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Veröffentlicht am 06.01.2025

Nette kurze Geschichte, gespickt mit Lebensweisheiten und einer fast unerwarteten Wendung zum Schluss

Tee auf Windsor Castle
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Der Zufall will es, dass sich Kate bei einer Führung auf Windsor Castle verläuft und in der Teeküche einer netten alten Dame landet. Betty, wie sich selbst vorstellt, serviert erst einmal eine Tasse Tee. ...

Der Zufall will es, dass sich Kate bei einer Führung auf Windsor Castle verläuft und in der Teeküche einer netten alten Dame landet. Betty, wie sich selbst vorstellt, serviert erst einmal eine Tasse Tee. Die beiden kommen ins Gespräch, die Stunden fließen nur so dahin. Und da sich die beiden ungleichen Frauen so sympathisch sind, verbringen sie noch einige Zeit miteinander.
Gespickt mit allerlei Lebensweisheiten der betagten Betty, ist diese Geschichte ein netter Zeitvertreib und erinnert irgendwie an „Das Cafe am Rande der Welt“ – nur eben auf britisch.
Die Aufmachung des Buches ist wunderhübsch. Ich kann es mir als nettes Gastgeschenk für Fans der Royals vorstellen. Das Buchregal wertet es mit seiner Goldprägung jedenfalls sehr auf.
Unterm Strich ist dieser Roman eine nette Geschichte, aber dennoch nicht so hinreißend, wie ich erwartet hätte.
Und Spoilerwarnung:
Das Zitat auf dem hinteren Buchdeckel fällt unter „Spoiler“ und ist in meinen Augen leider unangemessen.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein Buch voller Ungereimtheiten

Tage einer Hexe
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In „Tage einer Hexe“ entführt die in Bulgarien geborene Schriftstellerin Genoveva Dimova ihre Leserinnen und Leser in eine Welt voller Hexen, Monster und dunkler Magie. Geteilt durch eine Mauer, bilden ...

In „Tage einer Hexe“ entführt die in Bulgarien geborene Schriftstellerin Genoveva Dimova ihre Leserinnen und Leser in eine Welt voller Hexen, Monster und dunkler Magie. Geteilt durch eine Mauer, bilden die Städte Chernograd und Belograd die Schauplätze dieser Geschichte.
Die Handlung beginnt in der Neujahrsnacht in Chernograd, dem Beginn der zwölf sogenannten „Schmutzigen Tage“. Die Handlung des Buches erstreckt sich über besagten Zeitraum.

Obgleich der Beginn des Buches sehr plastisch beschrieben wird, fällt es dennoch schwer, sich in dieser fantastisch konstruierten Welt zurechtzufinden, weil es viele Ungereimtheiten gibt.

Dimova zeichnet ein düsteres Bild von Chernograd, das von Armut, dunklen Gestalten und Monstern gebrandmarkt ist. Die Abwesenheit von Farben erzeugt eine gewisse Trostlosigkeit. Im Gegensatz dazu scheinen die Menschen im schillernd bunten Belograd fern der Armut zu leben, was wohl vor allem Korruption und fragwürdigen finanziellen Einnahmequellen geschuldet ist. Die Einwohner Belograds sind stolz auf ihre Mauer, die sie von der Düsternis Chernograds separiert. Das hindert sie aber offenbar nicht daran, Waren von der anderen Seite der Mauer zu schmuggeln. Seien es Magie, Kosmetika, Medikamente – die Belograder scheinen ganz verrückt nach Erzeugnissen der anderen Seite zu sein.

Enervierende Ungereimtheiten gleich zu Beginn:
Chernograd ist düster, farblos, kalt, es ist tiefster Winter in dieser Neujahrsnacht - Armut, Angst und Trostlosigkeit überall.
Als es Kosara gelingt, auf S. 37 mit verbundenen Augen über die Mauer nach Belograd zu kommen, steht da folgendes geschrieben: „Eine warme Brise blies ihr ins Gesicht. Es roch nach fremden Gewürzen und exotischen Blumen, nach fernen Winden und nach salzigem Meer.“ Man möchte meinen, in Belograd herrschen mildere Temperaturen als im kalten, trostlosen Chernograd. Doch nur 5 Seiten weiter zittert Kosara vor Kälte.
Auf S. 107 riecht es nach frisch gemähtem Gras und nahendem Regen – auf S. 125 tanzen Schneeflocken durch den Wind. Von aufwendigem Worldbuilding kann also keine Rede sein.
Es ließen sich etliche weitere solcher Widersprüchlichkeiten aufzählen – das würde diese Rezension aber sprengen.

