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Veröffentlicht am 30.10.2025

Wenn das Universum bricht – Über Trauer, Raum und Neubeginn

Da, wo ich dich sehen kann
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Dies ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eines, das einen aufschneidet, ganz leise, und dann zeigt, was im Innersten übrig bleibt, wenn alles Bekannte auseinanderfällt.

Die Geschichte dreht ...

Dies ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eines, das einen aufschneidet, ganz leise, und dann zeigt, was im Innersten übrig bleibt, wenn alles Bekannte auseinanderfällt.

Die Geschichte dreht sich um die neunjährige Maja, deren Leben in einem einzigen Moment zerbricht, als ihr Vater die Mutter tötet. Zurück bleibt ein Kind zwischen Schock, Verlust und der Frage, wo sie jetzt hingehört. Ihre Patentante Liv, Astrophysikerin mit Angst vor Nähe und Verantwortung, wird plötzlich zur Ersatzmutter und muss lernen, dass man auch ohne perfekte Antworten Halt geben kann.

Jasmin Schreiber erzählt diese Geschichte mit einer Sprache, die klar und gleichzeitig poetisch ist. Sie wechselt mühelos zwischen Majas kindlicher Wahrnehmung und Livs erwachsener Verdrängung und genau dazwischen entsteht dieser Sog, der einen nicht loslässt. Kein billiges Pathos, kein künstliches Drama. Stattdessen stille Szenen, die länger nachhallen als laute Worte.

Besonders beeindruckend ist, wie das Buch das Thema Gewalt behandelt: sensibel, ohne Voyeurismus, mit dem Blick auf das, was danach kommt: das Leben der Hinterbliebenen, die Leere, das Weiteratmen. Die Astrophysik dient dabei als starkes Symbol: Das Universum, so riesig und gleichgültig, wird zum Spiegel unserer eigenen Unbegreiflichkeit. Livs Arbeit mit Sternen ist gleichzeitig Flucht und Trost ... der Versuch, in der Ordnung des Kosmos einen Sinn zu finden, wo keiner mehr ist.

Trotz der Schwere ist da Hoffnung. Kleine Gesten, zaghafte Nähe, die Erkenntnis, dass Heilung nicht bedeutet, dass alles wieder gut wird sondern dass man weitergeht, auch mit Rissen. Das Buch tut weh, ja, aber auf diese ehrliche, reinigende Art, die einen am Ende irgendwie freier macht.

"Da, wo ich dich sehen kann" ist kein Wohlfühlroman, aber ein wichtiges, starkes Stück Literatur. Es verbindet Wissenschaft und Gefühl, Schmerz und Schönheit und schafft es, dass man am Ende wirklich glaubt: Man kann jemanden verlieren und trotzdem einen Ort finden, an dem man sich wieder sieht.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Perfekte Fassade, düstere Abgründe

The Final Wife
10

Dieser Thriller beginnt stark: Eine blutgetränkte Frau, ein toter Ehemann und eine Ermittlerin, die mehr Fragen als Antworten hat. Jenny Blackhurst versteht es, sofort eine dichte, leicht unheimliche Atmosphäre ...

Dieser Thriller beginnt stark: Eine blutgetränkte Frau, ein toter Ehemann und eine Ermittlerin, die mehr Fragen als Antworten hat. Jenny Blackhurst versteht es, sofort eine dichte, leicht unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Der Schauplatz in den Cotswolds wirkt wie eine Postkartenidylle, die sich schnell als trügerisch entpuppt. Ein klassischer, aber effektiver Einstieg für einen Psychothriller.

Die Geschichte lebt von Perspektivwechseln, Geheimnissen und dem schrittweisen Aufdecken einer toxischen Beziehung. Besonders gelungen ist, wie Blackhurst das Thema Erinnerungslücken nutzt, um ständig neue Zweifel zu säen: Ist Anna wirklich schuldig, oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Diese Unsicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und sorgt für durchgehende Spannung.

