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Veröffentlicht am 21.02.2022

Nichtssagender Trilogieauftakt

Dunbridge Academy - Anywhere
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Ein Jahr will Emma im schottischen Internat „Dunbridge Academy“ verbringen, in dem auch schon ihre Eltern zur Schule gegangen sind. Dort, so erhofft Emma es sich, wird sie endlich Hinweise finden, warum ...

Ein Jahr will Emma im schottischen Internat „Dunbridge Academy“ verbringen, in dem auch schon ihre Eltern zur Schule gegangen sind. Dort, so erhofft Emma es sich, wird sie endlich Hinweise finden, warum ihr Vater die Familie verlassen hat und vielleicht sogar die Chance erhalten, ihn wiederzusehen. Doch ihr Fokus beginnt sich zu verschieben, als sie bereits auf dem Flug Henry kennenlernt: Schulsprecher, sympathisch, gutaussehend – aber auch in einer glücklichen Beziehung.

„Anywhere“ ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie der Autorin Sarah Sprinz, welche dieses Mal – nach Berlin und Vancouver – in Schottland angesiedelt ist. Erzählt wird erneut aus der Perspektive beider Hauptcharaktere, so dass wir einen guten Blick auf die Ereignisse erhalten. Sprachlich gesehen weiß die Autorin auch durchaus wieder zu überzeugen, nur kann dieses Mal die Handlung nicht mithalten, denn eigentlich passiert außer einem großen Knall die meiste Zeit nicht viel und Kleinigkeiten werden zu großen Krisen aufgebauscht.

Das größte Problem sind jedoch die Figuren, zu beiden konnte ich das gesamte Buch keinerlei Bezug aufbauen. Vor allem Emma ist unglaublich privilegiert, fühlt sich aber als Opfer und bemitleidet sich pausenlos selbst. Ja, ihre Mutter ist alleinerziehend (wie viele andere auch) und ja, sie wurde von ihrem Freund verlassen (auch das passiert) – dennoch hat sie es in vielerlei Hinsicht gut getroffen. Henry hingegen, der tatsächlich vor und während der Handlung einiges durchmachen muss, bleibt dennoch völlig farblos. Beide Hauptfiguren werden nur über die Geschehnisse charakterisiert, aber wer sind sie außerhalb dieser kleinen und großen Dramen?

Ich mag Sarah Sprinz wirklich gerne und auch ihre beiden vorangegangenen Trilogien, aber „Dunbridge Academy 1“ ist für mich völlig nichtssagend. Wo es der Autorin bisher gelungen ist, dass ich mit ihren Charakteren mitfühle, bleibt jetzt nur Unverständnis und Indifferenz. Immerhin sind die Nebenfiguren aber so interessant, dass ich tatsächlich weiterlesen möchte, denn auf ihnen liegt der Fokus in Band zwei.

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Veröffentlicht am 10.02.2022

Margarine und Feministinnen

Butter
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Rika ist Journalistin und recherchiert gerade über die Serienmörderin Manako Kajii, die mit ihrer Kochkunst Männer erst verführt und dann getötet haben soll. Manako ist dabei alles, was Rika ...

Rika ist Journalistin und recherchiert gerade über die Serienmörderin Manako Kajii, die mit ihrer Kochkunst Männer erst verführt und dann getötet haben soll. Manako ist dabei alles, was Rika nicht ist: laut, selbstbewusst, dick. Nach eigener Aussage verabscheut sie nichts mehr als „Margarine und Feministinnen“ und liebt es stattdessen, Männer kulinarisch zu verwöhnen. Über dieses Thema gelingt es Rika schließlich, sie zu einem Interview zu überreden, in dem es jedoch explizit nicht um die Morde gehen soll. In den Gesprächen wird Rika immer mehr in Manakos Bann gezogen – doch ist diese Frau tatsächlich eine Serienmörderin?

Asako Yuzukis Roman „Butter“ erschien in Japan bereits im Jahr 2017 und war dort ein Bestseller. Die Handlung wird hauptsächlich aus Rikas Perspektive in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Die Sprache ist klar und simpel, lebt aber auf jeden Fall von ihren Beschreibungen der einzelnen Gerichte. Von Manako lernt Rika vor allem eines: gutes Essen und hochwertige Lebensmittel zu schätzen. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sie sich zu einer wahren Feinschmeckerin und auch wir Leser*innen dürfen an dieser Reise teilhaben.

