Profilbild von Namie

Namie

Lesejury-Mitglied
offline

Namie ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Namie über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

Das Buch und Han Kang haben mich intensiv berührt, beeindruckt und tief erschüttert.

Unmöglicher Abschied
0


Intensiv berührt – von der Tiefe und Feinheit-, beeindruckt – von Schreibstil, Poesie, Symbolik und Vielschichtigkeit -, erschüttert – von der Geschichte, dem Schweigen, dem Trauma einer ganzen Generation.

„Schnee ...


Intensiv berührt – von der Tiefe und Feinheit-, beeindruckt – von Schreibstil, Poesie, Symbolik und Vielschichtigkeit -, erschüttert – von der Geschichte, dem Schweigen, dem Trauma einer ganzen Generation.

„Schnee fällt.
Auf meine Stirn und Wangen
Auf meine Oberlippe, auf mein Philtrum.
Er ist nicht kalt.
Er ist so leicht
wie Federn.
Er wiegt nicht mehr als ein dünner Pinselstrich.

Ist meine Haut gefroren?
Deckt der Schnee sie zu wie das Gesicht einer Toden?“
Han Kang Unmöglicher Abschied, Seite 119

Wegen eines Unfalls schreibt Inseon ihre Freundin Gyeongha und bittet sie nach Seoul in ein Krankenhaus zu kommen in dem sie noch eine Weile bleiben muss.
Inseon hat vor allem einen Wunsch an die Freundin: Sie soll ihr Haus auf der Insel Jeju aufsuchen, um ihren weißen Vogel Ama zu retten, der nicht so lang ohne Futter und Wasser bleiben kann.
Da Inseon abgelegen im Landesinneren wohnt und ein Schneesturm einsetzt als Gyeongha auf der Insel ankommt, wird der Weg zur Einsiedelei von Inseon eine Herausforderung. Wird Gyeongha das Haus heil erreichen?

Hinter diesem Erzählstrang, erzählt Han Kang in verschiedenen Zeitebenen weitere Geschichten und vor allem die Geschichte eines grausamen Massakers, das zwischen 1948 bis 1950 an der Bevölkerung von Jeju verübt wurde und über das Jahrzehnte hinweg nicht gesprochen werden durfte.
Unmöglicher Abschied ist ein Buch tiefer Schwere und großer Gräueltaten, das Han Kang jedoch in feine und leise ja poetische Worte bettet. Ohne der Klarheit des Leides aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil.
Es ist ein Aufruf der Verarbeitung, ein Aussprechen dessen, was geschehen ist eine Möglichkeit das Menschen anfangen, wenigstens in nächster Generation, das Trauma solcher Taten zu verarbeiten… und es ist sanfte Trauer.
Am Anfang verwirrte mich das Buch und die Schreibweise von Han Kang. Es dauert, bis ich in ihre besondere Vielschichtigkeit, ihren Schreibstil und die verschiedenen Zeitebnen eintauchen kann.
Ich muss mir Teile des „mehr“ an Tiefe und Verstehens selbst erarbeiten in dem ich anfange zu recherchieren und mein fast nicht vorhandenes Wissen um Südkorea hat sich nun bedeutend erweitere.
Ich bin beeindruckt von Hang Kang; die durch ihre Schreibweise, Zeitsprünge, Symbolik, Poesi, Gegensätze und einer gewissen Ungewissheit ist man im Traum oder in der Wirklichkeit eine unbedingte Aufmerksamkeit fordert. Wer diese dem Buch nicht gibt, wird wahrscheinlich nicht richtig eintauchen können!
Das Buch ähnelt dem Sprichwort "das Leben wird vorwärts gelebt und Rückwärts verstanden". Fast genauso ist es mir mit dem Buch ergangen.
Während ich es von vorne nach hinten lese, fange ich an den vorderen Teil erst richtig zu verstehen, als ich darauf zurückblicken kann. So lese ich mich im Laufe des Buches auch immer wieder nach vorne zurück.
Das Buch bricht Schweigen, klärt auf und schafft nachhaltig Wissen und Interesse; Zumindest bei mir.
Ich kann das Buch Jedem empfehlen der bereit ist sich mit einem schweren Thema der Geschichte von Südkorea zu befassen und Zeit und Aufmerksamkeit in das Buch zu Investieren.
Es ist keine Lektüre für nebenbei.
Es ist jedoch ein Buch, das eine Geschichte erzählt, die schon vor vielen Jahrzehnten hätte erzählt werden müssen. Die dringend erzählt und gelesen werden muss!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2026

Einfach ein wahnsinnig guter Thriller

Die Chemie des Todes
0

Mach dich darauf gefasst, dass du das Buch erst wieder aus der Hand legen möchtest, wenn du auf der letzten Seite angekommen bist.

