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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2019

Asiatisch, gigantisch - lesenswert!

Die Lotosblüte
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So gänzlich anders als viele andere Romane, die ich in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe. Und überzeugend! Es liegt an vielem – die Geschichte, die unfassbar ist, so fern der eignen Alltagsrealität. ...

So gänzlich anders als viele andere Romane, die ich in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe. Und überzeugend! Es liegt an vielem – die Geschichte, die unfassbar ist, so fern der eignen Alltagsrealität. Dann die Umgebung, Korea als Setting katapultiert einen auch ganz weit weg. Und natürlich die sprachliche Ausgestaltung, ein historischer Stoff im asiatischen Gewand! Wahnsinn!
Die Globalisierung und die Digitalisierung vernetzt uns alle auf ein Art, dass man manchmal den Eindruck bekommen könnte alle Orte der Welt gleichen sich so langsam an und der Reiz der Andersartigkeit verschwindet. Aber dieser tolle koreanische Roman von Hwang Sok-Yong erinnert uns wieder auf beeindruckende Art und Weise wie kulturell unterschiedlich und vor allem reichhaltig die Welt ist! Alleine die großartige Art wie diese Geschichte erzählt wird, auf eine leise eindringliche Weise und doch ein so packender und dramatischer Inhalt.
Ich brauchte zwar etwas um in den Text einzutauchen, aber es war eher die andere Art der Erzählkunst die mich stocken ließ und faszinierte. Auch finde ich die Übersetzung flüssig und gut von Ki-Hyang Lee.
Worum geht es= "Die Lotusblüte" beginnt schon irritierend, denn Chong weiß nicht so recht wo sie ist und die Irritation und Wachsamkeit der ersten Seite trägt sie weiter. Fast märchenhaft beginnt hier ein Epos über eine interessante Zeit in Südostasien. Es geht um einen alten koreanischen Mythos, der hier aufgearbeitet wird. Frauenhandel, Opium, Prostitution, Zweitfrauen – alles Themen, die hier aufgearbeitet werden. Es rückt die Frauen des 19. Jahrhunderts in den Fokus.
Fazit: Ein dicker Wälzer mit dem man sich mal gut eine Woche einschließen kann und mental entschwindet! Beeindruckend!

Veröffentlicht am 10.05.2019

Teil 4 der Reihe „Das kleine Stallgespenst“ – Spannung für alle Erstleser-Pferdefreunde!

Das kleine Stallgespenst - Trubel im Reitstall
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Das kleine Gespenst Hatschihu lebt auf dem Reiterhof, den Leni jede Woche zum Reiten besucht. Beide kennen sich schon eine Weile (es ist der 4. Band der Reihe) und treffen sich heimlich. Nun kommt Leni ...

Das kleine Gespenst Hatschihu lebt auf dem Reiterhof, den Leni jede Woche zum Reiten besucht. Beide kennen sich schon eine Weile (es ist der 4. Band der Reihe) und treffen sich heimlich. Nun kommt Leni einmal nicht und Hatschihu wundert sich, aber es gibt einen Grund!

„Trubel im Reitstall“ ist der 4. Band der Reihe „Das kleine Stallgespenst“, die immer von dem Gespann Leni und dem Gespenst Hatschihu handeln. Es geht hier zwar um eine Pferdewelt, aber auch mein Sohn fand es spannend und gut! Daher ja, verständlich, dass es eher Mädchen anspricht, aber ich würde diese netten Bücher auch Jungs empfehlen, weil es spannend ist und auch Jungs Pferdefreunde sein können!

Sprachlich einfach, aber schön formuliert von Meike Haas. Wunderbar für Erstleser, da der Text pro Seite sehr limitiert und groß ist. Die Wortwahl ist auch sehr angenehm, nicht zu komplizierte und auch wiederkehrende Wörter. Durch die tollen Illustrationen auf jeder Seite von Eleni Livanios werden weitere Anreize gesetzt, weiterzulesen. Dritter überzeugender Faktor ist die Länge der Geschichte, kurze Kapitel und in der Summe ein kurzes Buch. Aus meiner Sicht eine runde Sache, die das Frustrationspotential sehr gering hält.
Nicht zu vergessen die spannende Geschichte! Da eben auch spannend, lässt sich die Geschichte auch gut vorlesen im Vorschulalter.

Wir haben zu unserer Freude wieder eine Reihe gefunden für Erstleser und Vorlestoff für Vorschüler, die uns SEHR gefällt!
Gut zu wissen, wenn man die Reihe noch nicht kennt und gerne in der richtigen Reihenfolge lesen mag:

1 Der nächtliche Ausritt,

2 Wirbel in der Reitstunde,

3 Ein verspuckter Geburtstag und

4 Trubel im Reitstall (Stand Mai 2019).

Fazit: Spannend und liebevoll sorgt das Buch für ein erstes tolles Leseabenteuer!

Veröffentlicht am 09.05.2019

Zu viel Persönliches - zu wenig Raffinesse beim Fall

Mitternachtsmädchen (Ein Nathalie-Svensson-Krimi 3)
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Der Krimimarkt ist voll von nordischen Krimis und ich finde viele gut und unterhaltam, daher auch der Griff zu „Mitternachtsmädchen“. Es ist eine Reihe um eine psychatrische Oberärztin als Hauptfigur, ...

