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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Trennung auf die harte Tour

Die Rosenschlacht
7

Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Romantiker aber genau das macht den Reiz aus. Was als klassische Vorstadt-Ehe beginnt, verwandelt sich in ein gnadenloses Duell zweier Menschen, die sich einst ...

Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Romantiker aber genau das macht den Reiz aus. Was als klassische Vorstadt-Ehe beginnt, verwandelt sich in ein gnadenloses Duell zweier Menschen, die sich einst liebten und nun alles daran setzen, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen.

Barbara und Jonathan Rose sind das Paradebeispiel für „zu schön, um wahr zu sein“. Erfolg, Geld, Haus, Kinder ... aber dann: der Bruch. Kein dramatischer Betrug, kein großer Skandal. Einfach diese still wachsende Abneigung, die irgendwann explodiert. Adler schreibt das so pointiert, ironisch und bitterböse, dass man sich fast dabei ertappt, wie man beim nächsten Wurf mit der Bratpfanne innerlich applaudiert.
Der Humor? Schwarz wie die Nacht. Die Dialoge? Treffend wie Pfeile. Die Dynamik? Zwischenmenschliches Desaster aber auf literarisch unterhaltsamstem Niveau. Adler gelingt das Kunststück, aus einer hässlichen Trennung eine bitterkomische Satire über Macht, Besitz und Ego zu formen.

Wer gerne lacht, wo es eigentlich wehtut, wird hier auf seine Kosten kommen. Die Rosenschlacht ist ein echter Pageturner für alle, die sich für Psychologie, menschliche Abgründe und bissigen Humor begeistern können oder schlicht ein geniales Gegenstück zu herkömmlichen Liebesromanen suchen.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Intensiv und nachdenklich

Im Leben nebenan 
0

"Im Leben nebenan" ist eines dieser Hörbücher, das sofort packt. Es geht um Themen, die Viele betreffen: Einsamkeit, Verstrickungen in Beziehungen, Kinderwunsch/Kinderlosigkeit und das Leben in einer Großstadt, ...

"Im Leben nebenan" ist eines dieser Hörbücher, das sofort packt. Es geht um Themen, die Viele betreffen: Einsamkeit, Verstrickungen in Beziehungen, Kinderwunsch/Kinderlosigkeit und das Leben in einer Großstadt, wo jeder in seiner eigenen kleinen Welt lebt und dennoch miteinander verbunden ist. Die Protagonistin, Antonia, findet sich mitten in einem überraschenden, aber viel zu realen Drama wieder, das sie aus ihrer Komfortzone herausreißt.

Das Besondere an diesem Hörbuch ist nicht nur die Story selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Die Autorin schafft es, alltägliche Situationen mit einem subtilen Humor zu versehen, was die ernsten Themen nie erdrückend wirken lässt, zudem sitzt jeder Satz perfekt. Mich haben so viele Sätze/Umschreibungen total abholen können. Anne Sauer schafft eine authentische Atmosphäre, in der man als Zuhörer direkt Teil der Geschichte wird. Es fühlt sich fast an, als würde man ein vertrautes Gespräch mit einer Freundin führen, die einem von ihrem Leben erzählt, mal nachdenklich, mal humorvoll, immer aber mit einer klaren emotionalen Tiefe.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Art, wie die Sprecherin, die das Hörbuch übernimmt, diese Gefühlslagen transportiert. Ihre Stimme passt perfekt zu der Stimmung der Geschichte und verstärkt die emotionale Wirkung der Szenen. In manchen Momenten wird die Erzählung fast zu einem intimen Erlebnis, bei dem man das Gefühl hat, dass jedes Wort aus dem Inneren der Charaktere herausgesprudelt kommt. Die Sprecherin hat es geschafft, eine Tiefe und Verletzlichkeit in den Figuren zu transportieren, ohne dass es zu dramatisch oder zu schmalzig wird.

Ein Hörbuch, das nachhallt. Die Geschichte hat etwas sehr Erdiges, das sich trotz seiner leisen Töne sehr präsent anfühlt.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Selbstfindung mit Nebenwirkungen (Hörbuch)

Sommer ohne Plan
0

Sommer ohne Plan klang nach genau dem, was ich für den Sommer gesucht hatte: ein warmherziges, humorvolles Hörbuch für entspannte Sommertage. Und ja, die Grundidee hat definitiv Charme: eine Burnout-geplagte ...

Sommer ohne Plan klang nach genau dem, was ich für den Sommer gesucht hatte: ein warmherziges, humorvolles Hörbuch für entspannte Sommertage. Und ja, die Grundidee hat definitiv Charme: eine Burnout-geplagte Großstädterin zieht sich in eine Waldhütte zurück und rutscht durch ein kurioses Missverständnis in die Rolle einer Lebensberaterin. Klingt unterhaltsam, oder?

Leider blieb das Hörvergnügen für mich eher durchwachsen. Die Hauptfigur Cassi kam mir von Anfang an emotional unnahbar vor. Weder die alte, überarbeitete Restaurantchefin noch die neue, pseudo-esoterische "Guru"-Version weckte bei mir echte Sympathie. Ihre Methoden? Oft absurder als überzeugend: Masken aus Ästen, Schweigesitzungen im Wald, Sprüche auf Kalenderniveau ... da blieb das Augenzwinkern für meinen Geschmack etwas auf der Strecke.