Das Buch spricht neben dem Essen natürlich auch noch andere Themen an. Rikas Beispiel – und auch das ihrer Freundin Reiko – zeigt deutlich, welche Erwartungen an japanische Frauen gestellt werden. Sie sollen möglichst schlank sein und eine gute Köchin, sonst gelten sie als faul. Rikas Beschäftigung mit gutem Essen führt zwangsläufig dazu, dass sie zunimmt. Für ihren Freund Makoto ist das ein Ärgernis, schließlich soll sie sich nicht „gehen lassen“. (Dabei war Rika bisher eher untergewichtig.) Umso unverständlicher und schockierender ist für die Öffentlichkeit der Umstand, dass Manako Kajii mit ihrer Figur überhaupt so viele Männer um den Finger wickeln konnte. Es geht in „Butter“ jedoch auch um Kinderwunsch, Geschlechterrollen und Frauen im Berufsleben.

Fazit: Nach der Lektüre möchten man am liebsten selbst sofort zum Kochlöffel greifen, aber der Roman ist auch ein klug konstruiertes Psychogramm einer Frau, die eigentlich nur lieben und geliebt werden wollte.

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Veröffentlicht am 10.02.2022

Sehr konstruiert

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Die 77-jährige Judith Potts lebt allein in ihrem Herrenhaus, das sie von ihrer Tante geerbt hat, im kleinen Dorf Marlow. Sie ist Kreuzworträtsel-Autorin und liebt es, nackt im Fluss zu schwimmen und sich ...

Die 77-jährige Judith Potts lebt allein in ihrem Herrenhaus, das sie von ihrer Tante geerbt hat, im kleinen Dorf Marlow. Sie ist Kreuzworträtsel-Autorin und liebt es, nackt im Fluss zu schwimmen und sich den ein oder anderen Whisky zu genehmigen. Doch dann wird ihr beschauliches Leben durch den Mord an ihrem Nachbar durcheinandergebracht. Oder eigentlich eher aufgepeppt, denn Judith denkt gar nicht daran, zu warten, bis die Polizei den Fall gelöst hat. Sie nimmt die Ermittlungen lieber selbst in die Hand.

Robert Thorogood war mir bisher nur als Autor der erfolgreichen „Death in Paradise“-Reihe (die übrigens auch eine durchaus gelungene Umsetzung als TV-Serie besitzt) ein Begriff. Nun startet er mit „Mrs Potts‘ Mordclub und der tote Nachbar“ eine neue Reihe, die ganz im Stil von Miss Marple daherkommt. Die Geschichte wird aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschildert und bleibt die meiste Zeit über bei ihrer Protagonistin Judith. Im späteren Verlauf kommen jedoch auch deren neue Freundinnen, Hundesitterin Suzie, Pfarrersgattin Becks und Dectective Sergeant Tanika Malik zu Wort.

Ein englisches Dörfchen und eine ebenso neugierige wie resolute „Privatdetektivin“ - das sind leider auch schon die einzigen Parallelen zur Kultfigur Jane Marple. Judith Potts ist, um ehrlich zu sein, leicht nervtötend und stellt sich bei ihren Ermittlungen manchmal reichlich ungeschickt an. Ihre offensichtlichen Versuche, im Fall herumzuschnüffeln, werden daher auch schon bald von allen Beteiligten durchschaut. Dennoch ist sie die einzige, die zur Lösung des Falles beiträgt, alle Hinweise fallen ihr in den Schoß und alle wichtigen Schlussfolgerungen stammen von ihr.

Die arme Tanika rückt dabei nicht nur völlig in den Hintergrund, sondern heuert aus lauter Hilflosigkeit die drei Damen auch noch an, um den Fall überhaupt lösen zu können. Und eben diese Auflösung ist dann auch ein wenig hanebüchen und sehr konstruiert. Glänzen kann der Roman jedoch in den Momenten, wenn die drei neuen Freundinnen ihre Kräfte bündeln, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Großartiges erreichen – davon in Zukunft gerne mehr.

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Veröffentlicht am 30.01.2022

Spannendes Buch über eine fabelhafte Frau

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein radikal ehrliches und inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von Mädchen, Frau etc.
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Als sie 2019 für ihren Roman „Mädchen, Frau etc.“ den Booker Prize erhielt, wurde Bernardine Evaristo über Nacht berühmt, dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine vierzigjährige Karriere in der ...

Als sie 2019 für ihren Roman „Mädchen, Frau etc.“ den Booker Prize erhielt, wurde Bernardine Evaristo über Nacht berühmt, dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine vierzigjährige Karriere in der Theaterarbeit und als Schriftstellerin hinter sich. Aufgewachsen als Kind eines Nigerianers und einer Britin ist sie von Beginn an immer diejenige, die heraussticht und auch im Gefüge ihrer Familie bleibt sie auf eine gewisse Weise von ihren Geschwistern isoliert. Auf der Theaterbühne und in der Lyrik findet sie erstmals den Raum, ganz sie selbst zu sein und entwickelt sich künstlerisch immer weiter.

