Platzhalter für Profilbild

Nilchen

Lesejury Star
offline

Nilchen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nilchen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2023

Mitdenken ist IMMER gut!

Nur über meine Leiche
0

Bildlich hatte ich beim Lesen Berlin-Kreuzberg vor Augen. Eine multikulturelle Gegend, die ihr eigenes Ding macht und sich nicht von anderen sagen lassen was gerade cool oder hip ist. Der Fokus ist deutlich ...

Bildlich hatte ich beim Lesen Berlin-Kreuzberg vor Augen. Eine multikulturelle Gegend, die ihr eigenes Ding macht und sich nicht von anderen sagen lassen was gerade cool oder hip ist. Der Fokus ist deutlich auf Konsumkritik und Gemeinschaft. Auch regt das Buch auf seine Art an, dass hinterfragen und selbst denken immer die bessere Wahl ist.
Im Mittelpunkt steht Lila, die bei ihrer Friseur-Salonbetreibenden Oma aufwächst. Das Viertel und auch der Landen wird massiv von den „Pinken“ angegangen, ein Megakonzern, der versucht eine Monopolstellung beim Verkauf von allem zu gelangen und auch einen ganz bestimmten Lifestyle vermarkten, dem viele hirnlos nacheifern. Natürlich geht es rabiat zu eines Tages ist Oma weg und Lila muss sich mit ihren Freunden alleine dem Angriff der Pinken stellen!
Im Grunde werden durch die "Pinken" aber auch spannenderweise Strukturen wie Stasi und Naziverbindungen deutlich, wenn es um Macht und Aushorchen und unter Druck setzen geht. Genauso wird "Germany's next top model" so richtig schön durch den Kakao gezogen wird. Eine gute Lektüre, die uns zeigt, dass wahre Freundschaft statt Follower zählen und ein positiver Umgang auch ohne Geld glücklich macht!
Wir fanden es lustig und lehrreich zugleich, spricht aber sicherlich mehr Mädchen an und ist aus meiner Sicht eine gute Lektüre ab Klasse 5, frühstens ab 10 Jahren! Oder auch zum Vorlesen und gemeinsam besprechen geeignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2023

Alles regelt sich

Die Geschmeidigen
0

»Es ist deutlich schwieriger, Haltung zu haben, als zu moralisieren« (S 225)
Selten habe ich so ein inhaltstarkes gutgeschriebenes Sachbuch gelesen, dass den Nerv der aktuellen politischen Situation im ...

»Es ist deutlich schwieriger, Haltung zu haben, als zu moralisieren« (S 225)
Selten habe ich so ein inhaltstarkes gutgeschriebenes Sachbuch gelesen, dass den Nerv der aktuellen politischen Situation im gegenwärtigen Deutschland so gut einfängt. Nora Bossong hat in „Die Geschmeidigen – Meine Generation und der neue Ernst des Lebens“, die Generation geboren 1975 bis 1985 portraitiert. Vor allem ist das Buch eine sehr politische Analyse der Lage und beleuchtet vor allem die Führungsqualität dieser (auch meiner!) Generation. Eine Generation geprägt vom Pragmatismus Angela Merkels und wenig polarisierend.
“Der Glaube, man selbst habe die Wahrheit gepachtet, ist eine Art der Selbstverführung und wird heikel, wenn man sich nicht mehr ins Verhältnis zu den anderen setzen kann. Dann wird es dogmatisch, manchmal sogar fanatisch.” (S 127)

Im Grunde sind wir diejenigen, die Helfen können unsere Demokratie zu stabilisieren und zu vermitteln, denn wir sind noch kompromissbereit, das Lager vor uns schon verkrustet und das Lager nach uns verhärtet. Weniger radikal als die 68er und die Social Justice Worrier nach uns. Wir, die Geschmeidigen, sind die einzige Generation, die weder digital natives („die Jungen) noch digital immigrants (die „Alten“) sind.
Das Buch hat so viele gute Stellen über die sich sprechen ließen, ich könnte fast jeden Satz anstreichen. Es läd so gut zum reflektieren ein und verbindet verschiedenste Gedankengänge auf eine neue Weise, aus einem Blickwinkel, der mir teilweise neu war und damit sehr bereichernd.

„Zwar gibt es auch neue gemäßigte Lager wie die paneuropäische Bewegung Volt, doch insgesamt wächst die Ambiguitätsintoleranz: Man bezieht sich links wie rechts wieder stärker auf einen Wahrheitsanspruch, der keine Kompromisse kennt.“ (S 197)

Fazit: Ihr Lieben Banker:inne, Lehrer:innen, Marketinspezialist:innen haben wir, die Geschmeidigen, zu viel selbst optimiert und die blinden Flecken sind gewachsen auf unserer gesellschaftlichen Landkarte? Für ein erhalt unserer Demokratie sind wie alle gefordert und das aktiv!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2023

Morgen ist ein neuer Tag

Die Sehnsucht nach Licht
0

‚Morgen ist ein neuer Tag‘ so lautet das Motto der Familie Steiner, die im Erzgebirge ansässig ist und allesamt im Bergbau tätig sind. Das Schlematal hat seine ganz besondere Geschichte und Kati Naumann ...

