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Nilchen

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Veröffentlicht am 01.12.2023

Einfach, aber sau gut

Vierundzwanzigsieben kochen
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Tim Mälzer war schon immer mein Held in der Küche. In der Tat war sein erstes Kochbuch „Born to Cook“ auch mein erstes Kochbuch und ich habe mich gerne damit in der Küche zu neuen Kochkreationen vorgewagt. ...

Tim Mälzer war schon immer mein Held in der Küche. In der Tat war sein erstes Kochbuch „Born to Cook“ auch mein erstes Kochbuch und ich habe mich gerne damit in der Küche zu neuen Kochkreationen vorgewagt.
Nun ist er wieder mein Held, weil er mit „vierundzwanzigsieben kochen“ die Küche wieder erdet und den „Geschmacks-Lumump“ vor die Tür setzt um lecker, abwechslungsreich, aber bodenständig zu kochen. Gespickt ist das ganze mit Kommentierungen aus dem Off von Thees Uhlmann.
Hier kommen etliche Klassiker vor. Also ein gutes Buch auch für die jungen Menschen mit Hightec, aber ohne Topf. Neben Chili Con Carne, Kartoffelgratin und Spagetti Carbonara sind natürlich auch ein paar kleine innovative Sachen dabei, wie Larb Gai oder auch Speckmarmelade.
Aber im Grunde genommen strahlt dieses Kochbuch aus: Lass die Kirche im Dorf und mach ein einfaches, solides und leckeres Essen bevor du dich mit einer 10km langen Zutatenliste unglücklich machst. Dafür ist unser aller Lebenszeit zu schade.
Gespickt mit netten Fotos vom Mälzer und seinem Essen. Auch hier wieder ohne Tamtam und einfach so wie es ist. Trotzdem appetitanregend und der Message: lieber auf Qualität achten statt fanzy!
Fazit: Schrecklich gut unangepasst lecker!

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Veröffentlicht am 30.11.2023

Kein Burnout eher ein boreout

Nightbitch
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“ Sie wollte zu der jungen Frau sagen: Es ist kompliziert. Ich bin jetzt ein Mensch, der ich nie sein wollte, und ich weiß immer noch nicht, wie ich damit zurechtkommen soll. Ich wäre gern zufriedener, ...


“ Sie wollte zu der jungen Frau sagen: Es ist kompliziert. Ich bin jetzt ein Mensch, der ich nie sein wollte, und ich weiß immer noch nicht, wie ich damit zurechtkommen soll. Ich wäre gern zufriedener, stattdessen sitze ich in einem selbst erschaffenen Gefängnis und quäle mich ohne Ende.” (S. 72)

Das Cover dieses Romans passt wie die Faust aufs Auge und ja,mit genau dieser Brutalität. Knallig, überspitzt. Der Text trifft einen ins Fleisch - mich zumindest. Nightbitch von Rachel Yoder ist ein Roman, der mich zugleich bewegt und abgestoßen hat. Warum? Weil es die Geschichte einer Frau erzählt, die das langweiligste Leben aller Hausfrauen führt und dann ausbricht aus den geordneten Bahnen. Nicht so wie es schon viele literarisch verarbeitet haben. Nein, ihre Protagonistin, die namenlos bleibt, wird zu einem Tier.
„Ihr Problem war wohl, dass sie zu viel nachdachte, »toxisches Grübeln« und so weiter, deshalb hörte sie damit auf, und zurück blieb nur ein körperliches Gefühl der Erschöpfung.“ (S. 40)
Vor allem die Annäherung an die Protagonistin ist spannend. Zunächst ist sie fast attributlos, nur das Kind wird benannt. Nach und nach ergibt sich ein Bild über eine aufsteigende Künstlerin, eine starke Frau, die Wirkung mit Kunst erzielte, eine Galerie leitete. Und nun allein mit dem Kind zu Hause, weil es sich nicht „rentiert“ und das Multitasking eben nicht die Lösung des „Ich-kann-alles-haben-und-muss-es-nur-durchziehen“ ist.
“War es langweilig? Ja, war es, dass wusste die Mutter, und sie wünschte sich, dass jemand, irgendwer, diese Monotonie verstand, diese den Verstand lähmende Routine, diese Verlangsamung des Denkens ab dem Moment des Aufwachens.” (S. 60)
Eine einsame Person, die das Kind unterfordert und die depressiv durch ihren Alltag schliddert. Ihr Mann nur eine Randfigur. Und in diese Situation hinein wird sie immer wieder zum Hund. Mal durch den Habitus, mal durch nächtliche Streifzüge. En Detail beschrieben und glaubwürdig erzählt.
“ Eine wilde, komplizierte Frau mit eigenartigen Sehnsüchten. Wütend und stur, aber auch weich und zärtlich. Sie war eine Schöpferin, und sie war die dunkle Macht, die nachts umher-streifte, Sie war halb Intellekt und halb Instinkt, sie war der pure Fluchtreflex.” (S. 275)
Und hier beginnt die Faszination meinerseits. Rachel Yoder nutzt genau das was Literatur kann, dass nicht mögliche auf dem Papier möglich machen. Ausbrechen aus der Realität. Das „Was wäre wen?“-Spiel auf die Spitze treiben.
Zum Schluss des Romans – aber so weit möchte ich nicht spoilern – ergibt sich noch eine Wendung die eine Interpretation in mannigfaltiger Art möglich macht.
Dies ist ein Buch wo ich lange sinniert habe, wem kann ich dieses Buch empfehlen und mir fallen schon ein paar (vor allem Frauen) ein, trotzdem bleibt es speziell.
Fazit: Das Mutterdasein und seine Hürden neu erzählt mit viel Faszinosum.

