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Veröffentlicht am 16.08.2022

Brot backen (lernen) – und kreativ werden!

Das große Brotbackbuch
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Es gibt jede Menge Brot-Backbücher, auch sehr gute und wirklich wunderbare Rezepte. Aber Christina Bauer stellt sie einfach alle in den Schatten! Sie ist nicht nur enorm sympathisch, sie transportiert ...

Es gibt jede Menge Brot-Backbücher, auch sehr gute und wirklich wunderbare Rezepte. Aber Christina Bauer stellt sie einfach alle in den Schatten! Sie ist nicht nur enorm sympathisch, sie transportiert ihre Leidenschaft für das Backen einfach optimal zum Leser. Auch erklärt sie alles so super gut, dass sogar ich es verstehe und umsetzen kann. Das will schon was heißen! Da dürfte es kein Wunder sein, dass ich ihre Bücher liebe und inzwischen wohl auch behaupten kann, sie zu sammeln. Kein einziges hat mich bisher enttäuscht, nichts wiederholt sich nervig (bis auf wirklich wichtige und informative Tipps, wie z.B. das Formen eines Zopfes), immer lerne ich dazu und erweitere mein eigenes Repertoire in der Backstube. Doch nicht nur ihre Rezepte, auch ihre Texte sind einzigartig. Man muss sie einfach mögen! Mir spricht sie auch immer wieder aus der Seele.

Das Buch legt nach der Einleitung von Christina an den Leser mit einem sehr nützlichen und informativen Theorie-Teil los. Hier erfährt man allerhand rund um Zutaten, Utensilien, Lagerung und Techniken. Das klingt langweilig, ist aber extrem spannend, vor allem ist es jedoch tatsächlich der Ausgangspunkt für ein gutes Gelingen! Der eine oder andere QR-Code ist mit eingestreut und führt zu Video-Tutorials. Ich persönlich mag das weniger, mir ist jedoch bewusst, dass dies in der heutigen Zeit fast schon ein Muss ist. Die Grundteige sind sehr schön beschrieben und der Sauerteig bekommt ein eigenes Kapitel. Ach, Christina erklärt das so wunderbar und dennoch werden der Sauerteig und ich einfach keine Freunde! Da ist wohl bei mir Hopfen und Malz verloren! Es finden sich auch Listen und Tabellen, um Zutaten zu ersetzen oder umzurechnen. Das ist geballtes Wissen, das man sich sonst nur sehr schwer selbst aneignen kann. Hier lässt es sich bequem jederzeit nachschlagen.

Natürlich ist auch hier das Highlight der Rezepte-Teil! Man sieht sofort, dass man ein Christina-Backbuch vor sich hat! Die Aufteilung und Gestaltung der Rezepte erkennt man sofort, man fühlt sich wohl und „zu Hause“! Die Arbeitsschritte sind verständlich erklärt und oft gibt es sogar eine passende „Fotostrecke“ dazu, immer aber ein Bild der fertigen Backware. Wie immer sind die Rezepte einfach gemein lecker und optisch verwöhnt Christina die Genießer ebenfalls. Sie bekommt die Backwaren natürlich wirklich perfekt geformt – aber irgendwann lerne ich das auch noch! Da der Geschmack immer himmlisch ist, stört auch eine etwas weniger schöne Form nicht beim Genuss.

Man will sofort loslegen und gleich alles ausprobieren, inklusive eigener Abwandlungen und Varianten. Bei den vielen Rezepten hat man da ganz schön zu tun und zu essen! Von Brot über Brötchen bis zu süßen Backwaren und deftigen Snacks, man schwelgt im Paradies und riecht den Duft schon beim Lesen! Und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit gibt es auch ein Kapitel zur Resteverwertung! Als Krönung findet sich dann noch eine Art „Pannenhilfe“ – dafür bin ich riesig dankbar. Glossar und Rezeptregister schließen das Buch dann ab. Die Anzahl an Rezepten ist überwältigend und ich wage zu behaupten, dass man Jahre benötigt, um alles, wirklich alles mal nachgebacken zu haben. Bisher hat mich noch kein Rezept enttäuscht und auch Gäste loben jedes Rezept. Mit diesem Christina-Buch liegt man wie immer genau richtig, wenn man gern backt und tolle Rezepte für Brote, Brötchen, Süßes und Pikantes sucht und experimentierfreudig ist. Die Schützenhilfe für das Austauschen und verändern von Zutaten und die Grundteige bieten die ideale Ausgangslage für eigene Kreationen.