Ein kleiner Wermutstropfen: Im Mittelteil verliert die Handlung etwas an Tempo. Einige Wiederholungen und innere Monologe bremsen den ansonsten flüssigen Lesefluss. Außerdem sind manche Passagen meiner Meinung etwas unlogisch und nicht ganz so gut durchdacht. Trotzdem bleibt die Neugier bestehen, denn die Autorin versteht es, geschickt falsche Fährten zu legen und die Leser:innen bis zum Schluss im Dunkeln zu lassen.

Das Finale liefert schließlich die erhoffte Auflösung: überraschend, plausibel und mit einem letzten Twist, der das Geschehen noch einmal in ein neues Licht rückt.

Insgesamt ist The Final Wife ein moderner, atmosphärischer Psychothriller mit solider Spannung, glaubwürdigen Charakteren und einem starken Ende. Nicht ganz perfekt, aber absolut lesenswert.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 21.10.2025

Roadtrip der Gefühle

Heldentage
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„Heldentage“ von Martin Schäuble ist ein packender Coming-of-Age-Roman, der den Leser auf einen emotionalen Roadtrip mitnimmt. Drei Jugendliche fliehen aus einer psychiatrischen Klinik und suchen nicht ...

„Heldentage“ von Martin Schäuble ist ein packender Coming-of-Age-Roman, der den Leser auf einen emotionalen Roadtrip mitnimmt. Drei Jugendliche fliehen aus einer psychiatrischen Klinik und suchen nicht nur nach Freiheit, sondern auch nach sich selbst. Diese Reise wird für sie zu einem Abenteuer, das sie auf eine Weise miteinander verbindet, die mehr zu sein scheint als nur eine Flucht vor der Realität.

Nilo, der mit seinen 15 Jahren oft zwischen der digitalen Welt und der realen Welt hin- und herschwankt, landet nach einem heftigen Streit mit seiner Mutter in der Psychiatrie. Hier trifft er auf Faris, der ebenfalls zwischen den Welten lebt, und Mayla, ein Mädchen voller Geheimnisse, das ihre eigenen inneren Kämpfe zu führen hat. Als Mayla plötzlich von der Klinik flieht, folgen Nilo und Faris ihr, was sie in ein Abenteuer stürzt, das sie an ihre Grenzen bringt, sowohl physisch als auch emotional.

Die Geschichte ist in einem lockeren, jugendlichen und doch tiefgründigen Ton gehalten und vermittelt ein authentisches Bild der Schwierigkeiten und Unsicherheiten, die mit dem Erwachsenwerden einhergehen. Der Roman behandelt auf eine einfühlsame Weise Themen wie Freundschaft, Vertrauen und die Frage, wie viel Vergangenheit man tatsächlich hinter sich lassen kann.

Was „Heldentage“ besonders macht, ist die Mischung aus Humor, Abenteuer und Ernsthaftigkeit. Die Jugendlichen sind auf der Suche nach Freiheit, doch sie finden viel mehr: echte Freundschaft, die Bereitschaft, sich zu öffnen, und die Erkenntnis, dass auch das Scheitern Teil des Prozesses ist.

Schäuble gelingt es, ernste Themen auf eine zugängliche Weise zu vermitteln, ohne den Leser zu überfordern. Die Geschichte ist authentisch und tiefgründig, ohne dabei schwer oder zu düster zu wirken. Sie bleibt immer im Einklang mit den Emotionen und Herausforderungen von Jugendlichen und schafft es, diese mit einem gewissen Leichtigkeit zu präsentieren.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Gefühle, Grenzen, Vertrauen

Jetzt mal ehrlich?!: Meine Gefühle, mein Körper, meine Regeln! Ein wirksames Aufklärungsbuch für Kinder zur Prävention von sexuellem Missbrauch
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Das Thema dieses Buches ist zweifellos wichtig: Kinder frühzeitig über Gefühle, Körpergrenzen und sexualisierte Gewalt aufzuklären. Carsten Müller und Steffi Bohle wählen dafür einen einfühlsamen, direkten ...

