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Veröffentlicht am 12.10.2022

Tolle Sammlung!

Miss Kim weiß Bescheid
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Ein Vater verlässt eines Tages seine Familie; die Tochter verfolgt anhand seiner Kreditkartenabrechnungen die Spuren. Wird er je zurückkehren? Eine junge Frau schreibt einen Brief an ihren Freund, den ...

Ein Vater verlässt eines Tages seine Familie; die Tochter verfolgt anhand seiner Kreditkartenabrechnungen die Spuren. Wird er je zurückkehren? Eine junge Frau schreibt einen Brief an ihren Freund, den sie gerade für immer verlässt. Ständig hat er sie herabgesetzt und bevormundet, nun ist sie bereit für ein neues Leben. Eine Frau träumt davon, einmal im Leben die Polarlichter zu sehen. Zuhause ist sie ständig mit den Erwartungen ihrer Tochter konfrontiert und soll am liebsten dauerhaft den Enkel betreuen. Spontan bricht sie gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter nach Kanada auf – eine Reise, die das Leben beider Frauen für immer verändern wird.

In „Miss Kim weiß Bescheid“ versammelt Cho Nam-Joo Kurzgeschichten aus der Perspektive von insgesamt acht verschiedenen koreanischen Frauen, von der Schülerin bis zur Greisin. Sie alle sind in der Ich-Perspektive verfasst – vielleicht, um die Identifikation mit den Figuren einfacher zu machen – und beschäftigen sich mit relevanten Themen der koreanischen Gesellschaft. Sexuelle Belästigung und Hasskommentare in den sozialen Medien sind ebenso Gegenstand, wie die Stellung der Frau in Beruf, Beziehung und Familie. In einer Geschichte erzählt die Autorin sogar von sich selbst.

Schmunzeln musste ich über die Titel gebende Geschichte. Miss Kim arbeitet sich von einer kleinen Bürokraft zu einer unersetzlichen Angestellten hoch, die sich quasi um alles kümmert und jeden kennt. Die Geschäftsführung fühlt sich von ihr bedroht und kündigt ihr, woraufhin die junge Ich-Erzählerin ihre Nachfolge antritt. Doch immer wieder verschwinden nun Dinge aus dem Büro, Listen werden durcheinandergebracht und Kontaktadressen stimmen nicht mehr. Hat Miss Kim hier ihre Finger im Spiel?

Berührt haben mich vor allem zwei Geschichten: Einmal der Brief der jungen Frau, die ihren Partner nach Jahren der Unterdrückung endlich verlässt. Ihre Schilderung könnte im Lexikon neben dem Begriff „Gaslighting“ stehen. Und dann noch die gemeinsame Reise von Schwiegermutter und Schwiegertochter, welche die beiden nach dem Tod des Sohnes bzw. Ehemanns zusammenschweißt und beflügelt. Eine tolle Sammlung!

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Veröffentlicht am 09.10.2022

Sehr persönlicher Zugang

Mithu Sanyal über Emily Brontë
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Als Mithu Sanyal von Herausgeber Volker Weidermann gebeten wird, einen Text zu seiner neuen Reihe „Bücher meines Lebens“ beizusteuern, fällt ihre Wahl sofort sofort auf Emily Brontë und „Sturmhöhe“ - und ...

Als Mithu Sanyal von Herausgeber Volker Weidermann gebeten wird, einen Text zu seiner neuen Reihe „Bücher meines Lebens“ beizusteuern, fällt ihre Wahl sofort sofort auf Emily Brontë und „Sturmhöhe“ - und das obwohl Werk und Urheberin auf den ersten Blick nicht weiter von ihrer Lebensrealität entfernt sein könnten. Im Verlauf des Buches werden wir jedoch verstehen, was Mithu Sanyal daran so anzieht, was das Werk mit ihren Beziehungen zu tun hat und mit welcher Figur sie sich am meisten identifizieren kann.

„Mithu Sanyal über Emily Brontë“ beginnt mit einem Vorwort des Herausgebers, in dem dieser erklärt, wie die Idee zu seiner neuen Reihe entstand. Bezeichnenderweise folgen dann erst einmal vernichtende Kritiken zu „Sturmhöhe“; zeitgenössisch, aber auch aktuelle. Und dann beginnt Mithu Sanyal zu erzählen und zieht sofort in ihren Bann: von Kate Bushs Song „Wuthering Heights“, mit dem alles begann, von der Beziehung zu ihrem damaligen Freund Marcus und der Lektüre von „Sturmhöhe“, ihrem Einstieg in die Literatur der Erwachsenen.