Für mich rundum ein tolles Buch einer sehr sympathischen und energiereichen Frau. Die Fotos sind das Tüpfelchen auf dem i. Ganz klare fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

So backt jeder gern und vor allem superleckeres Brot (und mehr)!

Das einfachste Brot der Welt
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Backen ist eine Leidenschaft von mir und gerade Brot steht da ganz vorne. Darum bin ich immer sehr erfreut über Brotrezepte. Warum? Weil es manchmal einfacher ist, eine Torte zu zaubern, als ein leckeres ...

Backen ist eine Leidenschaft von mir und gerade Brot steht da ganz vorne. Darum bin ich immer sehr erfreut über Brotrezepte. Warum? Weil es manchmal einfacher ist, eine Torte zu zaubern, als ein leckeres Brot! Und weil es so viele Wege gibt, Brote zu backen. Und weil Brot einfach lecker schmeckt und schon beim Herstellen verzaubert. Und weil man öfter Brot als Torte isst. Tatsächlich gibt es auch super einfache Methoden, ein Brot zu backen. Axel Schmitt ist einer jener, die das Brotbacken für alle ermöglichen mit Rat und Tat und Tipps und Rezepten! Und das auf eine völlig neue, erfrischende Art, die die alte und die junge Generation zusammenbringt. Ich find’s toll!

Mir persönlich ist Axel Schmitt aus dem TV (Kabel1, Abenteuer Leben, „Backen in geil“) bekannt. Seine lockere Art kann ein bisschen nerven, ist aber hauptsächlich einfach nur erfrischend und verbannt gleich mal die Angst vor der Materie. Sauerteig wird wahrscheinlich dennoch nie mein Freund, aber bei den vielen Rezepten ohne Sauerteig ist das nicht ganz so schlimm.

Sehr schön finde ich, dass man hier ein Rundum-Paket bekommt. Es wird mit einem informativem Theorie-Teil begonnen, der Material und Techniken beschreibt und einen guten Überblick verschafft. Klar, das geht nicht ganz so tief und auch nicht in die Breite, aber man hat mehr als nur ein paar Grundlagenkenntnisse zusammen.

Dann geht es schon los mit den Rezepten – und einer Überraschung: Hier finden sich nicht nur Brotrezepte, sondern auch Rezepte für Kuchen und anderes Gebäck! Die Aufmachung der Rezepte ist übersichtlich und recht klassisch mit der Zutatenliste und den Arbeitsschritten. Gelegentlich finden sich zusätzliche Tipps und immer mal wieder auch QR-Codes zu Videoclips. Geduld ist hier gefragt, denn die Teige gehen fast ausnahmslos mindestens zehn Stunden im Kühlschrank. Und genau damit hat Axel mich „bekommen“, denn so gern ich spontan Brot backe, weiß ich schon längst, dass die „gebremste und langsame Gärung“ im Kühlschrank einfach die genialsten Ergebnisse hervorbringt. Also nicht abschrecken lassen, sondern freuen! Entschleunigt backen und genießen und vor allem nicht „einfach“ mit „schnell“ gleichsetzen.

Besonders witzig ist das Kapitel „Axel on fire – Der Ofen ist nicht die Grenze“. Hier möchte ich nur so viel verraten, dass die Ideen klasse sind, aber nicht unbedingt jeder davon begeistert sein wird. Vermutlich ist „Direkt vom Index: verboten gute Backwerke“ noch weniger für alle geeignet, aber ich liebe diese Rezepte! Sie sind so herrlich einzigartig, so anders, so erfrischend verrückt! Allerdings werden hier auch ein paar eher schwer zu beschaffende Zutaten verwendet. Ansonsten sollte man für fast jedes Rezept die Zutaten in jedem guten Supermarkt bekommen. Von super einfach bis zu Angebergebäck, über Zero-Waste bis außergewöhnliche Methoden, hier ist einfach alles vertreten und da mit einer Leidenschaft und einem Schwung, dass man schon beim Lesen mitgerissen wird.

