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Veröffentlicht am 05.03.2025

Verschleimt und hingerotzt

Ungeheuer schleimig (Band 2)
1

Hingerotzt haben die Autorin Sonja Kaiblinger und ihr Illustrator wahrlich nichts!
In Band 2 von UNGEHEUER SCHLEIMIG wird die Leselust kleiner Erst-und Anfangsleser auf vortreffliche Art befeuert.

Auch ...

Hingerotzt haben die Autorin Sonja Kaiblinger und ihr Illustrator wahrlich nichts!
In Band 2 von UNGEHEUER SCHLEIMIG wird die Leselust kleiner Erst-und Anfangsleser auf vortreffliche Art befeuert.

Auch ohne Kenntnis des ersten Bandes macht man beim Öffnen des Buches gleich Bekanntschaft mit den Protagonisten und eine abenteuerliche, spannende wie auch humorvolle und herzerwärmende Lesereise kann beginnen.

Das kleine , lilafarbene Monster ist krank, schleimig und verrotzt. Es braucht dringend Monstermedizin.
Darum begibt sich der 10 -jährige Ludwig, der Finder des Monsters, als Praktikant in das Institut, in dem es erschaffen wurde,
Keine leichte Aufgabe für den Jungen, da er um das Risiko weiß, denn sein kleines Findelmonster aus der Mülltonne entstammt aus einem Laborfehler und die Wissenschaftler sind hinter ihm her. Auch Penelope, die Tochter des Professors, macht ihm das Leben anfangs nicht leicht.
Da ist doch seine kleine Schwester Carla eine verlässliche Verbündete, sie kümmert sich währenddessen nämlich liebevoll um den kleinen rotzenden und schleimenden Monsterpatienten.

Ein Lesespaß sowohl für junge Selbstleser als auch für ältere oder erwachsene Vorleser. Denn diese werden hierbei sicher nicht müde.
Spannung, Slapstick, herzerwärmend Zwischenmenschliches und monstermäßiges Chaos in einem. Es wird nie langweilig. Spannende Erfahrungen, dubiose Wissenschaften und der Wert verlässlicher Freunde bzw. Geschwister werden in spannendem und humorvollen Kontext verdeutlicht und das Geschwisterpaar bietet der Zielgruppe viele Identifikationsmöglichkeiten.

Ein tolles Harcover, das beim jungen Leser gut in der Hand liegt, ein Lesebändchen, um den kindlichen‘ Leseüberblick zu behalten, eine altersentsprechende Textgröße sowie Satz-und auch Kapitellänge sind lesedidaktisch wertvolle und motivierende Komponenten. Eine flotte Geschichte für Kinder oder auch für die ganze Familie.

Als zusätzliche Verstärker gibt es noch das farblich nicht zu bunte, jedoch sehr einprägsame Cover sowie die liebevollen comicähnlichen Illustrationen.
Die niedlichen Illustrationen der Seitenzahlen motivieren auch Lesemuffel enorm und für Kinder bieten auch die Bastelanleitung und der Aufsteller einen echten Mehrwert und zusätzliche Leseanimation.

Der Autorin und ihrem Team gelingt es vortrefflich, die Zielgruppe anzusprechen und in ihren Bann zu ziehen.
Eine Fortsetzung wäre durchaus wünschenswert.

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Unter Wasser oder über Wasser - ins Leben eintauchen oder abtauchen?

Gute Gründe
3

Ihren Roman ,Gute Gründe‘ beginnt und beendet Nadine J.Cohen mit Yael, einer Frau Anfang Dreißig, und einem wunderschönen Frauenschwimmbad. Ins Wasser springen? Eintauchen? Aber in was?

Der Lesende durchlebt ...

Ihren Roman ,Gute Gründe‘ beginnt und beendet Nadine J.Cohen mit Yael, einer Frau Anfang Dreißig, und einem wunderschönen Frauenschwimmbad. Ins Wasser springen? Eintauchen? Aber in was?

Der Lesende durchlebt mit Yael ein Jahr lang eine harte , spannende Zeit. Sie ist depressiv und hat einen Suizidversuch, genannt ,die Sache’, hinter sich. Ihre bereits verstorbenen Eltern, eine frühere toxische Beziehung, Hänseleien bis Mobbing in der Kindheit und einiges andere haben tiefe Spuren hinterlassen.

Yael hadert mit sich und dem Leben, doch ihre Schwester sowie eine, meiner Meinung nach nicht immer kompetent wirkende Psychotherapeutin und einige andere wollen ihr helfen, gute Gründe für das Leben zu finden.

Der Lesende erfährt viel, sowohl über Yaels Jetzt-Zustand als auch über ihre Vergangenheit, in der wohl einiges ihrer dunklen Phasen zugrunde gelegt wurde, was erst viele Jahre später zum Ausbruch kam.

