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Veröffentlicht am 07.10.2016

Der Mirror, dein bester Freund?

Mirror
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Nachdem Carl Poulsen zusammen mit einem Freund den „Mirror“ entwickelt hat, kann er seine Firma für so viel Geld an einen Konzern weiterverkaufen, dass er bis an sein Lebensende ausgesorgt hat. Dennoch ...

Nachdem Carl Poulsen zusammen mit einem Freund den „Mirror“ entwickelt hat, kann er seine Firma für so viel Geld an einen Konzern weiterverkaufen, dass er bis an sein Lebensende ausgesorgt hat. Dennoch bleibt er der Firma verbunden und arbeitet weiter am Mirror, eine Art Weiterentwicklung des Smartphones, mit vielen für den User hilfreichen Features. Die Mirror sind über das MirrorNet verbunden, das Daten sammelt, um die Geräte immer weiter zu verbessern. Das oberste Ziel ist dabei den Nutzen für die User zu optimieren.

Andy bekommt einen Mirror zum Geburtstag geschenkt, zuerst ist er nicht gerade begeistert, denn sein Haupthobby sind Onlinespiele, dafür scheint der Mirror aber nicht unbedingt geeignet zu sein. Doch Andy entdeckt schnell den Nutzen des Gerätes für sich, denn er hat das Asperger-Syndrom und sein Mirror hilft ihm dabei, die Gesichtsausdrücke seiner Mitmenschen zu deuten und gibt ihm damit die Möglichkeit, deren Stimmungslage zu erkennen. Tatsächlich traut sich Andy seit langer Zeit einmal wieder unter Menschen und besucht ein Einkaufszentrum, wo er Viktoria kennenlernt und sich sogar mit ihr anfreundet. Doch diese Freundschaft scheint seinem Mirror nicht zu gefallen.

Nicht nur Andys Handicap wird vom Mirror kompensiert, auch die blinde Marna erlebt, wie hilfreich das Gerät für sie ist, und auch Lukas, dem es an Intelligenz mangelt, profitiert von seinem Mirror, der sein Leben innerhalb kurzer Zeit verbessert – ihn aber auch von sich abhängig macht. Jack ist ein kleiner Dealer, der untertauchen muss, der Mirror, der in seine Hände gelangt, wird ihm dabei gute Dienste leisten. Die Journalistin Freya entdeckt, dass ihr Mirror Gefühle zu haben scheint oder zumindest eigenständig agiert. Sie beginnt nachzuforschen und stößt damit in ein Wespennest.

Die Geschichte spielt in Deutschland und den USA (Carl und Jack) und wird mit Hilfe vieler Perspektivewechsel und damit verbundener Cliffhanger zügig erzählt. Als Leser ist man mitten in der Geschichte, fühlt mit den Charakteren oder ärgert sich über sie, schnell ist einem aber auch klar, wohin das Geschehen steuert. Die Spannung hält sich insgesamt in Grenzen, wenn auch manche Abschnitte recht spannend sind. Trotz der techniklastigen Geschichte ist die Sprache einfach und verständlich, technische Details werden eher am Rande erwähnt.

Die Charaktere sind zum Teil ganz gut gelungen, besonders Andy gefällt mir, man kann gut nachvollziehen, was in ihm vorgeht. Auch die Gefühlswelt der anderen Charaktere beschreibt der Autor anschaulich, teilweise sind mir diese aber zu klischeehaft beschrieben, vor allem Lukas ist ein reiner Stereotyp. Da es in der Geschichte aber weniger um die Charaktere geht, sondern mehr um die künstliche Intelligenz und ihre Vor- und Nachteile, ist das zu verschmerzen, die Charaktere sollen nur die Story tragen und anschaulich machen. Wirklich stört mich aber, wenn Charaktere unlogisch handeln, z. B. erst mirrorkritisch, intelligent und vernünftig sind, und dann doch alles glauben, was das Gerät ihnen sagt und sich zu entsprechendem Tun verleiten lassen, selbst wenn ein bisschen gesunder Menschenverstand Zweifel schüren müsste.

Im Übrigen finde ich es schade, dass die Charaktere aus dem Prequel im Roman keine Rolle spielen und noch nicht einmal die dortigen Rätsel aufgeklärt werden (allen voran das Attentat auf den Zug), sicher hätte man das „nebenbei“ auch noch mit aufnehmen können.

