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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2021

Ach Walter

Barbara stirbt nicht
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Herr Schmidt und Barbara sind seit über 50 Jahren verheiratet. Barbara ist für den Haushalt zuständig, Herr Schmidt brachte das Geld nach Hause. Doch eines Tages steht Barbara einfach nicht mehr auf und ...

Herr Schmidt und Barbara sind seit über 50 Jahren verheiratet. Barbara ist für den Haushalt zuständig, Herr Schmidt brachte das Geld nach Hause. Doch eines Tages steht Barbara einfach nicht mehr auf und Herr Schmidt sieht sich mit Aufgaben konfrontiert, um die er sich nie gekümmert hat; Kaffeekochen zum Beispiel.

Es wird aus Herrn Schmidts Blickwinkel berichtet. Er ist sehr selbstgerecht und stur, was ihm nicht in den Kram passt, verleugnet er. Ob das nun die Homosexualität seiner Tochter oder die Krankheit seiner Frau ist. Man erfährt also nur sehr langsam was überhupt los ist und wie es mit Barbara und die Bewältigung des Haushalts überhaupt steht. Ganz langsam öffnet sich Herr Schmidt und lässt Neuerungen zu, er bleibt dabei jedoch ruppig und verschlossen.
Das ist vom Konzept her gut gemacht, ich fand es jedoch eher anstrengend zu lesen. Das angekündigte "urkomische" habe ich dabei nicht gefunden, dafür war es zu traurig zu sehen, wie unglücklich eigentlich alle Charaktere sind. Herr Schmidt ist sehr mit sich selbst beschäftigt (auch wenn ihm Barbara offensichtlich sehr wichtig ist, was er aber nicht zugeben kann), insofern bleiben viele Figuren, besonders die Kinder sehr blass.
Einzig der Enkelsohn kann etwas unbedarfte Freude reinbringen, auch wenn er nach Herrn Schmidts Ansicht die falsche Hautfarbe hat.
Dass Herr Schmidt über das Kochenlernen einen Veränderungsprozess durchläuft fand ich eine schöne Idee, es war jedoch nicht so ganz realistisch. Würde mich wundern, wenn es tatsächlich so eine aktive facebookcomunity bei einem Koch gäbe, aber dafür bin ich vielleicht auch zu jung.
Insgesamt ein nettes Buch, kann man mal lesen, jedoch nicht mein Humor.

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Familiengeschichten-Politthriller

Heimatsterben
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Sarah Höflich betrachtet die politsche Situation im Deutschland 2023 anhand des Schicksals einer Familie. Felix von Altdorff ist Kanzlerkandidat
der rechtskonservativen Partei BürgerUnion. Er bittet seine ...

