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Veröffentlicht am 04.05.2024

Sehr wissenschaftlicher Science-Fiction-Roman

Die drei Sonnen
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1967: In China tobt die Kulturrevolution. Die Astrophysikerin Ye Wenjie muss zusehen, wie ihr Vater, Professor Ye Zhetai während einer sogenannten Kampf- und Kritiksitzung erschlagen wird. Ye Wenjie landet ...

1967: In China tobt die Kulturrevolution. Die Astrophysikerin Ye Wenjie muss zusehen, wie ihr Vater, Professor Ye Zhetai während einer sogenannten Kampf- und Kritiksitzung erschlagen wird. Ye Wenjie landet schließlich in der Militärbasis „Rotes Ufer“, wo Signale ins All geschickt werden in der Hoffnung auf eine Antwort.

40 Jahre später erlebt der Wissenschaftler Wang Miao Unerklärliches, etwas will ihn davon abhalten, seine Forschungen im Bereich der Nanomaterialien weiterzuführen. Zur selben Zeit entdeckt er auch das VR-Computerspiel „Three Bodies“, in dem man versuchen soll eine Welt mit drei Sonnen zu stabilisieren.

Der Roman des chinesischen Autors erschien im Original 2006, also kurz vor der Zeit, in der der Hauptteil seines Romans spielt. Er verlangt den Leser:innen einiges ab, denn er ist sehr wissenschaftlich und dadurch nicht immer leicht zu lesen. Auf manches wird direkt im Text näher eingegangen, anderes im Anhang genauer erklärt, das betrifft auch den historischen chinesischen Hintergrund, so dass man direkt im Buch viel zusätzliches Wissen erhalten kann.

Schwierigkeiten könnten auch die verschiedenen Erzählebenen machen, allerdings habe ich mich jeweils gut zurechtgefunden und wusste immer wo bzw. wann ich gerade war. Neben den verschiedenen Zeitebenen gibt es neben der realen Welt und der des Spiels später noch eine weitere örtliche Ebene.

Man muss sich auch davon lösen, dass einen viel Action und damit einhergehende Spannung erwartet. Spannend ist der Roman schon, aber eben weniger durch Action sondern wegen der Fragen, die sich ergeben, wie kommen z. B. einige der Dinge, die Wang Miao in der realen Welt erlebt, zustande? Muss er sein wissenschaftliches Verständnis überdenken? Wer weiß mehr, und warum? Erst gegen Ende wird das meiste erklärt, und die Bedrohung greifbar. Diese wird in den beiden Folgebänden wohl im Mittelpunkt stehen, darauf bin ich schon gespannt.

Tatsächlich hatte ich etwas anderes erwartet, konnte mich aber schnell auch auf diese Geschichte einlassen. Auf gewisse Weise hat mich die Geschichte fasziniert, da sie durch ihren kulturellen Hintergrund für mich auch eine gewisse Exotik ausstrahlt.

Neben den schon erwähnten Anmerkungen im Anhang findet man dort auch etwas über Schreibweise und Aussprache der chinesischen Namen und Worte sowie ein lesenswertes Nachwort des Autors und zu Beginn des Buches ein Personenverzeichnis.

Der erste Band der Trisolaris-Trilogie ist sehr wissenschaftlich und dadurch nicht immer leicht zu lesen. Es lohnt sich aber, sich darauf einzulassen, zumal es viele Erklärungen direkt im Buch gibt. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erhält einen interessanten und auch spannenden Roman, der die Grundlage für die beiden Nachfolgebände legt, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Veröffentlicht am 28.04.2024

Ein vertanes Leben

Notizen zu einer Hinrichtung
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Ansel Packer steht kurz vor seiner Hinrichtung. Der Roman erzählt auf mehreren Ebenen, was bis dahin in ihm vorgeht sowie über sein bisheriges Leben.

Ich finde die Form, in der von Ansel erzählt wird, ...

Ansel Packer steht kurz vor seiner Hinrichtung. Der Roman erzählt auf mehreren Ebenen, was bis dahin in ihm vorgeht sowie über sein bisheriges Leben.

Ich finde die Form, in der von Ansel erzählt wird, sehr interessant und auch fesselnd. Seine eigenen Gedanken erfahren wir in einem Countdown bis zur Hinrichtung in der zweiten Person Singular, also in Du-Form. Das ist eine ungewöhnliche und eher selten gebrauchte Form der Erzählung, passt hier aber sehr gut, und führt einen tief in Ansels Gedankenwelt.

Die andere Ebene ist auch eine zeitliche, auch sie führt durch Ansels Leben und zwar bis zu seiner Verhaftung, aber nicht aus seiner Perspektive, sondern aus der dreier Frauen. Es beginnt mit seiner Geburt 1973 aus Sicht seiner Mutter, und hier sieht man schon, dass sein Leben nicht einfach werden wird, und auch seine Besonderheiten werden hier schon geboren. Die Perspektiven der Frauen wechseln sich untereinander ab und mit der Ansels. So erfährt man nach und nach, über die Jahre bzw. über die wenigen Stunden, die Ansel noch hat, was genau passiert ist. Manches bleibt zunächst offen, erst später wird klar, was geschehen ist, so dass eine ganz eigene Spannung entsteht.

Ich bin zwar weder den Frauen, über deren eigenes Leben man auch viel erfährt, noch Ansel wirklich nahe gekommen, konnte mich aber dennoch gut in das Geschehen versetzen. Erschütternd ist immer wieder, dass sich Ansels Leben vielleicht auch anders hätte entwickeln können, ausschlaggebende Ereignisse kann man gut wahrnehmen, aber auch der Gedanke, was vielleicht sonst anderes geschehen wäre, bleibt im Kopf.

Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass die letzten Worte des Romans den Opfern gehören und zwar auf ganz besondere Weise.

Für mich ist dieser Roman besonders, nicht nur, weil er ein vielleicht schon von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Leben erzählt, sondern auch, weil er, wenn auch hintergründig, sich mit dem Thema Hinrichtung auseinandersetzt bzw. einen darüber zum Nachdenken bringen kann.

Mich hat der Roman sehr gepackt, aber auch betroffen gemacht und zum Nachdenken gebracht. Ansel Packer und sein Leben wird wohl noch eine Weile in meinem Kopf bleiben. Ebenso wie die Autorin, von der ich jetzt noch mehr lesen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 26.04.2024

Der letzte Band

Buffy The Vampire Slayer (Staffel 12)
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Seit der elften Staffel ist Zeit vergangen, es hat sich manches verändert, ein Baby ist geboren worden, und Giles wieder der Alte, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch dann reist jemand aus der Zukunft an, ...

Seit der elften Staffel ist Zeit vergangen, es hat sich manches verändert, ein Baby ist geboren worden, und Giles wieder der Alte, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch dann reist jemand aus der Zukunft an, um ein bevorstehendes Ereignis in seinem Sinne zu verändern.

Wer erinnert sich an Melaka Fray, die Jägerin aus der Zukunft, die einen eigenen Band bekam, und die Buffy in der Zukunft besucht hat? Tatsächlich gab es in diesem Zusammenhang noch einen losen Faden, der nun verknüpft wird. Dafür ist wieder eine Reise in die Zukunft nötig.

Die zwölfte Staffel hat nur diesen einen Band, danach ist die Reihe zu Ende. Dass dafür ein neuer Zeichner engagiert wurde, hat mich zunächst gestört, doch dann habe ich mich relativ schnell an seinen Zeichenstil gewöhnt.

Ein Abschlussband sollte, nein muss, noch einmal den Cast so vollständig wie möglich aufbieten, und das tut er hier, auch Angel und Illyria sind mit von der Partie, andere werden wenigstens erwähnt, und jemand hat es sogar bis in die Zukunft geschafft. Und dann gibt es noch ein unerwartetes Wiedersehen mit einem eigentlich schon lange tot geglaubten Feind, worüber ich mich tatsächlich gefreut habe, denn dieser war nicht nur ziemlich fies, sondern auch ziemlich witzig, und einer meiner Lieblingsbösewichte.

In diesem Band gibt es auch wieder verschiedene Cover und Skizzen zu bestaunen.

Die Geschichte ist okay, nicht unbedingt meine liebste, aber doch ein guter Abschluss für die Reihe. Ich verabschiede mich von Buffy und ihren Freunden mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wer die Serie mochte und Comicbände mag, erhält mit dieser Reihe eine wirklich gelungene Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 23.04.2024

Lesenswert

Myrk
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Hanz wird als Neugeborener von Meister Mimir, Durg und Runenschmied, gefunden und an Sohnes statt aufgezogen. An seinem achtzehnten Geburtstag trifft er in den Höhlen auf einen kranken Wyrm, und infiziert ...

