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Veröffentlicht am 20.11.2025

Cleverer Krimi im Stil von Agatha Christie

Die Morde im Dekagon-Haus
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Sieben Studenten und Studentinnen, alle Mitglieder eines Krimiclubs, wollen eine Woche auf der Insel Tsunojima verbringen. Auf ihr steht das seltsame zehneckige Dekagon-Haus, in dem sie übernachten werden. ...

Sieben Studenten und Studentinnen, alle Mitglieder eines Krimiclubs, wollen eine Woche auf der Insel Tsunojima verbringen. Auf ihr steht das seltsame zehneckige Dekagon-Haus, in dem sie übernachten werden. Doch die Insel hat auch eine grausame Geschichte, denn vor einigen Monaten wurden hier im niedergebrannten Haupthaus vier Leichen entdeckt und der Täter bisher nicht gefasst. Das alles ist für Ellery, Carr, Agatha, Van, Orczy, Poe und Leroux, wie die Clubmitglieder sich nach ihren literarischen Vorbildern nennen, allemal ein interessantes Rätsel – bis auf der Insel die Morde beginnen. Auf dem Festland hingegen erhalten zwei Mitglieder, die nicht mitgefahren sind, seltsame Briefe.

„Die Morde im Dekagon-Haus“ von Yukito Ayatsuji erschien im Original bereits im Jahr 1987; die Handlung ist daher 1986 angesiedelt, wirkt aber recht zeitlos. Die deutsche Übersetzung verfasste Sabrina Wägerle und neben dem Roman existiert auch noch eine Manga-Adaption. Literarisches Vorbild ist, wie der Autor auch selbst angibt, Agatha Christies „Und dann gab’s keines mehr“. Dabei spielt die Handlung immer abwechselnd auf der Insel und auf dem Festland, wo man bereits versucht, dem Geheimnis der Briefe auf die Spur zu kommen. Die scheinen nämlich vom früheren Hausherrn der Insel zu sein, der aber eigentlich in dem Feuer vor einigen Monaten umkam.

Der Roman ist mit seinem abgeschlossenen Handlungsort und den mysteriösen Morden sehr klassisch aufgebaut. Ein starker Fokus liegt dabei auf den jungen Krimifans auf der Insel, die schon bald beginnen, einer zu misstrauen und sich gegenseitig zu verdächtigen, was eine sehr spannungsgeladene Atmosphäre zur Folge hat. Der Autor legt im Verlauf der Geschichte gekonnt falsche Spuren und die Auflösung am Ende ist wirklich clever. Einzig die Figuren bringt man, abgesehen von den beiden Frauen Agatha und Orczy, leicht durcheinander, da sie nicht besonders individuell gezeichnet sind. Für mich hat das den Lesespaß aber keinesfalls gemindert und ich würde mich freuen, wenn noch weitere Werke von Yukito Ayatsuji übersetzt werden.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Schöne, weihnachtliche Geschichte(n)

Weihnachten im Mondscheincafé
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Das Mondscheincafé hat keinen festen Standort, mal erscheint es mitten in einer Einkaufspassage, manchmal an einem ruhigen Strandabschnitt. Und jetzt, wo bald Weihnachten ist, haben die liebenswerten Katzen, ...

Das Mondscheincafé hat keinen festen Standort, mal erscheint es mitten in einer Einkaufspassage, manchmal an einem ruhigen Strandabschnitt. Und jetzt, wo bald Weihnachten ist, haben die liebenswerten Katzen, die dort arbeiten, alle Pfoten voll zu tun. Denn die Gäste, die zu ihnen kommen, erhalten nicht nur ein speziell für sie ausgesuchtes Getränk oder Gericht, sondern auch den Rat der Sterne. Aber auch unter den Katzen selbst gibt es Konflikte und Verwicklungen.

„Weihnachten im Mondscheincafé“ ist bereits der zweite Band der Reihe der japanischen Autorin Mai Mochizuki, die deutsche Übersetzung stammt von Yukiko Luginbühl. Der Roman ist in drei größere Kapitel aufgeteilt, in denen jeweils eine Figur im Fokus steht. Zunächst ist da Satomi, die genau weiß, dass ihr Partner ihr an Weihnachten einen Heiratsantrag machen möchte. Sie ist jedoch noch nicht bereit, ihr Berufsleben in Tokyo aufzugeben. Koyuki hingegen fühlt sich wie ein Fremdkörper in der eigenen Familie, seit ihre Mutter nach dem Tod des Vaters wieder geheiratet hat, und hat ein einsames Weihnachten vor sich. Junko hat den Kontakt zu ihrem Vater schon vor Jahren abgebrochen, fragt sich aber, ob sie ihrer kleinen Tochter Ayu wirklich den Opa vorenthalten sollte.