In „Die Chemie des Todes“ lernt der Leser Dr. Hunter, einen Dorfarzt, ...

Mach dich darauf gefasst, dass du das Buch erst wieder aus der Hand legen möchtest, wenn du auf der letzten Seite angekommen bist.

In „Die Chemie des Todes“ lernt der Leser Dr. Hunter, einen Dorfarzt, kennen, der sich vor ca. 3 Jahren in die Abgelegenheit einer kleinen Gemeinde geflüchtet hat, um seine Vergangenheit und seinen früheren Beruf, hinter sich zu lassen.

Durch einen Leichenfund der zwei Brüder Neil und Sam wird Dr. Hunter jedoch Schritt für Schritt in seinen alten Beruf als forensischer Anthropologe zurück, gezogen.
Als Koryphäe auf diesem Gebiet kennt er „die Chemie des Todes“ und wird eine wichtige Hilfe bei den Ermittlungen.

Packend beschreibt Simon Beckett, wie sich eine kleine Gemeinde wandelt, wenn der Verdacht besteht, einen Mörder unter sich zu beherbergen. Wer mag es sein und warum? Wird es mehr Opfer geben und wie viele …

Simon Becketts Schreibstil ist wahnsinnig gut. Ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Er nimmt den Leser auf eine ganz eigene Weise mit. Gibt Einblicke in die unterschiedlichen Charaktere, schafft Verknüpfungen und hält die Spannung hoch, ohne zu übertreiben.

Mehr soll gar nicht verraten werden. Ein Buch, das auf jeden Fall auf die Leseliste von Krimi- und Thrillerliebhabern gehört. Sehr, sehr gut!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2026

Eine Geschichte aus dem England, Anfang des 19. Jahrhunderts, über Menschen, Gemeinschaft, Liebe und Wandel.

Emma
0

„Sie hatte sich ebenso gewandelt. Diese eine halbe Stunde hatte beiden dieselbe kostbare Gewissheit gegeben, geliebt zu werden…“ (Seite 500)

Eine Geschichte aus dem England, Anfang des 19. Jahrhunderts, ...

„Sie hatte sich ebenso gewandelt. Diese eine halbe Stunde hatte beiden dieselbe kostbare Gewissheit gegeben, geliebt zu werden…“ (Seite 500)

Eine Geschichte aus dem England, Anfang des 19. Jahrhunderts, über Menschen, Gemeinschaft, Liebe und Wandel.
Vollgepackt mit Katsch und Tratsch, ein paar Spitzen, Humor, Annahmen und Einflussnahme, Irrtümern und Lösungen, kann mich Jane Austen mit ihrem besonderen Schreibstil und der Sprache direkt in die Zeit, die Gesellschaft und den „rechten“ Stand versetzen.

Willkommen in Hartfield, das zur Gemeinde Highbury gehört. Willkommen bei Emma Woodhouse und ihrem etwas gebrechlichen und stets besorgten Vater Mr. Woodhouse.

Lerne (fast) ganz Highbury kennen. Den so wunderbaren Mr. Knightley, der Emma auch mal Grenzen und Fehler aufzeigt.
Harriet, die einfach nett, aber auch sehr beeinflussbar ist, oder Mr. und Mrs. Weston, die eng mit der Familie Woodhouse verbunden sind.
Wandere über die Felder und Wiesen und besuche das Pfarrhaus mit Mr. Elton, oder gehe durch die Straßen von Highbury und lass dir alle Neuigkeiten von Miss Bates erzählen.
Noch viel mehr Charaktere warten auf den Leser und nehmen diesen mit in das Leben, den Alltag und all die bunten Ereignisse, Verstrickungen und Verwicklungen dieser Menschen.

