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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Düsteres Sommercamp mit kleinen Längen

The Box in the Woods. Schau nicht hinein
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Die Mischung aus altem ungelöstem Mordfall, Sommercamp und True-Crime-Atmosphäre klang für mich erstmal richtig vielversprechend. Gerade das abgelegene Camp mitten im Wald sorgt schnell für eine düstere ...

Die Mischung aus altem ungelöstem Mordfall, Sommercamp und True-Crime-Atmosphäre klang für mich erstmal richtig vielversprechend. Gerade das abgelegene Camp mitten im Wald sorgt schnell für eine düstere Stimmung, die gut zur Geschichte passt und neugierig macht. Man merkt sofort, dass hier Geheimnisse verborgen liegen, und genau das hat mich anfangs auch ziemlich gepackt.

Trotzdem konnte mich die Handlung leider nicht durchgehend fesseln. Gerade im Mittelteil zog sich einiges unnötig in die Länge, und manche Ermittlungen wirkten eher zäh als wirklich spannend. Es gab zwar immer wieder interessante Momente und kleine Wendungen, aber das große Mitfiebern blieb für mich stellenweise aus. Die Atmosphäre war oft stärker als die eigentliche Spannung. Die Figuren waren sympathisch und authentisch geschrieben, besonders die Dynamik innerhalb der Gruppe hat mir gefallen. Allerdings fehlte mir emotional manchmal die Tiefe, um wirklich komplett in die Geschichte einzutauchen. Das Finale bringt zwar nochmal etwas Tempo rein, konnte für mich die längeren, ruhigeren Passagen aber nicht ganz ausgleichen.

Insgesamt ein solider Mystery-Thriller mit cooler Grundidee und passender Sommerlager-Stimmung, der mich aber nicht dauerhaft packen konnte. Wer eher ruhig aufgebaute Jugendkrimis mit True-Crime-Feeling mag, könnte hier trotzdem auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Diese Kleinstadt fühlt sich falsch an

Komm spielen
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Castle Creek klingt nach genau dem Ort, an dem man nach einem schweren Jahr endlich durchatmen kann. Kleine Straßen, freundliche Menschen, Ruhe statt Großstadtchaos. Aber schon nach kurzer Zeit kippt dieses ...

Castle Creek klingt nach genau dem Ort, an dem man nach einem schweren Jahr endlich durchatmen kann. Kleine Straßen, freundliche Menschen, Ruhe statt Großstadtchaos. Aber schon nach kurzer Zeit kippt dieses Gefühl. Nicht plötzlich, sondern ganz langsam. Gespräche wirken merkwürdig, Vorfälle werden seltsam schnell abgetan und ständig bleibt dieses diffuse Unbehagen zurück, dass hier alle etwas wissen, nur Annie nicht.

Gerade diese Entwicklung macht die Geschichte spannend. Die Gefahr steht nicht von Anfang an mit voller Wucht im Raum, sondern schiebt sich Stück für Stück näher. Erst denkt man noch an Zufälle, dann an Pech und irgendwann merkt man, dass hinter der perfekten Kleinstadtfassade etwas ziemlich Dunkles steckt. Die Geschichte verlässt sich nicht dauernd auf Schockmomente. Oft reicht schon ein Blick, eine seltsame Reaktion oder dieses Gefühl, dass Annie mit ihren Sorgen allein dasteht. Dadurch entsteht eine unangenehme Spannung, die fast die ganze Zeit unterschwellig mitschwingt. Besonders stark fand ich, wie schnell man selbst anfängt, jedem zu misstrauen.

Auch Charlie sorgt dafür, dass vieles emotionaler wirkt. Sobald ein Kind in Gefahr geraten könnte, bekommt die Handlung automatisch mehr Druck. Genau dadurch fiebert man deutlich stärker mit, weil es plötzlich nicht mehr nur um merkwürdige Ereignisse geht, sondern um echte Angst. Der Thriller steigert die Spannung mit jedem Kapitel spürbar, ohne dabei ständig auf übertriebene Action setzen zu müssen. Stattdessen wächst dieses unangenehme Gefühl immer weiter, dass die Situation jederzeit außer Kontrolle geraten kann.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Geheimnisse, die nicht ruhen

Home Before Dark
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Hier geht es um die junge Marsi, die das Verschwinden ihrer Schwester Stina aufklären will. Alles beginnt mit einem folgenschweren Ereignis in den späten 1960er-Jahren: Marsi gibt sich gegenüber einem ...

Hier geht es um die junge Marsi, die das Verschwinden ihrer Schwester Stina aufklären will. Alles beginnt mit einem folgenschweren Ereignis in den späten 1960er-Jahren: Marsi gibt sich gegenüber einem Brieffreund als ihre ältere Schwester aus. Als es schließlich zu einem Treffen kommen soll, taucht sie nicht auf, stattdessen verschwindet Stina spurlos, zurück bleibt nur ihre blutverschmierte Jacke. Jahre später ist der Fall noch immer ungeklärt. Von Schuldgefühlen geplagt beginnt Marsi, selbst nach Antworten zu suchen, doch je tiefer sie gräbt, desto unsicherer wird sie sich, über die Menschen um sie herum und über ihre eigenen Erinnerungen. Realität und Wahrnehmung beginnen zunehmend zu verschwimmen.

