Cleverer Krimi im Stil von Agatha Christie
Die Morde im Dekagon-HausSieben Studenten und Studentinnen, alle Mitglieder eines Krimiclubs, wollen eine Woche auf der Insel Tsunojima verbringen. Auf ihr steht das seltsame zehneckige Dekagon-Haus, in dem sie übernachten werden. ...
Sieben Studenten und Studentinnen, alle Mitglieder eines Krimiclubs, wollen eine Woche auf der Insel Tsunojima verbringen. Auf ihr steht das seltsame zehneckige Dekagon-Haus, in dem sie übernachten werden. Doch die Insel hat auch eine grausame Geschichte, denn vor einigen Monaten wurden hier im niedergebrannten Haupthaus vier Leichen entdeckt und der Täter bisher nicht gefasst. Das alles ist für Ellery, Carr, Agatha, Van, Orczy, Poe und Leroux, wie die Clubmitglieder sich nach ihren literarischen Vorbildern nennen, allemal ein interessantes Rätsel – bis auf der Insel die Morde beginnen. Auf dem Festland hingegen erhalten zwei Mitglieder, die nicht mitgefahren sind, seltsame Briefe.
„Die Morde im Dekagon-Haus“ von Yukito Ayatsuji erschien im Original bereits im Jahr 1987; die Handlung ist daher 1986 angesiedelt, wirkt aber recht zeitlos. Die deutsche Übersetzung verfasste Sabrina Wägerle und neben dem Roman existiert auch noch eine Manga-Adaption. Literarisches Vorbild ist, wie der Autor auch selbst angibt, Agatha Christies „Und dann gab’s keines mehr“. Dabei spielt die Handlung immer abwechselnd auf der Insel und auf dem Festland, wo man bereits versucht, dem Geheimnis der Briefe auf die Spur zu kommen. Die scheinen nämlich vom früheren Hausherrn der Insel zu sein, der aber eigentlich in dem Feuer vor einigen Monaten umkam.
Der Roman ist mit seinem abgeschlossenen Handlungsort und den mysteriösen Morden sehr klassisch aufgebaut. Ein starker Fokus liegt dabei auf den jungen Krimifans auf der Insel, die schon bald beginnen, einer zu misstrauen und sich gegenseitig zu verdächtigen, was eine sehr spannungsgeladene Atmosphäre zur Folge hat. Der Autor legt im Verlauf der Geschichte gekonnt falsche Spuren und die Auflösung am Ende ist wirklich clever. Einzig die Figuren bringt man, abgesehen von den beiden Frauen Agatha und Orczy, leicht durcheinander, da sie nicht besonders individuell gezeichnet sind. Für mich hat das den Lesespaß aber keinesfalls gemindert und ich würde mich freuen, wenn noch weitere Werke von Yukito Ayatsuji übersetzt werden.