Die Autorin betrachtet den Text dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln und untersucht ihn je Kapitel auf eine bestimmte Frage bzw. ein bestimmtes Thema hin, wie zum Beispiel Klasse, Race, Sex oder Geister. Es ist sehr angenehm, dass sie dabei nicht auf eine Interpretation des Textes festgelegt ist, sondern eine Vielzahl von ihnen nebeneinander existieren lässt. Es ist klar, welche Figuren und Themen zu Mithu Sanyal sprechen – als Leser*innen müssen und sollen wir das aber für uns selbst herausfinden. Am Ende des Buches sind als Ergänzung noch die Lebensdaten Emily Brontës und Quellenangaben zu finden.

„Mithu Sanyal über Emily Brontë“ ist mehr als eine literarische Interpretation oder eine Nacherzählung der Handlung. Es ist ein äußerst persönlicher und intimer Einblick in das Leben und Denken der Autorin selbst, in welchem sie Unsicherheiten und Verletzungen, aber auch Leidenschaften mit uns teilt. Und obwohl „Sturmhöhe“ noch nie zu meinen liebsten Klassikern gehört hat, möchte ich es jetzt unbedingt noch einmal lesen und mit anderen, vielleicht auch mit Mithu Sanyals Augen betrachten.

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Veröffentlicht am 06.10.2022

Gut verständliches Kochbuch mit Basisrezepten

Japanisch kochen ganz einfach
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Saori Laurent ist Japanerin, lebt aber mit ihrem Mann in Frankreich. Ihr YouTube-Account und die Unterstützung ihrer inzwischen über 120.000 Abonnenten ermöglichten es ihr, ihr erstes Kochbuch zu veröffentlichen. ...

Saori Laurent ist Japanerin, lebt aber mit ihrem Mann in Frankreich. Ihr YouTube-Account und die Unterstützung ihrer inzwischen über 120.000 Abonnenten ermöglichten es ihr, ihr erstes Kochbuch zu veröffentlichen. Dabei hält „Japanisch kochen ganz einfach“ definitiv das, was es verspricht: Klassische japanische Rezepte, aber so aufbereitet, dass man als Anfänger nicht eine Unmenge neuer Zutaten kaufen muss.

Die Autorin liefert zunächst eine Liste mit 18 Grundzutaten. Neben essenziellen japanischen Produkten wie Dashi, Miso, Matcha, Yuzu, Nori oder Bonitoflocken sind aber auch solche darunter, die vermutlich in jeder Küche vorhanden sind, zum Beispiel Reis, Zucker, Essig und Sojasauce. Anschließend präsentiert Saori Laurent Grundrezepte für wichtige Komponenten, wie die richtige Zubereitung des Reises, verschiedene Brühen und Saucen.

In den nächsten Kapiteln folgen dann beliebte Gerichte (Sushi, Tempura, Okonomyaki, Gyoza usw.), Reis- und Nudelgerichte sowie Beilagen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine kleine Sektion mit Desserts. Alle Rezepte sind dabei sehr übersichtlich dargestellt, in verständliche Zubereitungsschritte eingeteilt und geben neben der Zutatenliste auch die Vorbereitungs- und Garzeit sowie zusätzliche Tipps und Tricks an. Der jeweilige Text wird durch die sehr ansprechenden Fotos von Isabelle Kanako ergänzt, die entweder das fertige Gericht oder – bei komplizierteren Vorgängen – Schritt für Schritt dokumentieren. Am Ende des Buches steht ein alphabetisches Rezeptverzeichnis.

Wer bereits ein Meister der japanischen Kochkunst ist und zahlreiche Kochbücher besitzt, für den ist „Japanisch kochen ganz einfach“ vermutlich nichts, da es wirklich nur die Basis der japanischen Küche bietet. Für Anfänger mit wenig Erfahrung in dem Bereich und mit begrenzten Zutaten ist dieses Buch jedoch genau das Richtige. Es gibt einen guten Einblick, ohne überfrachtet zu wirken und steht bei der Zubereitung helfend zur Seite. Ich selbst habe schon die richtigen Zutaten gekauft und werde mich endlich einmal an „Mitarashi Dango“ wagen, also Spieße mit gerösteten Klebreisbällchen. Lecker!

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Veröffentlicht am 05.10.2022

Netter Krimi mit Schwächen

Der Wintermordclub
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Vor fast 20 Jahren jagte ein sechsköpfiges Team aus ganz Europa den berüchtigten Drogenboss Marcello Ferraro. Seitdem treffen sie sich regelmäßig jedes Jahr kurz vor Weihnachten in dem kleinen Hotel an ...

Vor fast 20 Jahren jagte ein sechsköpfiges Team aus ganz Europa den berüchtigten Drogenboss Marcello Ferraro. Seitdem treffen sie sich regelmäßig jedes Jahr kurz vor Weihnachten in dem kleinen Hotel an der Côte d‘Azur, in dem der Fall einen fulminanten Showdown nahm. Inzwischen sind sie alle in Rente, den einwöchigen Trip und das zugehörige Krimidinner lassen sie sich aber nicht nehmen. Dieses Mal wird jedoch aus dem Spiel bitterer Ernst, als einer von ihnen ermordet im Weinkeller aufgefunden wird. Schnell ist eines klar: Diese Tat hat etwas mit der gemeinsamen Vergangenheit der sechs zu tun und der Mörder muss sich mitten unter ihnen befinden.

