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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2021

Ein Abenteuer, bei dem alles anders kommt als geplant.

Mädchenmeuterei
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Um ihrer Freundin Bea zu helfen, begeben sich Mädchen auf ein Containerschiff und erleben ein Abenteuer, mit dem so wohl niemand gerechnet hätte.

Ich mag das Cover richtig gerne. Die Mädchen stehen ganz ...

Um ihrer Freundin Bea zu helfen, begeben sich Mädchen auf ein Containerschiff und erleben ein Abenteuer, mit dem so wohl niemand gerechnet hätte.

Ich mag das Cover richtig gerne. Die Mädchen stehen ganz klar im Fokus des Geschehens und das blau um sie herum erinnert mich an Wasser. Ich finde es nur schade, dass es optisch nicht zum Vorgängerroman passt.

Als ich das Buch gelesen habe, wusste ich noch nicht, dass es sich hier um eine Fortsetzung handelt, die ich natürlich nicht gelesen hatte. Mir fiel zwar auf, dass das Geschehen an einem Punkt beginnt, an dem es schon eine Vorgeschichte gab, allerdings habe ich mir nichts dabei gedacht. Ich bin, trotz mangelnden Vorwissens, gut durch das Buch gekommen, und die wichtigsten Fakten wurden auch angesprochen. Allerdings hat das meist mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Es ist also möglich, das Buch ohne Vorwissen zu lesen, wer jedoch gerne ein Gesamtbild über das Geschehen hat, sollte wahrscheinlich mit „Mädchenmeute“ beginnen.

Die Sprache wirkt authentisch. Manchmal war es kindlich und schlicht aber an anderen Stellen richtig unterhaltsam und nachvollziehbar. Die Protagonistin wirkte wie eine typische Jugendliche, mit der sich bestimmt viele junge Menschen identifizieren können. Die Filmausschnitte fand ich Anfangs richtig spannend, aber gegen Ende haben sie für mich an Relevanz verloren, weil einfach so viele Fragen offen waren und ich durch andere Geschehnisse abgelenkt war.

Die Charaktere sind fortgeschrittene Klischees, was die Kommunikation zwischen den verschiedenen Figuren sehr unterhaltsam macht, aber Tiefe vermissen lässt. Es könnte daran liegen, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, aber die Figuren haben sich nicht wie echte Menschen angefühlt. Eher wie Klischees, die Rollen ausfüllen und sich von der Protagonistin abheben mussten. Man hat nicht wirklich viel über die Personen erfahren und wenn, dann waren das weitere Klischees, die für sich standen und nicht wirklich besprochen wurden.

Die Handlung war auch ziemlich plakativ und hat einige Fragen offengelassen. Wieso fahren die Mädchen überhaupt zu Bea, wenn sie nicht wissen, was eigentlich los ist? Wobei glauben die drei Teenager, dass sie eine bessere Hilfe wären als die Polizei? Gibt es dazu eine Vorgeschichte? Gibt es keine Vertrauensperson, die nicht komplett unverantwortlich ist? Wie leben die Mädchen im Alltag? Wieso schaffen sie es nicht normal mit Erwachsenen zu kommunizieren? Ich war selbst einmal ein Teenager, aber das „Abenteuer“, das die Mädchen erleben, wirkt für mich konstruiert und sollte nicht nachgemacht werden! Aber immerhin ist es wirklich sehr unterhaltsam und ich habe das Buch in einer Nacht durchgelesen.

In dem Buch werden auch viele aktuelle Themen kurz angeschnitten, die meiner Ansicht nach stärker thematisiert werden könnten. Ich denke, dass das Buch für Leserunden oder als Schullektüre, die man gemeinsam besprechen kann, gut geeignet ist.

Schlussendlich ist die Geschichte wirklich angenehm zu lesen und unterhaltsam, aber man muss mit fehlendem Vorwissen, verantwortungslosen Erwachsenen und plakativen Charakteren umgehen können.

