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Veröffentlicht am 14.01.2026

Erschütternd, aber wichtig

Ich kämpfe für die Wahrheit
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In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis ...

In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis zum Start des Prozesses gegen ihn. Ihr zweites Buch – „Ich kämpfe für die Wahrheit“ – schildert nun in Tagebucheinträgen den erschütternden Prozess und seine unmittelbaren Folgen. Die deutsche Übersetzung stammt von Michaela Meßner und Grit Weirauch.

Am 19. Dezember 2024 wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Haft verurteilt, doch für seine Familie wird ihr Leben trotzdem nie wieder sein, wie es vorher war. Wo schon ihr erstes Buch schwer zu ertragende Wahrheiten enthielt, kommen hier noch weitere ans Licht. Es gilt als erwiesen, dass Pelicot neben seiner Frau auch seine Tochter und Schwiegertöchter heimlich und gegen ihren Willen in kompromittierenden Posen fotografiert hat; auch seinen Enkel*innen soll er sich unsittlich genähert haben. Doch der Täter schweigt oder redet sich heraus und nimmt seiner Familie so die Chance, den Fall aufzuarbeiten und vielleicht irgendwann hinter sich lassen zu können. Umso perfider, dass er selbst ein Buch über sein Leben veröffentlichen will.

Caroline Darian lässt uns erneut an ihrer Verzweiflung teilhaben und zeigt, wie sich Menschen im Verlauf des Prozesses verhalten haben. Egal, ob es die Täter sind, die die vor dem Gerichtsgebäude versammelten Feministinnen beleidigen, ob es Anwälte sind, die Opfer verunglimpfen oder Journalisten, die Carolines Auftritt vor Gericht als „würdelos“ empfinden, weil sie Emotionen zeigt. Diesem Gefühl der Machtlosigkeit tritt sie nun mit anderen Frauen und ihrem Verein „#MendorsPas: Stop à la soumission chimique“ entgegen, indem sie sich dafür einsetzt, dass die so genannte chemische Unterwerfung bekämpft wird. Es muss sich endlich etwas ändern! Traurig war für mich zu lesen, wie Gisèle Pelicot selbst sich ihrer Familie gegenüber im Prozess verhalten hat – aber vermutlich fällt es aus einer unbeteiligten Position auch einfach leicht, zu urteilen.

Ein starkes Buch von einer Frau, die der Hölle, durch die sie gegangen ist, etwas Positives abringen will

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein Ort zum Wohlfühlen

Yu-jins Bücherküche der großen Träume
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Jahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, ...

Jahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, eine Kombination aus Café und Buchladen mit einer angeschlossenen kleinen Pension. Diese wird nicht nur für Yu-jin ein absoluter Neustart, sondern bietet auch ihrem Personal und ihren Gästen einen Ort, an dem sie sich darüber klarwerden können, was sie eigentlich vom Leben erwarten.

„Yu-jins Bücherküche der großen Träume“ ist der Debütroman der Journalistin Jee-Hye Kim, die während der Coronapandemie ihre Anstellung aufgab, um als freie Übersetzerin zu arbeiten und selbst zu schreiben. Die deutsche Übersetzung verfasste Tamina Hauser. Mit der „Bücherküche“ hat die Autorin einen Platz erschaffen, den wohl jeder Leser oder jede Leserin gerne besuchen würde. Yu-jin veranstaltet kleine Events in ihrer Buchhandlung und umsorgt ihre Gäste liebevoll, bietet aber auch Räume, um ungestört den eigenen Gedanken nachzugehen.

Der Roman wird durch alle vier Jahreszeiten hinweg erzählt, von der Pflaumenblüte im Frühling, als Yu-jin die „Bücherküche“ eröffnet, bis hin zum Winter, als sie zu einer kleinen Weihnachtsfeier für Mitarbeiter und Stammgäste einlädt. So haben wir die Chance, nicht nur Yu-jins Entwicklung und die ihres Geschäfts mitzuverfolgen, sondern auch die Träume und Sehnsüchte der Menschen kennenzulernen, die bei ihr einkaufen oder übernachten. Da ist zum Beispiel eine bekannte Sängerin, die mit dem Tod ihrer Großmutter hadert oder ein junger Mann, der nach 10 Jahren endlich seine erste Liebe wiedersieht, die ihn abrupt verlassen hat.

