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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2023

Feierabendküche aus dem Ofen!

Ofen Express
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Ich geb ja zu, dass ich von meiner heutigen Rezension selbst ein wenig überrascht bin, denn sie passt so gar nicht in mein übliches „Schema“. Aber ich wollte alles rezensieren, was ich lese, also: hier ...

Ich geb ja zu, dass ich von meiner heutigen Rezension selbst ein wenig überrascht bin, denn sie passt so gar nicht in mein übliches „Schema“. Aber ich wollte alles rezensieren, was ich lese, also: hier isses!

Seit einem Arbeitsplatzwechsel bin ich nun wieder näher an meinem Wohnort, und wollte ich mir mit dem Mehr an Zeit dann auch wieder eine gesündere Ernährungsweise zulegen – zumindest wieder öfter selber kochen. Weil ich aber trotzdem nach der Arbeit in der Buchhandlung nicht großartig Lust hab mich länger als nötig vor den Herd zu stellen, sollte es schnell gehen. Also habe ich mir aus der Sektion „Feierabendküche“ meiner Kochbuchabteilung zwei Bücher mitgenommen, von denen ich euch heute das erste mal vorstellen wollte, nachdem ich schon ein paar Rezepte davon zubereitet habe.

Die Rezepte aus „Ofen Express“ sind abwechslungsreich und echt einfach, wobei ich mich selbst als absoluten Otto in der Küche bezeichnen würde. In einigen der zubereiteten Rezepte wurde ich mit ganz neuen Zutaten und Gewürzen wie Orzotto bzw. im hiesigen Supermarkt unter Risoni gefunden (kleine, reisförmige Nudeln), Ras el-Hanout oder Schwarzkümmeel bekannt gemacht und finde die neuen Geschmäcker sehr erfrischend! In diesem Buch sind sogar einige Fischgerichte drin, und auch wenn ich aus Schleswig-Holstein stamme, konnte ich mich für Fisch nie so richtig erwärmen, was ich aber mit ein paar Rezepten aus „Ofen Express“ demnächst mal ändern werde.
Fazit: Ich stelle fest, dass Kochen richtig Spaß macht, wenn es nicht allzu viel Arbeit ist! Das Buch ist meiner Meinung nach ideal für 1-Personen-Haushalte.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Ein zweifelhaftes Glück

Unser Glück
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Als Franziska und Coordt die Gelegenheit bekommen im mietpreiswuchernden München eine Wohnung zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen, schlagen sie sofort zu. Endlich ein eigenes Kinderzimmer für ihren ...

Als Franziska und Coordt die Gelegenheit bekommen im mietpreiswuchernden München eine Wohnung zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen, schlagen sie sofort zu. Endlich ein eigenes Kinderzimmer für ihren Sohn Frieder und mehr als eine winzige Küchenzeile, dazu in einem beliebten Stadtteil! Coordt glaubt, dass ihnen der Umzug guttun wird, denn seit einer Weile ist Franziska in einer düsteren Stimmung. Die Sache hat nur einen Haken: Die Vermieterin besteht darauf, dass ein Zimmer von ihrem Ex-Mann bewohnt wird und die Parteien einander nicht stören.
Die Familie zieht ein, und sie bekommen tatsächlich nichts von dem Mann mit. Franziska findet zurück zu früherer Lockerheit und darüber hinaus. Bald schon allerdings lässt Coordt das Wissen um den stillen Mitbewohner nicht mehr los und eine obsessive Besessenheit stellt sich ein. Noch während Coordt dadurch das Wohnglück seiner Familie infrage stellt, wird dem Paar ein Arrangement geboten, die sich nie wieder bieten wird. Doch Coordt weiß bereits, dass ihn diese Abmachung mehr kosten wird, als er bereit ist zu geben.

Dieses Buch bietet eine hochinteressante Konstellation: Ein Mann erhebt Anspruch auf etwas, das ein anderer Mann sein Eigen nennt. Das brodelt toxisch vor sich hin! Coordt fühlt sich von der unsichtbaren Anwesenheit des Mannes derart verunsichert und bedroht, dass seine Gedanken jeglichen besseren Wissens zu irrationalen Handlungen führen. Auch wenn ich ihn als Figur gerne gelesen habe, war mein Eindruck, dass er gerne ein besserer Mann wäre, als er eigentlich ist – und dies, obwohl man die Handlung ausschließlich aus seiner Sicht erfährt.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Natalie Buchholz hat ein kluges Portrait geschrieben, das sich ein wenig selbst aufs Korn nimmt und dabei gesellschaftliche Strukturen hinterfragt.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Themen einer schwarzen Lebensrealität, die bei weißen Menschen Bewusstsein schaffen

Was fange ich bloß mit guten weißen Menschen an?
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Brit Bennett hat keinen Bock mehr auf Menschen, die sich ihrer weißen Privilegien bewusst sind und für ihr Rassismusbewusstsein am liebsten selbst auf die Schulter klopfen würden. Sie nennt sie “gute weiße ...

Brit Bennett hat keinen Bock mehr auf Menschen, die sich ihrer weißen Privilegien bewusst sind und für ihr Rassismusbewusstsein am liebsten selbst auf die Schulter klopfen würden. Sie nennt sie “gute weiße Menschen”, weil diese sich selbst für gut halten. In ihrer Streitschrift kritisiert sie unterschiedliche Dinge, die einem nur dann bewusst sind, wenn man in ihrer schwarzen Haut steckt.
Eine große Kritik übt sie an der Trump-Präsidentschaft, war sie doch ein Spiegel dessen, was in Teilen der Bevölkerung an Fremdenfeindlichkeit vorherrscht, ohne dass diese Wähler:innen den ausgesprochenen Rassismus des damaligen US-Präsidenten als solcher bewusst schien oder sie ihren eigenen erkannten.
Jene Anhänger:innen Trumps sehnen sich auch heute noch in eine rückwärtsgewandte Nostalgie zurück in die vermeintlich besseren Zeiten, die man mit "Make America Great Again" vage herbeisehnen kann. Bennett sagt, Nostalgie sei in Amerika vorrangig ein weißes Privileg, denn für Afroamerikaner gab es keine Zeit in der US-Geschichte, in der es besser war in der Haut der Autorin zu stecken als jetzt.

