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Veröffentlicht am 21.03.2023

Spannend bis zum Schluss!

Nullzeit
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Sven ist ein Aussteiger. Deutschland hat er vor über einem Jahrzehnt den Rücken gekehrt, weil er dieses verlogene Wettschwimmen mit Haien nicht mehr ertragen wollte. Antje, für die er eine dauerhafte Jugendliebe ...

Sven ist ein Aussteiger. Deutschland hat er vor über einem Jahrzehnt den Rücken gekehrt, weil er dieses verlogene Wettschwimmen mit Haien nicht mehr ertragen wollte. Antje, für die er eine dauerhafte Jugendliebe ist, wanderte gleich mit aus. Die beiden betreiben eine Tauchschule, und ihre nächsten Gäste sind Jola und Theo, ein hassliebendes, schwer einschätzbares Ehepaar. Jola, die in Deutschland in einer Telenovela als Schauspielerin mitspielt, versucht mit einem Tauchlehrgang eine Filmrolle über das Leben einer berühmten Taucherin zu ergattern, die sie verehrt. Theo, Schriftsteller eines einzigen bisher veröffentlichten Romans, lässt sich von Jola aushalten. Und da sind die beiden nun, haben Sven exklusiv für einen festgelegten Zeitraum für ein dringend benötigtes Honorar gebucht, und machen ihm fast von Tag 1 an nur Ärger. Sven, der eigentlich ein zurückgezogenes Leben führt und seit seiner Abkehr aus Deutschland nach dem Credo lebt sich in niemandes Angelegenheiten einzumischen, sondern schön aus allem rauszuhalten, wird durch die Aktionen zwischen Theo und Jola immer tiefer in deren skurriles Beziehungsleben gezogen. Es ergibt sich eine eigenwillige Dreiecksbeziehung.

Sven ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Seine Episoden werden von Tagebucheinträgen Jolas abgelöst. Scheinen sie sich zunächst noch zu ergänzen, weiß der Leser mit Fortschreiten der Geschichte nicht mehr, wem der erzählenden Personen er Glauben schenken soll. Bis zuletzt spann sich in meinen Gedanken die Skepsis beiden gegenüber, gleichzeitig wollte ich beiden glauben.

Ich glaube, ich habe das Buch auch innerhalb von zwei Tagen fertig gelesen, was für mich ziemlich schnell ist. Sehr interessant fand ich die Ruhe der Tauchgänge, die einen Teil von Svens Episoden ausmachen. Es wirkte, als ob man all die Ruhe gesammelt hat, die man in einem spannungsgeladenen Finale auch benötigt. Ich fand die Geschichte wirklich sehr, sehr gut und werde mich neugierig in weitere Lektüren von Juli Zeh vertiefen in der nächsten Zeit!

Veröffentlicht am 21.03.2023

Tick tack, alle zusammen...

Generation Weltuntergang
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Noch so ein Schinken zum Klimaschutz, denkste vielleicht geätzt daher. Fehlanzeige! Stefan Bonner ist mitnichten Klimaforscher, sondern einfach ein studierter Germanist, der im Verlagswesen arbeitet. Anne ...

Noch so ein Schinken zum Klimaschutz, denkste vielleicht geätzt daher. Fehlanzeige! Stefan Bonner ist mitnichten Klimaforscher, sondern einfach ein studierter Germanist, der im Verlagswesen arbeitet. Anne weiß ebenfalls, die hat aber noch Anglistik studiert und darf sich damit rechtschaffend über die Briten lustig machen. Macht sie aber nicht, stattdessen hatte Weiss zusammen mit Bonner vor in alter Tradition nach Büchern wie „Wir Kassettenkinder“, „Generation Doof“ und „Heilige Scheiße“ wieder ein Sachbuch mit viel Humor zu machen. Witzig ist zwar „Generation Weltuntergang“ auch geschrieben, aber das Thema – erkennen die beiden an – ist ernst genug es eigentlich nicht lustig zu finden.

Jedes Unterkapitel beginnt mit einer Denkblase passenden Inhalts von Klimaforschern, Kabarettisten, Politikern oder Weltverbesserern wie Gandhi. Es stimmt immer recht passend, bisweilen aber auch humorfoll in den jeweiligen Abschnitt ein.