Wie es bei solchen episodenhaften Romanen üblich ist, bleiben natürlich auch hier Leerstellen. Die Autorin erzählt zwar das Schicksal einiger Charaktere recht ausführlich und fügt für einzelne sogar einen Epilog an, andere hängen am Ende des Buches jedoch ziemlich in der Luft. Ob das Absicht ist und vielleicht manches in einem zweiten Band aufgegriffen werden soll, kann ich nicht sagen. Die Atmosphäre in der „Bücherküche“ war hingegen wunderschön.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Was für ein Buch!

Kunst, kommentiert
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Dass der DK Verlag wunderschöne Sachbücher herausgibt, das war mir schon lange bewusst. Mit dem vorliegenden Band „Kunst, kommentiert“ ist aber etwas ganz Besonderes entstanden. Auf über 500 Seiten werden ...

Dass der DK Verlag wunderschöne Sachbücher herausgibt, das war mir schon lange bewusst. Mit dem vorliegenden Band „Kunst, kommentiert“ ist aber etwas ganz Besonderes entstanden. Auf über 500 Seiten werden hier berühmte und weniger bekannte Kunstwerke gezeigt und für den Betrachter eingeordnet und erklärt – und das zeitlich gesehen von den Anfängen der Kunst 28.000 v. Chr. bis 1400 auf der einen Seite und von 1945 bis zur Gegenwart auf der anderen Seite. Dazwischen angesiedelt sind Kapitel zu Illusion und Beobachtung (1400-1600), Drama und Detail (1600-1800), Farbe und Innovation (1800-1900) und schließlich Auf dem Weg zur Abstraktion (1900-1945). Als Mitwirkende werden über 30 Personen angegeben.

Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeigt auf je einer oder einer Doppelseite ein Kunstwerk. Es sind hauptsächlich Gemälde, Drucke und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Kulturen und verschiedenster Kontinente. Jedes Exemplar ist dabei mit einer großen Abbildung dargestellt und wird durch Texte ergänzt, die das Verstehen erleichtern sollen. Es gibt eine kurze Einführung zu Thema, Idee und Inspiration sowie eine historische Einordnung. Kleinere Textblöcke sind direkt mit Bildausschnitten verknüpft und erklären Details zu Stil und Technik oder bestimmte Elemente des Kunstwerks. Überall im Buch finden sich zudem Sonderseiten, in denen Wissen zu bestimmten Themengebieten wie Porträts, Landschaftsmalerei oder Tierdarstellungen vermittelt wird.

„Kunst, kommentiert“ ist ein wunderbares Buch für Kunstinteressierte oder solche, die es noch werden wollen. Mir hat besonders gut die breite Mischung von Gemälden und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern gefallen. Die ergänzenden Texte halten sich kurz, enthalten aber dennoch alle wichtigen Informationen und picken spannende Details heraus. So weiß ich nun z.B., dass Edward Hoppers „Nachtschwärmer“ vielleicht von van Gogh inspiriert wurde und starke Diagonalen enthält. Oder dass Artemisia Gentileschis „Judith und Holofernes“ durch eine Vertikale in zwei Hälften geteilt wird und sie Caravaggio bewunderte. Was für ein Buch!

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Vielversprechender Debütroman

Morgens im Laksa Café
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Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren ...

Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren dabei auf dem Familienschatz, einer über Generationen weitergereichten Brühe. Mit ihr zaubert Ah Hock das beste Laksa (=eine würzige, cremige Nudelsuppe) der Stadt Kuching zu. Doch in letzter Zeit will ihm der Geschmack nicht recht gelingen. Liegt es an seinem Alter oder daran, dass ihm der Streit mit seinem Sohn Wei Ming auf der Seele lastet? Der ging schon vor vielen Jahren nach Japan, um seinen eigenen Träumen als Koch zu folgen. Doch dann bringt eine Bedrohung für den Laden Vater und Sohn wieder zusammen.