Hanz wird als Neugeborener von Meister Mimir, Durg und Runenschmied, gefunden und an Sohnes statt aufgezogen. An seinem achtzehnten Geburtstag trifft er in den Höhlen auf einen kranken Wyrm, und infiziert sich mit einer tödlichen Krankheit. Mimir macht sich mit Hanz auf den Weg, Heilung zu finden, der Weg führt sie zum Durgenkönig und zu dem menschlichen Schmied Wyland, einst Schüler Mimirs.

Auch Grid wird als Säugling von ihrer Meisterin gefunden und aufgezogen. Hulda ist eine Waldfrau, wahrscheinlich die letzte, den vor Jahren setzte Marfast, der Häuptling des Bärenvolkes, Blutjäger auf diese an, die alle töten sollten. Nun hat Marfast wieder Blutjäger ausgeschickt, und einer davon, Huorn, ist ihnen auf der Spur.

Skanna ist die Tochter Kunnarts, des Häuptlings des Drachenvolkes, und wünscht sich nichts mehr, als als erste Frau Mitglied der Skelettreiter, einer Elitetruppe Kunnarts, zu werden. Leicht wird ihr das nicht gemacht, nun aber scheint der Erfolg nahe zu sein. Doch Kunnart, der ihr sowieso nicht verzeihen kann, ein Mädchen zu sein, hat mit der Feuerpriesterin Metiga eine neue Frau gefunden, und Metiga ist nicht nur schwanger, sondern hat auch eigene Pläne.

Alle diese Charaktere spielen ihre Rolle in der Geschichte, nach und nach erkennt man die Zusammenhänge. An oberster Stelle steht Myrk, die Welt, die krankt, und womöglich dem Untergang nahe ist, genau wie Aldatru, der Geist des Waldes, der Lebensbaum. Ja, diese Geschichte wirkt durchaus aktuell, denn sie handelt davon, dass die Schöpfung stirbt, weil nicht alle ihre Geschöpfe sie so hegen und pflegen, wie es notwendig wäre, sie im Gegenteil sogar vorsätzlich zerstören. Trotzdem hebt Peinkofer nicht den Zeigefinger oder deutet gar auf seine Leser:innen, doch die Botschaft ist klar.

Und die Geschichte ist lesenswert, sehr spannend, die Charaktere klar gezeichnet, man kann mitfühlen, sowohl in positiver als auch in negativer Weise, denn einige der oben Genannten sind ganz klare Antagonisten, für die man schnell keine positiven Gefühle mehr aufbringen kann. Wie hier teilweise mit Lebewesen umgegangen wird, ist schrecklich, und manches wird recht explizit erzählt. Ich fand z. B. die Blutegelgruben, in denen offenbar auch einige Waldfrauen geendet sind, ziemlich gruselig. Und auch den Charakteren stoßen Dinge zu, die man nicht erleben möchte. Dabei ist nicht jede:r ein:e Superheld:in, Hanz z. B. ist weder für das Schmieden noch für das Kämpfen geeignet, dafür kann er wunderbare Pilzgerichte kochen, und hat auch noch ein paar andere Talente.

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die Märchen, Sagen und Mythen, die sich hier wiederfinden. Schon die Namen Hanz und Grid lassen an ein bekanntes Märchen denken, und Hanz macht, wenn auch alleine, tatsächlich Bekanntschaft mit einer Hexe und ihrem Häuschen.

Erwähnenswert sind, neben dem schönen und sehr passenden Cover, auch die Extras. Da ist einmal die Karte, schön gestaltet von Timo Kümmel, zum anderen das lesenswerte Vorwort des Autors, das Personenverzeichnis, und das Glossar im Anhang. Ähnlich wie bei seinen Ork-Büchern gibt es auch hier eine eigene Sprache, deren Worte man im Text findet, wie z. B. „skallriddan„ für Schädelreiter. Für mich trägt das zur Atmosphäre bei, und die meisten Worte könnte man auch, wenn sie nicht erklärt würden, aus dem Kontext verstehen, so dass es das Lesen in meinen Augen nicht schwieriger macht.

Mir hat Michael Peinkofers Roman sehr gut gefallen, er punktet mit interessanten Charakteren, die mich mitfühlen ließen, einer ebenso interessanten Welt, die mit nordisch-germanischen Mythen, Sagen und Märchen verwoben wurde, und einem Thema, das auch für uns aktuell ist.

