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Veröffentlicht am 10.08.2019

Zieht unserem Freibad nicht den Stöpsel!

Im Freibad
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Rosemary ist 86 Jahre alt und Veränderungen in ihrem Brixton machen ihr sehr zu schaffen. In ihrem Kopf muss sie ständig die gespeicherte Landkarte neu gestalten, weil nichts so bleibt, wie sie es kennt. ...

Rosemary ist 86 Jahre alt und Veränderungen in ihrem Brixton machen ihr sehr zu schaffen. In ihrem Kopf muss sie ständig die gespeicherte Landkarte neu gestalten, weil nichts so bleibt, wie sie es kennt. Jeden Morgen schwimmt sie im Schwimmbad – und genau das soll jetzt abgerissen werden. Kate ist jung, Anfang 20, neu in London und einsam. Sie berichtet für ihre Zeitung von diesem Schwimmbad und lernt dadurch Rosemary kennen. Obwohl sie sich nicht gern im Badeanzug zeigt, will sie zusammen mit ihrer neuen Freundin Rosemary alles tun, um das Schwimmbad zu retten. Denn sie erkennt, wie wichtig dieser Ort für die ganze Nachbarschaft ist.

Wahrscheinlich hat mich das Buch schon allein deshalb angezogen, weil ich selbst viel und leidenschaftlich gern schwimme. Nicht besonders gut, vielleicht ein bisschen wie Rosemary, aber immerhin. Würde man „mein“ Hallenfreibad schließen, würde man mir sehr weh tun. Ganz klar, dass ich von Anfang an Rosemary-Fan war.

Der Stil ist ruhig und sanft, aber kein bisschen langweilig. Die Gedanken und Gefühle der unterschiedlichen Figuren bringt Libby Page wunderbar auf den Punkt, ohne sich in allzu viele Details bei Beschreibungen zu verlieren. Sie setzt auf Gefühl, nicht auf Spannung. Bei mir funktioniert das wunderbar!

Die Rückblenden, Rosemarys Erinnerungen an ihre Kindheit und die Zeit mit ihrem Ehemann, sind sehr schön, fast heimelig, selbst die traurigeren Stellen. Hier hatte ich das Gefühl, ich erfahre Szenen aus der Jugend und Kindheit und Ehe einer lieben älteren Nachbarin, Verwandten, Oma. Da kann ich noch heute fasziniert lauschen.

Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein und immer mal wieder fragt man sich, welche von beiden denn nun die Ältere ist. Steckt in Rosemary doch noch so viel junge Frau und in Kate so viel gebremstes Leben.

Wie die beiden Frauen durch ihren Plan so vieles in ihren eigenen und anderen Leben ändern, ist wunderbar zu verfolgen. Nichts steht, alles verändert sich. Aber wie und auf welche Weise, das ist zauberhaft! Sie helfen sich gegenseitig bei ihrer Entwicklung. Dazu gehört auch ein bisschen Mut, es tut manchmal weh, es ist auch mal beängstigend – aber gemeinsam kann man mehr erreichen: Für das Schwimmbad und für sich selbst.

Es ist ein ruhiges Buch, aber ein starkes. Es lehrt den Leser, Dinge nicht nur mit den eigenen Augen zu sehen, sondern sich auch mal in die Position anderer zu denken. Nicht „was andere wohl von mir denken?“, sondern „wie würde ich das an Stelle von X oder Y sehen?“. Es zeigt, wie das Leben uns zu den Menschen führt, die wir brauchen. Es zeigt, wie wichtig Gemeinschaft ist. Deshalb bekommt es von mir die vollen fünf Sterne.

Ich liebe die Stimme von Cathlen Gawlich, auch wenn ich immer Dr. Linda Martin aus „Lucifer“ vor Augen habe, wenn ich sie höre. Aber auch mit diesem Bild ist die Stimme perfekt für diese Geschichte.