„Morgens im Laksa Café“ ist der, wie ich finde, vielversprechende Debütroman der aus Malaysia stammenden Schriftstellerin Janet Tay; die Übersetzung aus dem englischen Original verfasste Susann Rehlein. Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive des Vaters, als auch der des Sohnes erzählt, so dass wir als Leser beide Seiten des Konflikts nachvollziehen können und spielt in den 90er Jahren. Hin und wieder gibt es auch kleine Ausflüge in die Vergangenheit, zum Beispiel in Ah Hocks Kindheit, in der er mit dem Vater aus China fliehen musste.

Was zunächst wie „eine dieser vielen Laden-Geschichten“ klingt, entwickelt im Lauf der Handlung eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe. Denn neben den altgedienten kleinen Geschäften, die gegen modernere Konkurrenz kämpfen müssen, steht vor allem die komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt. Ah Hock liebt seinen Sohn, kann aber die eigene Erziehung und die Fluchterfahrung nicht hinter sich lassen und stößt Wei Ming mit seinen altmodischen Erwartungen immer wieder von sich. Der hingegen wünscht sich einfach nur die Freiheit, seinen eigenen Weg gehen und Dinge ausprobieren zu dürfen. Beide haben ihren eigenen Kopf und doch verbindet sie die Liebe zum Kochen und zu guten Zutaten. Gut gefallen hat mir auch Wei Mings Beziehung zu seinem Sushimeister Inamura, dessen Unterstützung ihn stark geprägt hat.

Absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Nette Weihnachtsromance mit Schwächen

Good Spirits
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Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ...

Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ratlos. Ja, Harriet mag seltsame Angewohnheiten haben, aber sie ist ein herzlicher Mensch und versucht, es allen recht zu machen. Gemeinsam reisen Nolan und sie in Harriets Vergangenheit, um dort herauszufinden, was sie beide verbindet. Doch dann kommt auf einmal alles anders und Nolans Leben steht stattdessen im Fokus.

„Good Spirits“ ist der erste Band einer neuen Reihe der Autorin B.K. Borison, in der sie dieses Mal den Boden der Tatsachen verlässt; die deutsche Übersetzung verfasste Michaela Link. Erzählt wird die Handlung abwechselnd aus der Perspektive von Harriet und Nolan, so dass wir einerseits erfahren, wie Harriet sich mit dem Weihnachtsspuk fühlt und auf der anderen Seite mit Nolan einen Blick hinter die Kulissen der Abteilung “Weihnachtsgeister“ werfen können.

Zunächst ist der Roman sicherlich eine Liebesgeschichte, die sich – wenig überraschend – zwischen einem Geist und einem Menschen entwickelt. Doch im Zentrum steht auch Harriets schwierige Beziehung zu ihrer Familie und der Wunsch, von ihnen geliebt und akzeptiert zu werden, egal für welchen Lebensweg man sich entscheidet. Mit Nolans Hilfe lernt Harriet, sich abzugrenzen und stolz auf sich selbst zu sein – was mir gut gefallen hat. Nolan selbst kämpft mit der Einsamkeit, die sein Dasein mit sich bringt und kann sich zudem kaum an sein vorheriges Leben erinnern.

Die eigentliche Liebesgeschichte konnte mich nicht völlig überzeugen. Die plötzliche Anziehung zwischen den beiden wird auf recht bequeme Weise erklärt und manches ist nicht konsequent durchdacht. Nolan ist vor mehr als 100 Jahren gestorben und kennt viele moderne Errungenschaften nicht, die „Muppets Weihnachtsgeschichte“ dann aber doch? Zudem störte mich sein ständiges „Aye“ – aber natürlich muss ein irischer Fischer so sprechen, oder? Fazit: Eine nette Weihnachtsromance, aber B.K. Borisons Lovelight-Reihe gefällt mir deutlich besser.

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