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Veröffentlicht am 13.03.2026

Wichtige Botschaft, holprige Romance

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1)
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Das Jugendbuch erzählt eine Geschichte über Essstörungen, Klinikalltag und erste Gefühle. Ein sensibles Thema, das hier größtenteils aus der Perspektive der jungen Protagonistin Mila geschildert wird. ...

Das Jugendbuch erzählt eine Geschichte über Essstörungen, Klinikalltag und erste Gefühle. Ein sensibles Thema, das hier größtenteils aus der Perspektive der jungen Protagonistin Mila geschildert wird. Insgesamt hat mich das Hörbuch mit gemischten Gefühlen zurückgelassen, weshalb ich am Ende bei soliden 3 Sternen lande.

Besonders gut gefallen hat mir der Einblick in den Alltag der Klinik. Die Abläufe, Gespräche und inneren Gedanken der Figuren wirken oft nachvollziehbar und geben einen Eindruck davon, wie komplex der Umgang mit Essstörungen sein kann. Vor allem Niklas hat auf mich einen überraschend erwachsenen und authentischen Eindruck gemacht. Seine Gedanken wirkten reflektiert und glaubwürdig, wodurch er für mich eine der stärkeren Figuren der Geschichte war. Mila dagegen kam mir stellenweise deutlich jünger und naiver vor, was natürlich zu ihrem Alter passt, aber im Kontrast zu Niklas teilweise etwas unausgewogen wirkte.

Positiv hervorheben möchte ich auch die Erwähnung von Pro-Ana- und Pro-Mia-Foren. Gerade für junge Hörerinnen und Hörer können solche Hinweise wertvoll sein, weil sie zeigen, wie schnell man in gefährliche Gedankenspiralen geraten kann.

Etwas schwierig fand ich allerdings das Erzähltempo in der ersten Hälfte. Die Einweisung in die Klinik und der Weg dorthin nehmen gefühlt etwa 60 % der Geschichte ein. Ab dem Zeitpunkt, an dem Mila schließlich dort ist, wirkte vieles für mich etwas konstruiert oder weniger glaubwürdig.

Achtung, kleiner Spoiler: Besonders die Entwicklung zwischen Mila und Niklas hat mich nicht ganz überzeugt. Die beiden haben gerade einmal einen einzigen Satz miteinander gesprochen und kurz darauf lädt er sie schon zu einem romantischen Picknick ein. Mir fehlte hier einfach die Grundlage. Ein paar mehr gemeinsame Szenen oder Gespräche im Vorfeld hätten der Beziehung deutlich mehr Tiefe gegeben. So wirkte die große Liebe auf mich eher skizziert als wirklich greifbar, weshalb ich sie emotional nicht ganz ernst nehmen konnte.

Vielleicht bin ich für diese Art von Geschichte inzwischen einfach etwas zu alt oder die romantische Entwicklung hätte etwas sorgfältiger aufgebaut werden können. Trotzdem fand ich die Grundidee spannend und die Thematik wichtig.

Das Hörbuch endet zudem mit einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Trotz meiner Kritikpunkte bin ich durchaus gespannt, wie es weitergeht. Für den nächsten Band würde ich mir wünschen, dass die Figuren ein wenig älter oder zumindest emotional reifer wirken und die Beziehungen zwischen ihnen mehr Raum zur Entwicklung bekommen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Mit Kreide ins Abenteuer

Heute fahren wir nach Anderswo
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In diesem Kinderbuch steckt genau die Art von Magie, die Kinder sofort mitnimmt. Die Geschichte beginnt ganz alltäglich: Oscar langweilt sich. Doch als Elfi mit ihrer geheimnisvollen Elfenkreide auftaucht, ...

In diesem Kinderbuch steckt genau die Art von Magie, die Kinder sofort mitnimmt. Die Geschichte beginnt ganz alltäglich: Oscar langweilt sich. Doch als Elfi mit ihrer geheimnisvollen Elfenkreide auftaucht, wird aus Langeweile im Handumdrehen ein Abenteuer. Ein gemaltes Auto reicht und schon führt die Reise nach Anderswo.

Die Idee ist wunderbar verspielt und trifft genau den Kern kindlicher Fantasie: Alles kann möglich sein, wenn man es sich nur vorstellt. Auf ihrer Reise begegnen Oscar und Elfi ungewöhnlichen Wesen, erleben kleine Herausforderungen und entdecken immer wieder neue Überraschungen. Dabei bleibt die Geschichte leicht, freundlich und voller Staunen.