Veröffentlicht am 08.08.2019

Von Wölfen und Göttern

Im Wald der Wölfe (Jan-Römer-Krimi 4)
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Jan Römer, der eigentlich in seiner Waldhütte eine Auszeit nehmen wollte, wird durch die verstörte und blutende Hannah geradezu reaktiviert. Sie ist zwar angeblich nur beim Joggen gestürzt, aber ihre Geschichte ...

Jan Römer, der eigentlich in seiner Waldhütte eine Auszeit nehmen wollte, wird durch die verstörte und blutende Hannah geradezu reaktiviert. Sie ist zwar angeblich nur beim Joggen gestürzt, aber ihre Geschichte über eine unheimliche Mordserie und Brandzeichen fesselt ihn und lassen ihn nachforschen. Dann verschwindet Hannah und Jan weiß, dass es für ihn, Mütze und Arslan wieder etwas zu tun gibt. Doch wie gefährlich es diesmal für sie alle wird, das wird ihm zu spät bewusst …

Die Nachforschungen von Jan, die ihn in die Abgründe der DDR-Machenschaften führen, sind wie immer unkonventionell. Einige Aktionen von Jan finde ich schon reichlich unklug, aber es muss wohl alles so laufen und gewesen sein, um das gewünschte Ende zu erreichen. Dieses ist einerseits heftig, andererseits hat man sich das schon lange zum Teil so gewünscht. Ach, es ist schwer, hier nicht zu spoilern!

Wie immer, so gefallen mir auch hier wieder Arslans „Auftritte“ am besten. So sehr er die plattesten Klischees bedient, so gut gelungen ist diese Figur aber auch! Er ist extrem gut gelungen. So gut, dass ich tatsächlich in der Nacht nach Beendigung des Buches von ihm geträumt habe. Das ist für mich schon echt krass, das ist mir bisher noch nie passiert! Gleich nach Arslan mag ich Mütze sehr. Sie dürfte gerne mehr Raum und Wichtigkeit in den nächsten Bänden einnehmen. Jan ist klasse, ohne Zweifel, aber ohne Mütze und Arslan wäre er rettungslos aufgeschmissen, sind wir doch mal ehrlich.

Der Themenschwerpunkt DDR hat mich ein bisschen ermüdet. Vor allem wohl, weil mir zu deutlich der erhobene (moralische) Zeigefinger durch kam. Auch wurde zu viel zu oft wiederholt. Das kommt bei mir leider nicht so gut an. Auch bin ich bei der Thematik ein bisschen übersättigt, befürchte ich.

Der Schreibstil ist aber wieder gelungen und sehr gut und flott lesbar. Die Rückblenden bekommt Geschke wie immer gut hin und streut sie sehr passend ein. Der „Wolf“ oder „Gott“ entsetzt mich mehr, als ich geahnt hätte. Da kommt dann wieder deutlich heraus, wie gut und fast schon einfach Geschke den wunden Punkt des Lesers findet.

Möglicherweise hätte mir das Buch gelesen besser gefallen, als gehört. Die Vorgänger hatte ich gelesen. Der Sprecher Nils Nelleßen hat mir das Zuhören ein bisschen schwer gemacht. Für mich klingt er bzw. seine Art des Sprechens irgendwie arrogant, von oben herab, ganz anders, als ich Geschkes Bücher lese und „in mir höre“. Dadurch waren mir meine lieben, altbekannten Figuren teils fremd und nicht mehr so sympathisch, wie das in der Printversion ist. Schade! Das kostet hier leider einen Stern und so bleiben vier! Auf den nächsten Fall freue ich mich aber wieder schon seit dem letzten Wort!

Veröffentlicht am 06.08.2019

Typisch Lafer!

Johanns Küche
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Ein gutes Drittel des Buches besteht rein aus Informationen über Küchenutensilien, Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen. Wie viel davon für den Kochfan neu und wichtig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. ...

Ein gutes Drittel des Buches besteht rein aus Informationen über Küchenutensilien, Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen. Wie viel davon für den Kochfan neu und wichtig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich finde den Teil zu groß geraten. So viel Theorie muss nicht sein und hätte in einem dickeren Buch eher den passenden Platz.

