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Veröffentlicht am 27.04.2026

Vier ganz unterschiedliche Freunde

Überlebensstrategien
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In einem kleinen Ort irgendwo in Island führt das Schicksal vier Menschen zueinander. Teenagerin Hanna ist mit ihrer Mutter gerade erst hierhin umgezogen und vermisst Reykjavík und ihre Freundinnen. Árni ...

In einem kleinen Ort irgendwo in Island führt das Schicksal vier Menschen zueinander. Teenagerin Hanna ist mit ihrer Mutter gerade erst hierhin umgezogen und vermisst Reykjavík und ihre Freundinnen. Árni ist seit kurzem erwerbsunfähig, stark übergewichtig und fühlt sich allein. Sein Welpe Alfons soll ihm mehr Antrieb geben. Borghildur vermietet Ferienhäuser und hat vor einigen Jahren ihren Mann verloren. Und dann ist da noch der kleine Aron Snær, ein Außenseiter im Ort, dessen Mutter einfach nicht mehr aus dem Bett aufstehen will.

„Überlebensstrategien“ ist bereits der fünfte Roman der isländischen Schriftstellerin Guðrún Eva Mínervudóttir, der in deutscher Sprache erschienen ist. Die Übersetzung aus dem Original verfasste Anika Wolff. Die Handlung wird aus der Sicht der vier Hauptfiguren erzählt, was sehr spannend ist, da wir so in die Köpfe von Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebenssituationen blicken können. Die vier treffen auch im Ort immer wieder in verschiedenen Konstellationen aufeinander, so dass ein kleines Beziehungsgeflecht entsteht.

Der Roman spricht auf nur knapp 220 Seiten die unterschiedlichsten Themen an. Hanna verspürt eine tiefe Abneigung gegen das Essen und sehnt sich in die Hauptstadt zurück, in die sie aktuell nicht zurück kann, weil ihre Mutter eine Trennung durchmacht. Árni hat Mühe, seinen Tag zu strukturieren und ist unglücklich in eine Frau verliebt, die ihn nur auszunutzen scheint. Borghildur trauert noch immer um ihren Mann und hat noch nicht recht ins Leben zurückgefunden.

Diese drei Menschen kommen am Ende zusammen, um den kleinen Aron Snær zu unterstützen, dessen Mutter in Depressionen versinkt und der sich selbst hasst. Hanna wird seine Sozialassistenz, Borghildur nimmt ihn auf, als seine Mutter ins Krankenhaus muss und Árni heitert ihn mit Alfons’ Hilfe und einem neuen Fahrrad auf. Doch es ist nicht nur Aron Snær, der durch die Begegnung mit seinen drei neuen Freunden Stabilität gewinnt, sie selbst finden in dieser Situation zu neuer Stärke und etwas Hoffnung für die Zukunft – auch wenn am Ende des Romans vieles offen bleibt.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Schöner Roman über das Erwachsenwerden, Familie und traditionelles Handwerk

Heimkehr nach Morioka
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Seit Monaten wird die 17-jährige Mio in der Schule gemobbt. Als sie dann auch noch mit ihrer Mutter in einen Streit gerät, beschließt sie, Tokyo hinter sich zu lassen und nach Morioka zu fahren. Dort lebt ...

Seit Monaten wird die 17-jährige Mio in der Schule gemobbt. Als sie dann auch noch mit ihrer Mutter in einen Streit gerät, beschließt sie, Tokyo hinter sich zu lassen und nach Morioka zu fahren. Dort lebt ihr Großvater väterlicherseits und betreibt eine kleine, aber bekannte Wollmanufaktur. Bei ihm auf dem Land möchte Mio sich von allem erholen und herausfinden, was sie im Leben eigentlich machen will. Das gestaltet sich umso schwerer, da Mios Eltern ihre Entscheidung nicht akzeptieren wollen und selbst ihre eigenen Probleme haben. Außerdem hat Mio eine große Schwierigkeit: ihr fehlen oft die Worte und eine eigene Stimme.

„Heimkehr nach Morioka“ stammt aus der Feder der japanischen Schriftstellerin Yuki Ibuki und wurde von Charlotte Scheurer ins Deutsche übersetzt. Die Handlung wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt; zu Wort kommen dabei Protagonistin Mio einerseits und ihr Vater Hiroshi andererseits. So können wir einerseits Mios neues Leben in Morioka und ihre Lehre in der Manufaktur miterleben, erfahren auf der anderen Seite aber auch, wie es ihren Eltern mit der neuen Situation geht. Die Geschichte umfasst dabei einen Zeitraum von Juni bis März des Folgejahres, mit einem kleinen Epilog.