Die Fotos – sowohl von den fertigen Backwaren als auch von Axel Schmitt – sind gern mal außergewöhnlich und oft mit einem kleinen Überraschungseffekt versehen. Ich habe mich köstlich über die Idee mit der doch recht ungewöhnlichen „Teigschüssel“ amüsiert. Man möchte in jedes Brot direkt reinbeißen und hofft, das eigene Ergebnis wird auch nur annähernd so schön. Manchmal ist die Formulierung ein wenig irreführend, aber da kann man dann mit Logik weiterkommen. Beispielsweise „Die Pizzen mit dem Backpapier auf den Pizzastein im heißen Ofen schieben und ca. 10 Min. backen.“ Damit ist mit Sicherheit nicht gemeint, dass alles zusammen auf den Pizzastein soll, sondern das Backpapier quasi die „Rutsche“ für den Pizzateig sein soll. Ich nutze hier meine Pizzaschaufel und befördere die Pizza so in den Ofen und wieder heraus.

Ja, man wird es bereits gemerkt haben – ich bin von diesem Buch total begeistert! Da kann ich auch drüber hinwegsehen, dass der eine oder andere Tipp an mir vorbeigeht, weil ich beim Backen einfach nicht mit Smartphone und/oder Tablet arbeiten möchte und deshalb die QR-Codes außer Acht lasse. Mir gefällt, dass hier Leidenschaft und Humor nicht zu kurz kommen und man einfach merkt, dass Backen und Brot Schmitts Passion sind. Das kommt beim Leser direkt an. Der Erfolg beim Backen beflügelt einfach und deshalb gebe ich fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 13.08.2022

Partner statt Herr und Hund

Das Geheimnis der Spiegelung
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Die Geschichte, wie Jochen Bendel „auf den Hund“ kam, wie sich das dann immer weiter entwickelte, ist schon mal schön zu lesen. Seine Ausführungen zum Thema Spiegelung gefallen mir ebenfalls sehr. Er schreibt, ...

Die Geschichte, wie Jochen Bendel „auf den Hund“ kam, wie sich das dann immer weiter entwickelte, ist schon mal schön zu lesen. Seine Ausführungen zum Thema Spiegelung gefallen mir ebenfalls sehr. Er schreibt, als würde er den Leser persönlich kennen. Dabei wirkt er sympathisch wie immer, kein bisschen überheblich, aber absolut „menschlich“. Dabei hat er eine wunderbar bildhafte Sprache, die ich aber an keiner Stelle übertrieben oder albern fand. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen!

Seine Tipps, seine Erklärungen, seine „Anleitungen“ – ich finde sie großartig. Da Bendel selbst sagt, dass nichts in Stein gemeißelt ist, man seinen eigenen Weg (mit kleinen Hilfen vom Hund und vom Bendel, sehr gerne!) finden soll, muss, kann, darf, fühlt man sich nicht belehrt. Dadurch kann man kaum aufhören zu lesen, zumal man immer und immer wieder „alte Bekannte“ trifft: man erkennt sich selbst, den eigenen Hund, das eigene Leben wieder.

Die Kapitel sind gut unterteilt, haben eine angenehme Länge. Sie sind informativ und regen zum Nachdenken an. Die vielen wundervollen Fotos lockern das Ganze noch zusätzlich auf und lassen uns ganz nah an den Autor und in sein Leben. Offen und sympathisch eben!

Die Kernaussage, die gleich am Anfang auftaucht, zieht sich durchs ganze Buch. Und wenn man das immer im Hinterkopf behält, ist quasi auf Anhieb das Zusammenleben mit dem Hund auf einem anderen, meiner Meinung nach gerechteren, Niveau: Jeder trägt sein Päckchen. Hund wie Mensch. Hund noch mehr, wenn er eine Vorgeschichte hat.

Was mir weniger gefällt, ist aber ein weitverbreitetes Phänomen. Ich mag die ach-so-herzigen Begriffe „Fellnase“, „Dosenöffner“ und „Regenbogenbrücke“ inzwischen einfach nicht mehr. Überstrapaziert und auch gar nicht nötig. Hier wird die „Fellnase“ nervig oft erwähnt.

