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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2023

Nach dem Femizid

Warum wir noch hier sind
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Wie lebt man weiter mit dem Verlust eines Menschen, der grausam aus dem Leben gerissen wurde? Mit 14 war Etty unbestreitbar zu jung, sie hatte noch ein ganzes Leben in Aussicht. "Femizid", ein bisher abstraktes ...

Wie lebt man weiter mit dem Verlust eines Menschen, der grausam aus dem Leben gerissen wurde? Mit 14 war Etty unbestreitbar zu jung, sie hatte noch ein ganzes Leben in Aussicht. "Femizid", ein bisher abstraktes Wort, hält in der Realität der besten Freundin der Ich-Erzählerin schlagartig Einzug.
Wie ein Pendel schwingt die Erzählerin des Buches zwischen der Pflege ihrer älter werdenden Großmutter und der Fürsorge ihrer Freundin Heide hin und her. Beides zerrt an Nerven und Kraftreserven, und doch kann kein Schmerz schlimmer wiegen als jener der Mutter, die darauf wartet, ihr Kind beerdigen zu dürfen. In der Trauer steht für die Freundinnen die Zeit gewissermaßen still, während die Welt sich zwanghaft weiterdreht.

Etty ist die inhaltsfüllende Leerstelle dieser Geschichte, ihre Präsenz liegt in der Abwesenheit. Marlen Pelny hat ein kraftvolles Buch geschrieben, über dessen Inhalt nicht viel gesagt werden darf. Man muss diese Geschichte selbst lesen, denn nur dann erlebt man wie die Gefühle der Beteiligten in diesem Buch auf einen selbst übergehen und einen Kloß im Hals verursachen. Lest dieses Buch!

Veröffentlicht am 03.09.2023

Lesbische Dreiecksbeziehung mit Depressionen und anderen Hürden

Baby Jane
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«Piki war eindeutig die coolste Lesbe der Stadt, als ich als junges Mädchen nach Helsinki kam und in puncto Frauen noch völlig unerfahren war»
Mit einem knisternden Feuerwerk beginnt in den 90ern die Liebesbeziehung ...

«Piki war eindeutig die coolste Lesbe der Stadt, als ich als junges Mädchen nach Helsinki kam und in puncto Frauen noch völlig unerfahren war»
Mit einem knisternden Feuerwerk beginnt in den 90ern die Liebesbeziehung der Ich-Erzählerin und Piki. Piki mit ihrer charismatischen stimme. Diese Beziehung hätte ewig andauern können. Was anfangs gut war, wird getrübt, denn keine der beiden jungen Frauen ist frei von seelischem Ballast. Viele unbeantwortete Fragen später merkt die Ich-Erzählerin, dass Pikis Depression sich sehr von ihrer eigenen unterscheidet. Doch Piki redet nicht über ihre Probleme. Stattdessen kommt Bossa, ihre Ex-Freundin. Sie erledigt die Einkäufe, wäscht Pikis Wäsche. Pikis Wäsche, in der sie gemeinsam geschlafen und sich geliebt haben. Die Ich-Erzählerin kann diese Übernahme der Intimitäten nicht akzeptieren, und wie eine unüberwindbare Hürde steht Bossa mittendrin in ihrer Beziehung. Die ungelösten Konflikte verhindern ein gemeinsames Glück und explodieren in einer Art, an die sich im Nachgang niemand erinnern will.

Sofi Oksanen greift Themen abseits der und doch mitten innerhalb der Gesellschaft auf. Man nehme depressive Hauptcharaktere, eine einfallsreiche Art Geld zu verdienen, rühre eine ungesunde Dreiecksbeziehung ein und es kommt heraus ein Ende, mit dem zumindest ich nicht gerechnet hätte.
Die Story des Buches ist nicht linear erzählt. Manche Lücken füllen sich nur mit Vorstellungskraft auf, was passiert sein könnte. Die Charaktere sind nicht so voll entwickelt, dass man als Leser:in eine Antwort auf alle Handlungen hat. Habe ich bei diesem Buch aber auch nicht vermisst, sondern die Geschichte von Anfang bis Ende genossen.

Veröffentlicht am 03.09.2023

Eine super Abenteuergeschichte zum Lachen und Schmunzeln!

Zehn Wünsche, sieben Abenteuer und eine sprechende Katze
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Als Ed und Roo von ihren Eltern für eine Ferienwoche zur Betreuung der betagten Nachbarin übergeben werden, ahnen sie schon beim Eintreten in das alte Haus, dass es eine der langweiligsten Wochen ihres ...

Als Ed und Roo von ihren Eltern für eine Ferienwoche zur Betreuung der betagten Nachbarin übergeben werden, ahnen sie schon beim Eintreten in das alte Haus, dass es eine der langweiligsten Wochen ihres Lebens sein wird. Miss Filey hält W-Lan für eine Kekssorte und hat außer ein paar verstaubten Brettspielen und Puzzles nicht viel zu bieten, das die Langeweile vertreibt. Erst mit Auftauchen des echt schrägen Nachbarsjungen Willard kommt ein wenig Abwechslung in die antiquierte Bude. Die drei Kinder finden in einer Schublade Geburtstagskerzen. Beim Anzünden stellen sie fest, dass sie magische Kräfte haben und offenbar Wünsche erfüllen können. Schlagartig wird die langweiligste Ferienwoche zum großartigsten Erlebnis, als sich die drei Kinder zusammen mit dem plötzlich sprechenden und sehr mürrischen Kater von Miss Filey in einem nicht enden wollenden Abenteuer wiederfinden.