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Veröffentlicht am 14.10.2021

Ein Dorf zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

Wie schön wir waren
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Ein afrikanisches Dorf kämpft gegen Kapitalismus, Umweltverschmutzung, Korruption und Ungerechtigkeit. Dabei gibt es nicht immer die „Guten“ und die „Bösen“, sondern viele Menschen mit unterschiedlichen ...

Ein afrikanisches Dorf kämpft gegen Kapitalismus, Umweltverschmutzung, Korruption und Ungerechtigkeit. Dabei gibt es nicht immer die „Guten“ und die „Bösen“, sondern viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und gegensätzlichen Strategien, um dasselbe Ziel zu erreichen.
Ein schönes und sicheres Leben für sich und die eigene Familie.

In dem Buch werden sehr viele bedrückende Themen angesprochen, die auf Personen mit Vorbelastungen sehr belastend sein könnten. Darum hätte ich mir ehrlicherweise eine Triggerwarnung gewünscht.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Der einzige Bezug zum Inhalt ist zwar die Farbwahl, die sehr natürlich und ursprünglich ist, aber es vermittelt auch eine gewisse Unsicherheit und Dynamik.

Der Schreibstil ergibt sich wie ein Gespräch am Lagerfeuer. Die Geschichte wird nicht immer linear vom Anfang bis zum Ende erzählt. Manchmal werden Geschichten aus der Vergangenheit hineingeschoben und manches bleibt offen. Direkte und indirekte Rede verschwimmt ineinander und während einzelne Szenen bis ins Detail analysiert werden, werden Jahre wie ein Wimpernschlag behandelt. Anfangs hatte ich meine Probleme mit dieser drängenden Sprunghaftigkeit aber im Laufe des Buches habe ich mich an diesen authentischen Schreibstil verliebt. Für mich hat es sich angefühlt, als säße man in einer Gruppe am Lagerfeuer zusammen, in der verschiedene Personen versuchen gemeinsam eine Geschichte zu erzählen. Diese Menschen sind sich nicht immer einige, setzten inhaltliche Schwerpunkte auf andere Themen, lassen subjektiv Unwichtiges weg und reden wild durcheinander.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wodurch die Komplexität der Situation noch einmal unterstrichen wird. Durch das Leben in diesem afrikanischen Dorf gibt es kaum Schnittstellen zwischen meinem Alltag und den Herausforderungen, denen sich die Protagonist:innen stellen müssen. Trotzdem habe ich die gesamte Gefühlspalette erlebt, ein bisschen geweint und sehr mitgelitten. Die Figuren fühlten sich echt und authentisch an und ich habe mich problemlos in sie hineinversetzen können. Allerdings war ich am Anfang des Buches mit der Fülle an Personen und den vielen Namen etwas überfordert. Darum hat mir ein Personenregister gefehlt, in dem man die verwandtschaftlichen Verhältnisse nachschlagen könnte.

„Wie schön wir waren“ ist zugleich ein Buch über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Eine Geschichte über ein Dorf, das über Jahrzehnte denselben Kampf führen muss, auch wenn die Gegner nicht immer dieselben sind.

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Ist der Lehrer ein Alien?

Aliens im Spiel
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Samuel und Gunnar haben jede Menge Spaß mit dem Computerspiel Pirate Port Planet. Doch dann erkennen sie, dass ihr neuer Klassenlehrer einem Alien im Spiel sehr ähnelt. Was hat das zu bedeuten? Ist der ...

Samuel und Gunnar haben jede Menge Spaß mit dem Computerspiel Pirate Port Planet. Doch dann erkennen sie, dass ihr neuer Klassenlehrer einem Alien im Spiel sehr ähnelt. Was hat das zu bedeuten? Ist der Lehrer etwa ein Alien?

Als Kind fand ich es schon gruselig genug, meine Lehrerin unerwartet beim Einkaufen zu treffen und zu realisieren, dass sie auch ein Mensch und nicht nur „Lehrerin“ ist. Ein Alien ist da natürlich noch etwas ganz anderes, darum musste ich dieses Buch sofort lesen.