Besonders schön sind die Illustrationen. Sie wirken lebendig, farbenfroh und passen perfekt zur fantasievollen Stimmung der Geschichte. Man merkt, dass hier viel Herz drinsteckt und dass die Bilder genauso viel erzählen wie der Text.

Neben dem Abenteuer steckt auch eine schöne Botschaft im Buch: Fantasie ist eine Kraft, die Türen öffnen kann. Kinder werden ermutigt, ihre eigenen Ideen zu entwickeln und die Welt spielerisch zu entdecken.

Ein liebevolles Bilderbuch, das zeigt, dass große Abenteuer manchmal nur eine Zeichnung entfernt sind. Perfekt zum gemeinsamen Vorlesen und um danach selbst ein Kreideauto zu malen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Zwischen Bewusstsein und Stille

Voices. Ich kann euch hören
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Die Ausgangsidee dieses Thrillers ist sofort faszinierend: Eine Frau liegt im Koma, kann sich nicht bewegen oder sprechen, ist jedoch bei vollem Bewusstsein. Tamsin Shaw hört alles, nimmt ihre Umgebung ...

Die Ausgangsidee dieses Thrillers ist sofort faszinierend: Eine Frau liegt im Koma, kann sich nicht bewegen oder sprechen, ist jedoch bei vollem Bewusstsein. Tamsin Shaw hört alles, nimmt ihre Umgebung wahr, ist aber vollständig in ihrem eigenen Körper gefangen. Allein dieser Gedanke sorgt für eine beklemmende Atmosphäre, die sich durch große Teile der Geschichte zieht.

Der Einstieg fiel mir allerdings etwas schwer. Die Handlung entwickelt sich zunächst recht langsam, und ich hätte mir gerade am Anfang deutlich mehr Spannung gewünscht. Die Prämisse bietet so viel Potenzial, dass ich anfangs darauf gewartet habe, dass die Geschichte schneller Fahrt aufnimmt. Dadurch wirkte der Start für mich etwas zäh.

Im Verlauf entfaltet sich die Geschichte jedoch immer stärker. Besonders interessant ist die psychologische Komponente: Tamsin ist Psychiaterin und erkennt selbst, dass ihr Gedächtnisverlust kein Zufall sein könnte. Der Gedanke, dass das eigene Unterbewusstsein eine Erinnerung so sehr verdrängt, dass es den Körper praktisch abschaltet, ist gleichermaßen faszinierend wie unheimlich.

Auch die emotionale Ebene funktioniert gut. Die Sorge um ihre Tochter und die drohende Entscheidung ihres Mannes, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden, erzeugen spürbaren Druck. Dadurch entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit, allerdings nicht in der Außenwelt, sondern in Tamsins Erinnerungen.

Besonders gelungen fand ich die beklemmende Perspektive: Die völlige Hilflosigkeit der Protagonistin wird sehr eindringlich vermittelt. Gleichzeitig baut sich nach und nach ein Spannungsbogen auf, der immer mehr Fragen aufwirft: Was ist wirklich passiert? Und warum scheint die Wahrheit so gefährlich zu sein?

Insgesamt ist es ein Thriller mit einer starken Idee, interessanten psychologischen Ansätzen und einer düsteren Grundstimmung. Der etwas schleppende Einstieg kostet zwar etwas Tempo, doch im weiteren Verlauf entwickelt sich eine fesselnde Geschichte, die zum Miträtseln einlädt.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Freundschaft als leiser Wendepunkt

Narbenmädchen
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Der Jugendroman erzählt eine intensive Geschichte über Selbstverletzung, Isolation und die vorsichtige Annäherung an Hoffnung. Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Lara, die für vier Wochen in eine Kurklinik ...

Der Jugendroman erzählt eine intensive Geschichte über Selbstverletzung, Isolation und die vorsichtige Annäherung an Hoffnung. Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Lara, die für vier Wochen in eine Kurklinik für verhaltensauffällige Jugendliche muss. Schon zu Beginn wird klar: Lara begegnet der Therapie mit Sarkasmus, Widerstand und einer gehörigen Portion Trotz. Dass sie Rasierklingen in die Klinik schmuggelt, zeigt, wie tief sie in ihren eigenen Mustern gefangen ist.