In dieser kleinen Abhandlung steckt noch einiges mehr, dass mich als weiße Person dazu angeregt hat, nachzudenken. Ich muss auch sagen, dass mir bestimmte Aspekte der Lebensrealität einer Person of Color - vor allem einer in den USA lebenden - fremd sind und ich dankbar bin, mal darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Eine Florentine Feiertag für reichlich gute Laune

Die wunderbare Florentine Feiertag: Ein Wunsch kommt selten allein
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Alle sind neugierig auf die neue Mieterin Florentine Feiertag. Alle bis auf den grummeligen Herrn Heller, der Florentine schon nicht mochte, als sie ihr Crêpe-Häuschen im Hof aufgestellt hat und zur Begrüßung ...

Alle sind neugierig auf die neue Mieterin Florentine Feiertag. Alle bis auf den grummeligen Herrn Heller, der Florentine schon nicht mochte, als sie ihr Crêpe-Häuschen im Hof aufgestellt hat und zur Begrüßung für alle leckere Crêpe-Kreationen gebacken hat.
Florentine ist Wunscherfüllerin, und am alten Apfelbaum im Innenhof, von dem schon ihr Vater sagte, dass diesem ein ganz besonderer Zauber innewohnt, hängen die Kinder Herzenswünsche, die Florentine ihnen erfüllen wird.
Schwupps, trägt ihr treues Rotkehlchen Pieps ihr auch schon die ersten Zettelchen mit Wünschen auf den Balkon, und mit sehr viel guter Laune und Einfallsreichtum macht sich Florentine daran das Leben der Kinder zu bereichern.

Der Auftakt dieser neuen Buchreihe um “Florentine Feiertag” hat großen Spaß gemacht. Nina Dullek, die bereits mit ihren Illustrationen “Die Schule der magischen Tiere” mitgeprägt hat, sorgt auch bei Florentines Geschichte visuell für gute Laune. Ich bin gespannt, was die stets gut gelaunte Florentine und ihr keckes Rotkehlchen Pieps noch so für Abenteuer erleben!

Veröffentlicht am 06.08.2023

Das Private ist politisch: Femizide in Deutschland

Femizide
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In den Medien werden Frauenmorde als Beziehungstaten oder Familientragödien bezeichnet. Doch es sind Femizide (vom engl. Femicide, abgeleitet von Homicide; zu dt. Mord), und sie sind ein gesellschaftliches ...

In den Medien werden Frauenmorde als Beziehungstaten oder Familientragödien bezeichnet. Doch es sind Femizide (vom engl. Femicide, abgeleitet von Homicide; zu dt. Mord), und sie sind ein gesellschaftliches Problem, für das die Autorinnen mit diesem Buch mehr Sichtbarkeit schaffen. Es handelt sich um strukturelle Gewaltverbrechen, bei denen nur Mädchen und Frauen aufgrund männlichen Dominanzverhaltens sterben, das ihnen nach dem Ende einer Beziehung kein eigenes und selbstbestimmtes Leben zugestehen will. Julia Cruschwitz und Carolin Haentjes haben für die Recherche dieses Buches Sozialarbeiter:innen, Wissenschaftler:innen, Kriminolog:innen, Anwält:innen, Zeug:innen, Angehörige und Überlebende hinzugezogen.

Jeden zweiten Tag versucht in Deutschland ein (Ex-)Partner eine Frau zu töten. Jeden dritten Tag gelingt dies. Die Fälle, die Haentjes und Cruschwitz in diesem Buch besprechen, quetschen einem das Herz unerträglich schmerzhaft zusammen. Thematisiert werden nebst dieser Fälle auch die Schwierigkeiten, die Frauen (und ganz besonders Müttern) auf ihrem Weg einer Trennung gemacht werden, wie z.B. permanente Unterfinanzierung von Frauenhäusern, unzureichende Opferentschädigung oder die Unvereinbarkeit von Gewaltschutz und Umgangsrecht. Diverse Organisationen fordern ein neues Bewusstsein bei den Behörden für die Dynamik häuslicher Gewalt und mehr Prävention wie Täterarbeit oder Hochrisikomanagement, bei dem verschiedene Behörden zum Wohle der Frauen zusammenarbeiten.

Dieses Sachbuch ist schwer zu verdauen, und es ist nie leicht eine Rezension zu solch einem Buch zu schreiben. Dennoch will ich den Versuch wagen.
Als genannt wurde, dass fast ausschließlich etablierte Partnerschaften betroffen sind und für 39 % aller Täter das Tötungsdelikt die erste Gewalthandlung überhaupt ist, war klar, dass prinzipiell jede Frau betroffen sein kann. Es sind in den wenigsten Fällen Fremde, sondern die einem am nächsten stehende Person, die zum schlimmsten Feind werden kann. Natürlich steckt nicht in jedem Mann, in jedem Partner ein schlummernder Mörder, dennoch wird klar, dass man als Frau nie so gefährlich lebt wie in einer Partnerschaft. Femizide werden nicht jede betreffen (zum Glück), und dennoch ist es wichtig ein so gesamtgesellschaftliches Problem sichtbar zu machen. Femizide sind keine Privatangelegenheit von Ehemenschen, sondern ein Politikum.