‚Morgen ist ein neuer Tag‘ so lautet das Motto der Familie Steiner, die im Erzgebirge ansässig ist und allesamt im Bergbau tätig sind. Das Schlematal hat seine ganz besondere Geschichte und Kati Naumann schaffte es wunderbar die Familiengeschichte über mehrere Generationen mit der Geschichte des Ortes zu einer Melange zusammenzubringen. Es beginnt im Jahr 1908, wir lernen die Familie Steiner kennen sowie das Mettier des Bergbaus. Die Autorin muss wahnsinnig viel recherchiert haben, denn das was über den Beruf und den Ort im Roman verarbeitet wird enthält Fachbegriff und Terminologien, die ich vorher noch nie hörte. Spannend ist es wie diese tiefe Verbundenheit zur Region und zum Bergbau besteht. Es folgen beide Weltkriege und die Geschichte zieht sich über die russische Betreiberzeit bis zu seiner Schließung 1991. Alle Perioden mit ihren Schattenseiten sehr gut portraitiert.
Kati Naumann macht die Vergangenheit erlebbar und sehr plastisch. Mir hat die Geschichte um die Familie Steiner gebettet in dieses sehr spezielle Umfeld gut gefallen. Leicht lesbar und wieder viel gelernt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2023

Nie fertig sein mit der To-Do Liste

Die Zentrale der Zuständigkeiten
0

Ist es ein negativer oder ein positiver Gedanke mit der endlosen To Do-Liste niemals fertig zu werden? Was macht man mit der gewonnenen Freiheit nachdem die selbst (!) auferlegtn kilometerlange Liste an ...

Ist es ein negativer oder ein positiver Gedanke mit der endlosen To Do-Liste niemals fertig zu werden? Was macht man mit der gewonnenen Freiheit nachdem die selbst (!) auferlegtn kilometerlange Liste an Dingen, die gemacht werden müssen abgearbeitet ist? Wer die Perspektive ändert, bekommt einen neuen Blick auf die Dinge und da kann dieses Buch helfen!
Die gute Rebekka Reinhard versucht uns auch mit ihrer ‚Zentrale der Zuständigkeit‘ deutlich zu machen, dass es nicht nur toxische Männlichkeit gibt und Männer, die leider bei der Aufgabenverteilung gerade Ebbe im Hirn haben in heimischen Kreisen sondern auch toxische Weiblichkeit. Die Art von Verhalten, die uns in die Perfektion, in die Optimierungsfalle treibt, ob der eigene Körper, der Haushalt, das Kind, der Job, es betrifft alle Bereiche des Lebens. Der soziale Druck steigt und steigt und wir machen mit! Sind wir wirklich so doof? Und die Frage muss teilweise mit Ja beantwortet werden.
Dieses erfrischend geschriebene Buch ist keine klassische Ratgeber-Literatur, auch wenn vorne „20 Überlebensstrategien für Frauen zwischen Wollen, Sollen und Müssen“ draufsteht. Eher wie eine Haarwäsche im Schleudergang und die pustet uns einfach mal den Kopf durch.
Perfektion ist nicht der Sinn des Lebens und wir alle sollten doch unsere vermeintlichen Pflichten hinterfragen, die uns den lieben langen Tag scheuchen.
Hab ich was in dieser Rezension vergessen? Macht nix! Muss ja nicht perfekt sein.
Fazit: #nobullshitfeminismus

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2023

Klimawandel: Impact Now!

Taupunkt
0

Wir reden und diskutieren so viel über den Klimawandel und wollen alle, dass uns diese Welt so erhalten bleibt, dass die Menschheit das Leben nicht fürchten muss. Trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft, ...

Wir reden und diskutieren so viel über den Klimawandel und wollen alle, dass uns diese Welt so erhalten bleibt, dass die Menschheit das Leben nicht fürchten muss. Trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft, den wachrüttelnden Aufrufen der jungen Menschen, passiert politisch wenig. Eine traurige Bilanz der letzten Jahre, obwohl es Ideen gibt das Ruder herumzureißen.
Nun hilft uns Thore D. Hansen das ganze spürbarer zu machen in dem er einen Roman geschrieben hat, einen Klimaroman: Taupunkt. Anhand eines Streits zwischen zwei Brüdern wird die Klimakrise greifbar und die politische Lage um die nahende Katastrophe plastisch.
Tom und Robert Beyer sind Brüder, aber trennen Welten. Tom ist ein Wissenschaftler der in New York im Weltklimarat wirkt und ein Programm erschuf, dass den Klimawandel aufhalten soll. Sein Bruder hat einen Bauernhof in Brandenburg, eher wenig diplomatischer und überzeugend. Im Laufe des Romans spitzt sich die Lage zu, denn die Temperaturen klettern in die Höhe und die Konflikte eskalieren.
Ich finde es sehr gelungen wie der Inhalt der Klimakrise mit einer spannende Handlungseben verbunden wurde. Es stehen sich zum einen Generationen gegenüber, es stehen sich Klimaaktivisten und Klimaleugner gegenüber, familiäre Reibungspunkte, unterschiedliche Ausgangslagen. Diese Gemengelage macht es teilweise sehr dicht, aber eben auch spannend. Mache Charaktere bleiben etwas schwach, aber das stört nicht sehr stark.
Besonders passend ist Verortung in Deutschland, denn was vor unsere Haustür passiert, geht uns eher an die Nieren. Wenn die Temperaturen über 49 Grad klettern und die Ernte durch die Dürre nichts wird, dann kommt man ins Schwitzen.
Erschreckend, denn es ist kein utopisches Szenario, sondern eine wissenschaftlich fundierte und politisch mögliche Ausdeklinierung unserer heutigen Lage, wenn wir ohne Veränderungen weitermachen.
Thore D. Hansen schreibt dieses bedrückende Thema sachlich, aber zugleich spannend und gut lesbar! Mir hat ‚ Taupunkt‘ gut gefallen und kann es nur allen empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere