Profilbild von Paperboat

Paperboat

Lesejury Star
offline

Paperboat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Paperboat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2023

Ich bin damit leider nicht so warm geworden.

Haus ohne Hüter
0

In Heinrich Bölls „Haus ohne Hüter“ geht es um die beiden Jungs Martin und Heinrich und ihr jeweiliges Umfeld. Während Martin behütet und wohlhabend aufwächst, muss bei Heinrich jeder Pfennig zweimal umgedreht ...

In Heinrich Bölls „Haus ohne Hüter“ geht es um die beiden Jungs Martin und Heinrich und ihr jeweiliges Umfeld. Während Martin behütet und wohlhabend aufwächst, muss bei Heinrich jeder Pfennig zweimal umgedreht werden. Gemein ist den beiden, dass sie im Krieg ihre Väter verloren haben, und dieser Verlust hat Auswirkungen auf das Seelenleben der jeweiligen Jungen. Aber auch für ihr Umfeld, speziell die jeweiligen Müller, hat die Abwesenheit der Kindsväter Auswirkungen. Teilweise werden sie bedrängt wieder zu heiraten, weil es sich einfach so gehört zu jener Zeit, teilweise werden sie dahingehend oder sogar intim auch bedrängt. Während Martins Mutter ohne Mann bleibt, in einem Zustand verharrt als hätte ihr Leben nach dem Tod des Mannes aufgehört und damit die Familie in einer Art Starre hält, geht Heinrichs Mutter eine Mischung aus Liebes- und Zweckbeziehungen ein, aus der ein weiteres Kind resultiert. Häufig sinnierend über ihre jeweilige Lage, fragen sich die Jungen für sich immer auch Dinge wie „Was wäre wenn“, wenn eben der Vater nicht gestorben wäre und wie das Leben heute aussehen könnte.

Dies war meine zweite Böll-Lektüre (die erste war „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“), und wie schon bei der ersten habe ich gemerkt, dass mir das frühe zahllose Einwerfen so vieler Namen Schwierigkeiten bereitet der Geschichte zu folgen. Ich habe erst etwa ab der Hälfte des Buches angefangen mich nicht mehr durch die Seiten zu quälen, weil mir alles so zäh vorkam.
Letzten Endes bin ich mit diesem Buch von Böll nicht warm geworden.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Warum in die Ferne sehnen, wenn das gute ist so nah?

Mikroabenteuer
0

Ich habe in der Zeitschrift Flow von 08/2019 von dem Begriff der Mikroabenteuer gelesen und mich im Buchhandel direkt nach den dort genannten Buchnennungen umgeschaut. Neben „Mikroabenteuer“ hat der Autor ...

Ich habe in der Zeitschrift Flow von 08/2019 von dem Begriff der Mikroabenteuer gelesen und mich im Buchhandel direkt nach den dort genannten Buchnennungen umgeschaut. Neben „Mikroabenteuer“ hat der Autor auch noch „Raus und machen“ veröffentlicht, das ich mir wohl auch ansehen werde.

Christo Foerster war lange Motivationstrainer, bevor er für sich herausgefunden hat, dass noch lange nicht Schluss ist und es immr noch etwas aus sich herauszuholen gibt. Und das mit einem Nahweh, das der ständigen Sehnsucht in die Welt zu entschwinden Konkurrenz macht! In Mikroabenteuer geht es in der Hauptsache darum, Abenteuer vor der Haustür zu erleben, Foerster regt aber auch dazu an seine eigene Komfortzone zu verlassen und einfach zu „machen“ statt immer nur zu planen und die Vorhaben dann doch nicht umzusetzen. Denn eines ist sicher: Wer die Abenteuervorschläge umsetzt und beispielsweise einmal nachts im Wald übernachtet, der wird Lösungen finden, wenn sich Probleme ergeben. Mikroabenteuer wie Foerster sie vorstellt haben also den Effekt einer lösungsorientierten Persönlichkeitsentwicklung.

Besonders haben mir die Passagen gefallen, in denen der Autor von seinen eigenen Grenzerfahrungen spricht, z.B. dass er schon auf kalten Bergen geschlafen hat, spontan in einer Nacht von Hamburg nach Berlin geradelt ist, um einen lange nicht mehr getroffenen Freund zum Frühstück zu besuchen. Auch mochte ich die Vorschläge für Ausrüstungen, gerade weil ich merke, dass mich die Ausrede „Sowas besitze ich nicht“ tatsächlich davon abhält einmal woanders als in meinem eigenen (oder jemand anderes) Bett zu übernachten. Mich mit einer Hängematte im Wald aufzuhalten ist tatsächlich ein lange gehegter geheimer Traum von mir (gut, so geheim ist er spätestens jetzt nicht mehr...).
Schön ist auch, dass der Autor immer wieder anregt die Natur und die Menschen, die einem begegnen, respektvoll zu behandeln. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ich finde es jedoch positiv genug es auch hier nochmal hervorzuheben.

Die Stadtvorschläge für Mikroabenteuer sind eine interessante Anregung, auch wenn die eigene Stadt nicht dabei ist. Der Vorteil ist aber: Die Vorschläge der großen Städte lassen sich viel einfacher auf kleinere Städte, bei denen die Natur direkt vor der Tür liegt, umsetzen als es andersherum wäre.
Besonders toll ist, dass es eigentlich gar nicht viel braucht, um zu so einem Abenteuer aufzubrechen, was Christo Foerster auch immer wieder betont. Manche Vorhaben wie seine Flußausflüge (speziell die mit selbstgebautem Floß) brauchen etwas vorausschauendes Denken, aber grundlegend reichen im Normalfall ein Schlafsack, eine Isomatte und eine Taschenlampe. Darum motiviert der Autor dazu sich zu überwinden und es einfach mal zu probieren. Durch die kurze Materialliste ist es eigentlich so einfach, und noch ist es ja sommerlich genug, um mit einem kleinen Abenteuer zu beginnen.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Aus Liebe zum Wort

Das verborgene Wort
0

Ulla Hahn – Poetin und Romanautorin. Mit ihrem verborgenen Wort hat sie eine Geschichte geschaffen, die Traurigkeit und Hoffnung ist.
Hildegard Palm ist das Kind einfacher Arbeiter im katholisch geprägten ...

Ulla Hahn – Poetin und Romanautorin. Mit ihrem verborgenen Wort hat sie eine Geschichte geschaffen, die Traurigkeit und Hoffnung ist.
Hildegard Palm ist das Kind einfacher Arbeiter im katholisch geprägten rheinischen Nachkriegsdeutschland. Einfache Menschen, einfache Sprache. Heldejaad lernt von Kleinauf den kölner Dialekt zu sprechen, ist jedoch verzaubert von ihren ersten Stunden im Fach Deutsch als sie eingeschult wird. Wörter üben eine Faszination auf das Mädchen aus, die ihre in ihrer Einfachheit teils engstirnig gestrickten Eltern nicht nachvollziehen können. Dem proletarischen Vater, vor dem Hildegard oft erzittert, holt er doch das Stöckchen hinter der Uhr hervor, um es als Erziehungsmittel jener Zeit auf ihren Ungehorsam anzuwenden, sind das Besserwissertum und die Schlauheit seiner Tochter eine Widernatürlichkeit, die er ihr auszutreiben sucht. Ihr Wissensdurst entfernt sie von ihren Eltern, und die Entscheidung, die diese für Hildegard nach dem Schulabschluss treffen, zerstört das Mädchen mit dem großen Potential fast... Der Auftakt der Trilogie, die sich nachträglich auf eine Tetralogie erweitert hat, hat mich sofort eine Verehrerin von Ulla Hahns Wortkunst werden lassen. Das verborgene Wort erwies sich als so viel mehr als ein geschlagenes Kind und ist gewiss nicht nur Lesestoff für die Generation der 50er Jahre.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Gut, aber nicht ganz zufriedenstellend

Vanitas - Schwarz wie Erde
0

Carolin Bauer ist ein sehr wachsamer und ängstlicher Mensch. Sie arbeitet in einer Friedhofsgärtnerei und mag die Blumensprache offensichtlich sehr. Carolin lebt ein ruhiges und sehr zurückgezogenes Leben ...

Carolin Bauer ist ein sehr wachsamer und ängstlicher Mensch. Sie arbeitet in einer Friedhofsgärtnerei und mag die Blumensprache offensichtlich sehr. Carolin lebt ein ruhiges und sehr zurückgezogenes Leben in Wien, bis diese Ruhe unterbrochen wird. Zunächst weiß man nicht, warum Carolin solche Angst vor dem Besucher hat, doch man erfährt, dass sie wohl in Ermittlungen um eine brutale Bande eingeschleust wurde, als Verräterin enttarnt und gejagt wurde und als letzte Möglichkeit von der Polizei für tot erklärt wurde. Sogar eine Beerdigung hat es gegeben.
Der störende Besucher ist Robert, er arbeitet in der Ermittlungsabteilung der Frankfurter Polizei und hat Carolin aufgesucht, um sie für eine Aufgabe zu rekrutieren. In München soll sie Informationen über eine junge Frau in Erfahrung bringen. Carolin wehrt sich dagegen, denn die Bandenfamilie, vor der sie sich totstellt, soll nie und nimmer erfahren, dass Carolin noch am leben ist. Robert setzt Carolin unter Druck und als Carolin Springer wird sie in die Nachbarwohnung der zu beobachtenden jungen Frau gesetzt.
Carolin beginnt ihre Arbeit, schießt aber bald schon über das ihr auferlegte Maß hinaus und bringt sich damit selbst in Gefahr...

