Vom Dagegensein
Kleine FreiheitHans war immer gegen Familie und Bürgerlichkeit. Doch als sich die Kommune, in der er lebt, auflöst, bleibt er mit seinen beiden Töchtern zurück.
Seine Tochter Saskia versucht als Erwachsene die perfekte ...
Hans war immer gegen Familie und Bürgerlichkeit. Doch als sich die Kommune, in der er lebt, auflöst, bleibt er mit seinen beiden Töchtern zurück.
Seine Tochter Saskia versucht als Erwachsene die perfekte bürgerliche Existenz aufzubauen. Ihre Karriere als Richterin hat sie aufgegeben, um sich um ihre Söhne zu kümmern. Der Vater ist ihr furchtbar peinlich. Bei einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Bau von Windrädern rutscht sie unverhofft in eine Rolle als rechtliche Beratung hinein und bald auch in die Konfrontation mit dem Weltbild ihres Vaters.
Abwechselnd wird von Hans uns Saskia erzählt. Die Autorin springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Das ist sehr gut gemacht und stört den Lesefluss nicht. Die Szenen sind sehr überlegt gewählt, nur etwas über 200 Seiten braucht die Autorin, um schwierige gesellschaftliche Themen unserer Zeit zu verhandeln. Sowohl Hans, als auch Saskia hadern mit dem Konzept von Familie, gesellschaftlichen Werten, der aktuellen politischen Situation. Die Autorin erzählt davon wie einen das Dagegensein plötzlich an Orte bringt, an denen man nie sein wollte. Über Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit, Einsamkeit und auch kleine, unverhoffte Momente der Freude. Sehr genau legt die Autorin die Schwächen und Ängste der Figuren auf und hält sich mit moralischem Urteilen zurück. Sie beobachtet nur. Und das sehr gut.
Besonders gut gefallen hat mit die Schreibweise der Autorin. Mühelos schafft sie eine melancholische Atmosphäre, die im Leser noch lange nachhallt. Die Figuren wirken authentisch. Man findet ihre Handlungsweise nicht unbedingt richtig, kann aber Verständnis aufbringen.
Am Ende löst sich für meinen Geschmack alles zu schnell auf, doch das ist nur ein kleiner Wehmutstropfen in einem sehr intensiven, berührenden Leseerlebnis.