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Veröffentlicht am 19.02.2023

Lauter schräge Charaktere, schonungslose Ehrlichkeit, großartiger Humor und eine Prise Philosophie

Das Blubbern von Glück
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Das Blubbern von Glück ist im Kern die Geschichte von Candice Phee, wie sie die Welt um sich herum ein wenig zufriedener macht.
Candice hat einen bewundernswert positiven Blick auf die Welt um sich herum, ...

Das Blubbern von Glück ist im Kern die Geschichte von Candice Phee, wie sie die Welt um sich herum ein wenig zufriedener macht.
Candice hat einen bewundernswert positiven Blick auf die Welt um sich herum, obwohl sie allen Grund hätte es anders zu sehen; sie hat keine Freunde, ihre Familie droht durch den jahrelang zurückliegenden Tod von Candices kleiner Schwester zu zerbrechen, das Verhältnis von Vater und Onkel ist von Hass geprägt. Dafür ist sie in der Schule gut und sie liebt es neue Wörter zu verwenden, die sie aus ihrem Lieblingsbuch (dem Wörterbuch) gelernt hat.
Sie entwickelt Pläne ihre Familie wieder glücklich zu machen, Vater und Onkel wieder miteinander zu versöhnen. Ihrer Lieblingslehrerin mit diesem einen nervös zuckendem Auge bietet sie eine unkonventionelle Lösung dar, und sie versucht ihrem Freund Douglas Benson aus einer anderen Dimension wieder in die richtige Parallelwelt zu verhelfen.

Besondere Highlights, die das Buch für mich so besonders gemacht haben:
- Candice hat einen Freund aus einer anderen Dimension, mit dem sie religiöse Fragen ihren Goldfisch betreffend erörtert.
- Der reiche Onkel Brian wird von der Protagonistin in direkter Rede auch stets genau so angesprochen, „reicher Onkel Brian“.
- Ihre praktikablen Lösungen für ihre Mitmenschen sorgen nicht nur innerhalb der Geschichte für Lacher; in meiner Umgebung erntete ich für mein überschwängliches Kichern über Candices Genialität mehr als einmal verdutzte Blicke!
- Candice schafft es das Gute in ihren Mitmenschen zu sehen, die sie vermeintlich total hassen, und sich sogar mit ihnen anzufreunden.
- Sie gibt nicht auf ihrer Brieffreundin zu schreiben, obwohl sie nie eine Antwort erhält
- Die Geschichte um Candice vereint schonungslose Ehrlichkeit, verpackt in großartigen Humor mit einer Prise Philosophie

Innerhalb der Story wird der Verdacht geäußert, dass Candice möglicherweise Autistin ist, und auch wenn mir kurz der Gedanke kam, habe ich ihn direkt verworfen, da Candice trotz ihrer Direktheit und Ehrlichkeit viel zu empathisch ist und sich um die Gefühle ihrer Mitmenschen schert, als dass sie Autistin sein könnte. Candice ist nicht in eine Schublade zu sortieren, und es würde nichts ändern, wenn man es versuchte. Jeder, der schräge und liebenswerte Charaktere mag, sollte die Bekanntschaft mit Candice Phee machen!

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Das Buch war gut, aber... zu kurz!

Opi Kas, die Zimtziegen und ich
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Twan und Linde werden von ihrer Mutter und ihrer Großmutter mit auf die Reise nach Island genommen. Die älteren Frauen wollen alles bereitmachen, um den mittlerweile 90-jährigen, altersschwachen (Ur-)Opi ...

Twan und Linde werden von ihrer Mutter und ihrer Großmutter mit auf die Reise nach Island genommen. Die älteren Frauen wollen alles bereitmachen, um den mittlerweile 90-jährigen, altersschwachen (Ur-)Opi Kas nach Hause in die Niederlande zu holen, wo er den Rest seiner Tage beaufsichtigt in einem Altersheim verbringen soll. Opi Kas ist für Twan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, und Linde ein Fremder, denn zuletzt sahen sie ihn, als sie etwa drei Jahre alt waren.
Zu allem Überfluss wird Twan auch noch mit dem fremden Opi Kas in ein Zimmer des sehr beengten Hauses verfrachtet, da Linde gerade ihre erste Periode bekommen hat und ausschließlich mit den Frauen in ein „Mädchenzimmer“ möchte, so dass Twans Mutter entscheidet, dass den männlichen Familienmitgliedern nur das „Jungszimmer“ bleibt.
Es ist gerade Winter im Dorf, und Wind sowie Schneestürme zwingen die Familie stunden- und tagelang innerhalb des Hauses aufeinanderzuhocken. Twan liest Opi Kas aus einem Survival-Buch vor, das er sich für die Reise mitgenommen hat. In der Zweisamkeit des engen Jungenzimmers lernen sich Opa und Enkel kennen, und Opi Kas offenbart, dass er genau weiß, was die Frauen vorhaben. Sein Leben lang ein Fischer gewesen und überall in der Welt zu Hause (nur nicht Zuhause), will er sich die Freiheit nicht nehmen lassen auf seine letzten Tage. Er offenbart Twan, dass er vorhat zu verschwinden, und er bittet Twan ihm zu helfen, da er einige wichtige Utensilien auf dem Dachboden hat, die er für seinen Abgang braucht, jedoch alleine nicht mehr dort oben hinkommt. Zögerlich stimmt Twan zu und weiht seine Schwester ein, und die Geschwister wägen ab, was sie tun sollen. Twan, der gerade erlebt wie es ist, wenn Entscheidungen über den eigenen Kopf hinweg entschieden werden, kann den Freiheitsdrang des Opas gut nachvollziehen. Die Geschwister finden es einerseits nicht richtig, dass die Frauen dem alten Mann vorschreiben wie er den Rest seines Lebens zu verbringen hat, andererseits haben sie Bedenken, den gebrechlichen Opi seinen Plan ausführen zu lassen und ihn ziehen zu lassen. Letztlich entscheiden sie nach ihrem Gewissen.

Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch etwas länger gewesen wäre. Opi Kas schafft es zwar auf den ersten Seiten bereits sehr liebenswert zu erscheinen, ich wollte mich von den Jungs Twan und Opi Kas jedoch nicht so schnell wieder verabschieden.

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Gemeinsam anders sein

Unendlich mal unendlich mal mehr
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Petra ist ein ungewöhnliches Mädchen. Sie liebt gerade Zahlen, kann die ungeraden aber nicht leiden. Beim Fußball schießt sie daher immer eine gerade Anzahl von Toren. Sie geht niemals über Gullydeckel, ...

Petra ist ein ungewöhnliches Mädchen. Sie liebt gerade Zahlen, kann die ungeraden aber nicht leiden. Beim Fußball schießt sie daher immer eine gerade Anzahl von Toren. Sie geht niemals über Gullydeckel, denn die bringen Unglück. Und wenn sie nach Hause kommt, müssen die Schuhe gerade aufgestellt sein, ohne sich zu berühren.

Aber auch Petras Umgebung ist alles andere als gewöhnlich. Ihr bester Freund Chris stottert und ist manchmal ein wenig jähzornig. Ihre beste Freundin Melika sprach kein Wort Norwegisch, als die beiden Mädchen sich das erste Mal begegneten, weil Melika ein Flüchtlingskind ist. Melika offenbart Petra auch, dass sie einen Bruder hat, der heimatlos immernoch versucht wieder zu seiner Familie zu finden. Sie ist deshalb zunehmend unglücklich, da sie Postkarten bekommt, die von seinem Scheitern berichten nach Norwegen durchzudringen.

Der Schulpsychologe versucht sie mit dem Unperfekten zu versöhnen; nachdem Petra im Unterricht beim Betrachten der Zahl Pi mit ihren vielen Nachkommastellen so schlecht geworden ist, dass sie sich übergeben musste, bittet er sie während ihres ersten Gesprächs, die Kommastellen auswendig zu lernen. Er legt ihr auch nahe im Schwimmbad schwimmen zu gehen, denn Petra ist früher einmal ins Eis eingebrochen und wäre sicher ertrunken, hätte ihr bester Freund sie nicht gerettet. Seitdem fürchtet sie sich vor Wasser, diesem unberechenbaren Element. Der Schulpsychologe und sie einigen sich darauf, dass Petra ja erstmal von der Tribüne aus den Schwimmenden zugucken kann.
Dort sieht sie erstmals den Propellerjungen, der schwimmt und unter Wasser zu zählen scheint. Er fällt ihr sofort auf, und ihr Innerstes wird so kribbelig wie Brausepulver in seiner Gegenwart. Mit ihm vergisst sie so manche ihrer wichtigen Routinen, aber manches darf man nicht vernachlässigen, und Petra entwickelt einen Plan ihre Versäumnisse zu korrigieren.

Die Worte dieser Geschichte sind einfach gehalten, die Sätze knapp. Komplexitäten hat die Autorin in bildliche Sprache verwandelt, welche Petra als Protagonistin feinfühlig dem Leser preisgibt. Die ganze Geschichte ist schwer einzuordnen, aber vielleicht geht es auch genau darum, ebendies nicht zu tun. Man kann interpretieren, man kann es aber auch so stehen lassen. Für mich ist dieses Buch eine Geschichte vom gemeinsamen Anderssein.

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Füchse bringen Glück

Renn, Senna, renn
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„Renn, Senna, renn“ ist mehr als die Geschichte eines Mädchens, das seine Schwester verloren hat. Traurig, hoffnungsvoll, märchenhaft und tröstlich sind die Attribute, die mir als erstes einfallen, wenn ...