Emma, die Hauptfigur, erscheint einigen anfangs nicht so sympathisch. Durch die guten Beschreibungen von Charakteren, Umständen und sozialen Geflechten konnte ich jedoch schnell verstehen, warum Emma ist, wie sie ist.

Mit Emma erleben wir einen herrlich unperfekten Charakter, intelligent, mit viel Fantasie und einem Herzen, das am rechten Fleck sitzt. Auch wenn man dies evtl. ab und zu infrage stellt.
In Emma zeigt Jane Austen, wie sehr auch die äußeren Umstände dazu beitragen, wer wir sind und wie wir uns entwickeln, was wir annehmen und wie wir handeln.
Gute Absichten reichen nicht immer aus, wenn die Möglichkeiten des Lernens, Beschäftigens und Wachsens nicht ganz so ausgeprägt sind. Menschen, die uns Fehler oder Grenzen aufzeigen, sind für unsere Entwicklung ebenso wichtig wie Liebe und Wärme.

Aber auch das soziale Gefüge in einer eher kleinen Gemeinde spielt in diesem Roman eine große Rolle. Genau diese Stellen mögen manchem Leser etwas langwierig sein. Viel „Geplapper“, viel höffliches Getue und Tratsch. Aber wie wichtig ist ein Zusammenhalt ein Gefüge gerade in zeiten ohne Internet und Telefon.
Sucht der Mensch nicht schon immer den rechten Platz in der Gemeinschaft egal wie diese gerade aussieht? Ob nun in den Höhlen der Steinzeit, im gesellschaftlich klar unterteilten England des 18 und 19 Jahrhunderts oder im 21 Jahrhundert im Vergleich über Sozialmedia. Stets versucht unseren Platz zu definieren?


Ich finde Jane Austen passt auch heute noch wunderbar und vielleicht dient sie als Kontrast zu Büchern die einen Plot Twist nach dem anderen hinlegen, sich in Aktion, Spice, Geschwindigkeit und Spannung nur so überschlagen.
Ich fand es beruhigend ein Buch zu lesen das mit weniger auskommt und dennoch zurecht ein Klassiker der Buchgeschichte ist.

Wichtig ist es die Zeit zu beachten in der das Buch geschrieben wurde und in der Jane Austen lebte. Und vielleicht dürfen wir Dankbar sein als Frau von heute so unglaublich viel Möglichkeiten zu haben!

Ein Buch, das ich wieder lesen werde, dass ein fester Bestandteil meines Bücherregals bleiben wird und das ich unbedingt Jedem empfehle mindestens einmal im Leben zu lesen.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2026

Ein Buch, das neue Inspiration aus alten Überlieferungen in die Zeit zwischen den Zeiten bringt.

Die wilde Zeit der Rauhnächte
0

Das Buch ist in 5 Hauptkategorien/Kapitel unterteilt:
Die Rauhnächte, das Julfest, die Wintergötter und andere (unheimliche) Gestalten, der Ursprung der Rauhnächte und die Rituale.
Diese Kapitel sind jeweils ...

Das Buch ist in 5 Hauptkategorien/Kapitel unterteilt:
Die Rauhnächte, das Julfest, die Wintergötter und andere (unheimliche) Gestalten, der Ursprung der Rauhnächte und die Rituale.
Diese Kapitel sind jeweils untergliedert und bieten unterschiedlich viele Unterkapitel.
Es wird in diesem Buch erklärt und aufgezeigt, wie die Zeit des Winters und der Rauhnächte für die Bevölkerung früher erlebt wurde und wie sich durch Bräuche, Rituale und Geschichten eine Winterordnung schufen.
Die Autorin geht auf unterschiedliche Gottheiten, Sagenwesen, Wichtel, Elfen und andere Wesenheiten ein, zeigt jedoch auch Verbindungen auf. So hatten die Wesenheiten je nach Region unterschiedliche Namen, oft aber die gleichen bzw. ähnliche Eigenschaften und Bedeutungen.
Mir gefällt, dass Carmen Zeiler dem Leser Raum gibt, auch eigene Schlüsse zu ziehen.Sie gibt den Impuls, die Rauhnächte und die Rituale nicht zu starr zu sehen und aus den unterschiedlichen Möglichkeiten das für einen selbst passende Begehen der Rauhnächte zu kreieren.
Ich konnte hier auch neue und wie ich finde sehr schöne Impulse zum 13-Wünsche-Ritual finden, das ich dieses Jahr entsprechend dem Impuls folgend in ein Transformationsritual gewandelt habe.
Da je nach Leser, Interessen unterschiedlich gelagert sind, können ab und zu Längen im Buch entstehen. Wenn es um ein Thema geht, das einen nicht – so stark - interessiert. Allerdings spricht auch nichts dagegen, dann einfach einen Abschnitt zu überspringen.
Ein bisschen schade fand ich das am Ende bei dem Kapitel zu den Rauhnächten dann mit handfesten Daten hantiert wurde, obwohl direkt davor darauf eingegangen wurde, dass wir gar nicht wissen, wann die Rauhnächte bei unseren Vorfahren stattfanden, da sich unser Kalender mehrfach verändert hat, es damals gar nicht so wichtig war und je nach Region wahrscheinlich auch unterschiedliche Zeiten genutzt wurden.
Hier hätte ich mir noch mal einen Impuls gewünscht, offener mit den heute so feststehenden Daten umzugehen.