Sarah Höflich betrachtet die politsche Situation im Deutschland 2023 anhand des Schicksals einer Familie. Felix von Altdorff ist Kanzlerkandidat
der rechtskonservativen Partei BürgerUnion. Er bittet seine Schwägerin Hanna Ahrens, die sich eher politisch links verortet, um Hilfe beim Wahlkampf. Hanna, die nach dem Tod ihrer Großmutter gerade nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, stimmt zu, bekommt aber immer stärkere Gewissensbisse je klarer wird, dass der extremistische Teil von Felix Partei immer mehr Einfluss gewinnt.
Die Autorin spannt einen weiten Bogen von den Kriegserlebnissen der Großmutter bis zu der politisch sehr aufgeladenen Stimmung in naher Zukunft. Dabei liegt der Fokus auf der Familiengeschichte und den Personen und ihrem Schicksal. Die politischen Geschehnisse der Gegenwart (Kanzlerschaft Merkel, Corona-Krise, militärische Konflikte) werden ignoriert oder in Nebensätzen abgehandelt. Das ist verständlich, denn ein Buch, dass über einen langen Zeitraum geschrieben wird, wird gezwungenermaßen von der Realität überholt, sorgt jedoch für einen merkwürdig luftleeren Raum, in dem die Gegenwart des Buches spielt. Hintergründe bestimmter Ereignisse werden völlig ausgeblendet, ebenso Reaktionen anderer Staaten auf deutsche Politik. Gesetze werden, völlig untypisch für Deutschland (außerhalb von Notstandgesetzen, die hier aber nicht erwähnt werden) in wenigen Tagen beschlossen und umgesetzt. Besonders das Ende hat mich hier nicht zufrieden gestellt. Es gibt krasse Einschnitte und sehr unklare Entwicklungen, aber da nur auf die Familiengeschichte fokussiert wird, werden die Probleme nur im Kleinen aufgelöst und große Zusammenhänge werden nicht behandelt. Das fand ich etwas schade, so verliert die Geschichte nach dem guten Spannungsaufbau zum Ende hin an Kraft.
Alle sind irgendwie miteinander befreundet und verwandt und haben Berufe, die rechtfertigen, dass man immer wieder zufällig zusammentrifft. In der Familie und deren Bekanntenkreis gibt es einen offen homosexuellen Anwalt, einen homosexuellen Werber, der mit einem von der Fremdenfeindlichkeit betroffenen Iraner zusammen ist und eher zufällig in linksextreme Kreise gerät, einen Arzt, der zufällig immer zur Stelle ist, ambitionierte rechts-militaristisch eingestellte Konservative, Verlierertypen, die in der soldatischen Ausbidung endlich wieder Selbstvertrauen entwickeln...
Das ist schon ein bissschen konstruiert. Spannend und lesenswert fand ich es dennoch. Eine Art Familiengeschichten-Politthriller. 3,5 Punkte von mir und eine Leseempfehlung als Unterhaltungsroman mit etwas Potential zum Nachdenken.

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Veröffentlicht am 15.08.2021

nicht meins

Bis ans Ende aller Fragen
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Maxi ist Anfang 40 und hadert mit ihrem Leben. Gern hätte sie Kinder, aber das hat nie geklappt. Auch mit der großen Karriere wurde es nichts. Immerhin ist sie stolze Besitzerin eines gut laufenden Cafés. ...

Maxi ist Anfang 40 und hadert mit ihrem Leben. Gern hätte sie Kinder, aber das hat nie geklappt. Auch mit der großen Karriere wurde es nichts. Immerhin ist sie stolze Besitzerin eines gut laufenden Cafés. Ihre Nichte und Mitarbeiterin Summer beschließt, dass es so nicht weitergehen kann und unternimmt alle möglichen Anstrengungen, um Maxi zu verkuppeln. Mit einem alleinerziehenden Witwer am Besten, denn dann schlägt Maxi gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.
Und unverhofft verstrickt sich Maxi in einem Lügengestrüpp. Leider war das Buch gar nicht mein Fall. Es liest sich erwartungsgemäß gut weg, hinterlies aber kaum Eindruck. Mein Problem waren vor allen die Hauptfigur. Maxi benimmt sich teilweise wie 15, ist überrschend naiv und absurd tollpatschig. Ich kann ihr nicht abnehmen, das sie schon über 40 Jahre Lebenserfahrung auf dem Buckel haben soll. Eingestreut sind dann noch Tagebuchnotizen der jüngeren Maxi, die von einer Jungendlichen stammen sollen, aber wirken, als hätte sie eine 10-jährige verfasst. Nun ja. Ich denke viele werden das Buch als leichte Lektüre, über die man ein bisschen schmunzeln kann, schätzen. Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen.

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Veröffentlicht am 15.08.2021

Sportsgeist

Julius oder die Schönheit des Spiels
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Julius kommt aus einer adligen Familie, die auf einer Burg im Rheinland lebt. Seine Leidenschaft ist das Tennisspielen. Seine Familie unterstützt ihn darin. Besonders der Vater vermittelt ihm, dass es ...

Julius kommt aus einer adligen Familie, die auf einer Burg im Rheinland lebt. Seine Leidenschaft ist das Tennisspielen. Seine Familie unterstützt ihn darin. Besonders der Vater vermittelt ihm, dass es nicht um das Gewinnen geht, sondern um Fairplay und Repekt. Dies soll zu Julius Markenzeichen werden.

