Nichts ist wie es scheint
Wilde Jagd
Was für eine Story: Quintus ein Philosophieprofessor mit einem leichten Hang zum Alkoholismus flieht in sein Heimatdorf, um seine Wunden zu lecken. Nach einer Affäre hat sich seine Ehefrau von ihm getrennt ...
Was für eine Story: Quintus ein Philosophieprofessor mit einem leichten Hang zum Alkoholismus flieht in sein Heimatdorf, um seine Wunden zu lecken. Nach einer Affäre hat sich seine Ehefrau von ihm getrennt und seine Tochter hat ihm zwar ihren Hund zur Betreuung überlassen, aber das ist so ziemlich das einzige was die beiden noch verbindet. Und genau in diesem Schlamassel trifft er Evelina, die slowakische Pflegerin des Dorfpatrons, die ihn um Hilfe bittet, weil ihre Vorgängerin spurlos verschwunden ist. Eine Frau verschwindet und niemand will es wissen. Können Quintus und Evelina, das Geheimnis lüften? Und was hat es mit Evelinas hellseherischen Fähigkeiten auf sich und wer sind die Toten im Wald, von denen Evelina geträumt hat? Fragen über Fragen, die die Spannung bis zum Schluss hochhalten.
René Freund ist ein österreichischer Schriftsteller, der u.a. Philosophie studiert hat. Allein dadurch entwickelt er seine Hauptfigur Quintus sehr authentisch. Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen Zitate von namhaften Philosophen, die dem Buch deutlich mehr Tiefe geben. Das Genre in dem dieses Buch spielt, lässt sich nicht genau zuordnen. Es ist spannend wie ein Krimi, gleichzeitig humorvoll und spart nicht mit Gesellschaftskritik. Der Schreibstil ist angenehm flüssig aber auch ruhig und bedächtig. Und genau dadurch lässt sich das Buch sehr gut lesen.
Die Charaktere in diesem Roman sind in ihrer Konstellation zueinander gut entwickelt, so dass dadurch eine außerordentliche Spannung entsteht. Quintus Erlach ist ein „verrückter Professor“, unbeirrbar in seinem Glauben an Gerechtigkeit, ab und an etwas zerstreut und durch seine „Alkoholexzesse“ steht er sich manches Mal selbst im Weg, trotzdem ist er absolut liebenswert. Evelina, die slowakische Pflegerin, ist gleichzeitig ängstlich, taff und beschützenswert. Ihre hellseherischen Fähigkeiten, machen neugierig aber auch ängstlich. Doch nichts ist wie es scheint.
Die Story nimmt immer mehr an Fahrt auf und die vielfältigen Charaktere und die vielen unerwarteten Wendungen in dem Buch geben viel Raum für Spekulationen. Aber trotzdem einiges im ersten Moment vielleicht verwirrend erscheint, wird alles bis zum teilweise überraschenden Ende aufgeklärt. Intrigen, Vertuschung, fiese Machenschaften aber auch Freundschaft und Unterstützung durch die Dorfbewohner. Hochspannung pur, ohne dass großartige Action nötig gewesen wäre. Ein Buch, das man beim Lesen nicht aus der Hand legen mag und deswegen gibt es von mir für Wilde Jagd eine ganz klare Leseempfehlung!