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Veröffentlicht am 30.11.2023

Im Zug nach Malma

Endstation Malma
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Alex Schulman hat es wieder geschafft. Er erzählt mit einer ungeahnten emotionalen Tiefe, die mich sehr mitnimmt. Er schreibt wahnsinnig gut und verbindet seine Themen mit einer schönen und gelungenen ...

Alex Schulman hat es wieder geschafft. Er erzählt mit einer ungeahnten emotionalen Tiefe, die mich sehr mitnimmt. Er schreibt wahnsinnig gut und verbindet seine Themen mit einer schönen und gelungenen Prosa. Gut erzählt und tiefgründig.
Dieses Mal besteigen wir mit ihm einen Zug. Viele Reisende, aber dreien davon widmet sich Alex Schulman besonders: Harriet, Oskar & Yana. Sie alle reisen nach Malma und alle sind in Gedanken. Da ist Oskar mit seiner Frau. Kurz zuvor noch zerstritten und nun schweigend im Zug. Da ist der Vater mit seiner Tochter, die eine Urne in der Hand hält und noch ein Einsame, die ein Fotoalbum umklammert.
Schnell wird klar, dass hier nicht zum gleichen Zeitpunkt die Personen im Zug beleuchtet werden, sondern eine generationenübergreifende Beleuchtung stattfindet. Ein Roman der uns zeigt, dass Traumata auch vererbt werden, dass verinnerlichte und angelegte Wunden lange brauchen um zu heilen und es nicht immer einfach ist seiner Familiengeschichte zu entgehen.
Ich kann zwar die Qualität der Übersetzung nicht beurteilen, aber das Deutsche übertragen von Hanna Granz liest sich wunderbar!
Fazit: Ein Roman der schmerzt, schön ist und uns zeigt wie wir von unserem Stammbaum beeinflusst werden.

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Veröffentlicht am 30.11.2023

Kreuzberg um die Jahrtausendwende

Südstern
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Ein wirklich lokaler Roman, denn es spielt nicht nur in Kreuzberg. Auch wenn der „Südstern“ als Ort im Roman sonst keine Erwähnung findet sondern nur im Titel. Nein, Kreuzberg ist essentieller Teil der ...