Alle drei Frauen sind in der Handlung miteinander verbunden, denn Satomi ist sowohl die Vorgesetzte von Koyuki, als auch die Schwägerin von Junko. Und ihnen allen hilft das Mondscheincafé weiter, die richtige Entscheidung für ihr zukünftiges Leben zu treffen. Die Astrologie rückt dabei für mich in den Hintergrund, denn sie ist zwar eine nette Ausschmückung der Geschichte, aber eigentlich erfahren die drei Frauen im Gespräch und in der Auseinandersetzung mit sich selbst, was sie wirklich wollen.

Der Ausgang aller drei Geschichten ist sehr harmonisch und vor allem familienbezogen. Das mag eine kulturelle Sache sein oder auch der Tatsache geschuldet, dass ein gewisses weihnachtliches Gefühl vermittelt werden soll. So oder so haben mir die Geschichten jedoch gut gefallen, vor allem die über Junko, ihre Tochter Ayu und den neuen Familienhund.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Schöne, kurzweilige Lektüre

Matcha-Tee am Montag
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Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest ...

Am ersten Montag im Monat veranstaltet das Café Marble eine besondere Tee-Verkostung mit zwei Sorten Matcha und klassischem japanischem Gebäck. Hinein platzt unverhofft Miho, die sich seit dem Neujahrsfest vom Pech verfolgt fühlt. Im Café findet sie nicht nur einen neuen Blickwinkel, sondern verliebt sich auch ein wenig in Kellner Kippei. Doch der hilft heute eigentlich nur aus und arbeitet sonst im Familienunternehmen in Kyoto. Werden die beiden sich wiedersehen?

Das ist nur eine von insgesamt 12 kleinen Geschichten, die Michiko Aoyama in „Matcha-Tee am Montag“ erzählt; die deutsche Übersetzung verfasste, wie auch in den zwei bisher veröffentlichten Werken, Sabine Mangold. Die Autorin entführt uns erneut in das kleine Café Marble in Tokio, in dem der mysteriöse Besitzer, den alle nur Master nennen, und sein Personal sich um ihre Gäste kümmern. Jedes Kapitel spielt dabei in einem anderen Monat des Jahres, die alle mit alten Namen wie „Eismond“ oder „Taumond“ bezeichnet werden. So erleben wir einen ganzen Jahreszyklus rund um das kleine Café.

Neben Miho ist da zum Beispiel noch Mitsu, die in der Kunst des kamishibai, also des japanischen Schaukastentheaters, ihre Berufung gefunden hat, sich von ihrer Großmutter aber nicht ernst genommen fühlt. Oder Takaharu, der glaubt, seine wahre Natur vor anderen verbergen zu müssen, weil man ihn ansonsten verspottet. Dann ist da noch Antiquar Yoshihara, der fürchtet, mit seiner Berufswahl seine Frau enttäuscht zu haben. Ein Kapitel wird sogar aus dem Blickwinkel einer Katze erzählt und wir treffen auch alte Bekannte aus „Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ wieder.

„Matcha-Tee am Montag“ ist ein kleiner Reigen aus Alltagsgeschichten. In jedem Kapitel steht eine Figur im Fokus und eine Nebenfigur wird dann in der nächsten Geschichte zum Mittelpunkt. Dabei behandelt die Autorin die unterschiedlichsten Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen, lässt dabei aber ganz schwere Themen aus. Darüber hinaus kann man noch so einiges über Matcha und seine Zubereitung, japanische Süßigkeiten oder bestimmte Feste lernen. Eine schöne, kurzweilige Lektüre.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht

Da, wo ich dich sehen kann
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Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, ...

