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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2024

Ein modernes Märchen

Die Vermesserin der Worte
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Es war einmal eine junge Schriftstellerin, die studierte und dann als Journalistin bei einer lokalen Zeitung arbeitete. Irgendwann beschloss sie als freie Autorin tätig zu werden, doch flossen ihr die ...

Es war einmal eine junge Schriftstellerin, die studierte und dann als Journalistin bei einer lokalen Zeitung arbeitete. Irgendwann beschloss sie als freie Autorin tätig zu werden, doch flossen ihr die Wörter nicht so zu, wie es hätte sein sollen bei einer die des Schreibens willens, Tag ein Tag aus, die Wörter sucht. Es kam wie es leider kommen musste, denn ohne Texte kein Einkommen und so musste Ida Hermann ihr Brot und ihre Unterkunft anders erwerben. Was ein glücklicher Zufall, dass eine alte Dame auf einem herrschaftlichen Anwesen just eine Haushaltshilfe suchte. Bei dieser Ottilie Selig zieht nun die junge Schriftstellerin ein. Beäugt und nicht sonderlich herzlich empfangen von der alten Dame.
Natürlich nähern die beiden sich an und natürlich brauchen sie einander, aber das die Geschichte einen offensichtlichen Verlauf nimmt, sollte nicht weiter stören. Es ist eine leise, gar ruhige Geschichte, die märchenhaft erzählt wird. Mitgenommen aufs Land unter Staub entdecken wir mit Ida die vergangenen Zeiten und verlieren Ottilie an ihre Demenz.
Wie vieles in diesem Roman wird auch die Demenz leichter und erträglich dargestellt als das echte Leben es je möglich macht. Aber dieser Roman will auch aus meiner Sicht auch nicht die Realität abbilden sondern unterhalten mit gut gewählten Formulierungen. Nicht mehr, nicht weniger.
Katharina Seck hat einen Wohlfühl-Sound mit einer leichten Geschichte kombiniert in der man gut ein paar Stunden das Hier und Jetzt linksliegen lassen kann um auf andere Gedanken zu kommen.

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Veröffentlicht am 20.06.2024

Ein Holzbein auf Steinboden, darauf folgt Unheil

Jenseits des Grabes
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Ich habe mich sehr über einen neuen Fred Vargas Krimi gefreut, habe ich doch schon ein paar gelesen, auch wenn nicht in der richtigen Reihenfolge und auch nicht sonderlich stringent.
Die Krimireihe um ...

Ich habe mich sehr über einen neuen Fred Vargas Krimi gefreut, habe ich doch schon ein paar gelesen, auch wenn nicht in der richtigen Reihenfolge und auch nicht sonderlich stringent.
Die Krimireihe um den Polizisten Jean-Baptiste Adamsberg gibt es im Original schon seit 1996 (auf Deutsch seit 1999), seitdem sind in unregelmäßigen Abständen inklusive diesem neuen 10 Fälle erschienen aus der Feder von Fred Vargas. Wobei auch das nur ein Pseudonym der französische Autorin Frédérique Audoin-Rouzaeu.
Ich finde diese Reihe hat einen ganz besonderen Vibe. Immer irgendwas mythisches, kurioses oder abstruses ist enthalten und mittendrin der Kommissar Adamsberg aus Paris.
Dieses Mal geht es in die Bretagne. Erst vernehmen die Dorfbewohner ein Klopfen wie es immer ist, wenn Unheil am Horizont erscheint – Teil einer uralten Legende. Und nun ein Toter: Der Wildhüter erstochen in diesem kleinen Dorf – Messer steckt noch in der Leiche… Aber das wird nicht die einzige Leiche bleiben während die Ermittlungen laufen. Aber dafür schön unblutig und mit Spannung. Ich brauch kein Splatter, ich brauch Komplexität. Und Fred Vargas hat diese Gabe zu Kuriositäten, wenn dann so eine Leiche ein Ei in der Hand hat und man sich erst fragt, ob man richtig gelesen hat. Ja, ein Ei. Trotz mehrerer Morde bleibt Raum für amüsante Sequenzen. Aus meiner Sicht wieder sehr gelungene düstere, aber gute Unterhaltung mit französischer Note.
Aus dem Französischen von Claudia Marquardt gut lesbar übertragen, über die Qualität vermag ich mir kein Urteil zu bilden, dafür ist mein Französisch trop mauvais…. ;0)

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Wir sie gefunden?

Schatten über Monte Carasso
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Moira steckt ihre Nase wieder in Dinge, die sie ganz eigentlich nichts angehen und läuft mit ihrem Ziehvater zu Hochtouren auf.
Achtung, wer die Reihe noch nicht kennt, ist hier im dritten Fall gelandet ...