Ein wirklich lokaler Roman, denn es spielt nicht nur in Kreuzberg. Auch wenn der „Südstern“ als Ort im Roman sonst keine Erwähnung findet sondern nur im Titel. Nein, Kreuzberg ist essentieller Teil der Erzählung. Ohne Kreuzberg würde dieser Roman nicht funktionieren.
Der Autor Tim Staffel widmet sich in diesem Roman einer Liebensgeschichte, die frei von jeglichem Kitsch ist. Hier prallen zwei Personen aufeinander, die sich diametral gegenüberstehen und doch so nah kommen.
Vanessa, die sich selbst als Engel bezeichnet und auch in vielerlei Hinsicht eine Erscheinung bleibt, weiß sie stets was andere Denken und Fühlen. Vanessa ist eine, die viel tut um Geld in der Kasse zu haben. Barfrau und Apothekenkurierin, aber vor allem auch Drogenkurierin. Da liegt das Geld. Grotesk, dass ihr Partner der Drogenbeauftragte seiner Partei ist.
Und dann ist da Deniz, der solide Streifenpolizist – Mutter Türkin, Vater Deutscher. Er durchkämt mit seiner kroatisch stämmigen Kollegin den Kreuzberg und trifft auf Vanessa. Diese beiden finden zueinander und trotzdem bleibt Kreuzberg der Star des Romans.
Natürlich gibt es noch weitere Randfiguren, bei denen Leid und Freud in verschiedener Schattierung zu Tage tritt. So wie wir es kennen aus Kreuzberg. Tragik und Euphorie liegen oft nebeneinander und beäugen sich.
Die Sprache ist besonders. Kurze Sätze, aneinandergereiht, rhythmisch und klar. Ich denke auch, dass die Sprache der Ausschlag war den Roman für den Deutschen Buchpreis in 2023 zu nominieren. Dadurch konnte das Buch sicherlich einige Leser mehr für sich gewinnen können als es ohnehin schon hat. Mich hat es zu Beginn ein wenig Zeit gekostet in die Sprache einzutauchen, war es doch nicht so leicht, aber es hat sich gelohnt.
Wichtig zu wissen, der Roman basiert auf einem Hörspiel das Tim Staffel für den RBB geschrieben hat: DOPE.
Was ist das für eine Zeit in der dieser Roman spielt? Da weder Gentrifizierung noch Touristen eine Erwähnung finden und es auch schmutzig und wenig aufgeräumt zugeht in den Bars und Nächten, tippe ich auf die 2000er Jahre.
Fazit: Ein Buch für alle die Bock haben wieder mal in Kreuzberg auf die Pirsch zu gehen und den alten Duft der Straßen vermissen.

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Veröffentlicht am 05.11.2023

La Joconde - weg!

Die Erfindung des Lächelns
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Tom Hillenbrand schaffte es auf eine ganz tolle Art historische Stoffe spannend und mit viel recherchiertem Wissen in einen Roman zu verpacken. Schon beim Kaffeedieb war ich hin und weg und nun Paris bei ...

Tom Hillenbrand schaffte es auf eine ganz tolle Art historische Stoffe spannend und mit viel recherchiertem Wissen in einen Roman zu verpacken. Schon beim Kaffeedieb war ich hin und weg und nun Paris bei der Eröffnung des Louvres!
Es ist das Jahr 1911, der Louvre ist brandneu und eine Sensation. Abner was fehlt: La Joconde – die Mona Lisa des Leonado da Vinci! Was ein Drama. Am 22. August gestohlen aus dem Louvre. Nun wird Kommissar Juhel Lenoir auf den Fall angesetzt und soll das verschwundene Gemälde aufspüren und die Täter dazu. Eine Jagd beginnt!
Neben diesem spannenden Kriminalfall, der sich so ähnlich in der Tat zugetragen hat, denn die meisten Umstände beruhen wohl auf echten Ereignissen bzw. Beschuldigungen, tauchen wir in das wuselige Paris 1911s ab. Eine Stadt im Umbruch, eine sehr atmosphärische Erzählung und fast ist es so als würde man mit Kommissar Juhel Lenoir durch die Künstlerszene in Paris fahnden und auf Debussy treffen. In Grand Hotels zu Untersuchungen gelangen und andernorts die Grenzen sperren.
Ein wirklich fulminant spannender Roman, vor allem für Liebhaber der französischen Hauptstadt! Eine andere historische tolle Perspektive auf die Stadt und ihre quirligen Bewohner. Und nicht abschrecken lassen von knapp 500 Seiten, die rauschen an einem vorbei und es ist schade, wenn der Fall dann zu den Akten gelegt wird!

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