Wer eine witzige Abenteuergeschichte für Kinder sucht, ist mit diesem Buch bestens beraten! Besonders der lustige Willard und der zynische Kater Attlee 🐈‍⬛ haben es mir angetan und immer wieder für Lacher gesorgt! Ed und Roo sind ein besonderes Geschwisterpaar, denn Ed sitzt im Rollstuhl, und die jüngere Roo hat immer ein Gespür dafür, das Gesicht ihres Bruders zu wahren, so dass er manche unangenehme Dinge nicht selbst aussprechen muss. Eds Einschränkung wird nicht aufdringlich oft erwähnt, sondern läuft in der Geschichte als genau so ein Begleiter mit wie die anderen Beteiligten, was auf mich die Wirkung hatte, dass ich auf den Seiten immer mal wieder selbst darüber nachgedacht habe, wie er die Situation jetzt gerade wohl meistert. Ich mochte es, was das Buch in der Hinsicht für ein Bewusstsein beim Lesen bei mir geschaffen hat.
Ich kann diese warmherzige, abenteuerliche Freundschaftsgeschichte einfach allen ans Herz legen, sie liest sich total schön!

Veröffentlicht am 03.09.2023

Schatten der Zukunft

Oracle
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Fünf Jahre ist es her, seit Julian zuletzt die Marker an anderen wahrgenommen hat. Medikamente haben erfolgreich dafür gesorgt, dass sie verschwunden sind. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt und Julian ...

Fünf Jahre ist es her, seit Julian zuletzt die Marker an anderen wahrgenommen hat. Medikamente haben erfolgreich dafür gesorgt, dass sie verschwunden sind. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt und Julian startet sein Studium.
Im Studentenwohnheim lernt Julian seinen Zimmernachbarn Robin kennen, der mit seiner exzentrischen Art sehr feinfühlig ist und schnell merkt, dass Julian etwas verhalten ist. Julian wagt nicht, ihm die ganze Wahrheit zu sagen, lässt aber durchblicken, dass er früher Visionen hatte, die sich als Marker in angsteinflößenden Nebeln und Schatten an anderen Menschen geäußert haben. Als ein Klassentreffen ansteht, graut Julian es davor, seinen alten Mitschüler:innen zu begegnen, von denen er als Außenseiter teilweise gemobbt wurde. Er stellt sich den Geistern seiner Vergangenheit und stellt fest, dass seine früheren Visionen offenbar Auswirkungen in der jetzigen Zeit haben. Er verspürt den Drang, darüber mit jemandem zu sprechen, weiß aber wie seine Therapeutin zu den Visionen steht und redet stattdessen mit seinem Zimmernachbarn darüber. Robin findet, dass Julian der Sache auf jeden Fall auf den Grund gehen muss. Julians Neugier beschwört das Grauen seiner Kindheit wieder herauf, fest entschlossen dahinterzukommen, warum ausgerechnet er diese Visionen hat, und was die Marker ihm sagen wollen.

Ein Jugendthriller aus dem Handgelenk von Ursula Poznanski ist immer ein Garant für Spannung und Unterhaltung, und "Oracle" hat mich von Anfang bis Ende überzeugt! Mehr kann ich aber nicht verraten, ohne euch zu spoilern, also geht los, holt euch das Buch und lest selbst!

Veröffentlicht am 20.08.2023

Ein ganz wundervolles Buch!

Ich bin Alex
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Alex kommt an eine neue Schule, sie macht sich Sorgen, dass sie nicht so akzeptiert wird wie sie ist. Alex ist ein Mädchen, das im Körper eines Jungen geboren wurde. An der neuen Schule sind die Lehrkräfte ...

Alex kommt an eine neue Schule, sie macht sich Sorgen, dass sie nicht so akzeptiert wird wie sie ist. Alex ist ein Mädchen, das im Körper eines Jungen geboren wurde. An der neuen Schule sind die Lehrkräfte bereits informiert, den Schüler:innen sollte Alex' Transidentität erstmal nicht mitgeteilt werden. So lernt Zoé in der neuen Schule Alex auch als ganz normales, wenn auch etwas schüchternes Mädchen kennen und eine Freundchaft entsteht, in der Alex irgendwann den Mut findet, ihrer neuen Freundin ihr Geheimnis anzuvertrauen. Sie bittet Zoé es für sich zu behalten, aber natürlich wird die Freundschaft auf eine Probe gestellt.

Die Thematik von "Ich bin Alex" hat mich direkt neugierig gemacht und ich wollte wissen, wie die Geschichte des Transmädchens aufgebaut ist. In Alex kann man sich total hineinfühlen, besonders in ihre Ängste und ihre Skepsis der neuen Schule gegenüber. Dabei hat Alex ganz wunderbare Eltern, die für die Akzeptanz ihrer Tochter in der Welt kämpfen und ihr gegenüber stets sehr feinfühlig und verständnisvoll sind. Die Mentalität solcher Eltern wünscht man sich selbst! Es ist schon zum Selberlesen eine wunderbare Geschichte, ich persönlich hoffe, dass es viele Lehrer:innen und KiTa-Mitarbeiter:innen entdecken und im Unterricht schon früh im Leben Heranwachsender eine ganz selbstverständliche Akzeptanz säen.