Moira steckt ihre Nase wieder in Dinge, die sie ganz eigentlich nichts angehen und läuft mit ihrem Ziehvater zu Hochtouren auf.
Achtung, wer die Reihe noch nicht kennt, ist hier im dritten Fall gelandet von Moira Rusconi, der erste war „Mord in Montagnola“, dann folgte der Zweite: „Die Tote im Luganer See“ und nun „Schatten über Monte Carasso“. Nicht nur sind die Cover schön im 50er Jahre Stil gehalten, auch die dramatischen Titel sind herrlich. Wer erst einmal nur diesen Band lesen mag, geht auch, es fehlt kein Wissen um hier dem Fall zu folgen, aber man würde Moira, Ambrogio, Chiara und Luca schon kennen.
Nun also Fall 3. Der werte Herr „Papa“ ist dem Essen und dem Wein so zugeneigt, dass da unbedingt was gemacht werden muss. Also auf in die Kur und dann aber nicht irgendwohin, sondern in die Wellnessklinik Villa Carasso bei Bellinzona. Er bittet Moira ihn zu begleiten. Endlich mal Entspannung. Aber Pustekuchen, denn eine Mit-Patientin ist verschwunden. Irritierend, dass keiner sie als vermisst melden will und als das Gerücht aufkommt, die wäre dem Yoga-Lehrer nicht abgeneigt gewesen, ist der auch noch weg…das kann Moira so nicht stehen lassen und involviert ihre Bekannte Ispettrice Chiara Moretti…. Steine werden umgedreht und es kommt so einiges ans Licht!
Ich bin bis zum Schluss nicht auf die Auflösung gekommen, spricht also für diesen Krimi. Wieder locker geschrieben und ich muss leider jetzt bald mal ins Tessin fahren, denn Mascha Vassena beschreibt die Gegend und die Landschaft so herrlich, da will man hin.
Was macht diesen Krimi bzw. diese Krimireihe aus? Spannend, wiederkehrende sympathische Charaktere und ein toll beschriebenes Setting im Tessin!

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Japanischer Whodunits – spannendes Puzzle bis zuletzt

Das Dorf der acht Gräber
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Ich bin ja großer Fan von klassischen Whodunits und wenn sie dann auch noch zur Abwechslung nicht in England oder den USA spielen, bin ich ohnehin schon hin und weg!
Es ist bereits der dritte Fall von ...

Ich bin ja großer Fan von klassischen Whodunits und wenn sie dann auch noch zur Abwechslung nicht in England oder den USA spielen, bin ich ohnehin schon hin und weg!
Es ist bereits der dritte Fall von Kosuke Kindaichi, nach „Die rätselhaften Honjin-Morde“ und „Mord auf der Insel Gokumon“. Nun also „Das Dorf der acht Gräber“. Alle haben den gleichen Ermittler, der in Japan einen Kultstatus hat, ähnlich wie Miss Marple in England. Mir hat von diesen drei Fällen der erste weiterhin am besten gefallen, dicht gefolgt von diesem dritten Fall. Dieser dritte Fall ist wirklich schön knifflig und erraten, konnte ich die Auflösung vor dem Ende des Krimis nicht. Also bestens!
Auch wieder herrlich wie Mythos und Gänsehaut hier geschickt kombiniert werden. Denn es spielt an einem Ort in den Bergen von Okayama den eine alte Legende umrankt und somit verflucht ist. Im 16. Jahrhundert wurden in einem Dorf 8 Samurai ermordet, in dem sie eigentlich mit einem Schatz Zuflucht suchten. Daher der reizende Name des Ortes: Das Dorf der acht Gräber. Nun wurden genau in diesem Ort vor mehr als 20 Jahren wiederum Menschen getötet und ein Einwohner verschwand. Der Täter….? Nun taucht der Sohn des eventuellen Täters, Tatsuya, im Dorf auf und wieder passiert etwas.
Das Figurenkabinett in diesem Krimi ist reichhaltig und nett angelegt. Bestens unterhalten von den Charakteren bin ich gerne mit dem seltener Auftretenden Kosuke Kindauchi den Ermittlerungen nachgegangen.
Beste Krimiunterhaltung im japanischen Setting!

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Auf der Suche in der Mitte des Lebens

Mit den Jahren
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Dies war der erste Roman, den ich von Janna Steenfatt gelesen habe und es hat mich umgehauen! Was ein gutes Buch! Wer keine 20 Jahre alt mehr ist, weiß mit der Zeit, dass das Leben nicht Schwarzweiß ist, ...

Dies war der erste Roman, den ich von Janna Steenfatt gelesen habe und es hat mich umgehauen! Was ein gutes Buch! Wer keine 20 Jahre alt mehr ist, weiß mit der Zeit, dass das Leben nicht Schwarzweiß ist, viele Schattierungen haben kann und die Suche nach dem eigenen Platz nie so recht endet, ist man doch auch Veränderung ausgesetzt wie das Jahr den Jahreszeiten.
In diesem guten Roman ‚Mit den Jahren‘ lernen wir drei Personen besonders intensiv kennen und jeder erzählt aus einer ureigenen Perspektive. Dreh- und Angelpunkt ist Lukas. Ein Künstler, Vater und mit Eva verheiratet. Hat aber eben auch eine Affäre mit Jette. Die ist Schriftstellerin und Single, was mit den Jahren immer mehr zum Bequemlichkeitsfaktor wurde. Und nun ergibt sich hier eine besondere Dynamik zwischen den Dreien, den auch Eva und Jette treffen aufeinander.
Schauplatz ist Leipzig und das spürte ich beim Lesen besonders. Die Stadt ist auch eine Protagonistin, ein elementarer Bestandteil des Romans.
Obwohl die Geschichte sehr offensichtlich ist, nahm sie mich mit durch den tollen Schreibstil von Janna Steenfatt und hatte auch einen guten Spannungsbogen. Hinterfragend, gut geschrieben. Vielleicht hat mich das Buch auch so abgeholt, weil ich genau in dem Alter der drei Protagonisten bin.
Fazit: Was ist die eigene Lebensform und wenn man die Mitte seines Lebens erreicht hat: Ist es die Form die es beibehalten soll?

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