Anhand aktueller Wettererscheinungen, ausgelöst durch die Erderwärmung, die in den letzten Jahren auch Deutschland ereilt haben (Hochwasser, Dürren, Überschwemmungen und andere Extreme), rufen die Autoren dem Leser ins Gedächnis, dass der Klimawandel nicht als Gespenst ungreifbar herumgeistert, sondern längst angekommen ist. Weiss und Bonner klären nicht nur auf, was das für uns und unser unmittelbare Umwelt bedeutet, sondern was die Wetterextreme global auslösen, und dass wir aufgrund weltweiter nicht mehr bewohnbarer Lebensräume künftig nicht nur mit Kriegs- oder gar Wirtschaftsflüchtlingen rechnen müssen, sondern Klimaflüchtlinge ein neues ernstzunehmendes Phänomen der kommenden Jahre sein werden.

Die Autoren haben viel recherchiert und zeigen auf, dass es nicht fünf vor zwölf ist, sondern zwei Minuten vor zwölf, und wir als gesammelte Menschheit eigentlich nur noch eine verschwindende Chance haben das Ruder des Point of No Return herumzureißen, weil wir seit den ernstwerdenden Prognosen zum Klimawandel vor einigen Jahrzehnten zu viel wertvolle Zeit verstreichen lassen und zu viel CO2 in die Luft geblasen haben. Die ersten Zusammenhänge zwischen dem CO2-Ausstoß und der Erderwärmung wurden nämlich schon 1938 anhand von ermittelt; 1957 durch den Chemiker Charles David Keeling in einem der bedeutensten Experimente der Menschheit verifiziert.
Es gibt sogar Beispielrechnungen über die tägliche allgemeine Co2-Bilanz, die wir täglich so produzieren, denn mal ehrlich: Wer von uns hat denn ein auch nur annähernd exaktes Bild davon wie hoch unser Anteil an der Erderwärmung ist. Gut, die Verantwortung jedes einzelnen wird dieses Buch sicher nicht ansprechen, aber man bekommt eine ungefähre Idee davon wie groß der eigene Fußabdruck ist.
Bonner und Weiss zeigen auch mögliche Wege aus dem Dilemma auf; einerseits das, was jeder einzelne tun kann, andererseits das, was Aufgabe der Politik sein muss wie diverse Reglementierungen zum Wohle aller auf Kosten aller, damit uns der Planet, auf dem wir leben noch lange erhalten bleibt – denn bis dato haben wir keinen Ersatzplaneten, auf den wir ziehen können, wenn wir unseren komplett ruiniert haben.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Ulkig!

Doktor Miez - Das verschwundene Sumselschaf (Doktor Miez 1)
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Wohlweißlich: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, aber selbst ich saß vor den geöffneten Seiten die meiste Zeit mich weit hochgezogenen Mundwinkeln! Die Charaktere sind allesamt irgendwie herrlich schräg, ...

Wohlweißlich: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, aber selbst ich saß vor den geöffneten Seiten die meiste Zeit mich weit hochgezogenen Mundwinkeln! Die Charaktere sind allesamt irgendwie herrlich schräg, die Geschichte um das verschwundene Sumselschaf wunderbar erheiternd. Dank kartographieähnlichen Illustrationen weiß man auch ganz genau, wo man sich im Orte Sumselau befindet. Meine beiden Nachbarsjungen, die im genau richtigen Alter sind, fanden es sehr ulkig!

Veröffentlicht am 21.03.2023

Für mehr Potenz beim weiblichen Geschlecht

Die potente Frau
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Wer in Svenja Flaßpöhlers „Die potente Frau“ eine klischeetriefende, geschlechtereinseitige Feminismusrede erwartet, wird erfrischenderweise enttäuscht.
Flaßpöhler geht es in diesem kompakten, meinungsangereichertem ...

Wer in Svenja Flaßpöhlers „Die potente Frau“ eine klischeetriefende, geschlechtereinseitige Feminismusrede erwartet, wird erfrischenderweise enttäuscht.
Flaßpöhler geht es in diesem kompakten, meinungsangereichertem Büchlein um Feminismus, vor allem aber darum Selbstbewusstsein und Souveränität an den Tag zu legen.