Der Erzählstil ist nicht ausgereift – wobei sich ganz klar feststellen lässt, dass dies dem Übersetzungsduo Wieland Freund und Andrea Wandel geschuldet ist. Ganze Absätze schillern nur so vor Wortmagie – in anderen werden die Worte irgendwie sperrig, schlimmer noch – es wird Umgangssprache angewandt. Sätze wie „Warum bist du wirklich über die Mauer?“ (S. 67) mindern die Qualität der Geschichte. Wohingegen sich der Sinn von Sätzen wie „Wobei – wenn Sie jetzt so drüber nachdachte, hatte er mit dem Lassen-Sie-die-Hände ein bisschen überzogen.“ (S. 123) auch nach mehrmaligem Lesen nicht erschließt.

Optisch macht die Erstauflage von „Tage einer Hexe“ zweifelsohne eine Menge her. Schutzumschlag, Farbschnitt und Kapitalband sind ganz hervorragend aufeinander abgestimmt. Offenbar schenkt das Verlagswesen der Optik eines Buches heute mehr Aufmerksamkeit als dem Inhalt.

Wer einen Eyecatcher für sein Bücherregal braucht, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Wer Ausschau hält nach unterhaltsamer Lektüre, der suche bitte weiter.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Diese Geschichte lässt Herzwurzeln wachsen

Als wir im Schnee Blumen pflückten
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Das Debüt der schwedischen Schriftstellerin Tina Harnesk, die selbst samische Wurzeln hat, ist so viel mehr als nur ein Roman.

Verwoben mit Begebenheiten ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Harnesk ...

Das Debüt der schwedischen Schriftstellerin Tina Harnesk, die selbst samische Wurzeln hat, ist so viel mehr als nur ein Roman.

Verwoben mit Begebenheiten ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Harnesk in „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ die Geschichte des fiktiven alten Sami-Ehepaares Mariddja und Biera.
Beide am Ende ihres Lebens angelangt, stellen sie sich des dunkelsten Kapitels ihres Lebens. Und das ist nicht die Vertreibung aus der Heimat, als Landesgrenzen gezogen und Land zu Besitz und Eigentum erklärt oder große Ungerechtigkeit an der samischen Bevölkerung verübt wurden – es ist der Verlust ihres Neffen Heaika-Joná, den sie wie einen Sohn umsorgt und geliebt haben und der ihnen eines Tages von seiner eigenen Mutter entrissen wurde.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und wird fortlaufend aus verschiedenen Perspektiven erzählt. In Rückblicken erfährt man ganz allmählich die Zusammenhänge und vor allem Beweggründe aller Protagonisten.
Das Buch handelt von Herzwurzeln, Heimat und Vertreibung. Vom Lauf des Lebens und seinen harten Prüfungen. Ein Buch, so schmerzlich schön, dass man es nicht mal eben so weglesen kann. Die Geschichte will tief in ihre Leser einsinken, wie die Schneeschmelze nach einem harten, langen, dunklen Winter in die sich erwärmende Erde einsinken und sie fruchtbar machen will.
Es gibt dutzende Sätze, die in ihrer Schönheit so formvollendet sind, dass man sie am liebsten kosten, schmecken und inhalieren möchte. Kurze Ausflüge in die samische Gedankenwelt lassen den Leser immer wieder innehalten, um simple Wahrheiten in ihrer Tiefe wirken zu lassen.

Einzig der deutsche Titel von “Folk som sår i snö“ ist wohl ein wenig misslungen. Zwar erregt „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ zweifellos Aufmerksamkeit, dennoch impliziert der Titel nicht das, was die Autorin ursprünglich damit ausdrücken wollte.

„Als wir im Schnee Blumen pflückten“ ist insgesamt dennoch etwas ganz Besonderes und entzieht sich deshalb konventioneller Bewertungsrichtlinien. Die ganze Geschichte wirkt auf einer viel tieferen Ebene als der des Verstandes. Mag sie auch an manchen Stellen etwas langatmig sein – sie lässt Herzwurzeln wachsen, und das ist eben pure Magie!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Authentischer Bericht einer lange missverstandenen jungen Frau

Strong Female Character
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„Strong Female Character“ ist die authentische und aufrichtige Autobiografie der schottischen Stand-up-Comedienne, Podcasterin und Schriftstellerin Fern Brady.

Fern bekam erst mit 34 Jahren ihre offizielle ...

„Strong Female Character“ ist die authentische und aufrichtige Autobiografie der schottischen Stand-up-Comedienne, Podcasterin und Schriftstellerin Fern Brady.