Leider hat für mich aber auch die Geschichte an sich ihre Probleme. Manche Storyentwicklungen scheinen mir zu sehr aus dem Hut gezaubert. Vor allem gefällt mir das Ende nicht. Die Grundgeschichte, nennen wir es „was passiert, wenn künstliche Intelligenz zu intelligent wird“, ist ein alter Hut, da gibt es einige Geschichten, die davon handeln, und ich hatte von „Mirror“ etwas Neues, Innovatives erwartet, zumal Karl Olsberg in Anwendungen Künstlicher Intelligenz promoviert hat. Leider wurde meine Erwartung diesbezüglich enttäuscht, vor allem das Ende der Geschichte erscheint mir sehr klischeehaft. Gegen Ende zieht sich die Geschichte immer mehr. Dass es dann noch einen Todesfall innerhalb der Charaktere geben muss, scheint einem Soll geschuldet und ist in meinen Augen unnötig.So habe ich den Roman letztlich eher unzufrieden aus der Hand gelegt, weswegen ich auch nur 3 Sterne vergebe.

Vielleicht werde ich langsam alt, habe schon zu viel gelesen und gesehen, und kann deshalb manchen Romanen einfach nicht mehr genug abgewinnen? „Mirror“ ist mir letztlich zu klischeehaft und bietet nichts wirklich Neues. Sicher kann der Roman aber nachdenklich machen, wenn es um den Umgang mit technischen Fortschritten geht und der Überlegung, ob alles, was möglich ist, auch gemacht werden sollte. Aber auch diese Frage ist für mich nicht Neues.

Veröffentlicht am 03.10.2016

Gelungene Fortsetzung, die den ersten Teil noch übertrifft

Nachtschatten 2: Ungebrochen
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Lily und ihre Freunde sind weiterhin auf der Flucht, sie werden gejagt durch die anderen Jägergruppen, kein Versteck scheint sicher genug, immer wieder werden sie aufgespürt und fast scheint es, als hätten ...

Lily und ihre Freunde sind weiterhin auf der Flucht, sie werden gejagt durch die anderen Jägergruppen, kein Versteck scheint sicher genug, immer wieder werden sie aufgespürt und fast scheint es, als hätten sie einen Verräter in ihrer Mitte.

Neben diesen Problemen wird Lily von Alpträumen geplagt, die auf ihre Vergangenheit zu verweisen scheinen, offenbar kehrt ihre Erinnerung langsam wieder, doch Adrian, ihr Schutzengel, ist noch immer nicht bereit, über die Ereignisse zu sprechen, die Lilys Gedächtnislücke auslösten.

Es ist schon etwas her, dass ich den ersten Teil der Trilogie gelesen habe und ich hatte einige Probleme, mich wieder zurecht zu finden, zumal der Roman direkt mit einer Rückblende beginnt, die aber als solche nicht klar zu erkennen ist. Auch viele der Namen konnte ich zunächst nicht zuordnen – hier wäre ein kleiner Rückblick zu Beginn oder ein Glossar, das nicht nur die einzelnen Personen, sondern auch diverse Hintergründe, z. B. zu den einzelnen Wesen oder der speziellen Mythologie der Geschichte, beinhaltet, schön.

Nach einigen Seiten ist man dann aber wieder in der Geschichte angelangt und wird auch schnell gepackt, zum Einen erzählt Juliane Seidel sehr spannend, zum Anderen erhält man schnell die Gelegenheit mitzurätseln, und wer aufmerksam liest, kann das Geheimnis um Lily und Adrian zumindest zum Teil selbst lösen – ich mag es, wenn meine Überlegungen den richtigen Pfad erwischen.

Ich mag auch die Welt, die die Autorin entworfen hat, die verschiedenen Wesen, Werwesen, Vampire, Sidhe, Magier, Schutzengel – vor allem Letztere faszinieren mich. Der für mich interessanteste Charakter, Adrian, ist einer davon. Er ist Lily zugeordnet und anders als die anderen Schutzengel, warum, das wird sich in diesem Roman klären, die Auflösung ist gut gelungen, wie ich finde.

Leider kann die Protagonistin, Lily, selbst am wenigsten bei mir punkten. Schon im ersten Teil der Trilogie war sie mir nicht sehr sympathisch und auch jetzt wieder benimmt sie sich in meinen Augen stellenweise einfach nur schrecklich, sie ist sehr egoistisch und ungeheuer zickig. Gut, dass es neben ihr einige wesentlich interessantere Charaktere gibt. Etwas nervig finde ich die Vierecksbeziehung Lily-Silas-Radu-Adrian, es kommt hier teilweise zu unüberlegtem Verhalten, das ich nicht nachvollziehbar finde, vor allem, wenn sich ein Vampir, der schon viele Jahrzehnte alt ist, wie ein Teenager benimmt. Allerdings entstehen durch diese Konstellation auch ein paar schöne Szenen, die das Herz berühren, ohne dass ich sie als zu kitschig empfand.