„Renn, Senna, renn“ ist mehr als die Geschichte eines Mädchens, das seine Schwester verloren hat. Traurig, hoffnungsvoll, märchenhaft und tröstlich sind die Attribute, die mir als erstes einfallen, wenn ich an die Geschichte denke.
Sylvie und Jules lieben sich sehr, umso mehr, da die Familie nur noch aus dem Vater und den beiden Mädchen besteht, nachdem die Mutter sehr plötzlich verstorben ist, als die Mädchen noch ganz klein waren. Jules, die Protagonistin des Buches, kann sich an ihre Mutter kaum noch erinnern, anders als ihre ältere Schwester Sylvie. Manchmal fühlt Jules sich daher von Vater und Schwester ausgeschlossen, wenn über Erinnerungen an die Mutter gesprochen wird. Das Gefühl des Ausschlusses verstärkt sich für die jüngere Schwester noch mehr, wenn Sylvie ihr wieder einmal den Rücken zukehrt und rennt. Sylvie kann sehr, sehr schnell rennen. Damit nicht genug, hat Sylvie den Wunsch, noch schneller und immer schneller zu rennen. Auf Nachfragen von Jules, warum Sylvie denn eigentlich immer noch schneller laufen möchte, bekommt Jules nie wirklich eine Antwort. Sylvie wünscht es sich einfach und läuft bei vielen Gelegenheiten einfach los. Wünsche sind in diesem Buch ein großes Thema; die Gemeinde, in welcher die Kinder leben, hat die Tradition Wünsche auf Steine zu schreiben und diese dann in den Fluss zu werfen, der durch das große Waldgebiet fließt, wo die Wünsche dann – fest genug daran geglaubt – in Erfüllung gehen sollen. Der Wald beherbergt jedoch auch eine Gefahr, den so genannten „Slip“; dieser ist eine Art Unterbrechung des Flusses, der durch eine Gesteinsverschiebung reißend unterirdisch weiter fließt, bevor er eine Weile später wieder oberirdisch aus dem Boden tritt. Die Eltern der Kinder in der Umgebung dieses gefährlichen Teil des Flusses schärfen ihnen ein sich um gar keinen Preis dem Slip zu nähern. Natürlich waren, ohne das Wissen der Eltern, die Kinder schon häufig an dieser Flussstelle.
Eines Morgens, nachdem Jules und Sylvie Schneefiguren gebaut haben, rennt die ältere Schwester wieder einmal los und lässt Jules zurück. Diesmal kommt sie nicht wieder, und so müssen Jules und ihr Vater mit dem Verlust der Schwester leben. Eine Weile nach dem Verschwinden der Schwester taucht jedoch ein Fuchs auf, der Jules sofort auffällt, weil Füchse Glück bringen sollen. Mithilfe des Fuchses ist Jules in der Lage ihre verschwundene Schwester besser zu verstehen, und die größten Wünsche der beiden Schwestern gehen in Erfüllung.

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Sei frech, wild und wunderbar!

Wild und wunderbar (1). Zwei Freundinnen gegen den Rest der Welt
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Linn könnte eigentlich happy sein: Sie hat eine tolle Stimme und würde gerne singen, in der Schule bekommt sie gute Noten und sie hat einen total coolen Bruder. Aber sie wird für die falschen Gründe gehasst: ...

Linn könnte eigentlich happy sein: Sie hat eine tolle Stimme und würde gerne singen, in der Schule bekommt sie gute Noten und sie hat einen total coolen Bruder. Aber sie wird für die falschen Gründe gehasst: In der Schule wird sie von drei fiesen Mädchen gemobbt, weil sie das Lehrerinnenkind des säuerlichen Schuldrachen ist, ihre Klamotten sind voll langweilig, ihre seit dem Tod des Vaters laufend mürrische Mutter schimpft ständig und verbietet ihr Gesangsunterricht, und sie hat keine einzige Freundin. Eigentlich versucht Linn ihren Alltag nur noch zu überleben.
Dann jedoch verlässt die hippe Nachbarin für einige Monate das Land für eine Reise, und ein zieht deren Nichte mit dem Spitznamen Shark, die fortan alleine in dem Haus wohnt, was Linn direkt mal sehr cool findet. Überhaupt ist alles an Shark cool, angefangen von ihren bunten Leggins, ihrer karierten Haarsträhne auf dem Wuschelkopf, wie sie mit den Lehrern redet und ihr bewundernswerter Mut. Shark tut nämlich, was Linn sich nicht traut – sie schlägt die drei gemeinen Mädels in die Flucht, als diese einmal wieder Linn ärgern. Shark und Linn werden Freundinnen, und mit der Zeit färbt etwas von Sharks Mut auf Linn ab. Die beiden Freundinnen entwickeln Pläne wie die Verkuppelung mit Linns Mama oder Revanchen für ihre Peiniger. Bei einer Schulveranstaltung hofft sie zeigen zu können, was in ihr steckt. Mit der Zeit sieht sie, dass es für alle Gründe Ursachen gibt und erkennt zudem, dass auch starke und bisweilen strenge Menschen ihre wunden Momente haben und sich anlehnen müssen.

Ilona Einwohlt hat es sich zur Aufgabe gemacht Bücher für Mädchen zu schreiben, die Mut machen sollen. Mit "Wild und wunderbar" ist ihr dies gelungen, obwohl man sich natürlich fragen muss, ob die Rache an ihren Mobbern der richtige Weg ist. Mit diesem Buch zeichnet sie jedoch eine Geschichte, die dazu anregt für sich einzustehen.
Ich freue mich auf den nächsten Band, der im Januar 2019 rauskommen soll!

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