Der Roman ist inspiriert vom Leben von Gottfried Freiherr von Cramms, dem „Tennis-Baron“, der 20er und 30er Jahre. Da der Autor sich gerade zu Beginn der Geschichte einige Freiheiten nimmt, hat er den Namen der Hauptfigur und einige Fakten geändert. (Schön beschrieben in einem Interview am Ende) Trotzdem ist sehr viel wiederzuerkennen und die Lebensgeschichte Cramms sehr interessant. Gerade die historischen Hintergründe von der separatistischen Bewegung im Rheinland bis zum späteren Umgang des nationalsozialistischen Regimes mit (unliebsamen) Sportlern sind sehr interessant. Tennis interessiert mich eher nur am Rande, deswegen konnte ich nicht alle Aspekte des Buches so zu 100 Prozent nachvollziehen, gerade wenn es um bestimmte Matches geht. Insgesamt ist es jedoch bildhaft und flott geschrieben, lässt sich also gut lesen.
Ein absolut empfehlenswertes Buch also vor allem für geschichtsinteressierte Tennisfreunde.

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Veröffentlicht am 07.08.2021

Henriette hat trübe Gedanken

Auszeit
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"Mir fehlt auf elementare Weise der innere Antrieb. Meine ganze Energie wandert in Gedanken, die nichts mit der Realität zu tun haben. Ich verbringe Stunden damit, Dinge zu planen, die ich genauso gut ...

"Mir fehlt auf elementare Weise der innere Antrieb. Meine ganze Energie wandert in Gedanken, die nichts mit der Realität zu tun haben. Ich verbringe Stunden damit, Dinge zu planen, die ich genauso gut einfach machen könnte. Mir fällt zu viel zu den falschen Dingen ein. Ich wünschte ich könnte sagen, ich wäre erst seit dem Frühjahr so. Ich wünschte, ich könnte sagen, er wäre schuld. Aber es war schon immer so." S. 85

Henriettes Leben steckt seit Jahren in einer Sachgasse fest. Sie kommt nicht weiter mit ihrer Dissertation, lässt sich treiben. Nach einem Schwangerschaftsabbruch zieht sie sich mit ihrer Freundin Paula in eine Hütte zurück. Henriette erinnert sich an ihre "Beziehung" mit dem Vater des Kindes.
Naturgemäß ist das ziemlich traurig und die ziellos dahintreibende Henriette etwas anstrengend. Paula ist das Gegenkonzept. Absolut verständnisvoll, durch Yogapraxis, Reikiseminare etc. mit sich im Reinen. Nun versucht sie auch Henriette zu heilen. Immer absolut verständnisvoll auf wirklich ALLES reagierend, was Henriette macht.
Es gibt leider fast nur die beiden Personen und noch zwei Männer dazu, die sehr blass bleiben. Man ist also sehr auf die Gegenpole Henriette/Paula und deren Probleme fokusiert. Leider kam ich allen Personen nicht so recht nah und konnte mich nicht so recht einfühlen. Es gibt sehr wenig Handlung, stattdessen verliert sich Henriette in Gedanken darüber, warum sie so antriebslos und selbstbezogen ist. Selbst die Abtreibungsthematik, die eigentlich Kern des Buches sein könnte, kommt etwas zu kurz.
Man wartet die ganze Zeit darauf, dass Henriette endlich mal aufwacht und etwas passiert und dann gibt es ein dämliches Ereignis und ein Zeitsprung. Das fand ich wahnsinnig schade. Die Autorin zeigt ausführlich, wie sich Henriette im Unglück suhlt, blendet dann aber ab, wenn es darum geht, wie Veränderung stattfindet und flüchtet sich in Flosklen wie "Kaum zu glauben, dass das so geht, aber es geht so." Eine komplette Kehrtwende in der Persönlichkeit einer Person war für mich so gar nicht nachvollziehbar und hat mich enttäuscht. Von daher: Gar nicht so verkehrt geschrieben, die Autorin kann mit Sprache umgehen, aber im Plotaufbau und der Personencharakterisierung leider enttäuschend.

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