Fern bekam erst mit 34 Jahren ihre offizielle Diagnose als Asperger-Autistin. Ihr Leben bis dahin war geprägt von Gewalt und Gewaltausbrüchen, von Ablehnung und Unverständnis.

Sie rechnet in diesem Buch mit ihrer eigenen Vergangenheit ab und klärt dabei schonungslos über die inneren Mechanismen von Asperger-Autismus auf. Das kann für Menschen, die sich nicht im Autismus-Spektrum bewegen, äußerst abstoßend wirken.
Sicher ist, dass dieses Buch polarisieren wird – ebenso wie Autisten polarisieren, weil es in der Bevölkerung noch zu wenig Verständnis dafür gibt.

Für nicht diagnostizierte Menschen, hier vor allem Frauen, dürfte dieses Buch jedoch ein Befreiungsschlag sein. Fern spricht aus, was man „nicht laut sagt“.
Nicht diagnostizierte Menschen lehnen sich selbst oft für ihre Verhalten- und Denkmuster ab, weil sie vom Außen oft Ablehnung und Unverständnis für ihr Wesen erfahren haben – und weil sie sich oft selbst nicht verstehen. Hier allerdings könnte der ein oder andere endlich ein gewisses Verständnis für sich selbst entdecken und den Mut finden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein extrem persönliches, aufrichtiges Buch - lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Geschichten aus dem Alten Leipzig

Die Lungenschwimmprobe
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2018 stieß Tore Renberg, einer der erfolgreichsten Schriftsteller Norwegens, durch Zufall auf Johannes Schreyer und die Lungenschwimmprobe. Sein Interesse war geweckt. Fast sechs Jahre recherchierte er ...

2018 stieß Tore Renberg, einer der erfolgreichsten Schriftsteller Norwegens, durch Zufall auf Johannes Schreyer und die Lungenschwimmprobe. Sein Interesse war geweckt. Fast sechs Jahre recherchierte er fortan für den vorliegenden Roman, der ein wichtiges Zeitzeugnis mitteldeutscher Geschichte darstellt.

Die fünfzehnjährige Gutsbesitzer-Tochter Anna Voigt gebiert ein totes Kind. Es ist das Jahr 1681 und die Zeichen stehen schlecht für unverheiratete Frauen, die tote Kinder zur Welt bringen – noch dazu im stillen Kämmerlein.
Der Vorfall bleibt nicht unbemerkt und gewinnt schnell an Brisanz. Es braucht einen erfahrenen Doktor, der den Leichnam untersucht und die abscheuliche Kindsmörderin überführt. Johannes Schreyer aus Zeitz nimmt sich dieses Falles an und wagt, was bisher kaum einer vor ihm gewagt hat – er führt eine Lungenschwimmprobe durch und weist damit nach, dass Annas Kind tot zur Welt kam.
Doch das 17. Jahrhundert ist düster – die Hexenverfolgungen fanden gerade erst ein jähes Ende und der Femizid war nach wie vor präsent, der Zeitgeist intolerant. Dieses medizinische Experiment, von dem der belesene Doktor Schreyer erst kürzlich erfahren hat und das selbst in Fachkreisen noch gänzlich unbekannt ist, findet wenig Anklang bei der Obrigkeit.
Zur Verteidigung der jungen Voigtin braucht es einen ambitionierten Anwalt - Christian Thomasius aus Leipzig. Was auf den ersten Blick wie ein klarer Fall erscheinen mag, wird sich über Jahre hinziehen und den Zorn der Obrigkeit entfesseln.

„Die Lungenschwimmprobe“ ist harte Kost – sie verlangt ihren Leserinnen und Lesern einiges an Geduld ab – doch die wird belohnt.
Renberg scheint sich im Verlauf des Buches in Belanglosigkeiten zu verirren, doch nach etwa 200 Seiten wird deutlich, wie akribisch er für diese Geschichte recherchiert hat und dass er mit seinen Ausführlichkeiten eben nicht nur einen historischen Roman zum Fall Anna Voigt vorlegt, sondern viel mehr ein unglaublich wichtiges und interessantes Zeitdokument des barocken Leipzig. Kenner der Stadt werden schon alleine schon wegen der ausführlichen Beschreibungen ihnen wohlbekannter Orte der Innenstadt ihre helle Freude haben.
Man geht aus diesem Buch zweifellos klüger hervor, mit einem völlig neuen Blick auf die Welt.

Eine wertvolle Leseempfehlung!

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