In erster Linie geht es für mich in diesem Roman um das Erwachsenwerden und die Frage, was man als junger Mensch mit seinem Leben anfangen bzw. wie man das eigentlich herausfinden soll. Mio gelingt es zu Beginn nicht, ihre Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen und so bleibt sie in Gesprächen mit ihren Eltern stets stumm. Erst ihr Großvater versteht es, ihr den Raum zu geben, sich selbst zu vertrauen und die nötige Worte zu finden. Auch Taichi, der in der Manufaktur arbeitet, wird wie ein großer Bruder für sie und fordert sie heraus, ihren Gefühlen Luft zu machen.

„Heimkehr nach Morioka“ ist aber auch die Geschichte einer entfremdeten Familie, die nach Trauerfällen und Traumata erst wieder zueinander finden muss. Und der Roman ist eine Ode an das traditionelle Handwerk und das ohne dabei zu verkennen, wie schlecht seine Aussichten für die Zukunft sind. Einzig der Schluss der Geschichte kam für mich etwas zu früh.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Überraschend

Die letzte Liebe der Hui-wan
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Seit Ramu in der Schule als einziger mit Hui-wan sprechen wollte, sind die beiden beste Freunde und auch ihre Familien sind zu einer Einheit zusammengewachsen. Doch dann stirbt Ramu, als er versucht, Hui-wan ...

Seit Ramu in der Schule als einziger mit Hui-wan sprechen wollte, sind die beiden beste Freunde und auch ihre Familien sind zu einer Einheit zusammengewachsen. Doch dann stirbt Ramu, als er versucht, Hui-wan vor einem Autounfall zu retten. Die Gemeinschaft aus Hui-wan, ihrem Vater und Ramus Mutter zerbricht und sie bleibt mit ihrem Schmerz allein zurück. Eines Tages jedoch taucht Ramu wieder vor ihr auf und hat eine Botschaft: Hui-wan hat nur noch sieben Tage zu Leben und er möchte ihr helfen, die Zeit, die ihr noch bleibt, voll auszukosten.

„Die letzte Liebe der Hui-wan“ ist der Debütroman der Autorin Seo Eun-chae und wurde in Korea bereits als Mini-Serie verfilmt. Nach der Lektüre kann ich mir das sehr gut vorstellen, denn der Roman hat eine sehr filmische Struktur und erinnert mich an Animes wie beispielsweise „Your Name“. Wir lassen als Leser*innen nicht nur die Realität mit ihren Begrenzungen hinter uns, sondern erleben die Handlung auch aus der Perspektive verschiedener Figuren, die nach und nach eingeführt werden. Am Ende ergibt sich aus diesen Mosaikteilen ein Bild, das Raum und Zeit überspannt.

Als ich den Klappentext las, hatte ich mir – ehrlich gesagt – einen ganz anderen Roman vorgestellt, aber dennoch wurde ich positiv überrascht. Seo Eun-chae zeigt das Porträt einer Familie, die durch die Irrungen des Lebens zueinander geführt wurde. Denn nicht nur Ramu und Hui-wan sind in tiefer Freundschaft verbunden, auch Ramus Mutter In-ju und Hui-wans Vater Il-beom stehen sich nahe und ziehen ihre Kinder gemeinsam auf. Doch In-jus Liebe zu Hui-wan wird auf eine starke Probe gestellt, als sie durch deren Rettung ihren Sohn verliert. Die Patchworkfamilie scheint ohne Ramu verloren – und dann ist da noch Hui-wans Ultimatum von sieben Tagen.

„Die letzte Liebe der Hui-wan“ ist natürlich auch eine Geschichte über Trauer und wie es gelingen kann, nach einem unsagbaren Verlust weiterzuleben. In den sieben Tagen mit Ramu lernt Hui-wan nicht nur eine Menge über sich selbst, sondern findet auch ein Stück ihrer Lebensfreude wieder. Doch das ist noch lange nicht alles, was auf knapp 250 Seiten erzählt wird.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein wahres Kunstwerk

Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen
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In „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ gibt die Autorin Hazel Atkinson, mit fachlicher Unterstützung durch die Historikerin Diane Purkiss, einen gelungenen, kindgerechten Überblick über die ...