Die Aufteilung des Buches ist gelungen. Zunächst erfährt man quasi eine Einführung, dann werden die MENSCHEN in Typen eingeteilt. Es gibt „Beispielsmensch-Hund-Paare“, Erklärungen, Erzählungen und einen Test. Danach gibt es eine kleine Typisierung, was die Wahl einer bestimmten Rasse über den Menschen verrät. Dabei ist klar, dass längst nicht alle Hunderassen auftauchen. Man findet deshalb auch eine relativ kleine Auswahl von 25 Rassen in diesem „Hundequartett“. Aber das ist so humorvoll und dennoch mit „wahrem Kern“, dass es ein echtes Highlight ist.

Kurz und gut – es lohnt sich auf alle Fälle, sich mit diesem Buch und vor allem der Thematik zu beschäftigen. Der Hund wird es danken! Ach, Jochen, wie könnte ich da weniger als die vollen fünf Sterne geben! Wer hätte gedacht, was aus dem „geborenen Ketchup-Experten“ mal werden wird!

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Veröffentlicht am 09.08.2022

Spannend von Anfang bis Ende

Das siebte Mädchen
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Chloë hat zu ihrem Vater keinen Kontakt mehr. Er sitzt seit 20 Jahren im Gefängnis, als Mörder verurteilt. Als Chloë damals eine Schatulle mit Schmuckstücken der verschwundenen Mädchen im Schrank der Eltern ...

Chloë hat zu ihrem Vater keinen Kontakt mehr. Er sitzt seit 20 Jahren im Gefängnis, als Mörder verurteilt. Als Chloë damals eine Schatulle mit Schmuckstücken der verschwundenen Mädchen im Schrank der Eltern fand, gestand ihr Vater die Morde. Die Leichen wurden nie gefunden. Chloë wurde Psychologin, um anderen Opfern zu helfen. Als eine Patientin von ihr verschwindet, kommt die Vergangenheit wieder hoch und Chloë stellt sich ihrem nie verarbeiteten Trauma.

Man ahnt ziemlich schnell, dass nicht alles so ist, wie es scheint, doch bis zum Schluss kommt man nicht wirklich auf die Lösung. Mir hat der Thriller durchweg sehr gut gefallen. Es gab keine Längen, keine zähen Passagen, selbst Chloës manchmal nicht ganz so logisches Verhalten war irgendwie in sich stimmig und ärgerte mich nicht wirklich. Ich konnte alles nachvollziehen. Selbst bei den ruhigeren Passagen ist immer ein gewisses Spannungslevel vorhanden. An keiner Stelle vergisst man, dass es ein Thriller ist. Aber im letzten Drittel ist es kaum möglich, eine Pause einzulegen – hier ist der Spannungsbogen enorm in die Höhe geschnellt und flacht kaum noch ab.

Die Indizien sind vielfältig, weit gestreut und immer wieder eindeutig, um dann doch in eine andere Richtung zu gehen, sich wieder zu drehen und zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Das ist genial und ausgezeichnet gut gemacht und hat mir wunderbar gefallen. In jedem Moment ist mir Chloë sehr sympathisch und ich möchte ihr helfen, ihr beistehen, sie schützen und mit ihr da durch.

Immer wieder kommt es zu Zeitsprüngen, weil Chloë sich an die Zeit als Zwölfjährige erinnert, die Parallelen zu den gegenwärtigen Fällen sieht und auch sucht. Dabei lernt man auch zu verstehen, warum Chloë selbst die bevorstehende Hochzeit nicht so richtig genießen kann, ihre Mutter so selten im Pflegeheim besucht und von Breaux Bridge nach Baton Rouge umgesiedelt ist. Durch die Ich-Perspektive wird man noch stärker involviert und verfällt dem Sog der Geschichte.

Aber nicht nur Chloë, auch die anderen Figuren wurden lebendig, so klar hat sie Stacy Willingham gezeichnet, ohne zu viele Worte dafür zu verschwenden. Personen und Orte glaubt man vor dem geistigen Auge klar zu erkennen und hat so nie Probleme mit der Orientierung. Das mag ich sehr und hilft mir, nahezu durch eine Geschichte zu fliegen und Zeit und Raum um mich herum zu vergessen.