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Veröffentlicht am 21.04.2024

Habe ich sehr gerne gelesen

Oscar Wilde im Wilden Westen
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„Und Schießereien waren offenbar das hiesige Pendant zu Cricket“ (S. 21)

1882: Oscar Wilde ist auf USA-Tournee. Ein Mörder scheint ihn zu begleiten, denn in jeder Stadt, in der er gastiert, wird eine ...

„Und Schießereien waren offenbar das hiesige Pendant zu Cricket“ (S. 21)

1882: Oscar Wilde ist auf USA-Tournee. Ein Mörder scheint ihn zu begleiten, denn in jeder Stadt, in der er gastiert, wird eine Frau bestialisch getötet. Gehört der Mörder zu seiner Begleitung, oder ist es etwa Oscar Wilde selbst?

Oscar Wilde finde ich schon länger interessant, auch wenn ich, soweit ich mich erinnere, noch nichts von ihm gelesen habe. Natürlich kenne ich die Geschichten um „Das Bildnis des Dorian Gray“, und „Das Gespenst von Canterville“, aber vor allem berührt hat mich Oscar Wilde in einem Film, den ich vor längerer Zeit sah, und wenn ich an ihn denke, denke ich an Stephen Fry, der ihn da gespielt hat. Der Oscar, den ich im Kopf hatte, ist tatsächlich ziemlich deckungsgleich mit dem Oscar, den ich hier im Roman vorgefunden habe.

Erzählt wird aus drei Perspektiven, eine davon ist, natürlich, die Oscars, und hier findet man viel Witz und Bonmots, wie sich das für diesen Künstler gehört. Eine zweite Perspektive ist die des Federal Marshalls Bob Grigsby, der mehr zufällig entdeckt, dass der Mörder und Oscar in den selben Städten tätig waren. Hier ist der Erzählstil viel derber, hier spricht ein Mann des Wilden Westens. Die dritte Perspektive gehört dem Täter, und wird hin und wieder eingestreut.

Oscar wird begleitet von einer Reihe von Menschen, einem schwarzen Diener, seinem Agenten, einem Journalisten, einer französischen Baroness und deren Begleiter, einem ehemaligen deutschen Soldaten. Später kommt noch ein reicher US-Amerikaner und dessen Geliebte hinzu. Da Oscar die Vorstellung, einen Mörder als Begleiter zu haben, schrecklich findet, versucht er auch selbst, herauszubekommen, wer dieser sein könnte. Außerdem verliebt er sich unsterblich.

Oscar Wilde tourte auch durch andere Städte, aber das Wegstück, auf dem wir ihn hier begleiten, führt durch den „Wilden Westen“, und so kommt Oscar u. a. auch in den Genuss auf einen berühmten Revolverhelden zu treffen, Doc Holliday gibt sich hier sogar mehrmals die Ehre.

Die Suche nach dem Mörder, der übrigens mit seinen Taten sehr an Jack the Ripper erinnert, ist nicht einfach. Der Federal Marshall bringt zwar einige Indizien mit ins Spiel, doch die machen es nicht unbedingt leichter. Auch ich als Leserin habe hin und her überlegt, entlarvt habe ich den Täter aber nicht. Am Ende war die Auflösung okay. Tatsächlich ist die Suche nach dem Mörder auch nur ein Teil des Lesevergnügens. Der Roman ist kein Krimi, oder besser gesagt, er ist nicht nur Krimi.

Im Epilog schreibt Wilde 1991 an Grigsby einen Brief, aus dem man auch als Leser:in erfährt, wie es den Weggefährten weiterhin erging. Leider gibt es kein ausführliches Nachwort, in dem der Autor ein bisschen aus dem Nähkästchen erzählt.

Der Roman stammt aus dem Jahr 1991, die deutsche Ausgabe aus 1996. Ein Lesevergnügen ist er immer noch, und sogar ziemlich spannend. Erzählt wird zur Zeit passend und oft mit einem zwinkernden Auge. Da ich Wilde leider noch nicht gelesen habe, kann ich nur vermuten, dass Satterthwaite Anleihen bei ihm genommen hat. So denkt Wilde ab und zu, dass er sich einen bestimmten Satz merken müsse, ich habe dann immer gedacht, dass er hier sicher zitiert wird. Nun, demnächst werde ich Dorian Gray endlich lesen, dann weiß ich mehr.

Oscar Wilde hat nicht nur im Wilden Westen, sondern auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wen es nicht stört, einen älteren Roman zu lesen, dem kann ich diesen Roman nur ans Herz legen.

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