In „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ gibt die Autorin Hazel Atkinson, mit fachlicher Unterstützung durch die Historikerin Diane Purkiss, einen gelungenen, kindgerechten Überblick über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Hexerei und Magie. Dabei schafft sie den Spagat zwischen einer wissenschaftlichen Herangehensweise auf der einen Seite und einer eher spirituellen und persönlichen auf der anderen, die Magie als etwas darstellt, an das man glauben darf, wenn man möchte. Das schätze ich sehr, weil es der jungen Zielgruppe erlaubt, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

In Kapitel 1 werden in einer Art Einleitung sehr grundlegende Fragen darüber beantwortet, was Hexen eigentlich sind oder ob alle Hexen Frauen waren. Kapitel 2 beschäftigt sich dann mit den historischen Ursprüngen von Hexerei und Magie in den unterschiedlichsten Kulturen. Hier gefällt mir besonders gut, dass das Buch sich nicht nur auf die westliche Welt beschränkt, sondern Beispiele von allen Kontinenten gezeigt werden. In Kapitel 3 geht es um das Zusammenspiel zwischen Religion, Mythen und Magie, während sich Kapitel 4 behutsam, aber ohne zu beschönigen, der Hexenverfolgung widmet. Kapitel 5 gibt schließlich einen Überblick über die Gegenwart und mögliche Ausblicke in die Zukunft.

So lernen wir zum Beispiel etwas über Circe, die Odysseus’ Männer in Schweine verwandelte, über Alice Kyteler, die als erster Mensch in Irland der Hexerei angeklagt wurde oder über Jeanne D’Arc, die im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Wir lesen über magische Pflanzen, über die Hexenprozesse in Salem oder das Zeitalter der Aufklärung – kurz gesagt: das Thema wird in all seinen Facetten beleuchtet.

„Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ steckt voller Wissen, das sorgfältig aufbereitet wurde und von dem auch Erwachsene noch etwas lernen können. Besonders in Auge stechen aber natürlich die wunderbaren Illustrationen von Camelia Pham, die unglaublich viel Charme und Lebendigkeit besitzen. Sie unterstützen den Text, lenken den Blick und machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Französisch-japanische Backkunst

Japanisch Backen
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Die „Takumi Patisserie“ gilt als Frankreichs erste Adresse, wenn es um authentischen japanischen Cheesecake geht. Das vorliegende Buch „Japanisch Backen“ macht es nun möglich, die Rezepte aus der angesagten ...

Die „Takumi Patisserie“ gilt als Frankreichs erste Adresse, wenn es um authentischen japanischen Cheesecake geht. Das vorliegende Buch „Japanisch Backen“ macht es nun möglich, die Rezepte aus der angesagten Pariser Konditorei selbst zuhause nachzumachen. In einer kurzen Einführung wird zunächst der Begriff „Takumi“ erklärt, im Japanischen ein Meisterhandwerker, der für gute Arbeit und Perfektion steht. Anschließend folgen Gedanken über die Coffeeshop-Kultur in Japan, das Verschmelzen verschiedener Gerichte über Ländergrenzen hinweg und ein kleiner Exkurs über Geschmacksrichtungen, Texturen, Aromen und Farben.

Der Rezept-Teil ist in sechs verschiedene Bereiche untergliedert und behandelt neben Brot, Kuchen und Torten, Klein- und Feingebäck sogar Getränke. Dabei wird jedes Kapitel von der Basis her aufgebaut; es folgt also zunächst ein Grundrezept, dann eine Weiterentwicklung oder bestimmte Ausführung und schließlich verschiedene Varianten. Wir lernen also beispielsweise erst, wie man einen Vorteig anfertigt, dann den zugehörigen Brotteig und schließlich, wie dieses Brot in süßer oder herzhafter Form abgewandelt werden kann.

Besonders raffiniert ist dabei, dass das Buch auf 5 Grundrezepten von Konditorcremes und damit 5 Geschmacksrichtungen aufbaut: Schokolade, Matcha, Yuzu, Himbeere und Schwarzer Sesam. Mit diesen Varianten lässt sich nun beinahe jedes Rezept im Buch anpassen und ich kann mir, ganz nach Situation oder Laune, aussuchen, ob ich nun Matcha-Cookies oder Himbeer-Cheesecake oder Yuzu-Madeleines zubereiten möchte.

Die Rezepte vereinen dabei typisch französische Grundrezepte mit traditionell japanischen Geschmacksrichtungen oder Zutaten. Der Schwierigkeitsgrad variiert, aber durch den Mix aus salzig und süß, einfach und komplex sollte für jedes Backlevel etwas dabei sein. Die schlichte, aber stilvolle Aufmachung mit den ansprechenden, fast schon künstlerischen Fotos macht „Japanisch Backen“ außerdem zu einer Zierde für jedes Bücherregal.

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