Positiv hervorheben möchte ich allerdings den Erzählstil. Der war flüssig und angenehm, und manche Szenen hatten durchaus etwas liebevoll Schrulliges. Besonders Pavel, der zurückhaltende, hilfsbereite Nachbar, brachte Menschlichkeit und Tiefe in die Handlung. Auch die Dorfkulisse wirkte atmosphärisch und bildhaft erzählt. Da hätte ich mir fast gewünscht, die Geschichte würde sich weniger auf die absurde Coaching-Schiene, sondern stärker auf echte zwischenmenschliche Begegnungen konzentrieren.

Insgesamt ist Sommer ohne Plan ein netter Roman für zwischendurch, aber für mich war’s stellenweise zu viel Schrägheit, zu wenig Herz. Wer mit leicht skurrilen Figuren und einem Schuss Dorfkomik etwas anfangen kann, findet hier vielleicht sein Sommerhörbuch. Für mich bleiben es solide 3 Sterne – nett, aber kein Highlight.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ungewöhnlich, warmherzig – mit erzählerischen Stolperern

Wedding People (deutsche Ausgabe)
6

Wedding People ist ein Roman, der auf den ersten Blick mit einer ungewöhnlichen, aber packenden Prämisse daherkommt. Phoebe Stone kommt nicht, um zu feiern, sondern um ein letztes Mal in ihrem Leben etwas ...

Wedding People ist ein Roman, der auf den ersten Blick mit einer ungewöhnlichen, aber packenden Prämisse daherkommt. Phoebe Stone kommt nicht, um zu feiern, sondern um ein letztes Mal in ihrem Leben etwas für sich zu tun. Sie hat das „Cornwall Inn“ mit einem klaren Plan im Kopf: sich das Leben zu nehmen. Doch kaum ist sie angekommen, wird sie mit einem unerwarteten Chaos konfrontiert: der Hochzeit von Lila, der Braut, die mit einem katastrophalen Planungswahn kämpft und jede Minute ihres großen Tages perfekt machen möchte. Natürlich kommt Phoebe in die Quere, und das sorgt für einige Wendungen.

Die Dynamik zwischen den beiden Frauen – der verzweifelten Phoebe und der überambitionierten Braut – ist überraschend berührend und glaubwürdig. Was als rein melancholische Reise einer Frau beginnt, wird durch die Begegnung mit Lila zu einer Geschichte über die unerwarteten Wendungen des Lebens. Man spürt die Verzweiflung von Phoebe und gleichzeitig die scharfsinnige, fast überzogene Perfektion der Braut. Doch die Geschichte verliert mit der Zeit ein wenig an Tempo. Während die Idee originell ist und einige starke Momente enthält, kommen die Figuren und ihre Entwicklungen nicht immer ganz zur Geltung, da der Erzählfluss an manchen Stellen stockt. Zudem sind ein paar Szenen ziemlich überzogen und unglaubwürdig.

Besonders in der Mitte des Buches fühlt es sich an, als ob zu viele Details über die Frauen und ihre Konflikte erzählt werden, was das Tempo bremst. Dennoch bleibt Wedding People ein interessanter, wenn auch etwas zäher Roman über Schmerz, Neuanfänge und unerwartete Freundschaften.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Eine ruhige Reise, die mehr verspricht als sie hält (Hörbuch)

Onigiri
1

Dieses Buch hat definitiv Potenzial, doch irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen. Die Grundidee einer Reise mit einer dementen Mutter nach Japan, auf der sich alte Wunden öffnen und ...

Dieses Buch hat definitiv Potenzial, doch irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen. Die Grundidee einer Reise mit einer dementen Mutter nach Japan, auf der sich alte Wunden öffnen und Familiengeheimnisse ans Licht kommen, klang spannend und emotional. Doch leider hat sich das Buch für mich eher wie eine Sammlung von Momentaufnahmen angefühlt, die nicht wirklich zusammenfließen wollten.
Die Erzählweise ist ruhig und distanziert. Es gibt viele Rückblenden und Zeitsprünge, die den Lesefluss bzw. Hörfluss manchmal ins Stocken bringen. Ich fand es besonders schwer, mich mit den Charakteren richtig zu verbinden. Aki, die Tochter, hat zwar eine spürbare Zerrissenheit in sich, aber ihre Gefühle gegenüber ihrer Mutter und die wechselnden Beziehungen wirken oft eher oberflächlich und nicht immer greifbar. Dass sich Keiko, die an Demenz leidet, in Japan plötzlich zu erinnern scheint, ist ein schönes, aber leider zu wenig vertieftes Motiv.

Die kurzen Kapitel und die sprunghafte Erzählweise – mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit – bringen keine klare Linie in die Geschichte. Es gibt viele Erzählmomente, die das Leben von Aki und ihrer Familie zeigen, aber sie bleiben oft nur Bruchstücke. Gerade die Reise nach Japan, die eine emotionale Reise hätte sein können, wirkt in ihrer Darstellung etwas unvollständig und hätte mehr Tiefe verdient.
Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch einige interessante Einblicke in die japanische Kultur gibt. Die Onigiri, die immer wieder als Symbol für Trost und Verbindung in der Familie auftauchen, sind ein schöner roter Faden, der allerdings nicht genug Gewicht bekommt, um die eher kühlen Erzählpassagen aufzulockern.

Insgesamt ist „Onigiri“ ein leises, nachdenkliches Buch, das sicher seine Leser findet. Aber für mich fehlte es an Emotionen, Tiefe und einem klareren Handlungsbogen, um wirklich zu überzeugen. Die Idee war stark, aber die Umsetzung nicht ganz so kraftvoll, wie ich es mir gewünscht hätte.

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