Für alle Cover-Käufer – dieses Cover passt zum Original-Titel „A Flicker in the Dark“ viel besser. Aber so oder so, dieser Thriller ist packend ohne Ende. Karen Slaughter bringt es auf den Punkt. Ein super starkes, atemberaubendes und kluges Debüt, das sogleich Vorfreude auf weitere Werke dieser Autorin macht. Für mich einer der besten Thriller bisher in diesem Jahr. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 07.08.2022

Leicht verdientes Geld?

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. (Die Emer-Murphy-Serie 1)
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Lotte und Jens leben von ihrem Mama-Blog. Töchterchen Poppy ist quasi ihr Garant für die Einnahmen. Jens nimmt einen Drohbrief nicht so ernst, auch nicht die Fotos und das Stalken, doch Lotte hat Angst. ...

Lotte und Jens leben von ihrem Mama-Blog. Töchterchen Poppy ist quasi ihr Garant für die Einnahmen. Jens nimmt einen Drohbrief nicht so ernst, auch nicht die Fotos und das Stalken, doch Lotte hat Angst. Und das nicht zu Unrecht, wie sich bald herausstellt. Während sie mit Jens im Wellness-Urlaub den Hochzeitstag feiern soll, wird Poppy bei ihren Großeltern entführt. Lotte fühlt sich total alleingelassen von Mann und Schwiegereltern. Emer Murphy, eigentlich im Genesungsurlaub und psychisch stark angeschlagen, wird auf den Fall aufmerksam und bringt sich gegen alle Warnungen ein.

Schon der Klappentext hat bei mir Alarmglocken läuten lassen. Ich war mir sicher, das Buch wird ein paar Stellen haben, mit denen ich nicht so gut klarkomme. Diese Ahnung wurde auch bestätigt. Ich denke, der Verlag sollte dringend einige Triggerwarnungen an den Anfang setzen. Man muss gar nicht extrem zart besaitet sein, um auf die Beschreibungen diverser Handlungen zu reagieren. Mir war da wirklich einiges einfach zu viel.

Die Wendungen in der Story sind interessant und spannend gestaltet, dennoch hatte ich zwischendurch Mühe, bei der Geschichte zu bleiben. Ein paar Längen ließen mich hin und wieder den Faden verlieren. Die Auflösung ist erschreckend und war so nicht vorzusehen. Das Ende finde ich super gelungen und auf gewisse Weise versöhnlich. Insgesamt ist die Stimmung oft düster, was nicht zwingend am Thema liegt, sondern irgendwie typisch für nordische Thriller ist.

Dagegen finde ich es ein bisschen unglaubwürdig, wie Emer auf ihre Ideen kommt. Ihre „Hilfe“ lässt sich für mich nicht so ganz einordnen, ob nun Wahnvorstellung, Realität oder Übersinnliches. Insgesamt fand ich auch keinen Zugang zu den Figuren. Lotte war mir noch am Nächsten, aber dennoch war bis zum Schluss auch bei ihr eine gewisse Distanz. Da fällt es mir dann schwer, die Begeisterung zu empfinden, die ich beim Lesen brauche. Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Geister, seine Leichen im Keller. Das ist insgesamt ein bisschen too much geworden und von daher nur bedingt glaubwürdig. Gut, ist eine fiktive Geschichte und da muss nicht alles perfekt realistisch sein, aber … ja, eben, aber!

Die Gefahren des Internets, die negativen Seiten besonders der Anonymität, den Wahnsinn, alles „teilen“ zu müssen, das wird gut dargestellt, dennoch geht – trotz all der Trigger – nicht tief genug. Im Grunde werden zu viele Themen nur angeschnitten, sich nicht auf eines oder zwei fokussiert. Dadurch geht ein bisschen was verloren. Zudem befürchte ich, dass dies erst der Anfang war und es eine neue Reihe werden wird. Dennoch – ich wurde gut unterhalten, trotz Trigger und Schwächen. Dafür gebe ich trotz meiner Kritikpunkte vier Sterne. Und eine Warnung: es geht um mehr als nur ein sensibles Thema!

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