In der Auflistung der Zutaten fehlt prinzipiell die Wassermenge. Die taucht im Text dann auf. Gut, man hat den Wasserhahn in der Küche, aber ich persönlich bevorzuge es, wenn wirklich alle Zutaten, auch das Wasser, untereinander ordentlich gelistet sind und ich alles vorrichten kann, ohne im Text Überraschungen zu finden oder suchen zu müssen.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind gut gemacht, aber eben irgendwie typisch Lafer: Fast, als würde er Selbstgespräche führen und einfach immer in der Annahme, der Leser weiß so viel, wie er selbst. Also meiner Meinung nach nichts für Anfänger!

Die Gerichte selbst sind mir dann doch zu abgehoben für „einfach und gut kochen“. Sie sind noch immer typisch Lafer, noch immer weit weg von schnell und einfach. Das ist per se nicht schlecht, aber eben nicht das, was ich mir versprochen hatte. Selbst die Fotos sind für meinen Geschmack kühl und gestylt. Das schafft in meinen Augen Distanz und das stößt mir ein bisschen auf.

Insgesamt ein tolles Buch, besonders für Lafer-Fans. Aber es hält eben nicht, was es verspricht. Es ist voll mit tollen Gerichten, aber in meinen Augen einfach nicht „alltagstauglich“. Deshalb von mir drei Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Brot-Weltreise

Wildbakers on Tour
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An mir geht ja so einiges vorbei – so leider auch die TV-Sendungen und Auftritte der beiden Bäcker. Gut, dass ich zumindest dieses Buch entdeckt habe (das erste … ja, genau, ging an mir vorbei). Brot selbst ...

An mir geht ja so einiges vorbei – so leider auch die TV-Sendungen und Auftritte der beiden Bäcker. Gut, dass ich zumindest dieses Buch entdeckt habe (das erste … ja, genau, ging an mir vorbei). Brot selbst backen ist genial und auch eine Herausforderung. Man weiß nie, wie es klappt, zu viele Faktoren spielen mit – nicht zuletzt auch das Wetter. Ich kann die beiden schon sehr gut verstehen, dass sie auf der Suche nach dem besten Brot sind. Bin ich ja auch, aber bequem von zu Hause aus.

Johannes Hirth und Jörg Schmid geben gleich zu Anfang eine Menge nützlicher Tipps zu Handhabung und Utensilien, die ich bisher noch in keinem meiner vielen Brotbackbücher gefunden habe. Schon beim Lesen macht es da „Aha!“ und das Umsetzen der Tipps ist einfach und unfassbar erfolgreich. Allein dafür schon ein dickes Dankeschön! Auch wenn ich kein Anfänger bin, sind für mich diese Tipps und Tricks echt Gold wert.

Die Rezepte selbst sind übersichtlich gestaltet und sehr gut erklärt – aber allesamt nix für eilige Bäcker! Hier braucht man Zeit! Dafür erhält man dann aber auch unfassbar leckere Backwaren. Meist sind die Mengen extrem großzügig bemessen, sodass man die Rezepte teils besser runterrechnet, wenn man nicht die halbe Nachbarschaft mitversorgen möchte. Beispielsweise gibt es ein Rezept für 20 Brezeln oder eins für 18 Seelen und auch die Brote sind meist sehr groß (gerne mal zwei Kilogramm).

Besonders Sauerteigfans werden mit diesem Buch auf ihre Kosten kommen. Die Mehrzahl der Rezepte wird mit Sauerteig gemacht. Für ein paar der Rezepte werden auch ausgefallene Zutaten benötigt. Dazu gibt es dann aber immer auch Bezugsquellen. Hier also ist gute Vorplanung nötig und spontanes Backen etwas schwierig. Doch ein paar einfachere Rezepte finden sich auch – und alle machen sie Appetit und Lust aufs Nachbacken!

Neben den Broten und Brötchen haben sich noch ein paar andere leckere Backwaren eingeschlichen, die ebenfalls sehr interessant und nachback-wert sind. Vom Guglhupf und Ofenschlupfer zu Apfelstrudel und Croissants – wer kann da schon widerstehen?