Die 9-jährige Maja wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Da ist auf der einen Seite ein Vater, der seine Frau tyrannisiert, seine Tochter aber liebevoll behandelt. Auf der anderen Seite steht eine Mutter, die sich ihr Leben ganz anders vorgestellt hat und sich zunehmend von ihrer Tochter zurückgewiesen fühlt, die scheinbar den Vater viel mehr liebt. Als alles schließlich eskaliert und der Vater die Mutter tötet, bleiben verzweifelte Menschen zurück: zuerst natürlich Maja, die Großeltern mütterlicherseits Brigitte und Per sowie Liv, die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist der neuste Roman aus der Feder von Jasmin Schreiber und wird aus der Perspektive der unterschiedlichsten Figuren erzählt. So wird noch einmal greifbarer, wie viele Menschen der Tod von Majas Mutter Emma beeinflusst und weit die Kreise sind, die Trauer und Verzweiflung ziehen. Hin und wieder sind auch besondere Kapitel eingeschoben, die auf schwarzem Hintergrund gedruckt sind. Hier erlaubt sich die Autorin den Blick, was passiert wäre, wenn so manches Gespräch zwischen Emma und ihren Liebsten anders abgelaufen wäre.

Im Zentrum der Handlung steht sicherlich das Thema der Femizide. Männer hassen Frauen, darüber sind sich die erwachsenen Frauen im Roman einig, besonders seit dem Tod von Emma. Nur Maja fällt es schwer, die Dinge so klar einzuordnen. Ja, ihr Vater ist ein Mörder, aber irgendwie liebt sie ihn eben auch. Was diese widersprüchlichen Gefühle in einer Kinderseele anrichten, das stellt Jasmin Schreiber wirklich eindrücklich dar. Überhaupt geht es nicht darum, Sachinformationen über das Thema im Text einzubauen, sondern die realen Auswirkungen darzustellen. Im Buch wird das, sinngemäß, so formuliert: der Täter erhält eine lebenslange Haftstrafe, was für ihn etwa 15 Jahre bedeutet. Für alle, die Emma geliebt haben, bedeutet „lebenslang“ aber genau das.

„Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein emotionaler Roman, der traurig und zugleich wütend macht. Es ist aber auch ein Roman, der deutlich macht, dass ein „Verlass’ ihn doch einfach“ nicht so simpel ist, wie wir glauben.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Leider nicht überzeugend

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Ein junger, auf Okkultismus spezialisierter Autor wird von einem Freund gebeten, sich vor einem Kauf den Grundriss eines Hauses anzusehen. Der wiederum zieht den Architekten Kurihara hinzu. Gemeinsam analysieren ...

Ein junger, auf Okkultismus spezialisierter Autor wird von einem Freund gebeten, sich vor einem Kauf den Grundriss eines Hauses anzusehen. Der wiederum zieht den Architekten Kurihara hinzu. Gemeinsam analysieren die beiden die Anordnung der Zimmer und schon bald fallen ihnen Ungereimtheiten auf. Warum hat das Haus einen versteckten Geheimraum? Warum ist das Kinderzimmer so seltsam geschnitten? Als schließlich eine Frau auftaucht und behauptet, ihr Ehemann sei vermutlich aus genau diesem Haus verschwunden, müssen die beiden unbedingt die Wahrheit herausfinden.

„HEN NA IE. Das seltsame Haus“ ist bereits der zweite Band aus der Feder des japanischen Autors Uketsu (deutsche Übersetzung: Heike Patzschke), der jedoch in Japan zuerst veröffentlicht wurde. Das erklärt auch, warum sein Stil noch sehr ungeschliffen klingt und warum die Technik, rund um bestimmte Objekte zu erzählen, hier noch nicht sehr ausgereift ist. Der Autor selbst hat den Roman mit seiner heutigen Erfahrung noch einmal neu überarbeitet, eine japanische Version kann man auf einer Website kostenfrei nachlesen.

Eines vorweg: „Seltsame Bilder“ mochte ich wirklich sehr gern. Mir gefiel die Idee, anhand von Zeichnungen Kriminalfälle aufzulösen und am Ende waren allen Handlungsstränge geschickt verbunden. An „Das seltsame Haus“ habe ich leider einiges zu bemängeln. Die Geschichte wird an insgesamt drei Grundrissen erzählt, die immer wieder wiederholt werden. In diese Grundrisse interpretieren der Erzähler und Kurihara die wildesten Mordgeschichten hinein, die sich am Ende auf magische Weise als Wahrheit herausstellen.

Es ist dabei nicht nur die Tatsache, dass es unmöglich erscheint, all das aus einem Grundriss herauszulesen, sondern auch die Motivation, die hinter den begangenen Verbrechen stehen soll, ist absolut unglaubwürdig. Zudem bleiben leider kleine Logiklücken, die nicht aufgelöst werden. Schade, aber dieser Band war leider nichts für mich – ich hoffe, dass sich das in zukünftigen wieder ändern wird, denn das Konzept finde ich wirklich spannend!

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