Das Thema dieses Buches ist zweifellos wichtig: Kinder frühzeitig über Gefühle, Körpergrenzen und sexualisierte Gewalt aufzuklären. Carsten Müller und Steffi Bohle wählen dafür einen einfühlsamen, direkten und kindgerechten Weg. Ihr Ziel ist es, Kinder zu stärken, nicht zu verängstigen. Und das gelingt ihnen über weite Strecken sehr gut.

Schon auf den ersten Seiten wird klar: Dieses Buch will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger belehren, sondern ermutigen. Kinder sollen verstehen, dass ihre Gefühle wichtig sind, dass sie „Nein“ sagen dürfen und dass Erwachsene da sind, um ihnen zuzuhören und sie zu schützen.

Die Illustrationen sind freundlich und altersgerecht, die Sprache klar und leicht verständlich. Besonders gelungen: Es gibt Abschnitte für Kinder und gesonderte Hinweise für Erwachsene. Dadurch wird das Buch zu einem echten Mitmach-Angebot, das sich ideal für gemeinsame Gespräche eignet.

Stark ist auch die Mischung aus kleinen Geschichten, Übungen und Reflexionsfragen, die das Thema greifbar machen. Das Buch holt Kinder in ihrer Lebensrealität ab und vermittelt ihnen ein gutes Gefühl für persönliche Grenzen.

Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Inhalte setzen ein gewisses Maß an Begleitung voraus. Kinder sollten dieses Buch nicht komplett allein lesen. Gerade bei sensiblen Themen wie sexualisierter Gewalt kann es sonst zu Missverständnissen kommen oder offene Fragen bleiben unbeantwortet. Es eignet sich also weniger als „stilles“ Buch, sondern eher als Gesprächsgrundlage.

Insgesamt aber ein sehr durchdachtes und hilfreiches Aufklärungsbuch, das mit viel Respekt und Fachwissen an ein schwieriges, aber wichtiges Thema herangeht. Klare Empfehlung für Eltern, Kitas und Schulen, die Kindern frühzeitig Selbstbewusstsein und ein Gespür für den eigenen Körper mitgeben möchten.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Ein stilles Geständnis im digitalen Raum

Birk
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Birk von Liv K. Schlett ist ein einfühlsamer Jugendroman, der sich auf leise, aber eindringliche Weise mit dem Innenleben eines 16-jährigen Jungen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte in Form von Blogeinträgen ...

Birk von Liv K. Schlett ist ein einfühlsamer Jugendroman, der sich auf leise, aber eindringliche Weise mit dem Innenleben eines 16-jährigen Jungen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte in Form von Blogeinträgen und Kommentaren, ein moderner und ungewöhnlicher Stil, der dem Leser unmittelbaren Zugang zu Birks Gedankenwelt eröffnet. Die Sprache bleibt dabei nah an der Lebensrealität Jugendlicher und wirkt dadurch besonders authentisch.

Birk ist ein Junge, wie ihn viele kennen. Er liebt Videospiele, hat Streit mit Freunden und erlebt die typischen Höhen und Tiefen der Pubertät. Doch hinter seiner Fassade verbirgt sich etwas, das er niemandem anvertrauen kann, ein Geheimnis, das schwer auf ihm lastet und ihn innerlich zu zerreißen droht. Seine Blogeinträge werden zum Ventil, zur Suche nach Verständnis und vielleicht sogar nach Erlösung.

Der Roman zeichnet Birks Weg mit großer Sensibilität nach. Es geht um Identität, Scham, Freundschaft und die Angst vor Ablehnung – zentrale Themen für Jugendliche, aber auch für Erwachsene nachvollziehbar. Besonders hervorzuheben ist, wie respektvoll die Autorin mit der Thematik umgeht, ohne Klischees, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit spürbarem Verständnis für die emotionale Tiefe solcher Erfahrungen.

Das Umfeld, Familie, Schule und Freundeskreis, ist lebensnah gezeichnet und unterstützt die glaubwürdige Atmosphäre des Romans. Gleichzeitig bietet Birk viele Gesprächsanlässe, über seelische Gesundheit, Kommunikation in digitalen Räumen und darüber, wie wichtig es ist, gehört zu werden.

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