in die Wunde und zeigt Kritik an der Gesellschaft. Die Kraft dieses Thrillers ist umwerfend. Diese Autorin zeigt, dass Frauen mindestens so gut schreiben können, wie Männer. Auch Thriller!

Erst nach Beenden des Werkes wurde ich darauf aufmerksam, dass dies im Grunde ein zweiter Band ist. Das hat mich erstaunt, denn ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass mir Wissen fehlt, das für das Verständnis wichtig wäre. Die Figuren sind herrlich lebensecht angelegt, sodass sie vor meinem geistigen Auge sofort Form annahmen. So sehr ich viele davon mag, die Nervenenden zeigen immer an, vorsichtig zu bleiben und niemandem außer Cal volles Vertrauen zu schenken. Man spürt, dass jeder in der Gegend irgendetwas zu verbergen hat und weiß nie genau, wer ein falsches Spiel treibt. Das hält die Spannung natürlich durchweg hoch. Die Geschichte entwickelt sich in einem sehr angenehmen Tempo. Längen entstehen nicht. Die Story macht auf Anhieb süchtig und man will unbedingt dranbleiben, kann kaum aufhören. Das ist ohne Frage ein deutliches Indiz für hohe Qualität!

Das Niveau der Sprache ist den Figuren angepasst. Die Autorin hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und ein Auge für Details, die eine wichtige Rolle spielen, verliert sich aber darin nicht. Bei ihr braucht es keine Zufälle oder zurechtgebogene Geschehnisse, um Wendungen und Knalleffekte zu erzielen. Fast möchte ich sagen, der natürliche Verlauf der Ereignisse schafft das ganz von alleine. Man hat das Gefühl, das Dorf und die Dorfgemeinschaft so gut zu kennen, wie die eigene im realen Leben. So mag ich das und das wird dann eben auch mit fünf Sternen belohnt.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Hubert, Linda, Ewa und der Rest der Welt

Der Bademeister ohne Himmel
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Die 15jährige Linda möchte sich eigentlich das Leben nehmen, aber zwei Menschen halten sie davon ab, ohne es zu wissen. Das ist ihr einziger Freund, Kevin, der mit der Tatsache, dass die Welt zerstört ...

Die 15jährige Linda möchte sich eigentlich das Leben nehmen, aber zwei Menschen halten sie davon ab, ohne es zu wissen. Das ist ihr einziger Freund, Kevin, der mit der Tatsache, dass die Welt zerstört wird, nicht umgehen kann und Hubert, ein Bademeister im Ruhestand, Ende Achtzig, mit vorangeschrittener Demenz. Linda entlastet drei Mal die Woche nachmittags die polnische Pflegekraft Ewa. Ewa hat ein großes Herz, ist aber manchmal ein bisschen unsensibel, findet Linda, die Hubert lieber nicht sagt, dass seine Frau vor sieben Jahren gestorben ist, wenn er sie sucht, sondern erklärt, sie sei beim Einkauf. Der Teenager tut sowohl dem Patienten, als auch der Tochter und nicht zuletzt der Pflegerin gut mit der frischen, liebevollen und humorvollen Art. Doch die Zeit bleibt leider nicht stehen!

Petra Pellini ist hier ein so unsagbar wunderschönes Buch gelungen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Sie stellt hier zwei komplett gegensätzliche Leben gegenüber, deren Mittelachse eine polnische Pflegekraft mit ihrer ganz eigenen bewegenden Geschichte bildet. Drumherum kreist der Nachtfalter, die Tochter von Herbert, die nicht loslassen kann und will, dabei aber nicht selten herzloser wirkt, als sie tatsächlich ist. Das ganze Gebilde ist gleichzeitig fest und haltgebend, aber auch fragil und wackelig. Vor allem aber triggert es mich enorm. Doch empfinde ich es auf diese Weise als tröstlich, heilend und helfend. Dafür danke ich der Autorin aus allertiefstem Herzen!

Die Figuren sind wunderbar klar gezeichnet und in der Hörbuchversion gibt Marie-Isabel Walke jeder über die Erzählfigur Linda eine unfassbar gut gelungene Stimme. Besonders Ewa ist einfach entzückend dargestellt. Ich habe alle, einschließlich des Nachtfalters, ganz tief ins Herz geschlossen! Das Vergessen belastet natürlich alle sehr. Wie man damit umgehen kann, das lässt Pellini ihre Protagonistin Linda mit einer Kraft zeigen, die nur Teenager haben. Auch die Belastungen, die Pflegekräfte, die rund um die Uhr im Einsatz sind, haben, werden einfühlsam, aber deutlich, gezeigt. Das alles zusammen ergibt ein kleines Universum, das sich ständig neu formiert, aber insgesamt immer gleich bleibt.

Leider gerät dieses Universum aus der Bahn. Ohne zu viel zu verraten möchte ich sagen, dass ich nichts dagegen tun konnte, dass die Tränen liefen. Die Ereignisse überschlagen sich und kommen doch so, wie man es eigentlich schon kommen sah. Wie man mit dieser neuen Situation dann umgehen kann, zeigt Pellini mit ihren Romanfiguren auf ebenso realistische, wie wunderschöne Art. Es gibt kein Falsch, nur unterschiedliche Formen von richtig. Eine Aussage, die schöner nicht sein könnte.

Für mich eines der schönsten Bücher des Jahres und auf alle Fälle eines, das mich bewegt, die Seele zum Klingen bringt und in meinem Herzen bleibt. Fünf Sterne und eine herzliche Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Völlig anders als erwartet

Agatha Christie
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Dass mich hier keine echte Biographie erwartet, sondern ein Roman, der an die Biographie der Agatha Christie angelehnt ist, wusste ich. Dennoch hat mich das eine oder andere im Text dann doch irritiert, ...

Dass mich hier keine echte Biographie erwartet, sondern ein Roman, der an die Biographie der Agatha Christie angelehnt ist, wusste ich. Dennoch hat mich das eine oder andere im Text dann doch irritiert, da es stark von dem abweicht, was ich von Agatha Christie weiß. Das wurde noch zusätzlich verstärkt durch die mir nicht ganz einleuchtenden Zeitsprünge im Roman. Auch wenn ich irgendwann die immer mal wieder auftauchenden Längen nervig fand, war ich doch erstaunt, dass quasi mittendrin das Ende kam. Christie lebte bis 1976, die Story endet jedoch 1928, also eigentlich genau da, wo es endlich interessant und für sie persönlich schön wird.

Ich weiß nicht, wie es jemandem geht, der ganz ohne Vorkenntnisse an diese Story geht. Für mich ist sie jedenfalls sehr enttäuschend und unbefriedigend. Christies Jugend und die entsprechenden Gedanken bzw. auch Nicht-Gedanken nehmen mir zu viel Raum ein. Die Schriftstellerin kommt zu kurz. Auch wenn ich es unterhaltsam finde, wie sie mit Poirot und Jane Marple diskutiert, wie sie auf ihre Namen kam und wie die Figuren quasi aus dem Nichts langsam Gestalt annehmen, reißt es das Ruder nicht herum. Ich hatte mir Christies Leben als Roman erwartet, bis weit nach 1928, keinen Roman über ihre nicht sehr glückliche Jugend und erste Ehe.

Es mag an mir und meiner Erwartung liegen, doch für mich ist dies ein Roman, den ich lieber nicht genossen hätte. Eva Becker hat das Buch sehr gut eingelesen, konnte es aber ebenfalls nicht retten. Zwei Sterne.

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