Mehr kann man eigentlich nicht verraten, ohne zu tief in die Geschichte einzudringen und es für Leser, die das Buch noch nicht kennen, nicht zu ruinieren.
Die Geschichte ist schon recht spannend, und ich kann sagen, dass ich das Buch öfter als sonst in die Hand genommen habe, um zu lesen wie es weitergeht. Ich muss sagen, dass dies mein erstes Buch von Ursula Poznanski gewesen ist, nachdem mir mehrere Leute gesagt haben, die Bücher von ihr seien so gut und spannend. Ich persönlich weiß aber nicht so richtig, was ich davon halten soll. Die Geschichte lässt für mich zu vieles im Dunkeln. Ich hätte gerne mehr über Carolin Bauer/Springer erfahren, und je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr hat mich eigentlich die Hintergrundgeschichte zu der Frau interessiert. Genauso wie das aber nur angedeutet wird und nie weiter in die Tiefe geht, endet das Buch aber auch. Es war von der Autorin sicher so gewollt, für mich hat sich das Ende aber einfach so angefühlt, als wäre es zu wenig Ende.

Was ich aber noch sehr positiv erwähnen möchte, ist die Covergestaltung. Sie gefällt mir unheimlich gut und scheint weit über das hinauszugehen, was man normalerweise für ein Taschenbuch produziert. Das Insekt auf dem Cover ist nach außen geprägt und mit einer speziellen Folie beschichtet, so dass man, wenn man das Buch in der Hand hält, an den Fingerspitzen die weiche Oberfläche des Insekts fühlt. Das finde ich wirklich toll!

Veröffentlicht am 21.03.2023

Oh ja, bitte mehr davon!

Das Lied des Quarktiers
0

Jennifer Strange leitet in Abwesenheit des großen Zambini wie schon im ersten Band die Zauberagentur Kazam, die den Auftrag erhält einen Ring aufzuspüren, der nicht gefunden werden will. Die Zauberer im ...

Jennifer Strange leitet in Abwesenheit des großen Zambini wie schon im ersten Band die Zauberagentur Kazam, die den Auftrag erhält einen Ring aufzuspüren, der nicht gefunden werden will. Die Zauberer im Einsatz merken, dass der Ring verflucht ist, und trotz eines imposanten Honorars entscheidet Jennifer sich dazu den Ring nicht auszuhändigen und das immense Geld auszuschlagen. Wieder im HQ in den Zambini-Towers arbeitet Lady Mawgon, ein unangenehmer aber sehr fähiger Zauberer, an der Freischaltung einer Energiequelle. Leider scheitert sie und ein ihr zu Hilfe eilender Zauberkollege, woraufhin die beiden zu einer Granitsäule erstarren. Das ist gar nicht gut, denn später in der Arbeitswoche sollen die Zauberer in einer Hoch-und-Tiefbau-Aktion eine eingestürzte und seit langem unbrauchbare Brücke wieder instand setzen. Dieses Vorhaben wurde vom König der Ununited Kingdoms als Wettstreit zwischen den zwei Zaubereiagenturen Kazam und iMagic angeordnet. Dass zwei Zauberer nun ausfallen, setzt die Magier unter Jennifer Strange in eine nachteilige Position. Dem Leiter der Zauberer von iMagic ist das jedoch nicht genug und mit viel Boshaftigkeit und Tücke erreicht er, dass Kazam mehr und mehr Magier entzogen werden, um den Wettstreit noch zu gewinnen. Die Agentur steht auf dem Spiel. Es taucht jedoch unerwartete Hilfe auf...

Die Handlung baut sich allmählich auf, um sich zu steigern und in einem spannenden Finale zu entscheiden. Es ist eine Wonne sich durch die erdachten Situationen von Jasper Fforde zu lesen. Auch im zweiten Band wird man mit ordentlich fforde'schem Humor – skurril, ulkig und äußerst ungezogen - versorgt, ich konnte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Jetzt wird es Zeit für den dritten Band!