Hin und wieder fand ich das Verhalten der Charaktere sehr oberflächlich, offensichtliche Dinge werden nicht thematisiert, manche Überlegung nicht weiterverfolgt, warum wird z. B. nicht darüber gesprochen, wer der Vampir war, der bei Radu angetroffen wurde. Die Gruppe wird verfolgt, aber keiner, auch nicht die erfahrenen Mitglieder, ist sensibel genug, Dinge auch mal zu hinterfragen. Manche Beobachtungen werden einfach nicht angesprochen.

Nichtsdestotrotz hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ich bin sehr gespannt auf den Abschlussband der Trilogie, auch wegen des Appetizers am Ende dieses Teils. „Nachtschatten – Ungebrochen“ ist sehr spannend und beantwortet bereits einige Fragen. Mir gefällt dieser Teil besser als der erste, ich freue mich auf die Fortsetzung und spreche gerne eine Empfehlung aus, Urban Fantasy-, aber vor allem Engelfans werden Freude an der Geschichte haben. Von mir gibt es 4 verdiente Sterne.

Veröffentlicht am 02.10.2016

Hat mich, trotz einiger Mängel, gut unterhalten

Mit Zorn sie zu strafen
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In der Silvesternacht wird eine Familie überfallen und fast komplett ausgelöscht, der kleine Bradley ist verschwunden. Max Wolfe und seine Kollegen suchen fieberhaft nach dem Mörder. Was hat er mit Bradley ...

In der Silvesternacht wird eine Familie überfallen und fast komplett ausgelöscht, der kleine Bradley ist verschwunden. Max Wolfe und seine Kollegen suchen fieberhaft nach dem Mörder. Was hat er mit Bradley gemacht? Lebt der Junge noch? Und wo liegt das Motiv?

„Mit Zorn sie zu strafen“ ist bereits der zweite Kriminalroman, den Tony Parsons rund um seinen Ermittler Max Wolfe geschrieben hat. Max ist ein sehr sympathischer Mann, allein erziehend, seine kleine Tochter ist bezaubernd und hat mein Herz im Nu erobert. Max ist auch als Ermittler recht feinfühlig und denkt weiter als manch anderer. Leider ist er auch, und nicht nur er, sehr leichtsinnig. Allein in diesem Band begeben sich er und seine Kollegen mehrmals in absehbare Gefahr, als Leser kann man da nur den Kopf schütteln und an der Kompetenz und Intelligenz der Ermittler zweifeln. Diese Szenen wirken wenig authentisch und ziemlich aufgesetzt. Und nicht nur da kommt man ins Zweifeln, auch wie ermittelt wird, wie schnell Urteile gefällt werden und wie wenig die Ermittler aus Rückschlägen lernen, lässt einen etwas fassungslos zurück. All das wären für mich normalerweise Gründe, den Roman nicht zu mögen – wäre da nicht die Tatsache, dass er mich sehr gut unterhalten hat.

Es kommt selten vor, dass ein Roman mich so zwiegespalten zurücklässt. Diesen hier habe ich, trotz der o. g. Kritik ausgesprochen gerne gelesen, bin nur so durch ihn hindurch geflogen, fand ihn spannend und hatte Spaß daran, zu spekulieren. Max mag ich sehr, seine Tochter noch lieber und ich habe große Lust bekommen, den Vorgängerroman zu lesen und auch über weitere Bände würde ich mich freuen. Man kann den Roman übrigens auch sehr gut lesen, ohne den Vorgänger zu kennen.

Erzählt wird größtenteils in Ich-Form aus Max Perspektive, dadurch ist man als Leser nahe dabei, erfährt aber auch nur, was Max erfährt. Der Roman liest sich sehr flüssig und entwickelt sich schnell zum Pageturner. Manche Szenen gehen, auch wegen ihrer Thematik, unter die Haut, allerdings wirken sie nicht über den Roman hinaus nach, dafür wäre mehr Tiefgang erforderlich gewesen, Tony Parsons setzt aber eher auf Action und Dramatik.