In „Manifesto. Warum ich niemals aufgebe“ lässt die Schriftstellerin und Professorin für Kreatives Schreiben Bernardine Evaristo ihr Leben Revue passieren. In insgesamt zehn Kapiteln gewährt sie Einblicke in ihre Herkunft und Kindheit, erzählt von Beziehungen, die sie beflügelt, aber auch am Boden gehalten haben, von Erfahrungen mit Rassismus und ihrem wachsenden Aktivismus und vor allem von ihrem kreativen Schaffen. Die Kapitelzählung nimmt sie dabei in allen Sprachen vor, die ihr etwas bedeuten: Englisch als ihre Muttersprache, Yoruba als Sprache ihres Vaters, die sie zu ihrem Bedauern nicht beherrscht und Altenglisch, Gälisch und Portugiesisch für ihre Vorfahren auf beiden Seiten der Familie. Ergänzt wird der Text noch durch Bildtafeln am Ende des Buches, die den genannten Personen wortwörtlich ein Gesicht verleihen.

Besonders ansprechend an Evaristos Art und Weise, über sich selbst zu schreiben, ist die Tatsache, dass sie ihr eigenes Handeln und ihre Ansichten immer wieder kritisch betrachtet und auch zugeben kann, wenn sie in der Vergangenheit falsch gehandelt hat oder sich ihre Gedanken zu einem bestimmten Thema inzwischen gewandelt haben. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, macht sie aber vermutlich aus genau diesem Grund zu so einer glaubhaften Streiterin für die Rechte marginalisierter Gruppen.

Fazit: Ein spannendes Buch über eine fabelhafte Frau – an manchen Stellen hätte es jedoch gerne noch etwas ausführlicher sein dürfen

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Veröffentlicht am 27.01.2022

Netter zweiter Band

Aurora entflammt
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Gerade erst hat das Squad 312 eines seiner Mitglieder verloren, doch die nächste Mission steht bereits an. Die Zerstörung des Ra‘haam - ein Wesen, das sich Millionen andere Organismen einverleibt hat - ...

Gerade erst hat das Squad 312 eines seiner Mitglieder verloren, doch die nächste Mission steht bereits an. Die Zerstörung des Ra‘haam - ein Wesen, das sich Millionen andere Organismen einverleibt hat - ist noch immer das oberste Ziel und Aurora muss lernen, ihre gewaltigen Fähigkeiten gezielt einzusetzen. Neben der Global Intelligence Agency sind jedoch auch die Ungebrochenen unter der Führung von Kals Schwester Saedii hinter dem Squad her. Auf der Suche nach Hinweisen finden die sechs eine geheime Botschaft ihrer Ausbilder und für jeden ein seltsames Objekt. Wer hat sie ihnen hinterlassen? Nur eines der vielen Rätsel, das unser Team von Außenseitern lösen muss.

„Aurora entflammt“ ist der zweite Band der Reihe um das Squad 312 und schließt in seiner Handlung direkt an den ersten an. Für diejenigen, die sich nicht mehr so recht an die Geschehnisse erinnern können, steht gleich zu Beginn eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse und ein Register der Hauptcharaktere. Erzählt wird erneut aus der Perspektive aller Figuren im Wechsel, was uns erlaubt, sie alle noch näher kennen zu lernen, zu verstehen, wie sie denken und fühlen und es uns möglich macht, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein.

Ich gebe zu, Science Fiction interessiert mich kein Bisschen, aber Kaufman und Kristoff schaffen es, mich trotzdem bei Laune zu halten. Die Handlung ist gewohnt rasant und wirft das Squad in eine Vielzahl schwieriger, aber auch lustiger Situationen. Es ist deutlich zu spüren, dass sie näher zusammengewachsen sind und sich beinahe als Familie empfinden. Vor allem Finian und Zila treten dabei endlich aus dem Schatten der anderen heraus und erhalten noch mehr Tiefe und Hintergrundgeschichte.

Neben all dem Positiven einige kleine Kritikpunkte: „Aurora entflammt“ leidet ein wenig am Band 2-Syndrom, indem es im Prinzip eine lange Überleitung zum Finale darstellt. Wer nur schlecht auf Fortsetzungen warten kann, sollte hier lieber verzichten, denn der Cliffhanger am Ende ist fies. Darüber hinaus waren mir einige Handlungsstränge zu ausführlich und bestimmte sprachliche Wendungen wiederholten sich zu oft.

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