Flaßpöhler kritisiert die reproduzierte patriarchale Weltanschauung, dass Frauen per se hilflos sind und geschützt werden müssen, ihnen somit jede Selbstständigkeit im Hinblick auf die Durchsetzung der eigenen Sexualität und deren Grenzen abspricht. Gleichzeitig geht ihre Kritik ins Verständnis der Männer durch die Schwammigkeit von #metoo, auf die viele ohne Reflexion aufspringen, gleichermaßen die, die sexuellen Übergriff erdulden mussten wie die, die sich von sexuellen Avancen belästigt sehen und prangert die ausgehebelte Unschuldsvermutung an, die Männer in Fällen auch zu Unrecht ausgesetzt sind, wenn sie medial dem bloßen Verdacht sexueller Übergriffigkeit ohne Prüfung dieses Verdaches unterliegen.

Sie fordert, dass man sich als Frau nicht nur auf die Gesetzeslage zum Schutze verlässt, sondern autonom und nicht über sich ergehend und im Nachhinein bereuend seine sexuelle Selbstbestimmung positioniert. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die eigene Positioniertung und Verantwortung.

Die potente Frau, die Flaßpöhler sich für die künftige Gesellschaft wünscht, ist nicht reaktiv auf die Aktion des Mann wartend, sondern gleich aktiv wie der potente Mann. Flaßpöhler regt an mit dem sozialgesellschaftlichen Bildern von Mann und Frau aufzuräumen. Ihr Plädoyer, weibliche Lust zu leben und nicht passiv zu sein respektive sich auffordern zu lassen die eigene Lust zu aktivieren, weil ein althergebrachtes Rollenbild nach wie vor präsent ist, liest sich in aller Kürze leicht weg und kommt ganz gut als weitere Diskussionsgrundlage daher.

Veröffentlicht am 21.03.2023

日本 (Nihon)

Von Kirschblüten, Kimonos und Kintsugi
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Yutaka Yazawa erläutert in seinem Vorwort, dass es seine japanischen Wurzeln gekoppelt mit seinem jahrelangem Auslandsaufenthalt sind, die ihm die nötige Distanz zur Reflexion der Traditionen und Eigenheiten ...

Yutaka Yazawa erläutert in seinem Vorwort, dass es seine japanischen Wurzeln gekoppelt mit seinem jahrelangem Auslandsaufenthalt sind, die ihm die nötige Distanz zur Reflexion der Traditionen und Eigenheiten Japans geben.

In kurzen Abschnitten, die selten über eine Buchseite hinausgehen, bekommt man einen Einblick über die Regionen der japanischen Inseln, Kultur, Familienleben, Kunst, Freizeitgestaltunge und die Feste des japanischen Jahres. Altertum und Moderne werden gleichwohl thematisiert.
Es bleibt jedoch bei Einblicken, nie geht der jeweilige Text in die Tiefe. Dadurch erfährt man zwar über durchaus viele unterschiedliche Themen, von denen selbst eingeschworene Japan-Begeisterte noch überrascht werden können, man muss sich aber im Klaren darüber sein mit diesem Buch immer nur an der Oberfläche zu kratzen.
Bebildert ist die Lektüre mit Fotografien und Illustrationen.

Ich denke, dass ich selbst über Japan schon eine Menge weiß, dennoch konnte mich das Buch in einiger Hinsicht noch überraschen. Ein wenig enttäuschend war nur die fehlende Tiefe mancher Themen, die dem Untertitel „Die ganze Wahrheit...“ nicht gerecht werden konnte. Für die selbsternannte ganze Wahrheit haben mir da definitiv einige Seiten gefehlt.
Das Buch kann für mich trotzdem bestehen, ich finde es eine herrliche Ergänzung zum eigenen Wissen. Als zu verschenkende Alternative z.B. zu einem Reiseführer Japan für Japan-Fans kann ich mir dieses Buch gut vorstellen, da es auch eine sehr ansprechende, dabei jedoch dezente Aufmachung besitzt.