Nadine J. Cohen erzählt dies phasenweise recht sprunghaft in den verschiedenen Zeitebenen, auf die man sich erst einmal einlassen können muss. Gelingt dies, so erkennt man trotz des ganzen Auf und Abs an Gefühlen dennoch eine überwiegend leicht ansteigende Kurve.

Die liebevoll und einfühlsam charakterisierten Protagonisten und deren Stimmungen helfen dem Lesenden, Teil der Geschichte, der Familie zu werden und genauer hinter die Kulissen zu blicken, statt in komplette Melancholie oder zu großes Mitleid zu verfallen.
Man bangt mit, hofft, sucht den Strohhalm, macht sich Gedanken über Yaels Krankheitsbild, aber das alles mit einer Familiengeschichte, die zwischen den Zeilen auch Platz für Humor und Hoffnung bereit hält und weder als Sachbuch noch als psychologisches Lehrwerk daherkommt.

Dieses Buch öffnet oder weitet den Blick für psychische Erkrankungen ohne erhobenen Zeigefinger. Es zeigt, wie facettenreich und unsichtbar diese Erkrankung sein kann und dass es den Begriff ,normal‘ eigentlich gar nicht geben sollte, denn normal ist eine Beschreibung für z. B. eine Waschmaschineneinstellung, aber nicht für einen Geisteszustand.

Auf dem Cover sieht man die Protagonistin vor grellem gelben Hintergrund, evtl.Sonnenlicht. Sie reibt sich die Augen wie nach dem Blick ins zu grelle Licht oder wie nach einem Tauchversuch. Ist es ein Zeichen von Aufbruch, von Ausweglosigkeit oder eher von Traurigkeit?

Dieses schlichte Cover greift Yaels ursprüngliche Ausweglosigkeit gut auf. Ich finde es äußerst passend, denn für Verschnörkelungen ist derzeit noch kein Platz in Yaels Dasein.
Aber es gibt viele Gründe, gute Gründe und noch viel viel größeren Mut, um zu leben, statt sich Sprung ins kalte Wasser?
Damit wären wir wieder beim Schwimmbad!

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Nicht alle Wege führen immer zum Ziel

Die große Sehnsucht
1

Im Roman ,Die große Sehnsucht‘ nimmt uns der Autor mit zu einer Zeitreise in die 90er -Jahre. Der Hauptprotagonist Rabe und seine beiden Freunde Fete und Michi stehen in einer kalten Winternacht im Jahre ...

Im Roman ,Die große Sehnsucht‘ nimmt uns der Autor mit zu einer Zeitreise in die 90er -Jahre. Der Hauptprotagonist Rabe und seine beiden Freunde Fete und Michi stehen in einer kalten Winternacht im Jahre 1995 am Bodensee. Sie machen demnächst Abitur und sinnieren über ihre Pläne für die Zukunft.

Sydow, selbst ein Kind dieser Zeit schreibt sehr klar und einprägsam, aber auch humorvoll und pointiert über die beruflichen Vorstellungen der Drei, über den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter.
Phasen der Lebenslust, Leidenschaft und Selbstüberschätzung , wie auch mit Zeiten der Zweifel, Verzweiflung und Unsicherheit wechseln sich ab. Natürlich fehlen auch weibliche Nebendarstellerinnen nicht, die erste Liebe und auch, wenn auch nur in sehr geringem Maße, das Verständnis der Elterngeneration.

Die Freunde erkennen, dass sich nicht alle Träume in die Realität umsetzen lassen und ihnen nicht immer die ganze Welt zu Füßen liegen wird.

Für mich nahm die Handlung erst ab dem zweiten Drittel so richtig an Fahrt auf, ich fühlte mich angenehm in die 90-er zurückversetzt und musste über so manche Ansicht oder Redewendung aus dieser noch nicht digitalen Zeit schmunzeln. Erinnerungen keimten auf ehemalige Träume wurden reflektiert.

Definitiv ein Buch für Menschen, die die Jahre im entsprechenden Alter selbst erlebt haben. Ansonsten könnte es passieren, dass wenig Nähe zwischen Leser und Protagonisten entsteht.

Das Cover finde ich sehr schön, das Buch nimmt an einer gewissen Stelle Bezug dazu, obwohl es meiner Meinung nach sich Spielraum für andere Interpretationen lässt.

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Eine Chance für die Hoffnung

Das Erbe der Greiffenbergs - Hoffnungsvolle Aussichten
1

Mit ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt‘ setzt die Autorin Isabel Schönhoff die Geschichte um Familie Greiffenberg und deren Feinkostunternehmen in Prien am Chiemsee mit dem ersehnten Band 3 endlich fort.
Auch ...