Die Handlung war spannend und die Protagonist:innen wirken schlicht und unaufgeregt aber trotzdem authentisch. Perfekt für ein Kinderbuch. Es kommen ein paar Flüche vor, die mich auf den ersten Blick etwas gestört haben. Allerdings bin ich da wirklich pingelig und letztendlich machen diese Details das Buch auch so authentisch.

Die Sprache ist sehr leicht verständlich und auf für Kinder gut lesbar. Anfangs kommen zwar viele Fremdwörtern vor, aber es gibt einen Glossar, in dem die Weltraumbegriffe kindgerecht erklärt werden.

Die parallelen Handlungsstränge zwischen den realen Ermittlungen und den Erlebnissen in der Spielwelt sind im Text klar, durch verschiedene Schriftfarben, getrennt wodurch man auch nicht durcheinanderkommt. Selbst im Text gibt es immer wieder liebevoll gestaltete, zweifarbige Comicbilder. An einer Stelle war es etwas verwirren, da die Aussage in einer Sprechblase als Teil des Fließtextes gesehen wurde, aber es war auf jeden Fall ein optisches Highlight.

Aufgrund von persönlicher Erfahrung wäre es mir lieber gewesen, wenn inhaltlich ein bisschen näher auf die Bedeutung von Privatsphäre eingegangen worden wäre aber es handelt sich hier um ein Kinderbuch und ich gehe davon aus, dass die meisten Kinder Erziehungsberechtigte haben, die den Kinder so etwas erklären.

Ein Punkt, der weder aus Klappentext und Cover noch aus der Leseprobe hervorgeht war, dass Gunnar und Samuel auch eine gute Freundin haben, mit der sie viel Zeit verbringen. Es kommt also auch ein cooles Mädchen vor, mit dem sich junge Leserinnen identifizieren können. Ich finde es nur schade, dass das nicht aus dem Cover ersichtlich ist. Hoffentlich gibt es genug Eltern, die das Buch nicht als „Jungenbuch“ abtun, sondern es als das sehen, was es ist. Ein abenteuerliches Buch für Kinder jeden Geschlechtes, die sich für Welltraum, Aliens oder Computerspiele interessieren.

Ein optisch sowie inhaltlich ansprechendes Buch.
Ich wünschte, es hätte dieses Buch schon gegeben, als ich noch ein junges Mädchen war.

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Veröffentlicht am 28.09.2021

Bist du schon wütend, oder noch enttäuscht?

Wut und Böse
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Wut ist ein mächtiges Werkzeug, das gerade uns Frauen viel zu schnell aberzogen werden kann. Wut wird als unweiblich angesehen und sozial sanktioniert. Viel lieber wird gesehen, dass wir unsere Wut herunterschlucken ...

Wut ist ein mächtiges Werkzeug, das gerade uns Frauen viel zu schnell aberzogen werden kann. Wut wird als unweiblich angesehen und sozial sanktioniert. Viel lieber wird gesehen, dass wir unsere Wut herunterschlucken und dabei im besten Fall noch hübsch lächeln, damit sich ja niemand bedroht fühlen könnte. Dabei haben wir allen Grund wütend zu sein und auch ein Recht, dieses Gefühl auszudrücken!
Zuerst zum Cover: Die vielen bunten Farben, deren Formen Frauen im Profil ähneln, stehen im starken Kontrast zum Inhalt des Buches. Die Leichtigkeit der Farben und das abstrakte Design unterstreichen dadurch die Dringlichkeit, weibliche Wut zu thematisieren und spielen mit der unerfüllten Erwartungshaltung. Der Inhalt des Buches ist nämlich eindeutig, klar, faktenbasiert und unfassbar wichtig.
Der Aufbau wirkt sehr natürlich und trotz der Unterkapitel, deren Titel teils etwas provokant formuliert sind, gibt es einen roten Faden.
Durch die Kürze des Buches werden sehr viele verschiedene Aspekte von Wut angeschnitten und anhand von Beispielen erklärt. Es ist sehr kompakt beschrieben und hätte meiner Meinung nach auch ausführlicher sein können. Trotzdem wird nachvollziehbar und verständlich argumentiert und für weiterführende Literatur gibt es auch ein Quellenverzeichnis auf das ich bestimmt noch zurückgreifen werde.
Der Schreibstil war klar, nüchtern und mit Beispielen sowie Zahlen versehen, wodurch der Inhalt greifbar gemacht wurde. Ich habe mich in sehr vielen dieser Situationen selbst wiedergefunden und mein Verhalten in der Vergangenheit reflektiert.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich schon lange nicht mehr so verstanden gefühlt habe! Dieses Buch hat es geschafft, Gefühlen, die ich schon ewig mit mir herumschleppe, endlich einen Namen zu geben. Denn ich bin nicht immer nur enttäuscht, desillusioniert, ernüchtert oder frustriert. Manchmal bin ich auch einfach nur wütend.
Und das ist vollkommen okay.