Dieses Buch eignet sich für alle, die mehr über die alten Bräuche und Rituale erfahren möchten, die in vielen Teilen vom Christentum übernommen wurden und somit für viele von uns heute ganz fest zu Weihnachten gehören. Aber auch um neue Inspiration für die Winterzeit und die Zeit der Rauhnächte zu bekommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 31.12.2025

„Flunkerknirsch“, komm mit in den uralten Wald bei Windholm.

Windholm-Saga / Windholm Das Nebelkind
0

Suche Wege, finde Freundschaft, Zweifel, Mut und Licht.
Mit sanfter Magie entführt dich das Buch auf Pfade, die du unter deinen Füßen spüren kannst und schickt dir Freunde, die du nie vergisst.

Nach ...

Suche Wege, finde Freundschaft, Zweifel, Mut und Licht.
Mit sanfter Magie entführt dich das Buch auf Pfade, die du unter deinen Füßen spüren kannst und schickt dir Freunde, die du nie vergisst.

Nach dem Tod seines Vaters macht sich Aric mit einem Brief seiner Mutter und dem Schwert, dass ihm sein Vater geschmiedet hat, auf den Weg in den Wald der Windholm umgibt.
Er folgt dem Ruf die Welt der Sylphen – Eldora – und damit auch seine Mutter Elariya zu finden.

Auf den verschlungenen Pfaden des uralten Waldes begegnet im bald Brambelfeet ein Gnom mit einem großen Herzen und einem „Knurpsigen“ Humor.
Mit vielen wunderschönen und einprägsamen Sprüchen, bereichert Brambelfeet das ganze Buch mit einem eignen gnomigen Charm.
Auch die Sylphe Lyra und später das Steinwesen Mohri Grinva schließen sich der Suche Arics an und unterstützen ihn auf seinem Weg, jeder auf seine Art.
Zwischen Nebel und Zweifel, Schatten der Dunkelheit im Außen und Schatten im Inneren, geht es um Vertrauen, Freundschaft und Wachstum.

Ich würde die Geschichte als wunderschönes Kinder und Jugendbuch einsortieren.
Daher ist als Erwachsene wichtig erst mal das Kind in dir auszupacken!

Also folge ich mit Kinderherzen den wunderschönen Worten, die mich mitnehmen in einen Wald, den ich spüren, riechen und schmecken kann.
Die Autorin liebt es mit Worten zu malen, ohne dabei in Schrecken zu versetzen.
Die Geschichte erzählt mit sanfter Spannung ohne große Schlachten dafür mit viel Gefühl und liebe zum Detail.

Ganz besonders finde ich wie die Autorin in dieser Geschichte vermittelt, dass es darum geht, ein „ganzes“ zu sein. Auch die Schattenseiten oder was wir als solches empfinden, wollen wahrgenommen werden, um zu erkennen das diese Teil des Selbst sind.
Eine sehr liebevoll ausgestaltete Geschichte, die ganz unaufgeregt daherkommt, aber so viel Raum zum Fühlen und Träumen gibt und sowohl Kinder, Jugendliche als auch Erwachsenen, Fantasy volle Momente der Ruhe und Verbundenheit schenkt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere