Ein etwas anderes Jane Austen Retelling
Ivory and BoneIch habe mich besonders auf diesen Titel gefreut, da ich das Setting des Buches so interessant fand. Die Geschichte ist in der prähistorischen Zeit verortet und das zog mich wie magisch an. Dieser Punkt ...
Ich habe mich besonders auf diesen Titel gefreut, da ich das Setting des Buches so interessant fand. Die Geschichte ist in der prähistorischen Zeit verortet und das zog mich wie magisch an. Dieser Punkt gefiel mir auch während des Lesens sehr gut. Man merkte auf jeder Seite, wie viel Arbeit die Autorin in die Recherche gesteckt hat und dementsprechend gut ist das Buch folglich auch. Über kleine Dinge im Sprachgebrauch bin ich durch mein Linguistikstudium gestolpert aber die sind kaum der Rede wert und es ist völlig klar, dass man nicht alles historisch perfekt umsetzen kann, wenn man an einem Jugendbuch arbeitet.
Was direkt ins Auge springt, wenn man beginnt das Buch zu lesen, ist der außergewöhnliche Schreibstil verbunden mit einer interessanten Perspektive. Im Prolog erfahren wir, dass Mya verletzt in einer Höhle liegt und Kol bei ihr ist. Er will verhindern, dass sie das Bewusstsein verliert und beginnt so, die Geschichte der beiden seit ihrem ersten Zusammentreffen zu erzählen. Das alles wird aus Kols Perspektive erzählt und im Folgenden spricht er Mya und somit indirekt den Leser mit Du an. Das war zu Beginn sehr ungewöhnlich und anfangs auch sehr störend, denn wir erfahren alles aus Kols Sicht, können uns zeitgleich aber nicht in ihn hineinversetzen, weil wir Mya sind und das ist für einen Roman doch eine eher ungewöhnliche Kombination. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich allerdings an den Schreibstil und selbst, wenn ich mich bis zum Schluss nicht ganz daran gewöhnen konnte, bleibt er doch stilistisch außergewöhnlich.
Bei der Geschichte selbst viel mir sehr schnell ein Aspekt auf, der mir vorher nicht bewusst war. Bei Ivory & Bone handelt es sich um ein Stolz & Vorurteil Retelling, das die gesamte Geschichte zwischen Elizabeth und Mr. Darcy nicht nur in die prähistorische Zeit versetzt sondern auch die Rollen vertauscht. Kol ist in Elizabeths Situation während Mya Mr. Darcy verköpert. Manchmal weicht die Geschichte stark vom Original ab, manchmal meint man jedoch sogar Zitate zu erkennen, insgesamt wurde die Geschichte von Jule Eshbaugh aber perfekt in die Zeit eingebettet und überzeugt zudem mit Details, die eine ganz neue Geschichte entstehen lassen. In diesem Zusammenhang finde ich sdie Bedeutung des Titels Ivory & Bone auch sehr schön. Was es mit diesem auf sich hat, erfahrt ihr jedoch erst, wenn ihr selbst zum Buch greift.
Fazit: Ivory & Bone ist nicht nur ein sehr gut gelungenes Stolz & Vorurteil Retelling. Es spielt in der prähistorischen Zeit und bekommt dadurch nicht nur seinen eigenen Charme und Widererkennungswert sondern wurde auch sehr gut recherchiert und man spürt förmlich die Arbeit, die im Buch steckt. Einzig mit dem Schreibstil, insbesondere der Perspektive, konnte ich mich während des gesamten Lesens nicht besonders anfreunden. Hier wäre mir ein klassischer Stil lieber gewesen.