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Sozialkritisch, authentisch und sehr unterhaltsam

DAFUQ
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Anja muss wegen einer Demonstration gegen Korruption für 10 Tage in ein russisches Frauengefängnis und erlebt dort Dinge, die auf jeden Fall lesenswert sind!

Optisch finde ich das Buch sehr ansprechend. ...

Anja muss wegen einer Demonstration gegen Korruption für 10 Tage in ein russisches Frauengefängnis und erlebt dort Dinge, die auf jeden Fall lesenswert sind!

Optisch finde ich das Buch sehr ansprechend. Die verschiedenen Lilatöne auf dem Cover skizzieren eine rauchende Frau, die inhaltlich gut zu der Gefängnisthematik passt. Die Gestaltung wirkt durch die verschwommene Frau etwas unnahbar und mystisch, aber trotzdem greifbar und real.

Durch die Lebensgeschichte der Autorin merkt man schnell, wie wichtig ihr das Thema ist. Man spürt den persönlichen Bezug und die Dringlichkeit, mit der der Gefängnisalltag sowie die Gründe verhaftet zu werden, in Russland diskutiert werden muss. Ich fand es sehr interessant, wie die Reaktionen auf politische Gefangene waren und mit welchen Vorurteilen man konfrontiert wurde. Das hat sich sehr realistisch angefühlt.

Der Schreibstil war klar, nüchtern und beschreibend. Ich bin nur so über die Seiten geflogen und habe absolut keinen sprachlichen Kritikpunkt.

Ich fand es außerdem sehr spannend, den Alltag im Gefängnis, parallel zu ihren Erinnerungen an das Leben in Freiheit zu stellen. Was bedeutet Freiheit überhaupt und inwiefern verändert uns das Gefühl ausgeliefert und fremdgesteuert zu sein?

Die verschiedenen Figuren haben alle ihre eigene Persönlichkeit und wirkten mit ihren eigenen Träumen, Fehlern und Vergehen sehr authentisch. Ich habe es geliebt, wie die verschiedenen Personen miteinander interagiert haben und fand es faszinieren zu erleben, was passiert, wenn man Frauen aus den verschiedensten sozialen Schichten und Hintergründen alle in dieselbe Zelle steckt. Ich konnte auch viele Parallelen zwischen dem Leben der russischen Frauen und meinem eigene ziehen.

Ich muss gestehen, dass mich die Biografie der Autorin sehr neugierig auf das Buch gemacht hat. Ihre eigenen Erfahrungen sind bestimmt auch in das Buch hineingeflossen, da sich eine solche Authentizität kaum anders erklären lässt.

Ich kann das Buch allen nahelegen, die gerne eine unterhaltsame und sozialkritische Geschichte über Gesellschaft, Freiheit, Politik und Selbstfindung lesen wollen, nicht leicht getriggert werden und bereit sind, ihren Horizont zu erweitern.

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