Das Hörbuch lebt vor allem von seiner ruhigen, aber stetig anziehenden Spannung. Die wechselnden Zeitebenen mit ihren Rückblicken sind gut eingebaut und sorgen dafür, dass sich die Geschichte nach und nach entfaltet, ohne zu viel vorwegzunehmen. Gerade diese Struktur hat mir gut gefallen, weil sie das Geschehen Stück für Stück dichter macht. Auch die Sprecherin überzeugt: angenehm, klar und sehr passend zur eher düsteren Grundstimmung. Sie schafft es, die innere Zerrissenheit der Hauptfigur gut zu transportieren und macht das Zuhören durchgehend angenehm. Besonders stark fand ich den Aspekt der verschleierten Wahrnehmung. Dieses Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz trauen zu können, wird glaubwürdig dargestellt und zieht sich konstant durch die Handlung. Weniger überzeugend war für mich allerdings die zeitliche Einordnung. Obwohl Teile der Geschichte in den 60er- und 70er-Jahren spielen, habe ich davon kaum etwas gespürt. Die Atmosphäre dieser Zeit blieb für mich eher blass und hätte genauso gut in einer anderen Epoche angesiedelt sein können.

Insgesamt ein gut gesprochenes Hörbuch mit spannender Grundidee und gelungenen Rückblicken. Vor allem die psychologische Komponente bleibt im Kopf, auch wenn die zeittypische Atmosphäre für mich etwas zu kurz kam.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Liebe auf hoher See (Hörbuch)

Swept away – Nach dieser Nacht ist Abtauchen unmöglich
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Nach einer spontanen Nacht, die eigentlich folgenlos bleiben sollte, wachen zwei Fremde am nächsten Morgen auf einem Hausboot auf und zwar nicht mehr am Steg, sondern draußen auf offener See. Aus einem ...

Nach einer spontanen Nacht, die eigentlich folgenlos bleiben sollte, wachen zwei Fremde am nächsten Morgen auf einem Hausboot auf und zwar nicht mehr am Steg, sondern draußen auf offener See. Aus einem lockeren Moment wird ziemlich schnell Ernst: Das Boot hat sich unbemerkt gelöst und treibt einfach davon. Ohne Plan, mit wenig Vorräten und jeder Menge Unsicherheit müssen die beiden herausfinden, wie sie zurückkommen und gleichzeitig miteinander klarkommen. Auf engem Raum prallen unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, es knistert, es kracht, und mit der Zeit wird klar, dass da mehr entsteht als nur eine einmalige Begegnung. Irgendwann geht es nicht mehr nur darum, wieder an Land zu kommen, sondern auch darum, was danach zwischen ihnen bleibt.

Was mich direkt gepackt hat, ist diese Mischung aus Liebesgeschichte und kleiner Überlebensstory. Statt Bett gibt’s ein Boot, statt einem peinlichen Morgen danach echtes Improvisieren im Ausnahmezustand. Das bringt Spannung rein, ohne dass die lockere Stimmung verloren geht. Genau diese Kombi macht die Geschichte irgendwie besonders und hebt sie von typischen Romance-Stories ab.

Lexi und Zeke funktionieren vor allem durch ihre Unterschiede. Sie ticken einfach nicht gleich, bringen ihre eigenen Themen mit und geraten dadurch auch mal aneinander. Aber genau das macht es interessant. Es geht nicht nur ums Verlieben, sondern auch um Vertrauen, Verantwortung und die Frage, ob aus so einer Situation wirklich mehr werden kann. Nicht alles fühlt sich komplett rund an, aber gerade das wirkt auch ziemlich echt.

Als Hörbuch kommt das Ganze nochmal besser rüber. Die Stimmen passen gut, transportieren die Stimmung und machen die Dialoge lebendig. Man hat nicht das Gefühl, dass einfach nur vorgelesen wird. Es gibt allerdings ein paar Stellen, die sich etwas ziehen. Das nimmt kurz Tempo raus, passt aber auch irgendwie zur Situation auf dem Boot, wo die Zeit ja auch anders vergeht.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Zwischen Humor und Selbstfindung

Mit anderen Augen
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Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die ...

Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die rätselhafte Diagnose „Unsichtbarkeit“. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, beginnt Tilda, ihr Leben zu hinterfragen. Zwischen Familie, Beruf und Freundschaften stellt sie sich der Frage, warum sie sich selbst aus dem Blick verloren hat und wie sie wieder sichtbar werden kann.

Die Grundidee ist ungewöhnlich und sofort fesselnd: Unsichtbarkeit nicht als Fantasy-Element, sondern als greifbare Metapher für das Gefühl, im Alltag übersehen zu werden. Genau hier setzt die Geschichte ihre stärksten Impulse. Sie schafft es, ein ernstes Thema – Selbstwahrnehmung, Älterwerden und gesellschaftliche Erwartungen – zugänglich und stellenweise sogar leicht zu erzählen, ohne an Tiefe zu verlieren.

Was hier wirklich trägt, ist die Hauptfigur. Tilda wirkt nahbar, widersprüchlich und angenehm unperfekt. Ihre Entwicklung fühlt sich glaubwürdig an, weil sie nicht plötzlich „alles im Griff“ hat, sondern sich Schritt für Schritt wieder näherkommt. Auch die Nebenfiguren fügen sich stimmig ein und sorgen dafür, dass die Geschichte emotional verankert bleibt. Der Schreibstil ist modern, flüssig und von einem feinen Humor durchzogen. Gerade dieser Ton verhindert, dass die Geschichte zu schwer wird. Stattdessen entsteht eine gute Balance aus Nachdenklichkeit und Leichtigkeit, und die Botschaft bleibt präsent, ohne belehrend zu wirken.

Ein kleiner Kritikpunkt liegt für mich im Schluss: Der wirkt insgesamt sehr rund und fast schon ein wenig zu glatt. Ohne zu viel vorwegzunehmen, hätte ich mir hier etwas mehr Reibung oder Zwischentöne gewünscht, statt einer Lösung, die stellenweise etwas idealisiert und leicht kitschig daherkommt. Am Ende bleibt ein kluger, emotionaler und zugleich angenehm lesbarer Roman, der zum Nachdenken anregt, ohne zu beschweren.

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