Die Geschichte überzeugt vor allem durch seine direkte und unverstellte Perspektive. Lara wirkt glaubwürdig, widersprüchlich und verletzlich, manchmal hart, manchmal überraschend reflektiert. Gerade diese Mischung macht sie zu einer authentischen Figur. Ihre Gedanken sind oft zynisch, manchmal wütend, aber immer nachvollziehbar. Dadurch entsteht ein realistisches Bild einer Jugendlichen, die zwar Hilfe braucht, sie aber zunächst kaum annehmen kann.

Besonders interessant wird die Geschichte durch Laras Begegnungen mit Neo und Finn. Während die offiziellen Therapiegespräche sie eher frustrieren, entwickeln sich zwischen den Jugendlichen ehrliche Gespräche, in denen plötzlich Dinge ausgesprochen werden, die vorher keinen Platz hatten. Diese Dynamik wirkt natürlich und zeigt, wie wichtig Gleichaltrige und echte Verbindungen im Heilungsprozess sein können.

Das Buch behandelt ein sensibles Thema mit viel Ernsthaftigkeit. Die Darstellung der Selbstverletzung ist deutlich, ohne sensationsheischend zu sein. Statt dramatischer Zuspitzungen setzt die Geschichte eher auf kleine, glaubwürdige Schritte und leise Veränderungen. Genau das macht die Entwicklung der Figuren nachvollziehbar.

Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in einzelnen Nebenfiguren oder Therapiesituationen gewünscht. Einige Aspekte bleiben eher angerissen, obwohl sie viel Potenzial gehabt hätten. Trotzdem schafft es das Buch, emotional zu berühren und gleichzeitig eine gewisse Hoffnung zu vermitteln.

"Narbenmädchen" ist kein leichter Roman, aber ein ehrlicher. Er zeigt, dass Heilung selten geradlinig verläuft und dass manchmal gerade unerwartete Begegnungen etwas in Bewegung bringen können.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Zwischen Protest und Panik

Up in Smoke - Was tust du, wenn die Wahrheit nicht zählt?
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Im Mittelpunkt steht Cooper, 17, loyal, manchmal zu loyal. Als sein bester Freund Jason ihn überredet, während einer Black-Lives-Matter-Demonstration bei einem Einbruch mitzumachen, kippt ein ohnehin aufgeladenes ...

Im Mittelpunkt steht Cooper, 17, loyal, manchmal zu loyal. Als sein bester Freund Jason ihn überredet, während einer Black-Lives-Matter-Demonstration bei einem Einbruch mitzumachen, kippt ein ohnehin aufgeladenes Setting komplett. Schüsse fallen, ein Mensch stirbt und plötzlich sind Cooper und seine Freunde nicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort, sondern Gesichter in den Nachrichten. Vier Masken. Vier Verdächtige. Eine Zukunft, die innerhalb von Sekunden zerbröselt.

Was dieses Buch besonders macht, ist die Atmosphäre. Brooks schreibt direkt, nah dran, mit einer Energie, die den Puls hochhält. Man spürt die Hektik der Demonstration, die Angst nach den Schüssen, das lähmende Gefühl, wenn die öffentliche Meinung schneller urteilt als jedes Gericht. Die Frage „Was zählt mehr: Wahrheit oder Wahrnehmung?“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Cooper ist kein klassischer Held. Er trifft fragwürdige Entscheidungen, schwankt zwischen Schuldgefühl und Selbstschutz. Gerade das macht ihn glaubwürdig. Auch die Dynamik zwischen ihm und Monique, Jasons Schwester, bringt eine emotionale Tiefe hinein, ohne kitschig zu wirken. Ihre gemeinsame Suche nach dem wahren Täter sorgt für Tempo, aber auch für leise Momente, in denen es um Vertrauen, Verantwortung und Mut geht.

Thematisch bewegt sich das Buch nah an gesellschaftlichen Realitäten: Rassismus, Vorverurteilung, mediale Verzerrung. Dabei bleibt der Ton erstaunlich ausgewogen. Es wird nichts platt erklärt oder moralisch erhoben, stattdessen lässt Brooks die Ereignisse für sich sprechen. Das erzeugt Nachhall.

Manche Wendungen sind dramatisch zugespitzt, fast filmreif, doch genau das passt zur Intensität der Geschichte. Der Thriller-Aspekt funktioniert, die Bedrohung ist greifbar, und das Finale hält die Spannung konsequent oben. Es ist eine Geschichte über Loyalität, über Fehler, die sich nicht zurückspulen lassen, und über die Kraft, trotzdem für die Wahrheit einzustehen ... selbst wenn sie niemand hören will. Modern, relevant und definitiv diskussionswürdig.

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