Wie bereits erwähnt, hat mich der Roman sehr gut unterhalten, über die genannte Kritik kann ich (ausnahmsweise) erstaunlich gut hinweg sehen. Eine Empfehlung fällt mir allerdings schwer, ich denke jedoch, wer vor allem auf Spannung setzt und über mangelnde Authentizität und fehlenden Tiefgang hinwegsehen kann, wird an dem Roman Freude haben.

Veröffentlicht am 01.10.2016

Auch der letzte Band gefällt mir sehr!

Flammenwüste - Der feuerlose Drache
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Nyan, der dunkle Magier, hat das erste aller Worte in seinen Besitz gebracht, doch noch kann er es nicht aussprechen und noch besteht die Möglichkeit, ihn daran zu hindern, dies zu tun. Nyan zu besiegen ...

Nyan, der dunkle Magier, hat das erste aller Worte in seinen Besitz gebracht, doch noch kann er es nicht aussprechen und noch besteht die Möglichkeit, ihn daran zu hindern, dies zu tun. Nyan zu besiegen stellt sich als ausgesprochen schwierig, ja fast unmöglich heraus, die Kämpfe fordern hohe Verluste. Anur entdeckt, dass er selbst im Besitz von etwas ist, das Nyan unbedingt benötigt, er muss sich versteckt halten, doch wo wäre er sicher?

Der letzte Band der Trilogie schließt unmittelbar an den Vorgänger an und startet direkt mit dem Endkampf – nein, auch wenn es so wirkt, kann das nicht sein, dann wäre der Roman nur sehr kurz – oder recht langweilig. Der Roman startet zwar mit einem heftigen und verlustreichen Kampf, aber es ist noch nicht der Endkampf, Vieles wird sich noch ereignen, bis der Krieg um das erste Wort entschieden ist, wie auch immer, denn möglich erscheint in dieser Geschichte alles – mehr als eine Überraschung gibt es noch, überraschende Wendungen, überraschende Wiederbegegnungen, überraschende Entdeckungen – und natürlich auch wieder ein paar Geschichten in der Geschichte, eines der Dinge, die diese Trilogie so besonders machen.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, eine davon ist die Anurs, des Hauptcharakters des Dreiteilers, mittlerweile Gefährte des Drachen Meno, und selbst verwoben in die Geschichte des ersten Wortes. Anur ist jung und nicht fehlerfrei, er hat oft schwierige Entscheidungen zu treffen und manchmal hat dies schlimme Folgen, auch wenn er immer versucht, das Richtige zu tun. Aber, er ist eben nur ein Mensch wie jeder andere (naja, fast zumindest) und daher auch nicht fehlerfrei.

Natürlich sind auch wieder Anurs Freunde mit dabei, viele davon hat man als Leser ins Herz geschlossen, möchte sie nicht missen und zittert mit ihnen. Ich mag die Helden in dieser Trilogie, sie sind nicht (oder nur ein bisschen) übernatürlich, Vieles geht ihnen (nicht nur Anur) schief, aber sie kämpfen gegen Angst und Skrupel an und tun, was sie letztlich für richtig halten. Auch auf der Gegenseite gibt es, neben Nyan, altbekannte Gesichter. Dem Autor sind viele individuelle und einprägsame Charaktere gelungen, an die man noch oft zurückdenken wird. Aber nicht nur Charaktere sind es, die im Gedächtnis bleiben werden, auch z. B. die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher, die wieder eine wichtige Rolle spielt, wird man nicht so schnell vergessen.

Im meiner Rezension zum zweiten Teil hatte ich mir ein Glossar gewünscht, und hier ist es nun, schön, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. So nützlich wie das Glossar ist auch die Karte, auf der man die Wege der Charaktere gut nachvollziehen kann.

Akram El-Bahay ist eine von vorne bis hinten gelungene Trilogie gelungen, die u. a. durch das orientalisch angehauchte Setting und die Geschichten in der Geschichte besonders ist. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich, die Charaktere außergewöhnlich und das Ende sehr zufriedenstellend. Ich freue mich schon auf weitere Romane des Autors und empfehle die gesamte Trilogie gerne uneingeschränkt weiter.

Veröffentlicht am 22.09.2016

Außergewöhnliches Setting, sehr atmosphärisch

Der Angstmann
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Dresden 1944: So langsam zeichnet sich ab, dass das Dritte Reich den Krieg womöglich doch nicht gewinnen kann, der Feind rückt näher, die Bevölkerung leidet Not, immer mehr Flüchtlinge erreichen die Stadt, ...