Mit ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt‘ setzt die Autorin Isabel Schönhoff die Geschichte um Familie Greiffenberg und deren Feinkostunternehmen in Prien am Chiemsee mit dem ersehnten Band 3 endlich fort.
Auch ohne Kenntnis der beiden Vorgängerbände wird der Leser durch genaue Charakterisierung der einzelnen Protagonisten schnell vom automatisch entstehenden Kopfkino gefesselt sein. Dank der detaillierten und bildhaften Orts-und Gefühlsbeschreibungen in mitreißendem, flüssigen Sprachstil taucht man sofort ein in das Greiffenbergsche Feinkostimperium am Chiemsee.

Ludwig, Vater und totgeglaubtes Familien-und Firmenoberhaupt, ein Patriarch, hat nach seiner Rückkehr die Zügel wieder an sich gerissen, jedoch nicht geahnt, welche Widerstände sich , zurecht, innerhalb der Familie regen.

Zunächst geht es jedoch erstmal mehr um die jüngste Tochter Antonia, die an ihrer Zukunft nach der Schule bastelt. Sky gesellt sich neu zu den tragenden Rollen, er bandelt mit Antonia an, ist aber auch einem durch die Firma Greiffenberg verursachten Umweltskandal und dem daraus resultierenden Tod seines Vaters auf der Spur. Klar, dass Antonia seine engste Verbündete wird.

Obwohl es schon seit längerem knirscht im Familiengefüge, ist nun überhaupt nichts mehr, wie es war. Die Protagonisten müssen sich allesamt neu positionieren.

Mutter Therese bleibt wie immer firmentechnisch eher blass, sie lernt aber einen interessanten Mann kennen, emanzipiert sich und wendet der Familie und vor allem Ludwig den Rücken zu. Sie zieht aus!

Antonia und Ferdinand, die eigentlich damit beschäftigt sind, die Balance zwischen Anerkennung in der Firma und privatem Glück zu finden, stellen sich eindeutig gegen den Vater.

Auch die, ach so couragierte und liebenswerte Oma Elsa macht ihrem Ärger Luft und bestimmt, wie sich die Firma für die Zukunft aufstellen muss, was leider nicht ohne Folgen bleibt.

Am Ende wird Ludwig den kürzeren ziehen und versuchen, sich ohne totalen Gesichtsverlust aus der Affäre zu ziehen.

Trotz gelegentlich auftretenden, sehr schnellen und glücklichen Wendungen, die schon etwas klischeehaft wirken, versteht es die Autorin dennoch hervorragend, flüssiges Lesevergnügen der besonderen Art zu bereiten. Da stört noch nicht einmal das wie immer etwas kleinmädchenhaft wirkende Cover, das mir persönlich zu rosa und zu kitschig ist.

Wer einmal angefangen hat, wird das Buch nicht mehr aus den Händen legen wollen.
Bleibt nur zu sagen, die Hoffnung auf Fortsetzung dieser Familiensaga stirbt zuletzt.

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Veröffentlicht am 03.08.2024

Richtungswechsel ?

Vorstandssitzung im Paradies
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Im Buch ,Vorstandssitzung im Paradies’ von Arto Paasilinna geht es um das altbekannte, vielmals klischeehaft behandelte Thema, dass ein Flugzeug über dem Meer abstürzt und die Geretteten auf einer einsamen ...

Im Buch ,Vorstandssitzung im Paradies’ von Arto Paasilinna geht es um das altbekannte, vielmals klischeehaft behandelte Thema, dass ein Flugzeug über dem Meer abstürzt und die Geretteten auf einer einsamen Insel ums Überleben kämpfen. Hier sind es vorrangig finnische Waldarbeiter und schwedische Hebammen, die sich aus dem indischen Ozean auf eine unbewohnte Insel retten,
Hinterkünftig und sarkastisch, mit klaren Worten dringt der Autor ins Innerste seiner Protagonisten ein. Er offenbart sowohl grundlegende zwischenmenschliche Bedürfnisse wie auch gesellschaftliche Abgründe. In der Wildnis wird geliebt, gelebt, gehasst wie auch in der zivilisierten Welt. Schnell treten Spannungen auf und der Wunsch nach Struktur und Regeln. Man organisiert sich den Umständen entsprechend.
In monatelanger körperlicher Schwerstarbeit wird eine Rettungsaktion vorbereitet. Sie gelingt. Doch will man überhaupt zurück vom mittlerweile gut eingeführten und behaglichen Inselsozialismus in die westliche Welt?
Die Richtung passt nicht mehr für jeden, was auch der Marsch mit dem Rettungsboot auf dem Cover genial zur Geltung bringt.
Gefesselt sowohl von der Handlung, als auch von dem klaren und treffsicheren Schreibstil, beginnt auch der Leser, sich den bohrenden Fragen Paasilinnas zu stellen.
Gesellschaftskritik, witzig und skurril verpackt, ein absolutes Muss.

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