Der Krimimarkt ist voll von nordischen Krimis und ich finde viele gut und unterhaltam, daher auch der Griff zu „Mitternachtsmädchen“. Es ist eine Reihe um eine psychatrische Oberärztin als Hauptfigur, Nathalie Svensson, die als Profilerin die schwedische Kriminalpolizei unterstützt. „Mitternachtsmädchen“ ist der dritte Teil der Reihe nach

1 „So tödlich nah“ und

2 „Dominotod“. Sehr oft stört es mich nicht mitten in einer Reihe einzusteigen, da die Fälle im Vordergrund stehen. Mit Jonas Moströms Reihe ist dies anders. Hier stehen die Fälle, hier der Serienmörder, zwar im Fokus, aber das Ganze drumherum hat fast die gleiche Gewichtung. Schon das gefällt mir persönlich weniger, aber dadurch war es erst recht nicht ideal mit Fall 3 einzusteigen. Ich kenne zwar Teil 1 & 2 nicht, aber ich würde jedem der an der Reihe als solches interessiert ist, raten mit „So tödlich nah“ Zu beginnen.
Der Fall selbst ist nicht besonders raffiniert, aber unterhaltsam. Da der ganze Fall des Serienvergewaltigers mit dem Tod der Tochter einer Freundin der Profilerin beginnt, war es mir auch etwas zu persönlich. Ihr seht mir steht das persönliche Leben der Profilerin zu sehr im Fokus.
Geschrieben ist das ganze leicht und spannend – ein klassischer Thriller aus Schweden, der zum Glück nicht zu blutig ist, man kann mit raten und wird unterhalten. Perfekt für den Strand.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Bravouröse Erzählkunst!

Die Liebe im Ernstfall
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Daniela Krien hat es einfach drauf! Ich möchte mich hineinlegen in die wohlgeformte Sprache, obwohl der Inhalt so stachelig ist. Eine phänomenale Kombination! „Die Liebe im Ernstfall“ ist ein wahrlich ...

Daniela Krien hat es einfach drauf! Ich möchte mich hineinlegen in die wohlgeformte Sprache, obwohl der Inhalt so stachelig ist. Eine phänomenale Kombination! „Die Liebe im Ernstfall“ ist ein wahrlich toller Roman. Es werden Ausschnitte aus dem Leben von fünf verschiedenen Frauen nacheinander erzählt. Sie werden einzeln beleuchtet und sind jede auf ihre Weise miteinander verzahnt. Der Fokus ganz klar liegt auf der Liebe, mal die zwischen Mann und Frau, dann die Liebe zu den Kindern, die kindliche Liebe selbst. Wie so treffend auf Seite 129 steht: „Die Liebe [...] kommt, wie sie kommen muss - grundlos, schuldlos und zwingend. Sie ist nicht steuerbar und nicht aufzuhalten. Jede Auflehnung gegen sie ist sinnlose Kraftverschwendung.“
Die Seiten strotzen nur so vor zitatreifen Sätzen wie man merkt. Ich würde sie gerne alle auswendig lernen und weitertragen! Da steht gewaltig auf Seite 145 „Das bittere Fazit ist, dass das Glück vor der Erkenntnis liegt.“ Kurz und einschneidend.
Der Roman profitiert vor allem von dem feinen Blick der Autorin wie sie die zwischenmenschlichen Reibungen zu Papier bringt.
Fazit: Lesenswert! Und ich hoffe auf viele weitere produktive Jahre der Autorin.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Ihr zugezogenen Hipster aus Mitte – lest bitte dieses Buch!

Die Schwestern von Marzahn
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Dieser Roman ist wie ein Schlag in die Magengrube, keine Wohlfühllektüre, das tut richtig weh. Es öffnet einem die Augen wie es sein kann, wenn man wirklich ganz unten angekommen ist. Solch ein soziales ...

Dieser Roman ist wie ein Schlag in die Magengrube, keine Wohlfühllektüre, das tut richtig weh. Es öffnet einem die Augen wie es sein kann, wenn man wirklich ganz unten angekommen ist. Solch ein soziales Elend mitten in einem reichen Land wie dem unseren!
„…woher sollten sie also wissen, wie sich das Leben am Bodensatz des Landes anfühlt?“ (Seite 168)
Die promovierte Verhaltensforscherin Christiane Tramitz hat aus dem vorurteilsbeladenen Marzahn und seinem Figurenkabinett einen Roman entwickelt, der uns in ihre Mitte katapultiert. Es gibt zwei Handlungsstränge. Da ist zum einen der arbeitslose Fabian Krüger, verlassen und arbeitslos – ständig betrunken von dem bisschen Geld was er hat. Auch gibt es zwei verwahrloste Schwester in seiner Platte 13, die Hilfe brauchen. Der zweite Handlungsstrang wird aus der Sicht zweier Ordensschwestern erzählt, die kurz nach der Wende nach Marzahn zogen um zu Helfen. Ihre Sicht auf das Viertel eröffnet dem Leser auch die Chance das Verhalten der Anwohner historisch einzuordnen und besser zu verstehen. Eine sehr gelungene Kombination. Daher auch der doppelsinnige Titel „Die Schwestern von Marzahn – Vom Leben ganz unten“, es gibt die verschiedenen Schwestern-Paare.
Der Roman hat viel mehr Tiefe als ich erwartet habe. In der Tat erschütternd und traurig ist dieser Zustand von Marzahn. Auch habe ich viel über die Hintergründe gelernt, warum manche Verhaltensweisen noch so viele Jahre nach der Wende bestehen, die Psyche eines DDR Bürger war eben anders geprägt und es lässt sich nicht einfach wegwischen.

Der Satz: „Wenn du ganz unten ankommst, wartet nur noch der Tod auf dich.“ (S. 74) durchzieht dieses Buch wie ein roter Faden und es zog mir regelmäßig die Füße weg.
Fazit: Ein beklemmendes und trauriges Buch, aber so wichtig für alle die im idyllischen Reihenhaus leben um zu verstehen, dass unsere Gesellschaft einer großen Aufgabe gegenüber steht!