Dresden 1944: So langsam zeichnet sich ab, dass das Dritte Reich den Krieg womöglich doch nicht gewinnen kann, der Feind rückt näher, die Bevölkerung leidet Not, immer mehr Flüchtlinge erreichen die Stadt, Krankheiten und Hunger breiten sich aus, in den Nächten gibt es immer öfter Alarm.

Als eine schlimm zugerichtete Frauenleiche gefunden wird, wird Kriminalinspektor Max Heller mit den Ermittlungen betraut. Den Täter zu finden, stellt eine Herausforderung dar, fast alle fähigen Kollegen sind an die Front abkommandiert, Hellers Vorgesetzter, SS-Obersturmbandführer Klepp, ein ehemaliger Fleischer, hat weder kriminalistische Kenntnisse, noch ein echtes Interesse, den wahren Täter zu finden, er will den Fall nur schnell gelöst haben. Dass die Tote sich von ihrem jüdischen Ehemann hatte scheiden lassen, macht die Sache für ihn einfach: Der muss es gewesen sein.

In der Bevölkerung vermutet man einen besonderen Täter: Der Angstmann ginge um, schließlich sind nachts merkwürdige Geräusche zu hören. Heller glaubt an einen anderen Täter, zumal eine weitere, noch bestialischer getötete, Leiche gefunden wird …

Ein Kriminalroman, der in den letzten Kriegsmonaten in Dresden spielt, das ist doch einmal etwas anderes, für mich ein klarer Fall von „Muss ich lesen“. Gelockt hat mich auch der Zusatz „Der erste Fall für … Max Heller“, ich mag Buchreihen, zumal, wenn mir der oder die Ermittler interessant vorkommen.

Max Heller ist Weltkrieg-I-Veteran, kriegsversehrt, weswegen er jetzt selbst nicht an die Front musste, jedoch sind seine beiden Söhne im Krieg, von denen er lange nichts gehört hat, weswegen er und seine Frau sich große Sorgen machen. Max Heller ist kein strammer Nazi, im Gegenteil, aber er versucht das nicht offen zu zeigen, um sich und seine Familie zu schützen. Wenn er ermittelt, ist er hartnäckig und will unter allen Umständen den Fall lösen, dafür geht er auch schon einmal Risiken ein, jedenfalls stellt es sich in diesem ersten Band so dar, zum Beispiel, wenn er, statt Lebensmittel zu besorgen, einer Spur nachgeht. Mir ist Heller sehr sympathisch und ich würde gerne weitere Fälle mit ihm zusammen erleben.

Gut gefallen hat mir auch Andrej Saizev, der nach Kriegsende Heller bei den Ermittlungen unterstützt. Ich würde mich freuen, ihn in weiteren Bänden wiedersehen zu dürfen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, denn Saizev wurde nach Moskau abkommandiert. Aber, man weiß ja nie ...

Frank Goldammer gelingt es gut, die Atmosphäre, die in den letzten Kriegsmonaten geherrscht haben muss, herüber zu bringen. Hunger, Krankheiten, Hoffnung, die aber immer mehr in Hoffnungslosigkeit übergeht, die Angst vor dem näher rückenden Feind, die Angst um die Familienangehörigen im Feld, die Angst vor den Bomben, all das wirkt bedrückend und viele kennen Ähnliches aus den Erzählungen der Eltern oder Großeltern. Auf mich wirken Frank Goldammers Beschreibungen sehr authentisch. Den Höhepunkt erreicht dieses Geschehen in der Bombennacht am 13.02.1945, die man mit Max Heller zusammen erlebt und die erschüttert.

Was mir weniger gefallen hat, war die Zeichnung einiger anderer Charaktere, mancher schien mir doch etwas zu überzogen, zu klischeehaft, zu stereotyp, in erster Linie Hellers Vorgesetzter, der zwar (aus politischen Gründen) nachvollziehbar diesen Rang besetzt, dessen pathetische Reden man aber kaum ertragen kann.

Auch mit der Auflösung bin ich nicht ganz glücklich, sie entbehrt zwar nicht einer gewissen Logik, erscheint mir aber doch an den Haaren herbeigezogen. Und nicht nur die Aufdeckung der Morde, sondern auch ein zweiter Lösungsstrang wirkt auf mich nicht nachvollziehbar. Da war mir insgesamt zu viel in den Topf geworfen.

Insgesamt fand ich den Roman aber gut gelungen, es ist ein spannender Kriminalroman mit einem außergewöhnlichen Setting und einem sympathischen Ermittler. Ich würde mich über weitere Fälle Max Hellers freuen und empfehle den Roman gerne weiter. Von mir gibt es 4 Sterne.