Insgesamt finde ich dieses Buch klasse, denke aber, es eignet sich nicht für Anfänger. Ein wenig Erfahrung ist meiner Meinung nach schon nötig. Das ist nicht dramatisch, sollte man vielleicht vor dem Kauf aber wissen.

Mich begeistert die kleine Brot-Weltreise und der Elan der Autoren. Sie sind gut drauf, wirken mit ihrer „Wildheit“ ansteckend und machen einfach gute Laune. Irgendwie liefern sie mit den Rezepten gleich Mut und Backlust mit! Von mir gibt es die vollen fünf Sterne für mein zweitliebstes (sorry!) Brotbackbuch!

Veröffentlicht am 03.08.2019

Rechtsmedizinerin Julia Schwarz

Mooresschwärze
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Rechtsmedizinerin Julia Schwarz gilt als Eislady. Niemand ahnt, dass sie selbst ein Trauma durchlebt hat und noch immer damit kämpft. Als sie im Moor zu einem Tatort gerufen wird, ist das erst der Anfang ...

Rechtsmedizinerin Julia Schwarz gilt als Eislady. Niemand ahnt, dass sie selbst ein Trauma durchlebt hat und noch immer damit kämpft. Als sie im Moor zu einem Tatort gerufen wird, ist das erst der Anfang einer Kette von Ereignissen, die vieles wieder hochholt. Das Verschwinden der Leiche stellt Julia vor ein Rätsel. Bei der Suche nach ihr findet sie jedoch eine andere Leiche und entdeckt, dass eine große Bedrohung rasche Ermittlungen erfordert …

Die Bücher von Catherine Shepherd sind für mich immer gerade so außer Reichweite der vollen Punkte. Immer fehlt etwas oder es ist etwas zu viel. Die Serie um Julia Schwarz startet etwas verhalten – aber warten wir mal ab, was die weiteren Bände so bringen.

Ein bisschen bitter stößt mir auf, dass die Rechtsmedizinerin wie die Ermittlerin Laura Kern aus einer anderen Serie der Autorin in der Kindheit ein Erlebnis hatte, das sie bis ins Jetzt prägt und eine Laufbahn im kriminalistischen Bereich ergreifen hat lassen. Das wird ein bisschen langweilig – vor allem, wenn auch hier von Band zu Band immer nur ein klein wenig mehr darüber erzählt wird. Klar, das soll Spannung aufbaue – bei mir schlägt das aber in Genervtheit um.

Die Charaktere sind gelungen, auch wenn sie teils wirklich überzogen und damit unrealistisch sind. Die Taten sind grausam und regelrecht krank (Ist Mord das nicht immer? Ich denke aber, man versteht, was ich meine.). Als Leser mit gesundem Menschenverstand kann man einfach keinen Sinn darin erkennen.

Die Perspektivwechsel sind gelungen. Hannahs Faden hält alles zusammen und erklärt so viel, wie der Leser wissen muss, um bei der Sache zu bleiben. Der Stil ist unaufgeregt und einfach, aber gerade das macht das Buch zur idealen Entspannungslektüre. Fesselnd und spannend, aber nicht so sehr anstrengend und gut genug, um abschalten zu können.

Mir ist wichtig, dass ich die Entwicklungen nachvollziehen kann und keine zu großen Wunder zur Lösung eines Thrilles führen. Man muss nachvollziehen können, was geschehen ist. Das wird mir hier gut geboten.

Svenja Pages hat ein weiteres Mal einen sehr guten Job gemacht und den Figuren gekonnt Leben eingehaucht. Man hört ihr gern zu und ihre Stimme passt zu Julias Part ebenso, wie zu dem von Hanna.

Grundsolide Unterhaltung, nicht perfekt, aber alles andere als Zeitverschwendung. Keine Weltliteratur, aber das verlange ich auch nicht von einem Thriller. Ich gebe vier Sterne.