„Der Wintermordclub“ wurde von Jan Beinßen verfasst, der vor allem für seine Regionalkrimis bekannt ist. Hier liegt nun eher ein Vertreter aus dem Genre „Cozy Crime“ vor, welcher abwechselnd aus der Sicht der sechs Haupt- und weiterer Nebenfiguren erzählt wird. Diese Sprünge zwischen den Charakteren führen dazu, dass wir einen recht guten Eindruck erhalten, wie es im Inneren aller Beteiligten aussieht, welche Sorgen und Ängste sie haben und wie sie wirklich über ihre ehemaligen Kolleg*innen denken. Die Sprache ist dabei eher einfach und nicht besonders kunstvoll, aber das erscheint der Handlug durchaus angemessen.

Inhaltlich gesehen strotzt der Krimi nur so von Klischees, sei es bei der Namensgebung oder auch der Charakterisierung. Der deutsche Karl-Wilhelm vom Bundeskriminalamt ist ein dicker Bierliebhaber, die Kriminologieprofessorin Geraldine wirkt wie eine zweite Margaret Thatcher und beriet natürlich Scotland Yard. Die französische Interpolagentin Louanne und der polnische Rechtsmediziner Kasimir sind schüchtern und zurückhaltend, Küstenwachenkommandant Alexandros aus Griechenland und Europolmann Ruben aus den Niederlanden übermäßig selbstbewusst und etwas windig.

Die Handlung ist in weiten Teilen ebenfalls recht vorhersehbar. Zudem wirkt es sehr konstruiert, dass wirklich jeder der sechs (und auch die Nebenfiguren) Geheimnisse und Schwierigkeiten hat und noch dazu Zweifel am damaligen Fall aufkommen. Ein unterhaltsamer Krimi mit einigen Schwächen.

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Veröffentlicht am 03.10.2022

Tolle Comicserie, manchmal etwas überfrachtet

Paper Girls SC
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Mac, Tiffany und KJ sind ein unzertrennliches Trio. Gemeinsam tragen sie mit ihren Fahrrädern Zeitungen aus – eine Tätigkeit, die eigentlich Jungs vorbehalten ist. Wir befinden uns nämlich im Jahr 1988. ...

Mac, Tiffany und KJ sind ein unzertrennliches Trio. Gemeinsam tragen sie mit ihren Fahrrädern Zeitungen aus – eine Tätigkeit, die eigentlich Jungs vorbehalten ist. Wir befinden uns nämlich im Jahr 1988. Am Halloween-Morgen treffen die drei dann auf Erin und nehmen sie in ihre Gruppe auf. Von da an scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen, denn die Mädchen werden Zeuginnen, wie sich zwei seltsame Parteien vor ihren Augen bekriegen: Außerirdische! Die vier werden mitten in die Geschehnisse gewirbelt und bald wissen sie nicht mehr, wem sie noch trauen können.

„Paper Girls“ erschien ursprünglich als Comicserie in insgesamt 30 Heften. Der Autor, Brian K. Vaughan, ist vor allem für seine Arbeit mit Marvel bekannt, die Illustrationen stammen von Cliff Chiang, die Kolorationen von Matt Wilson. Gerade letztere sind auch das, was beim Betrachten sofort ins Auge sticht: Die Farben sind nicht realistisch, sondern changieren von lila und pink, zu grün, gelb und orange – was denn Bänden den gewünschte futuristischen Look verleiht. Ansonsten sind die Zeichnungen sehr klar und realistisch.

Thematisch gesehen hat die Reihe so einiges zu bieten. Natürlich sind da zunächst einmal die außerirdischen Lebensformen und Techniken, die recht schnell auf Science Fiction als Genre hindeuten. Grundsätzlich stehen sich zwei Parteien mit unterschiedlichen Auffassungen dazu gegenüber, wie die Welt gestaltet sein soll bzw. welchen Verlauf ihre Geschichte nehmen soll. Dabei ufert das Ganze manchmal ein wenig aus, wenn immer neue Themen und Motive hinzukommen und natürlich reisen unsere Heldinnen auch durch die Zeit.

Die vier „Paper Girls“ sind der Dreh- und Angelpunkt der Handlung und sie unterscheiden sich grundlegend voneinander, sei es in ihrem kulturellen oder religiösen Hintergrund oder ihrem Charakter. Mac ist die harte Anführerin mit weichem Kern, Erin die schüchterne Asiatin. Tiffany ist Schwarz und liebt Videospiele, während KJ eine jüdische Sportskanone ist – ein wenig klischeehaft vielleicht, aber man muss die vier einfach gern haben. Witzig ist zudem der Blick auf die 80er Jahre, in denen ich aufgewachsen bin.

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